{"id":19796,"date":"2013-11-11T14:31:03","date_gmt":"2013-11-11T14:31:03","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19796"},"modified":"2013-11-11T14:31:03","modified_gmt":"2013-11-11T14:31:03","slug":"geprufte-hilfen-gegen-magersucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19796","title":{"rendered":"Gepr\u00fcfte Hilfen gegen Magersucht"},"content":{"rendered":"<p>Welche Behandlung hilft magers\u00fcchtigen M\u00e4dchen und Frauen am besten? Die Daten der weltweit gr\u00f6\u00dften Studie werfen ein gutes Licht auf das deutsche Gesundheitssystem.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Studien mit magers\u00fcchtigen Patientinnen gelten als eine Herausforderung f\u00fcr Wissenschaftler. Viele Probandinnen brechen ihre Teilnahme vorzeitig ab, was mit ihrer ambivalenten Haltung der Heilung gegen\u00fcber zu tun hat: Sie identifizieren sich einfach zu stark mit ihrem Ziel, immer mehr Gewicht zu verlieren. Gerade dieses Symptom aber wollen \u00c4rzte und Therapeuten behandeln. Zudem ist es eine vergleichsweise seltene St\u00f6rung, das Vorkommen bel\u00e4uft sich auf nur 0,3 Prozent bei M\u00e4dchen und jungen Frauen.<\/p>\n<p>Zusammengenommen haben diese Bedingungen dazu gef\u00fchrt, dass es bis heute kaum Therapiestudien mit hohen Probandenzahlen gibt, die Aussagen \u00fcber das Potential unterschiedlicher Behandlungskonzepte geben k\u00f6nnten. Psychotherapien sind das Mittel der Wahl, die Evidenz fehlt \u2013 ein schweres Manko f\u00fcr Therapeuten und Kliniken, denn wenn jemand erkrankt, ist der Verlauf h\u00e4ufig chronisch, f\u00fcnf Prozent der Betroffenen sterben sogar innerhalb von zehn Jahren, wenn sie nicht behandelt werden.<\/p>\n<h2>Weltweit gr\u00f6\u00dfte Studie<\/h2>\n<p>Die bislang gr\u00f6\u00dfte Studie \u00fcber Psychotherapien bei Anorexia nervosa, so der Fachterminus f\u00fcr die Magersucht, kommt jetzt aus Deutschland und gibt valide Hinweise darauf, welche Verfahren helfen k\u00f6nnen. Eine Forschergruppe um Wolfgang Herzog von der Universit\u00e4t Heidelberg und Stephan Zipfel von der Universit\u00e4t T\u00fcbingen ver\u00f6ffentlichte im Fachmagazin \u201eLancet\u201c Daten \u00fcber 242 an Anorexie leidenden Frauen, die mittels Losverfahren auf drei Gruppen verteilt wurden (doi: 10.1016\/S0140-6736(13)61746-8).<\/p>\n<p>Eine Gruppe erhielt eine optimierte Regelversorgung: Die Patientinnen wurden vom Hausarzt \u00fcberwacht und suchten sich einen niedergelassenen Psychotherapeuten in der Region, der die Therapie seiner Wahl durchf\u00fchrte. In den beiden anderen Gruppen kamen zwei speziell f\u00fcr die Magersucht entwickelte Verfahren zum Einsatz: eine Form der kognitiven Verhaltenstherapie und eine der psychodynamischen Psychotherapie. Diese Gruppen wurden an Unikliniken in Deutschland betreut. Alle Patientinnen wurden ambulant behandelt. Sie waren s\u00e4mtlich erwachsen, im Mittel 28 Jahre alt. Nach zehn Monaten Studiendauer lag die Abbruchquote bei 22 Prozent- zw\u00f6lf Monate nach dem Ende der Therapie wurden langfristige Effekte untersucht.<\/p>\n<h2>Gewichtszunahme ist das Kriterium<\/h2>\n<p>Hauptgegenstand der Studie war die Frage nach den Folgen der Therapien f\u00fcr das Gewicht der Frauen. Die Autoren hatten im Vorfeld angenommen, dass es hinsichtlich der Gewichtszunahme deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen geben w\u00fcrde. Doch das war nicht der Fall: Die drei Verfahren unterschieden sich, was diesen Effekt anging, nicht signifikant voneinander. \u201eDer strenge Biometriker w\u00fcrde sagen, dass es keine Unterschiede gibt\u201c, stellt Wolfgang Herzog fest, der Direktor der Klinik f\u00fcr Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik in Heidelberg. In allen Gruppen stieg der Body-Mass-Index (BMI) von im Mittel 16,7 (beziehungsweise einem Ausgangsgewicht von 46,5 Kilogramm) zu Anfang auf einen BMI von etwas mehr als 18. Dass die g\u00e4ngige Regelversorgung dieselben Folgen f\u00fcr das Gewicht hatte wie die Spezialverfahren, bedeutet f\u00fcr Herzog vor allem eines: \u201eWir haben in Deutschland ein sehr gutes Gesundheitssystem.\u201c In den Vereinigten Staaten gebe es oft Therapieprogramme, die nur \u00fcber vier Wochen gehen \u2013 bei Anorexie, die eine lange Therapiezeit erfordert, habe das keine Wirkung.<\/p>\n<p>Dennoch fanden die deutschen Wissenschaftler auch Unterschiede zwischen den Verfahren: \u201eBei der kognitiven Verhaltenstherapie kam es am schnellsten zur Gewichtszunahme\u201c, sagt Herzog. Die psychodynamisch orientierte Therapie habe dagegen das beste \u201esekund\u00e4re Outcome\u201c gezeigt, bei dem es nicht um die reine Gewichtszunahme gehe, so Herzog: Die Patientinnen hatten die wenigsten station\u00e4ren Aufnahmen w\u00e4hrend der Therapiezeit, sie profitierten von einer langfristigen Wirkung der Behandlung, und auch die typischen Kriterien f\u00fcr Anorexie schwanden am deutlichsten. Nicht nur der gesunkene Body-Mass-Index ist n\u00e4mlich ein Ma\u00df, mit dem man Magersucht feststellen kann- die Krankheit geht auch mit einem verzerrten K\u00f6rperbild, dem Ausbleiben der Regelblutung und zwanghaften Gedanken \u00fcber das Essen und mit begleitenden St\u00f6rungen wie Angst oder Depressivit\u00e4t einher, die in der Studie ebenfalls erfasst wurden. Die psychodynamische Therapie zeigte auch die g\u00fcnstigste Gesamtheilungsrate von 35 Prozent bei der Follow-up-Untersuchung zw\u00f6lf Monate nach Therapieende.<\/p>\n<h2>Ein Hungerstreik birgt Macht<\/h2>\n<p>Die unterschiedlichen Effekte erkl\u00e4rten sich aus den ganz verschiedenen Herangehensweisen, sagt Herzog. \u201eBei der kognitiven Verhaltenstherapie fokussiert man gezielt auf Symptomenkompexe, bei denen es um das Essen geht. Die psychodynamische Therapie bringt die Essst\u00f6rung dagegen immer in Verbindung mit den Beziehungen der Patientin.\u201c Ver\u00e4ndere man den Blick auf Beziehungen, wirke das m\u00f6glicherweise langfristiger. \u201eDie These bei Magersucht ist, dass es Konflikte in der Autonomieentwicklung gibt\u201c, so Herzog. \u201eDie Betroffenen sind nachgiebig, lassen viel geschehen. Irgendwann behelfen sie sich mit einem Hungerstreik, mit dem sie einen starken Effekt erzielen, denn in der Essensverweigerung steckt viel Macht. Sie haben nicht gelernt, Konflikte anders auszutragen.\u201c<\/p>\n<p>Die deutsche Studie sei ein Fingerzeig, dass weltweit die Kombination zwischen Haus\u00e4rzten und Psychotherapie sinnvoll sein k\u00f6nnte, schreibt Cynthia Bulik von der University of North Carolina at Chapel Hill in einem begleitenden Kommentar in \u201eLancet\u201c. Aufgrund der hohen Zahl von Patientinnen, bei denen die Krankheit bestehen blieb, mahnt sie Forschung im Bereich der Genetik und Neurobiologie an. Auch die Autoren der deutschen Studie sehen die Grenzen bisheriger Konzepte: \u201eTrotz der erfolgreichen Verl\u00e4ufe litt auch ein Jahr nach Ende der Therapie ein Viertel der Patientinnen noch immer an einer voll ausgepr\u00e4gten Magersucht\u201c, bilanzieren sie.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/psychotherapie-gepruefte-hilfen-gegen-magersucht-12648264.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/psychotherapie-gepruefte-hilfen-gegen-magersucht-12648264.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Behandlung hilft magers\u00fcchtigen M\u00e4dchen und Frauen am besten? 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