{"id":19890,"date":"2013-11-12T15:55:57","date_gmt":"2013-11-12T15:55:57","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19890"},"modified":"2013-11-12T15:55:57","modified_gmt":"2013-11-12T15:55:57","slug":"sexy-kurbelwelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19890","title":{"rendered":"Sexy Kurbelwelle"},"content":{"rendered":"<p>Das Motorrad knackt die 200-PS-Marke, die elektronische Hochr\u00fcstung schreitet voran. Aber die Gegenbewegung wird st\u00e4rker: Zur\u00fcck zu den Wurzeln. Ein Bericht von der Messe Eicma.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Es ist eine turbulente Glitzerwelt, so eine Roller- und Motorradmesse im Land der Ducatisti, Vespisti, Guzzisti. Schon am Tag vor dem offiziellen Beginn, der eigentlich Presse und Fachbesuchern vorbehalten ist, tummeln sich Schaulustige in Scharen in den Mail\u00e4nder Hallen. Wei\u00df der Totti, wie die alle da reinkommen. Es wird geknipst wie der Teufel, die Kost\u00fcmierung der Models, angenehme Begleiterscheinung aller neuen Modelle, ist von ausgesuchter Eleganz und Knappheit. Stil und Sexappeal haben auf der Eicma den gleichen Stellenwert wie Einspritzd\u00fcse und Auspuffklappe.<\/p>\n<p>Hier findet Geh\u00f6r, wer mit der \u201emost sexy\u201c Kurbelwelle prahlt. Ducati nimmt diesen wichtigen Superlativ f\u00fcr seine 1199 Superleggera in Anspruch. Das ist ein gut 200 PS starkes Leichtbau-Wunder mit den Eckdaten eines WM-Renners, limitiert auf 500 St\u00fcck, Kostenpunkt 65000 Euro. Verkauft sich so etwas? Durchaus. 90 Prozent seien schon weg, l\u00e4sst Ducati wissen.<\/p>\n<p>Auch der Preis der neuen Monster 1200 ist stattlich, wenngleich volkst\u00fcmlicher: 13795 Euro, S-Version gut 16000 Euro. \u00dcber dieses f\u00fcr Ducati so wichtige Modell haben wir schon in unserer Eicma-Vorschau vor einer Woche berichtet. Neuheiten von Honda, Triumph, KTM, Suzuki (erste Fahreindr\u00fccke der Reiseenduro V-Strom 1000 in K\u00fcrze), waren ebenfalls schon im Blatt, aus Platzgr\u00fcnden gehen wir nicht noch einmal darauf ein. Denn es wimmelte auf der Eicma von weiteren Neuvorstellungen.<\/p>\n<h2>Invasion von der Wega<\/h2>\n<p>Frische Ware \u2013 das ist das Mittel, um in schwierigen Zeiten zu bestehen. Die M\u00e4rkte S\u00fcdeuropas sind eingebrochen, die Branche steht unter Druck, aber sie macht Dampf. Man kann etwas bewegen, selbst als Zwerg unter Riesen, wie MV Agusta mit seiner erstaunlichen Modelloffensive beweist. Nun pr\u00e4sentiert das vom Racing gepr\u00e4gte Unternehmen Ungeheuerliches: eine MV mit Laderaum! Die Turismo Veloce 800, erster Sporttourer aus Varese, ist ein Koffertr\u00e4ger der dynamischen Sorte geworden, mit 125-PS-Dreizylinder sowie allen erdenklichen elektronischen Zutaten und Spielereien: ABS, Traktionskontrolle, diverse Fahrprogramme, LED-Beleuchtung, TFT-Farbdisplay im Cockpit. Ein Bluetooth-Modul macht das Motorrad zum \u201eRouter\u201c f\u00fcr Smartphone und funkenden Helm. Die Luxus-Version der Turismo Veloce wird ein adaptives Elektronik-Fahrwerk aufweisen. Der Bordcomputer speichert mit GPS-Unterst\u00fctzung alle m\u00f6glichen Motor- und Fahrdaten, die sich via Apps auf dem Tablet oder Smartphone anzeigen und im Internet austauschen lassen. Das Handy wiederum kann als Fernbedienung f\u00fcr Einstellungen am Fahrzeug genutzt werden.<\/p>\n<p><!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Sch\u00f6ne neue Motorradwelt. Die elektronische Hochr\u00fcstung nimmt Ausma\u00dfe an. Nicht zuletzt ist sie ein Mittel, exorbitante Motorleistungen beherrschbar zu halten. Die KTM 1290 Super Duke R hat keinen Windschutz, wenig Gewicht, aber 180 PS und ein Arsenal von Regelsystemen, damit das Hinterrad nicht macht, was es will. Kawasaki treibt mit seiner Z 1000 der n\u00e4chsten Generation (ab 12195 Euro), deren Reihenvierzylinder 142 PS (105 kW) anschaufelt, aggressives Design auf die Spitze: Kopf runter, Hintern hoch und ein Blick, der keinen Zweifel daran l\u00e4sst, dass die Invasion von der Wega begonnen hat. Doch sie wird sich angenehm bewegen lassen, wie eine Sitzprobe vermuten l\u00e4sst.<\/p>\n<h2>Preise an der Schmerzgrenze<\/h2>\n<p>BMW benutzt f\u00fcr dieses Marktsegment der sp\u00e4rlich bekleideten Kraft\u00fcberschussr\u00e4der die Bezeichnung \u201eDynamic Roadster\u201c. Die S 1000 R ist ein gl\u00fchendes Eisen mit schiefem, leicht wirrem Blick. Den ist man von BMW gew\u00f6hnt, ein Markenzeichen mittlerweile, aber so schr\u00e4g und zugleich so grimmig hat noch keine Maschine aus dem wei\u00df-blauen Imperium geguckt. Dass diese Variante des Supersportlers S 1000 RR kommen w\u00fcrde, war klar, jetzt steht sie da und l\u00e4sst einen vor Ehrfurcht leicht erschauern. Zu welchem Preis sie angeboten wird, ist eine \u00dcberraschung: 1.2800 Euro, f\u00fcr BMW-Verh\u00e4ltnisse geradezu ein Kampftarif. Stabilit\u00e4tskontrolle, Race-ABS und zwei Fahrmodi sind standardm\u00e4\u00dfig an Bord, ein semiaktives Fahrwerk gibt es gegen Aufgeld. Der von der Doppel-R gespendete Reihenvierzylinder wurde modifiziert und auf Alltag und Allround abgestimmt: Spitzenleistung von 193 PS (142 kW) auf immer noch gewaltige 160 PS gekappt, Drehzahlkeller besser gef\u00fcllt. Nur 209 Kilo soll das Fahrzeuggewicht mit vollem Tank betragen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber kann der Chauffeur einer R 1200 RT nur l\u00e4cheln. Der 275-Kilo-Reisedampfer bekommt den neuen Zweizylinder-Boxer mit Luft-\/Wasserk\u00fchlung, der in der Reiseenduro GS deb\u00fctierte und quer durch die Modellpalette das etwas schw\u00e4chere luft-\/\u00f6lgek\u00fchlte Boxer-Aggregat abl\u00f6st. F\u00fcr den Einsatz in der RT erh\u00f6hten die BMW-Ingenieure zum Zwecke eines komfortableren Laufs die Schwungmassen, das Triebwerk leistet 125 PS (92 kW) bei 7750\/min und schiebt mit bis zu 125 Nm an. Die markentypischen elektronischen Helferlein sind vollz\u00e4hlig versammelt, zudem unterst\u00fctzt der Luxus-Boxer den Fahrer mit einer Berganfahrhilfe. Mindestens 16990 Euro sind f\u00fcr die RT anzulegen. Glatte 15.000 Euro wird, wie bekannt wurde, der <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/bmw-elektroroller-c-evolution-die-sache-kommt-ins-schnurren-11837730.html\">Elektroroller C evolution<\/a> kosten. Oha. Ob das noch unterhalb der Schmerzgrenze m\u00f6glicher Kunden liegt, wird sich zur Markteinf\u00fchrung im Fr\u00fchjahr zeigen.<\/p>\n<h2>Ein lebendes Fossil ist der heimliche Star<\/h2>\n<p>Es gibt zu Hochvolt, H\u00f6chstleistung und Vollausstattung eine Gegenbewegung der R\u00fcckbesinnung auf das Einfache, der Reduzierung aufs N\u00f6tigste. Wie stark die Zur\u00fcck-zu den-Wurzeln-Welle inzwischen ist, zeigte die Messe von Mailand. R\u00fcckgriffe auf die Vergangenheit geh\u00f6ren zum Repertoire fast jedes Herstellers, und das gro\u00dfe Thema \u201eCustomizing\u201c \u2013 Umbauen nach pers\u00f6nlichem Geschmack \u2013 hat die Industrie reihum erfasst. Alldem widmet sich nun auch Yamaha, wo die Krisenlethargie vergangener Jahre in einen Wirbel der Erneuerung umgeschlagen ist.<\/p>\n<p>Yamaha kommt zur n\u00e4chsten Saison mit dem leichten, rassigen, vermutlich sehr g\u00fcnstigen Zweizylinder-Allrounder MT-07 (689 Kubikzentimeter, 75 PS). Dabei handelt es sich um eine kleinere Schwester der Dreizylinder-Maschine MT-09, von der wiederum eine Variante im Supermoto-Stil nachgereicht wird. Stark aufgewertet geht die gro\u00dfe Reiseenduro XT 1200 Z Super T\u00e9n\u00e9r\u00e9 ins Modelljahr \u201914, so dass sie im Wettbewerb mit BMW GS und Konsorten nun endlich ihre wahres Potential aussch\u00f6pfen k\u00f6nnte. Mit der XVS 1300 Custom schicken die Japaner einen l\u00e4ssigen Cruiser auf die Stra\u00dfe. Aufsehenerregend ist die Studie eines Dreiradrollers namens Tricity: Im Unterschied zu den Dreir\u00e4dern von Piaggio oder Peugeot soll dieses Stadtvehikel mit 125-Kubik-Motor sehr kompakt und wendig ausfallen, nur etwa 150 Kilo wiegen und weniger als 4000 Euro kosten. Das Serienfahrzeug ist f\u00fcr Sommer 2014 angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Heimlicher Star am Yamaha-Stand war die SR 400, ein lebendes Fossil. Gereifte deutsche Motorradfahrer haben noch die SR 500 (kam 1978) in Erinnerung. In Japan wird sie \u2013 passend zu dortigen F\u00fchrerscheinbestimmungen \u2013 als 400er noch heute verkauft. Nun kehrt der Einzylinder-Methusalem mit 23 PS zu uns zur\u00fcck, praktisch unver\u00e4ndert (Einspritzung statt Vergaser, Katalysator), f\u00fcr etwa 6000 Euro. Kickstarter, Benzinhahn, mechanischer Tacho, Trommelbremse hinten \u2013 das ist Motorradgef\u00fchl wie fr\u00fcher. Yamaha preist die SR 400 als Basis f\u00fcr Umbauprojekte zum Caf\u00e9 Racer, Scrambler oder Bobber und plant, entsprechende Teile zu entwickeln und im Set anzubieten.<\/p>\n<h2>Sehen, h\u00f6ren und f\u00fchlen<\/h2>\n<p>Auch im Scootermarkt macht sich das \u201eCustomizing\u201c ab Werk breit, Peugeot enth\u00fcllte in Mailand einen herzzerrei\u00dfend h\u00fcbschen Nostalgie-Roller namens Django mit Motorisierungen von 50 bis 150 Kubikzentimeter Hubraum. Der Clou: Vier Versionen werden angeboten, verschiedene R\u00e4der, Reifen, Sitze, Windschutzscheiben, Lampen, Gep\u00e4ckhalter, Lackierungen ergeben ganz unterschiedliche Charaktere. Im Zubeh\u00f6rprogramm finden sich Zutaten f\u00fcr die weitere \u201eIndividualisierung\u201c.<\/p>\n<p>Ein r\u00e4tselhaftes Bild gibt momentan der Piaggio-Konzern ab. Nichts Neues von den Marken Aprilia, Moto Guzzi, Gilera und Piaggio, Demonstration kurzarbeitender Aprilia-Werker am Messegel\u00e4nde. Auf der anderen Seite der Glanz Vespas: Das Nachfolgemodell des Umsatzbringers LX ist, was auch sonst, eine rollende Skulptur aus Pressstahl, die den alten Namen Primavera mit W\u00fcrde tr\u00e4gt. Im Design finden sich Spuren der teuren Nobel-Vespa 946 (F.A.Z. vom 5. November). Vier Motor-Varianten (50 bis 150 Kubik) gibt es und dazu das Versprechen einer verbesserten Federung und weiteren technischen Fortschritts. Die Primavera (Fr\u00fchling), die wir voraussichtlich n\u00e4chsten Dienstag im Fahrtbericht beschreiben, wird ein Erfolg. Alles andere ist undenkbar.<\/p>\n<p>Womit wir zu Harley-Davidson kommen. Milwaukee macht das f\u00fcr manch einen seiner Verehrer Undenkbare wahr: Produktion der neuen Baureihe namens Street in Indien, jedenfalls f\u00fcr alle M\u00e4rkte au\u00dferhalb der Vereinigten Staaten. Und: 60-Grad-V-Zweizylinder mit 500 und 750 Kubik nicht luft-, sondern wassergek\u00fchlt. Nur die 750er wird, fr\u00fchestens im Herbst 2014, nach Deutschland kommen. Amerika, S\u00fcdeuropa und Indien werden vorher bedient. Der Weltmarkt ist das Ziel, junge Erwachsene mit \u201eurbanem Lebensstil\u201c will das Unternehmen mit diesem Typ ansprechen, der f\u00fcr eine Harley au\u00dfergew\u00f6hnlich wendig, gut gefedert, relativ leicht sein soll sowie preiswerter als das bisher g\u00fcnstigste Modell, die Sportster 883 f\u00fcr mindestens 9375 Euro. Die Motor Company verspricht: trotzdem waschechte Harleys, was \u201elook, sound and feel\u201c betrifft. Man wird sehen, h\u00f6ren und f\u00fchlen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/zweiradmesse-eicma-sexy-kurbelwelle-12657286.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/zweiradmesse-eicma-sexy-kurbelwelle-12657286.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Motorrad knackt die 200-PS-Marke, die elektronische Hochr\u00fcstung schreitet voran. Aber die Gegenbewegung wird st\u00e4rker: Zur\u00fcck zu den Wurzeln. 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