{"id":19806,"date":"2013-11-10T14:31:09","date_gmt":"2013-11-10T14:31:09","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19806"},"modified":"2013-11-10T14:31:09","modified_gmt":"2013-11-10T14:31:09","slug":"40-jahre-linke-spur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19806","title":{"rendered":"40 Jahre linke Spur"},"content":{"rendered":"<p>Mit der j\u00fcngsten Auflage hat Porsche die Perfektion des 911 Turbo abermals in neue H\u00f6hen getrieben. Ein Ur-Turbo von 1976 wirkt dagegen fast wie ein Spielzeug \u2013 ein liebenswertes, freilich.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Auf dem Papier sind die Rollen klar verteilt. Der neue Turbo, der in diesen Tagen auf den Markt gekommen ist, hat in seiner \u201eS\u201c-Version 560 PS, er f\u00e4hrt in der Spitze gut 300 km\/h und l\u00e4sst sich in drei Sekunden von 0 auf 100 km\/h katapultieren. Ein Turbo aus der allerersten Serie (1973 bis 1977) bietet 260 PS, die Spitze liegt bei 250 km\/h, von 0 auf 100 km\/h braucht er doppelt so lang, sechs Sekunden. So weit die Theorie.<\/p>\n<p>Ein sch\u00f6ner Herbsttag, kleine Stra\u00dfen rund um das Porsche-Entwicklungszentrum Weissach rufen die Elfer. Mit Freude st\u00fcrzen sich Fahrer und Gef\u00e4hrt in die Kurven. Das Auto, das mehr fasziniert, ist der alte Turbo. Ihn gaben wir ungern zur\u00fcck in die H\u00e4nde des Porsche-Museums, dessen H\u00fcter das wertvolle Sch\u00e4tzchen f\u00fcr ein paar unvergessliche Stunden vor die T\u00fcr gelassen hat. Der gr\u00fcne Elfer, Baujahr 1976, war einst der Dienstwagen von Ferry Porsche. Aus heutiger Sicht ist er ein wahrlich zierliches Gesch\u00f6pf. Im unmittelbaren Vergleich wirkt der 2013er-Turbo wie ein etwas zu kr\u00e4ftig gegelter Manager mit abgebrochener Slim-Fast-Di\u00e4t. Und der gro\u00dfe Heckfl\u00fcgel, der beim alten Turbo oft Zielpunkt des Spottes war, ist doch gar nicht so schlimm. Ja, stimmt schon, der neue Turbo tr\u00e4gt in dieser Hinsicht weit weniger auf, sein Heckfl\u00fcgel ist geradezu dezent.<\/p>\n<p><!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Der Innenraum des 76er-Modells ist ein Traum in Karo. Das war damals schick, und der Fotograf ruft sofort: \u201eSo einen hatte unser Zahnarzt auch. Er hat mich als Steppke einmal mitgenommen, und wir sind 250 auf der Autobahn gefahren.\u201c Hoffentlich haben die Plomben gehalten. Tats\u00e4chlich f\u00e4hrt der alte Turbo viel besser als gemeinhin angenommen. Auf den ersten Dreh wacht der Dreiliter-Boxermotor im Heck auf, er ist leiser als gedacht. Das Armaturenbrett ist sch\u00f6n klar gegliedert, die gro\u00dfe, analoge Uhr wird vom Lenkrad verdeckt. Ein Radio ist mit an Bord. Nach dem Anschalten f\u00e4hrt die Antenne auf dem rechten Kotfl\u00fcgel automatisch aus. Auch die Seitenfenster fahren auf Knopfdruck auf und ab, doch es gibt keine Zentralverriegelung. Vier G\u00e4nge m\u00fcssen f\u00fcr die 250 km\/h gen\u00fcgen, sie tun es auch. Die Pedale stehen, wir sind stolz, dass wir den Wagen nicht ein einziges Mal abgew\u00fcrgt haben. Obwohl der Turbomotor nat\u00fcrlich noch eines jener Aggregate ist, deren Leistung erst im oberen Drehzahlbereich so richtig kommt, ist es nicht unbedingt angezeigt, ihm eines jener ber\u00fchmten \u201eTurbol\u00f6cher\u201c zu attestieren, die fr\u00fcher gern in den Automobilzeitschriften entdeckt wurden.<\/p>\n<p>Am Lenkrad sitzen, mit der Frontscheibe knapp vor der Nase und der grandiosen Aussicht auf die beiden Kotfl\u00fcgel, welch berauschend sch\u00f6nes Gef\u00fchl. Dazu der nuschelige Sound eines vorsichtig gefahrenen Turbo, die W\u00fcrttemberger Sonne, das goldene Herbstlaub, ein Traum.<\/p>\n<p>Hart gefedert ist der 76er-Elfer auch nicht. Jedenfalls nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig hart. Er f\u00e4hrt hinreichend bequem und unspektakul\u00e4r. Eine Servolenkung vermisst keiner. Wobei wir uns nicht vom Teufel reiten lie\u00dfen und den Grenzbereich auf den kurvigen Str\u00e4\u00dfchen weit vermieden. Das Museum sollte sein gutes St\u00fcck, dessen Marktwert kaum zu beziffern ist, schlie\u00dflich heil wiederbekommen. Zu viel liest man \u00fcber alte Elfer, die mit dem Heck voraus in der Botanik landen, weil der Fahrer sein K\u00f6nnen \u00fcber- und die T\u00fccke des Objekts untersch\u00e4tzt hat. Der gr\u00fcne Turbo ist Teil der Sammlung des Museums und wird auch ausgestellt.<\/p>\n<p>Im neuen Turbo ist ebenso viel Verstand, aber weniger Vorsicht vonn\u00f6ten. Er hat nicht nur Allradantrieb, sondern auch elektronische Helfer, von denen man vor 37 Jahren nur tr\u00e4umen konnte. ESP, ABS, etc. Die sieben G\u00e4nge werden von der Doppelkupplung PDK automatisch eingelegt. Wer will, kann an Paddeln spielen. Im \u201eSport-Plus-Modus\u201c f\u00e4hrt der 2013er-Elfer seinen Heckspoiler in die h\u00f6chste Position (von drei M\u00f6glichkeiten) und den Frontspoiler auf volle Gr\u00f6\u00dfe. So viel Technik war nie. Eine Allradlenkung sorgt daf\u00fcr, dass der dicke Turbo beim Wenden so gut um die Ecke kommt, wie der 21 Zentimeter k\u00fcrzere Schmalhans von 1976. Auf der Autobahn sind beide gro\u00dfe K\u00f6nner. Gen\u00fcgten 1976 noch 250km\/h, um die linke Spur dauerhaft zu besetzen, m\u00fcssen es heute schon die 319 sein, die der neue Turbo bieten kann. Und sei es nur am Stammtisch. Das Ger\u00e4uschniveau in beiden Autos ist v\u00f6llig unterschiedlich, der 76er klingt heller, der Neue brummt sonorer, br\u00fcllend laut sind beide nicht.<\/p>\n<p>Geblieben sind in all den Jahren die unverg\u00e4ngliche Silhouette des Elfer, der Drehzahlmesser in der Mitte, das Z\u00fcndschloss links, die 2+2-Innenraumkonfiguartion und der Motor im Heck. W\u00e4hrend man diesen im 76er-Modell noch in voller G\u00fcte bewundern kann, \u00f6ffnete sich am 2013er nur eine schmale Klappe mit Blick auf zwei L\u00fcfter, einen Ansaugstutzen und Einf\u00fcllm\u00f6glichkeiten f\u00fcr \u00d6l und Wischwasser. Welch moderne Tristesse. Unter der Fronthaube steckte 1976 noch nicht so viel Technik, statt des 260-Liter-Fachs im vorderen Bereich ist fast die gesamte Fl\u00e4che unter der Haube nutzbar, dazu hat sogar noch ein faltbares Reserverad im Bug Platz und ein 80-Liter-Tank (heute 68 Liter).<\/p>\n<p>20 Liter Super soll ein 76er-Turbo auf 100 Kilometer verbrauchen. Mit dem neuen kamen wir w\u00e4hrend einer l\u00e4ngeren Liaison auf angenehme 12,6 Liter im Durchschnitt. Und ja, der Innenraum ist hochwertiger, die Sitze bewegen sich elektrisch, lassen sich heizen und l\u00fcften, die Gurte h\u00e4ngen nicht an langen Peitschen, das Navi wei\u00df, dass es von Zuffenhausen nach Weissach genau 23 Kilometer sind, die Klimaanlage k\u00fcmmert sich um perfekte Temperierung, und Airbags sch\u00fctzen, sollte einmal der Bremsweg selbst f\u00fcr die Keramik-Stopper zu lang werden. Der 2013er Turbo ist perfekt. Zu perfekt, um wahr zu sein \u2013 und doppelt so teuer wie ein einfacher Elfer. Ohne \u201eS\u201c kostet der j\u00fcngste Turbo 162055 Euro (mit 520 PS). 1976 mussten Turbo-Kunden \u201enur\u201c das 1,5-fache an Aufschlag zahlen. Es war gut angelegtes Geld, denn Siebziger-Jahre-Elfer sind gesucht, guter Zustand vorausgesetzt. Heute stiehlt jeder Senior, der sich gut gehalten hat, dem Youngster die Schau.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/porsche-911-turbo-40-jahre-linke-spur-12654954.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/porsche-911-turbo-40-jahre-linke-spur-12654954.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der j\u00fcngsten Auflage hat Porsche die Perfektion des 911 Turbo abermals in neue H\u00f6hen getrieben. 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