{"id":19850,"date":"2013-11-13T15:55:28","date_gmt":"2013-11-13T15:55:28","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19850"},"modified":"2013-11-13T15:55:28","modified_gmt":"2013-11-13T15:55:28","slug":"gefragt-und-ignoriert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19850","title":{"rendered":"Gefragt und ignoriert"},"content":{"rendered":"<p>An diesem Mittwoch stellen die \u00d6konomen des Sachverst\u00e4ndigenrats ihr j\u00e4hrliches Gutachten vor. Ihr Vorsitzender, Christoph Schmidt, trifft mit seinen Mahnungen gegen eine r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Wirtschaftspolitik auf taube Ohren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Es ist eine schwierige politische Umbruchzeit, in die der Sachverst\u00e4ndigenrat mit seinem Gutachten hineinst\u00f6\u00dft. Die amtierende Regierung hat nur noch eine kurze Restlaufzeit, die FDP ist aus dem Parlament rausgeflogen. Was Union und SPD in den Koalitionsverhandlungen besprechen, alarmiert die \u00d6konomen des Sachverst\u00e4ndigenrats. <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftspolitik\/koalitionsverhandlungen-wirtschaftsweise-warnen-vor-rueckwaertsgewandter-politik-12660882.html\">\u201eGegen eine r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Wirtschaftspolitik\u201c <\/a>haben sie ihr diesj\u00e4hriges Gutachten betitelt, das an diesem Mittwoch vorgestellt wird. Doch die \u201ef\u00fcnf Wirtschaftsweisen\u201c sto\u00dfen mit ihren Vorschl\u00e4gen und Mahnungen derzeit auf taube Ohren.<\/p>\n<p>Ihre Weisheit ist nicht wirklich gefragt. Beispiel Mindestlohn: Der Rat warnt vor einer zu hohen Lohnuntergrenze, die neue Koalition ist sich aber schon so gut wie einig. Beispiel Rentenleistungen. Der Rat sorgt sich um die Finanzierung, die Politik will Geschenke verteilen. Und das Megathema Energiewende: Die Politik dreht allenfalls an einigen Schrauben bei der \u00d6kostromsubventionierung, der Rat fordert einen Systemwechsel: weg von der Energie-Planwirtschaft, hin zu mehr marktwirtschaftlichen Elementen, um den Anstieg der Kosten zu d\u00e4mpfen.<\/p>\n<h2>F\u00fcr eine offene Einwanderungspolitik<\/h2>\n<p>Christoph Schmidt, der vor einem halben Jahr den Vorsitz der Wirtschaftsweisen \u00fcbernommen hat, wird wohl keine strahlende Kanzlerin erleben, wenn er ihr am Mittwoch das Jahresgutachten \u00fcberreicht. Im Hauptberuf ist der 51-j\u00e4hrige Volkswirt Pr\u00e4sident des Rheinisch-Westf\u00e4lischen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. Der breiteren \u00d6ffentlichkeit ist er noch immer wenig bekannt. Eher noch kennt man Peter Bofinger, der auf Vorschlag der Gewerkschaften benannt wurde und im Rat seit neun Jahren eine keynesianische Linie vertritt. Die weiteren Mitglieder sind der Finanzwissenschaftler Lars Feld, der sich als Ordnungspolitiker profiliert, die Expertin f\u00fcr Finanzregulierung Claudia Buch und der Geldpolitikfachmann Volker Wieland.<\/p>\n<p>Schmidt ist kein Mann markiger Worte, sondern agiert eher hinter den Kulissen. F\u00fcr ihn ist die Arbeit nicht damit getan, den Regierungsmitgliedern das Gutachten in die H\u00e4nde zu dr\u00fccken. Er tourt danach durch die Ministerien und diskutiert das Gutachten mit ranghohen Beamten. Seine wissenschaftliche Spezialit\u00e4t als \u00d6konometriker ist es, Datens\u00e4tze mit statistisch-mathematischen Methoden so zu bearbeiten, dass daraus Erkenntnisse \u00fcber Kausalbeziehungen gezogen werden k\u00f6nnen. Mit den neuen Methoden habe es eine \u201eGlaubw\u00fcrdigkeitsrevolution\u201c gegeben, sagen die \u00d6konometriker.<\/p>\n<p>Geboren wurde Schmidt 1962 als Sohn eines Medizinprofessors, der damals in der australischen Hauptstadt Canberra lehrte. Im Volkswirtschaftsstudium an der Universit\u00e4t Mannheim bei Heinz K\u00f6nig erlernte er das statistisch-mathematische R\u00fcstzeug. Es folgte ein Aufenthalt an der Princeton University, wo er seinen Doktortitel erwarb. Danach arbeitete er in M\u00fcnchen an seiner Habilitation \u00fcber das Thema, wie sich Einwanderung auf die Einkommensverteilung auswirkt. Schmidt ist tendenziell f\u00fcr eine offene Einwanderungspolitik. Als vor drei Jahren das vieldiskutierte einwanderungskritische Buch Thilo Sarrazins erschien, griff Schmidt den damaligen Bundesbank-Vorstand als \u201eRassisten\u201c scharf an.<\/p>\n<h2>\u201eEr ist ein Arbeitstier\u201c<\/h2>\n<p>Als Arbeitsmarkt\u00f6konom bleibt er bei der Warnung vor einem staatlichen Mindestlohn. Inzwischen hat er die ganz harte Ablehnung aufgegeben. \u201eWas ist der optimale Mindestlohn?\u201c, fragte das j\u00fcngste RWI-Positionspapier \u2013 und antwortete: \u201eSo hoch wie m\u00f6glich, so niedrig wie n\u00f6tig\u201c. Mit 8,50 Euro jedenfalls l\u00e4ge ein Mindestlohn in einem kritischen Bereich, weil er Besch\u00e4ftigungschancen von Geringqualifizierten, Jungen und Problemgruppen vernichte. \u201eMit 7,00 Euro pro Stunde w\u00fcrde ein mittlerer Rang im Vergleich der OECD-L\u00e4nder belegt. H\u00f6her sollte man keinesfalls beginnen\u201c, ist die RWI-Position. Neben der Arbeitsmarkt- und der Energiepolitik hat sich Schmidt in den vergangenen Jahren mit der Wohlstandsmessung besch\u00e4ftigt und in der Enquetekommission des Bundestages dazu mitgearbeitet.<\/p>\n<p>Seit 2002 leitet Schmidt das RWI in Essen, eines der mittelgro\u00dfen Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland mit rund 90 Mitarbeitern. Damals stand es auf der Kippe. \u201eDas RWI war, bevor Schmidt es \u00fcbernommen hat, einer der Todeskandidaten unter den Forschungsinstituten\u201c, erinnert sich RWI-Vizepr\u00e4sident Thomas Bauer. Schmidt gelang es, das Institut radikal umzubauen und zu modernisieren. Dabei schont er sich nicht. \u201eEr ist ein Arbeitstier und ein absoluter Teamplayer\u201c, sagt ein Mitarbeiter. Wenn es sein m\u00fcsse, studiert und schreibt er die Nacht durch.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftspolitik\/wirtschaftsweiser-christoph-schmidt-gefragt-und-ignoriert-12661292.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftspolitik\/wirtschaftsweiser-christoph-schmidt-gefragt-und-ignoriert-12661292.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An diesem Mittwoch stellen die \u00d6konomen des Sachverst\u00e4ndigenrats ihr j\u00e4hrliches Gutachten vor. 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