{"id":19679,"date":"2013-11-06T14:41:00","date_gmt":"2013-11-06T14:41:00","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19679"},"modified":"2013-11-06T14:41:00","modified_gmt":"2013-11-06T14:41:00","slug":"welche-kultur-und-welcher-wandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19679","title":{"rendered":"Welche Kultur \u2013 und welcher Wandel?"},"content":{"rendered":"<p>Die Doppelspitze aus Anshu Jain und J\u00fcrgen Fitschen sollte f\u00fcr einen Kulturwandel stehen. Bisher steht sie nur f\u00fcr Ansehensverlust. Einmal durchs Strafgesetzbuch mit der Deutschen Bank.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Der Exportweltmeister Deutschland hat nur eine Bank, die im internationalen Wettbewerb eine ma\u00dfgebliche Stellung vorzuweisen hat. Doch die Deutsche Bank wird von ihrem Fehlverhalten in der Vergangenheit eingeholt. Immer schwerer tut sich die Doppelspitze der beiden Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und J\u00fcrgen Fitschen, diese Dinge dem Vorg\u00e4nger Josef Ackermann anzulasten. Denn Jain tr\u00e4gt Verantwortung als langj\u00e4hriger Chef der Sparte Investmentbanking, der ein gro\u00dfer Teil der Rechtsrisiken zuzuordnen ist.<\/p>\n<p>Nun ist auch Fitschen in den vergangenen Tagen in den Blickpunkt ger\u00fcckt, weil gegen ihn die M\u00fcnchner Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Falschaussage im Prozess mit den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch ermittelt. Dabei wird Fitschen den Medien durch sein sogenanntes Umfeld als \u201eFahnentr\u00e4ger des Kulturwandels\u201c verkauft: Der Wirtssohn aus Niedersachsen sei angetreten, um zusammen mit Jain das ramponierte Image der Bank aufzupolieren und das Vertrauen der Kunden wiederherzustellen.<\/p>\n<h2>\u201eWir wissen unser Haus bei ihnen in guten H\u00e4nden\u201c<\/h2>\n<p>Mitarbeiter sollten sich wieder st\u00e4rker an dem nachhaltigen Erfolg und den Interessen ihrer Kunden ausrichten. Erst vor einer Woche hatte der Aufsichtsrat Fitschens Vertrag um zwei Jahre bis Ende M\u00e4rz 2017 verl\u00e4ngert. Damit enden die Vertr\u00e4ge des inzwischen 65 Jahre alten Fitschen und des 15 Jahre j\u00fcngeren Jain zur gleichen Zeit. Beide sollen nach Wunsch der Kontrolleure den Kulturwandel abschlie\u00dfen. \u201eWir wissen unser Haus bei ihnen in guten H\u00e4nden\u201c, sagte Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Bei zwei Managern, die auch die Fehlentwicklungen vor der Finanzkrise mitzuverantworten haben, k\u00f6nnte man hinzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Schon seit zwei Jahren ermittelt die M\u00fcnchner Staatsanwaltschaft gegen die fr\u00fchere F\u00fchrungsriege der Deutschen Bank, gegen den Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann und dessen Vorg\u00e4nger Rolf-Ernst Breuer, gegen den einstigen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens B\u00f6rsig und das Vorstandsmitglied Tessen von Heydebreck. Der Verdacht lautet auf versuchten Prozessbetrug- die Manager sollen das Oberlandesgericht M\u00fcnchen im Schadensersatzprozess der Kirch-Erben angelogen haben, um deren Milliardenforderungen abzuwehren. Mehr noch: Das Vorgehen sollen sie vorher miteinander verabredet haben.<\/p>\n<h2>Eine spektakul\u00e4re Untersuchung in den Zwillingst\u00fcrmen<\/h2>\n<p>Nun haben die bayerischen Strafverfolger diese Ermittlungen auch noch auf Fitschen \u2013 und damit auf das einzige noch amtierende Vorstandsmitglied \u2013 ausgedehnt. Den Stoff daf\u00fcr lieferten ihnen die Zivilrichter des Oberlandesgerichts, die Fitschen vernommen hatten \u2013 und ihm schriftlich bescheinigten, seine Angaben seien \u201eschlicht inkonsistent\u201c und seine Erinnerung \u201eersichtlich unrichtig\u201c. Gegen Fitschen, der zudem als Pr\u00e4sident des Bundesverbandes deutscher Banken wichtigster Interessenvertreter der Branche ist, l\u00e4uft noch ein zweites Strafverfahren. In Frankfurt ermittelt die Anklagebeh\u00f6rde wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.<\/p>\n<p>Deshalb war es vor einem Jahr zu einer spektakul\u00e4ren Durchsuchung in den Frankfurter Zwillingst\u00fcrmen des Kreditinstituts gekommen. Fitschens Problem: Er hatte \u2013 ebenso wie Finanzvorstand Stefan Krause \u2013 seine Unterschrift unter eine Steuererkl\u00e4rung gesetzt, mit der die Bank angeblich zu Unrecht Umsatzsteuer zur\u00fcckforderte. Der Hintergrund: Ein paar Bankkunden hatten beim Handel mit Emissionszertifikaten ein kriminelles Umsatzsteuerkarussell aufgezogen- einige von ihnen wurden deshalb schon zu mehrj\u00e4hrigen Haftstrafen verurteilt.<\/p>\n<h2>Das Casino der Vergangenheit<\/h2>\n<p>Die Bilder von der Durchsuchung im Dezember 2012 erregten Aufsehen: Polizisten in Kampfmontur durchsuchten Deutschlands wichtigste Bank. Der \u00d6ffentlichkeit wurde so der Ansehensverlust der Deutschen Bank vor Augen gef\u00fchrt. Nun droht die Bank von zahlreichen Prozessen \u00fcberrollt zu werden. Im dritten Quartal musste sie f\u00fcr Rechtsrisiken weitere 1,2 Milliarden Euro zur\u00fcckstellen. Der Gewinn brach deshalb um mehr als 90 Prozent ein. Ob der Puffer f\u00fcr Strafzahlungen und Vergleiche in H\u00f6he von vier Milliarden Euro ausreicht, ist fraglich. M\u00f6gliche weitere Belastungen beziffert die Bank auf mehr als eine Milliarde Euro.<\/p>\n<p>                \t                <script type=\"text\/javascript\">ajaxRenderFinanzModul(\"\/\", \"7.2482423\", \"fdl_16217244\", false, \"\", \"article\", \"\")-<\/script><\/p>\n<p>Vor allem das fr\u00fcher von Jain verantwortete Investmentbanking gilt als das Casino der Vergangenheit. Dort wurden hohe Boni kassiert \u2013 f\u00fcr die Risiken m\u00fcssen nun die Aktion\u00e4re b\u00fc\u00dfen. Dass Jain von Absprachen seiner Investmentbanker bei Referenzzinsen wie Libor oder Euribor nichts gewusst hat, darauf verweist ein internes Gutachten des Aufsichtsrats. Kein Vorstandsmitglied sei in diese Manipulationen verwickelt gewesen, lautet ein weiteres Ergebnis. Dass dem inzwischen entlassenen H\u00e4ndler Christian Bittar f\u00fcr das Jahr 2008 die unglaubliche Erfolgspr\u00e4mie von 80 Millionen Euro zugesagt worden war, davon hat der Vorstand allerdings gewusst.<\/p>\n<h2>In der Sache folgt auf \u00c4rger meist weiterer \u00c4rger<\/h2>\n<p>Er behielt die H\u00e4lfte des Bonus ein, als ihm sp\u00e4ter das Fehlverhalten Bittars in den Zinsmanipulationen bekannt wurde. In der Sache folgt auf \u00c4rger meist weiterer \u00c4rger. Die Bank unterlag vor Gericht, nachdem vier H\u00e4ndler vor dem Frankfurter Arbeitsgericht gegen ihre Entlassung wegen der Zinsabsprachen geklagt hatten. Die Richter erkl\u00e4rten die K\u00fcndigungen f\u00fcr unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig, weil die Bank daf\u00fcr gesorgt habe, dass sich die H\u00e4ndler in einem \u201eerheblichen Interessenkonflikt\u201c befunden h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung der Richter war eine Ohrfeige f\u00fcr den Vorstand der Deutschen Bank und deckt sich zudem nicht mit den Ergebnissen des internen Gutachtens. Die Aufsichtsbeh\u00f6rden, die gegen die Deutsche Bank ermitteln, gehen mit ihr alles andere als zimperlich um. Die Vorw\u00fcrfe lauten auf Zinsmanipulation und Betrug. In Br\u00fcssel verhandelt die Bank neben anderen Instituten mit der EU-Kommission \u00fcber einen Vergleich wegen der Absprachen bei der Festlegung von Interbankenzinsen.<\/p>\n<p>Br\u00fcssel soll dabei eine Strafe je Bank von bis zu 800 Millionen Euro anstreben. Doch w\u00e4re dies nur ein Teil der m\u00f6glichen Strafen: In Gro\u00dfbritannien und den Vereinigten Staaten ermitteln die Aufsichtsbeh\u00f6rden ebenfalls wegen der Zinsabsprachen. Die h\u00f6chsten Risiken stammen indes aus den Gesch\u00e4ften am amerikanischen Immobilienmarkt vor Ausbruch der Finanzkrise.<\/p>\n<p>Der Deutschen Bank droht deshalb eine Milliardenstrafe der staatlichen Aufsichtsbeh\u00f6rde FHFA, weil sie den inzwischen verstaatlichten Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac komplexe Hypothekenanleihen verkauft hatte. Diese f\u00fchrten zu hohen Verlusten. Die K\u00e4ufer werfen der Bank falsche Angaben vor. Die Vergleiche mit Aufsichtsbeh\u00f6rden ziehen in der Regel Zivilklagen nach sich. Die Deutsche Bank muss lernen, auch in solchen Zusammenh\u00e4ngen mit ganz gro\u00dfen Zahlen umzugehen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/deutsche-bank-welche-kultur-und-welcher-wandel-12651717.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/deutsche-bank-welche-kultur-und-welcher-wandel-12651717.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Doppelspitze aus Anshu Jain und J\u00fcrgen Fitschen sollte f\u00fcr einen Kulturwandel stehen. Bisher steht sie nur f\u00fcr Ansehensverlust. 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