{"id":19637,"date":"2013-10-25T11:12:56","date_gmt":"2013-10-25T11:12:56","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19637"},"modified":"2013-10-25T11:12:56","modified_gmt":"2013-10-25T11:12:56","slug":"ja-es-ist-saar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19637","title":{"rendered":"Ja, es ist Saar!"},"content":{"rendered":"<p>Der Riesling aus dem \u00e4u\u00dfersten Westen Deutschlands muss keinen Vergleich scheuen \u2013 obwohl es in dieser Gegend oft rau zugeht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Wie gemalt ruht das Gutshaus aus hellem Stein \u00fcber dem Gr\u00fcn des denkmalgesch\u00fctzten Parks, der von einem naturbelassenen Arm der Saar ges\u00e4umt ist. Hinter dem klassizistischen Bau, nur durch die Bahnstrecke Trier-Saarbr\u00fccken getrennt, erhebt sich einer der imposantesten Weinberge weit und breit. Wie auf den Lithographien aus dem 18. Jahrhundert, die in den Fluren des Gutshauses h\u00e4ngen, ragt die S\u00fcdflanke des Berges noch immer als rebpfahlgespickte Wand in schwindelerregende H\u00f6hen.<\/p>\n<p>\u201eAltenberg\u201c ist auf dem puristisch anmutenden Etikett der Flaschen zu lesen, aus denen sich an diesem k\u00fchlen Sp\u00e4tsommer-Wochenende in Hunderte, wenn nicht Tausende Gl\u00e4ser der Riesling des neuen Jahrgangs 2012 ergie\u00dft. Und, in un\u00fcbersehbarem Rot, ein O, das von etwas gekr\u00f6nt ist, das wie ein tschechischer H\u00e1cek aussieht. Nein, das ist nicht das Kult-Weingut des als \u201eRebenfl\u00fcsterer\u201c apostrophierten Bitburger-Erben Roman \u201eNiewo\u201c Niewodniczanski- das verbirgt sich hinter dem sch\u00f6nen niederrheinischen Namen van Volxem und liegt im Nachbarort Wiltingen. Das O mit kleinem v soll eine andere Geschichte symbolisieren. Es steht f\u00fcr das Weingut von Othegraven in Kanzem, das seit drei Jahren dem aus Funk und Fernsehen bekannten G\u00fcnter Jauch und seiner Frau Thea Sihler geh\u00f6rt.<\/p>\n<h2>Der \u201eScharzhofberger\u201c war nur mit Gold aufzuwiegen<\/h2>\n<p>Ist es also so weit gekommen mit dem Weinbau an der Saar, dass sich Promis und Biererben traditionsreiche Weing\u00fcter wie Troph\u00e4en an ihr schillerndes Revers heften? Dem Anschein nach schon. In Frankreich, Italien und Amerika geh\u00f6rt es l\u00e4ngst zum guten Ton, dass sich Schauspieler wie G\u00e9rard D\u00e9pardieu, Musiker wie Bob Dylan oder Aussteiger aus der Investment-Branche mit eigenen Weinen br\u00fcsten.<\/p>\n<p>Doch was sollte der Hype in Deutschland, wo Riesling vorzugsweise in Literflaschen zu 2,49 Euro \u00fcber die Scannerkassen von Aldi, Lidl und Co. gezogen wird und Namen wie Silvaner oder M\u00fcller-Thurgau allenfalls ein pinotgridschiohaftes Mitleids l\u00e4cheln hervorrufen? Und dann noch im \u00e4u\u00dfersten Westen Deutschlands, am Unterlauf der Saar, wo es eher so rauh zugeht wie in den Ardennen als so romantisch wie am Rhein oder so bukolisch wie in der Pfalz. Die Antwort auf diese Fragen sind die Weine selbst. Und Menschen, die auf so unspektakul\u00e4re Namen h\u00f6ren wie Egon M\u00fcller und Christian Ebert oder Hanno Zilliken mit Frau Ruth und Tochter Dorothea.<\/p>\n<p>Egon M\u00fcller also, der vierte dieses Namens (der f\u00fcnfte ist schon geboren): Vor gut 200 Jahren hat sich das Mysterium des blauschimmernden Schiefers in die Gene seiner Vorfahren eingeschrieben. Ein Benediktiner, der das zu F\u00fc\u00dfen des Scharzberges gelegene Weingut seines Trierer Klosters bewirtschaftete, ehelichte eine Nonne und machte als Vater vieler Kinder dort weiter, wo er als M\u00f6nch aufgeh\u00f6rt hatte. Rund 100 Jahre sp\u00e4ter, auf der Pariser Weltausstellung des Jahres 1900, machte die Nachricht die Runde, dass M\u00fcllers \u201eScharzhofberger\u201c nicht nur fast, sondern wirklich mit Gold aufgewogen wurde. Ein Fuder, ein Holzfass mit rund 960 Litern Inhalt und in den nicht unbedingt neuerungss\u00fcchtigen T\u00e4lern der Mosel und ihrer Nebenfl\u00fcsse noch heute die Ma\u00dfeinheit f\u00fcr Wein schlechthin, wechselte f\u00fcr 10.000 Goldmark den Besitzer.<\/p>\n<h2>Zartherbe Frucht und vibrierende S\u00e4ure<\/h2>\n<p>Gut, am Scharzberg gab es auch noch die Familie Koch, deren Weine im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts durchweg teurer waren als die der Familie M\u00fcller. Aber Apollinar Joseph Koch \u00fcberlebte das \u201eDritte Reich\u201c nicht. Die Nazis, die in Wiltingen den Ton angaben, sollen den vormaligen Zentrums-Mann und Vorsitzenden des Weinbauverbands Mosel-Saar-Ruwer in den Tod getrieben haben. Das wusste jedenfalls Otto Loeb, ein Trierer Weinh\u00e4ndler, der durch die Emigration nach London dem Judenmord entkam. Nach dem Zweiten Weltkrieg geh\u00f6rte Loeb zu den wenigen Juden, die ihren Fu\u00df wieder auf deutschen Boden setzten. Bis heute tr\u00e4gt eine der besten Londoner Weinhandlungen seinen Namen: O. W. Loeb. Und bis heute ist sie ein Zentrum des deutschen Rieslings im Allgemeinen und des Saar-Rieslings im Besonderen.<\/p>\n<p>Egon M\u00fcller IV war dabei, als man Otto Loeb 1974 auf dem Trierer Stadtfriedhof zu Grabe trug. Sein Vater Egon M\u00fcller III hatte den Gymnasiasten damals aus der Schule geholt. Die Weine des Vaters wie des Sohnes sind f\u00fcr die Liebhaber des Saar-Rieslings, der zwischen schiefriger Mineralit\u00e4t, zartherber Frucht und vibrierender S\u00e4ure changiert, das, was f\u00fcr die Anbeter der Rotweine aus dem Bordelais ein Chateau P\u00e9trus oder der Weine aus der Neuen Welt ein Opus One ist &#8211; ein Muss.<\/p>\n<p>Gut nur f\u00fcr weniger betuchte Zeitgenossen, dass auf der j\u00fcngsten Versteigerung des \u201eGro\u00dfen Rings\u201c, dem genau 113 Jahre alten Zusammenschluss der damals besten \u201eNaturweinversteigerer\u201c an Mosel, Saar und Ruwer, f\u00fcr eine Flasche \u201eScharzhofberger Kabinett Alte Reben\u201c des Jahrgangs 2012 \u201enur\u201c 85 Euro angelegt werden mussten &#8211; und f\u00fcr eine \u201eAuslese Goldkapsel\u201c bescheidene 607 Euro. Wenn eine dieser Flaschen Wein in einigen Jahrzehnten ge\u00f6ffnet werden sollte und der Duft bernsteinfarbenen Elixiers sich raumf\u00fcllend wie ein zartes Parf\u00fcm verbreitet hat, wird man sagen, dieser Wein sei seinen Preis wert gewesen.<\/p>\n<h2>Adelige investierten in die besten Wei\u00dfweine der Welt<\/h2>\n<p>Christian Eberts Familie ist nicht einmal halb so lange an der Saar ans\u00e4ssig wie die M\u00fcllers und Kochs. Daf\u00fcr ist der Ausblick aus dem Wintergarten seines Schlosses Saarstein \u00fcber Berg und Tal nachgerade spektakul\u00e4r: Zwischen dem bruchsteinernen Ensemble auf einem Grat hoch \u00fcber der Saar und den H\u00e4usern im Tal ein Rebenmeer.<\/p>\n<p>Geschaffen wurde dieses Gesamtkunstwerk um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, und das von Menschen eines Schlages, wie es heute die Jauchs und die Niewos sind. Sie waren verm\u00f6gende Gro\u00dfb\u00fcrger, Industrielle oder auch Adelige, und sie waren hoffnungslos vernarrt in die besten Wei\u00dfweine der Welt. Also investierten sie in Weinberge, Schl\u00f6sser oder Gutsh\u00e4user in Orten wie Ockfen, Wawern oder Kanzem &#8211; oder in Serrig, wie die Trierer Transportunternehmerfamilie Hansen und der Reichsfreiherr von Schorlemer-Lieser. Der preu\u00dfische Staat tat es ihnen \u00fcbrigens gleich. Die Dom\u00e4ne Serrig war vor dem Ersten Weltkrieg mit gut 20 Hektar Rebfl\u00e4che das gr\u00f6\u00dfte Weingut Deutschlands. Das Gl\u00fcck war nicht allen hold.<\/p>\n<p>Die Hansens verkauften in den f\u00fcnfziger Jahren Schloss Saarstein an eine Familie Ebert, die ihre Wurzeln im Brandenburgischen hatte, wo sie Landwirtschaft betrieb. Kurz zuvor wurden an einer der steilsten Stellen der Monopollage \u201eSchloss Saarstein\u201c die Reben gepflanzt, aus deren Trauben Christian Ebert heute seine \u201eAlten Reben\u201c keltert. Das ist ein Wein von solch schiefrig-mineralischer Wucht, gepaart mit solch fruchtiger Leichtigkeit, dass er &#8211; wie die alten Moselaner sagen &#8211; \u201elockelt\u201c. Auf Deutsch: Kaum ist die erste Flasche leer, ist es auch die n\u00e4chste.<\/p>\n<h2>Ockfen und Serrig sind Geschichte &#8211; doch was f\u00fcr eine<\/h2>\n<p>Der von Norden betrachtet letzte Weinberg an der Saar wurde einst von den Freiherrn von Schorlemer angelegt, die auf Schloss Lieser an der Mosel residierten und in der gro\u00dfen Politik eine der ersten Geigen spielten. Clemens von Schorlemer etwa war als Landwirtschaftsminister des Kaiserreiches bis 1917 mit daf\u00fcr verantwortlich, dass die preistreibenden Weinversteigerungen nicht einmal w\u00e4hrend des Kriegs verboten wurden. So konnte er die \u201eFrauenweine\u201c des exzellenten Kriegsjahrgangs 1915 (die M\u00e4nner starben an der Westfront, statt Butten mit Trauben zu schleppen) zu exzellenten Preisen losschlagen. Am meisten profitierte von den hohen Preisen aber der preu\u00dfische Fiskus, der gr\u00f6\u00dfte Weinbergsbesitzer seiner Zeit.<\/p>\n<p>Lange sollte es dem Staat und mit ihm vielen anderen Kapitalgebern nicht gutgehen mit den Ausfl\u00fcgen in die Welt des Weins. Die zwanziger, die vierziger, die f\u00fcnfziger und auch die sechziger Jahre waren nicht so, dass Saar-Weine durchweg von sich reden machten. Eher machten die Dom\u00e4nen mit Versuchen zur Frostbek\u00e4mpfung im Weinberg von sich reden: R\u00e4ucherofen statt Riesling. Heute sind die Dom\u00e4nen Ockfen und Serrig Geschichte &#8211; doch was f\u00fcr eine.<\/p>\n<p>Vorbei sind nicht nur die Zeiten, als Arthur Greiser, der Gauleiter und Reichsstatthalter im Warthegau, am 29. Mai 1942 beim Landwirtschaftsministerium in Berlin um 1937er \u201eSerriger Heiligenborn B\u00e4renauslese\u201c (!) nachsuchte und mit gleicher Post \u00fcber \u201eArbeits\u00fcberlastung\u201c klagte. Es galt, die Evakuierung des Warschauer Ghettos vorzubereiten, in dem damals auch Marcel Reich-Ranicki lebte.<\/p>\n<h2>Die Welt giert nicht nach jedem Saar-Jahrgang<\/h2>\n<p>Vergangen sind aber auch die Zeiten, in denen man mit einem \u201eSerriger Vogelsang\u201c Ehre f\u00fcr den Saar-Riesling einlegen konnte. Wenn heute Weine aus dieser Lage irgendwo zu Schleuderpreisen angeboten werden, dann haben diese nur noch dem Namen nach mit den Rieslingen zu tun, f\u00fcr die die seit langem privatisierte Staatsdom\u00e4ne einst ber\u00fchmt war.<\/p>\n<p>Eine Renaissance feiern indes die Weine aus dem \u201eSerriger W\u00fcrzberg\u201c. Jochen Siemens, einst Amerika-Korrespondent und sp\u00e4ter Chefredakteur der \u201eFrankfurter Rundschau\u201c, hat vor einigen Jahren das Leben in der Wetterau f\u00fcr ein Winzer-Dasein an der Saar eingetauscht. Wie so viele vor und nicht wenige nach ihm hatte Siemens das Saar-Virus befallen.<\/p>\n<p>Doch sollte er schnell erfahren, dass die unheilbare Leidenschaft f\u00fcr \u201edie k\u00fchle Schwester der Mosel\u201c (wie die Saar treffenderweise im Marketing-Deutsch hei\u00dft) recht unangenehme Nebenwirkungen haben kann. Investitionen in Weinberge und Keller amortisieren sich erst nach vielen Jahren, und nicht jeder Jahrgang ist nach Menge und G\u00fcte so beschaffen, dass die Welt nach Saar-Wein gierte.<\/p>\n<p>Bis heute k\u00f6nnen die Saar-Winzer ein Lied davon singen, dass \u201ecool climate\u201c auch ungemein brutal sein kann. Sp\u00e4tfr\u00f6ste, schlechte Bl\u00fcte, niedrige Ertr\u00e4ge, hohe S\u00e4urewerte, unreife Trauben &#8211; das war in der Vergangenheit an der Saar die Regel und nicht die Ausnahme. Wenn aber die Trauben im Herbst goldgelb und hochreif vom Stock auf die Kelter kamen wie 1911 oder 1921, aber auch 1937, 1959 und 1971, dann sprach man noch nach Jahren von diesen Jahrg\u00e4ngen &#8211; und trinkt sie noch heute.<\/p>\n<h2>Auch Quereinsteiger sind willkommen<\/h2>\n<p>Heute ist die Erinnerung an Missernten in Serie verblasst, selbst wenn sie noch in den achtziger Jahren auftraten. Klimawandel hin oder her, seit zwei Jahrzehnten staunen die Saar-Winzer wie die Kollegen in den anderen Weinregionen \u00fcber eine seit Menschengedenken nie verzeichnete F\u00fclle an guten und sehr guten Jahrg\u00e4ngen. Aber auch in solchen Jahren will gelernt sein, wie man im Weinberg arbeitet und was man im Keller lieber l\u00e4sst als tut.<\/p>\n<p>Siemens hat sein Lehrgeld l\u00e4ngst bezahlt, auch den Schaden, den ein Traktor verursacht hat, der sich eines Tages anstatt zwischen den Rebzeilen auf den Bahngleisen wiederfand. Wenn Jochen Siemens an diesem Sp\u00e4tsommertag zusammen mit seinem Nachbarn Christian Ebert auf Schloss Saarstein seinen neuen Jahrgang pr\u00e4sentiert, kann man glauben, dass sein Herz nie f\u00fcr etwas anderes geschlagen hat als f\u00fcr Riesling von der Saar.<\/p>\n<p>Dabei ist kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzen, was es f\u00fcr Siemens, aber auch die Jauchs oder zuvor f\u00fcr Roman Niewodniczanski bedeutete, als Quereinsteiger willkommen zu sein. Selbstverst\u00e4ndlich war das nicht, gerade wegen des stetigen Auf und Ab des Weinbaus an der Saar. Doch eigent\u00fcmlicherweise ist der Neid unter den Saar-Winzern weitaus geringer ausgepr\u00e4gt als in dem mitunter sehr engen Moseltal. Ob das mit den durchgehend gr\u00f6\u00dferen Fl\u00e4chen zu tun hat, die wie ein Puffer zwischen den einzelnen G\u00fctern liegen und schon immer mehr \u00f6konomische Sicherheit versprachen als kleine und kleinste Parzellen?<\/p>\n<h2>Nach dem Krieg lagen die Weing\u00fcter in Tr\u00fcmmern<\/h2>\n<p>Sicher liegt es aber auch an Personen wie Hanno, Ruth und ihrer Tochter Dorothee Zilliken, deren Vorfahren schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Ockfen und Saarburg Weinbau betrieben. Sie haben im Lauf der Zeit viele und vieles kommen und gehen sehen an der Saar- selten ging es dabei friedlich zu. Nach der Franz\u00f6sischen Revolution waren sie bis 1815 franz\u00f6sisch. 1816 wurden sie preu\u00dfisch. Von 1871 an verlief die deutsch-franz\u00f6sische Grenze viel weiter westlich &#8211; in Lothringen. 1918 waren die Franzosen wieder da und besetzten wie immer gleich das gesamte linke Rheinufer, bis 1930. Mit der Entmilitarisierung des Rheinlands war es dann 1936 vorbei. Bald verlief der Westwall mitten durch die Weinberge an der Saar. Die Ernte des Jahres 1939 brachte die Wehrmacht ein, wenn \u00fcberhaupt- die Grenzbev\u00f6lkerung war nach Ausbruch des Krieges umgesiedelt worden.<\/p>\n<p>Im Jahr 1945 war von manchen Weinbergen an der Saar, etwa dem Altenberg, nicht mehr viel \u00fcbrig. Von der Stadt Saarburg ebensowenig. Auch das Weingut Forstmeister Geltz-Krick (sp\u00e4ter Zilliken) lag in Tr\u00fcmmern. Die Auferstehung aus Ruinen liegt lange zur\u00fcck. Heute haben die wie geschliffene Diamanten funkelnden Weine aus der Fast-Monopollage \u201eSaarburger Rausch\u201c vor allem bei jener langsam, aber sicher wachsenden Zahl an Riesling-Fans Kultstatus, die auf gereifte Weine setzen und die Lust auf junge Weine f\u00fcr eine Untugend halten.<\/p>\n<p>Die Zilliken-Rieslinge besitzen die schier unglaubliche F\u00e4higkeit frucht- und edels\u00fc\u00dfer Rieslinge, mit dem Alter immer komplexer zu werden. Statt mit Prim\u00e4r-Aromen von Aprikose bis Grapefruit zu blenden, bezaubern sie mit G\u00e4rungs- und Reife-Aromen, die bei alten Weinen ein Spektrum von Honig bis Kaffee abdecken k\u00f6nnen. Reife Weine aber verbreiten nicht nur Ruhe und Wohlgeruch. Sie schlagen sich auch hervorragend in einer Disziplin, in der sich junge Rieslinge zumeist schwer tun: als Essensbegleiter.<\/p>\n<h2>Das grandiose Potential Jahr um Jahr tiefer ausloten<\/h2>\n<p>Doch keine Regel ohne Ausnahme. Das beweist seit mittlerweile fast zehn Jahren das Weingut von Othegraven, dessen Geschichte mit dem Kanzemer Altenberg so eng verwoben ist, wie das Leben der Egon M\u00fcllers mit dem Scharzhofberg. 1995 erbte die K\u00f6lner \u00c4rztin Heidi Kegel das Weingut von ihrer Patentante Maria von Othegraven. Schnell wurde die unbek\u00fcmmerte Rheinl\u00e4nderin zum Dreh- und Angelpunkt einer weitgehend von M\u00e4nnern dominierten Schar von Spitzenwinzern. Aus der Jungweinprobe, zu der sie in jedem Fr\u00fchjahr nach Kanzem einlud, entstand vor zwei Jahren jener Saar-Riesling-Sommer, der auch in diesem Jahr an einem sonnigen Tag Ende August Tausende zur Verkostung des neuen Jahrgangs in die Weing\u00fcter von Filzen bis Serrig lockte.<\/p>\n<p>Auch Heidi Kegel musste Lehrgeld zahlen &#8211; es sollte nicht vergebens sein. Nach der Lese im Jahr 2004 spannte ihr ein Weingutsbesitzer von der Ruwer den Betriebsleiter aus. Unter Kollegen ist das eigentlich ein Sakrileg. Ersatz war bald zur Stelle. Seitdem entstehen unter der Hand von Andreas Barth, der nebenher noch ein eigenes kleines Weingut in seinem Heimatort Niederfell an der Terrassenmosel f\u00fchrt, trockene Weine, die das grandiose Potential des von Vulkangestein durchzogenen \u201eAltenberg\u201c Jahr um Jahr tiefer ausloten.<\/p>\n<p>Schon von Krankheit gezeichnet, verkaufte Heidi Kegel ihr Weingut im Fr\u00fchjahr 2011 an G\u00fcnther Jauch &#8211; aber nicht an den Unterhaltungsk\u00fcnstler aus dem Fernsehen, sondern an ihren weinbegeisterten Verwandten, dessen Gro\u00dfmutter eine geborene von Othegraven war. Im Sommer vergangenen Jahres wurde Heidi Kegel in K\u00f6ln zu Grabe getragen.<\/p>\n<p>So schlie\u00dft sich der Kreis, und so sind denn auch die Weine, die im Keller unter dem Gutshaus ausgebaut werden und dann mit dem Signet \u201evO\u201c auf den Markt kommen, keine Promi-Weine, sondern Saar-Rieslinge im besten Sinne. Dazu geh\u00f6rt aber nicht nur, dass sie \u201elockeln\u201c, sondern auch, dass man sie unbesorgt trinken kann.<\/p>\n<p>Das aber wusste schon der Trierer Weihbischof Nikolaus von Hontheim, der im 18. Jahrhundert unter dem Pseudonym Febronius mit romkritischen Schriften von sich reden machte. Hontheim wird bis heute die treffendste Charakteristik zugeschrieben, die je \u00fcber Mosel- und damit auch Saarwein in Worte gefasst wurde: \u201eDes Moselweins F\u00fclle, G\u00fcte, Zutr\u00e4glichkeit und Kraft ist Niemand unbekannt, er macht fr\u00f6hliche, am anderen Tage wohlth\u00e4tige, Brust und Kopf nicht beschwerende R\u00e4uschchen.\u201c<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/essen-trinken\/weissweine-ja-es-ist-saar-12633861.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/essen-trinken\/weissweine-ja-es-ist-saar-12633861.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Riesling aus dem \u00e4u\u00dfersten Westen Deutschlands muss keinen Vergleich scheuen \u2013 obwohl es in dieser Gegend oft rau zugeht.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":50086,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[395,379],"tags":[1780,5347,1781,266,409,1782,5350,327],"class_list":["post-19637","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-essen-trinken","category-lebensstil","tag-altenberg","tag-amerika","tag-bob-dylan","tag-deutschland","tag-frankreich","tag-gunter-jauch","tag-italien","tag-london"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19637","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19637"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19637\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19637"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19637"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19637"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}