{"id":19635,"date":"2013-11-04T11:12:53","date_gmt":"2013-11-04T11:12:53","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19635"},"modified":"2013-11-04T11:12:53","modified_gmt":"2013-11-04T11:12:53","slug":"das-ende-des-keyboards","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19635","title":{"rendered":"Das Ende des Keyboards?"},"content":{"rendered":"<p>Die Tasteninstrumente frustrieren ihn: zu starr, zu wenig Spieltechniken. Deshalb erfindet Roland Lamb das Seaboard &#8211; und gewinnt einen prominenten F\u00fcrsprecher.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Wer ein gutes Keyboard spielt, dem liegt das Musikuniversum unter den Fingern. Allerdings k\u00f6nnen Streicher und Gitarristen Kl\u00e4nge erzeugen, die einem Tasteninstrument kaum zu entlocken sind. So ist das stufenlose \u00c4ndern der Tonh\u00f6he auf dem Keyboard nur umst\u00e4ndlich m\u00f6glich &#8211; gewesen. Denn der Londoner Roland Lamb hat das Keyboard weiterentwickelt und es kurzerhand Seaboard genannt. Sea steht f\u00fcr \u201eSensory, Elastic and Adaptive\u201c, im Klartext: eine h\u00f6chst empfindliche Tastenoberfl\u00e4che, die auf weit mehr reagiert als den Anschlag. Zum Beispiel auf Wischbewegungen. So kann die Tonh\u00f6he direkt auf der Taste ver\u00e4ndert werden. Ein Wisch nach links senkt den Ton leicht, einer nach rechts hebt ihn etwas. <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8n-bEy9ISpM\" target=\"_blank\">Der Seaboardspieler klingt dann wie ein Gitarrist, der die Saite nach oben oder unten zieht<\/a>. Mit besseren Keyboards funktioniert das zwar auch, aber nur \u00fcber Drehregler und daher nicht so geschmeidig und fein wie auf dem Seaboard. Hier streichen die Finger \u00fcber die Tasten und Tonh\u00f6he, Dynamik und Vibrato folgen den Bewegungen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Roland Lamb ist das Seaboard ein Materie gewordener Traum. Das Klavier war der erste Gegenstand, den er liebte. Lamb spielte es w\u00e4hrend seiner ganzen Kindheit und wurde Tag um Tag frustrierter. \u201eIch war neidisch auf die Gitarristen, weil sie m\u00fchelos jeden Ton verbiegen k\u00f6nnen\u201c, erz\u00e4hlt er. Aus Neid und Frustration wurde Inspiration: <a href=\"http:\/\/vimeo.com\/72474883\" target=\"_blank\">Langsam sei ihm klargeworden, dass die starre Tastenstruktur des Klaviers neu gedacht werden m\u00fcsse<\/a>. Flie\u00dfender sollte sie werden, eher der Meeresoberfl\u00e4che \u00e4hneln. Um sein Wunschinstrument zu bauen, gr\u00fcndete Lamb vor vier Jahren Roli. Mittlerweile arbeiten mehr als 30 Menschen f\u00fcr das Londoner Unternehmen. Man will mit dem Seaboard Musikgeschichte schreiben, oder wenigstens als Fu\u00dfnote darin auftauchen.<\/p>\n<p>                \t                                                <!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Unbemerkt von der \u00d6ffentlichkeit, wird immer wieder versucht, neue Instrumente zu etablieren. <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=K6KbEnGnymk\" target=\"_blank\">Das Theremin st\u00f6\u00dft dabei viel weiter vor als das Seaboard<\/a>. Man muss es nicht einmal ber\u00fchren, um darauf zu spielen. Seine Antennen reagieren auf Handbewegungen in der Luft, die das Ger\u00e4t in T\u00f6ne verwandelt. Silicon Valley, superneu? Weit gefehlt &#8211; der Russe Lew Termen entwickelte das Theremin kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs.<\/p>\n<p>Das schr\u00e4gste Instrument unserer Zeit hei\u00dft Reactable: eine Art ber\u00fchrungsempfindliche Tischplatte unter Strom. <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0h-RhyopUmc\" target=\"_blank\">Darauf verschiebt man eckige Gegenst\u00e4nde und moduliert so den Klang<\/a>. Im Gegensatz zum Seaboard lohnt sich das Reactable nur f\u00fcr Musiker, die in elektronischen Klangwelten heimisch sind. Der Erfolg kann sich trotzdem sehen lassen. <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/video\/video.php?v=19281272992\" target=\"_blank\">Die Band von Bj\u00f6rk nutzte das Instrument<\/a>, und per App kann es auf Smartphone und Tablet simuliert werden- f\u00fcr einen einstelligen Betrag statt der 8107 Euro, die das Original kostet.<\/p>\n<p>Derart ins Budget schl\u00e4gt das Seaboard nicht unbedingt. 1870 Euro sind f\u00fcr die Basisversion mit 37 Tasten f\u00e4llig- 900 Euro mehr f\u00fcr die Ausf\u00fchrung mit 61 Tasten. Dann folgt ein monet\u00e4rer Tigersprung auf 8299 Euro f\u00fcr die 88-Tasten-Version, die auf 88 Exemplare limitiert ist. Obwohl die ersten Kunden fr\u00fchestens im Dezember ihr Seaboard bekommen sollen, lohnt sich die Vorbestellung: Mitte November will Roli die zwei erschwinglichen Ausf\u00fchrungen deutlich verteuern &#8211; wegen der angeblich riesigen Nachfrage.<\/p>\n<p>                \t                                                <!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Immerhin bekommt man ein derzeit konkurrenzloses Instrument, das in London handgefertigt wird. Auf eingebaute Lautsprecher und ein Display m\u00fcssen Seaboarder verzichten. Der integrierte Synthesizer wird \u00fcber die Computeranbindung bedient. Feine Schmankerln sind die Fl\u00e4chen \u00fcber und unter den Tasten, auf denen man mit Fingerwisch durch die Oktaven gleitet. Dann jault und schreit es wie in furiosen Gitarrensoli.<\/p>\n<p>Wird das Seaboard das iPhone unter den Musikinstrumenten? Die britische Presse schrieb jedenfalls Jubeltexte, und Filmmusik-Legende <a href=\"http:\/\/edition.cnn.com\/2013\/09\/27\/tech\/innovation\/hans-zimmer-seaboard-future-piano\/index.html\" target=\"_blank\">Hans Zimmer zeigte sich angetan<\/a>. Findige CNN-Reporter lie\u00dfen ihn das Instrument testen. Das Seaboard sei inspirierend, sagte Zimmer, da sich eigentlich jeder stets w\u00fcnsche, der Musik mehr Ausdruck zu verleihen: \u201eEs ist der Versuch, die Grenzen der Technik zu \u00fcberwinden, die vor etwa 600 Jahren erfunden wurde\u201c.<\/p>\n<p>Erfinder Lamb behauptet, das Ausdruckspotential der Tasteninstrumente erweitert zu haben. Das Seaboard sei der Abschied von den geraden, unbiegsamen T\u00f6nen des Klaviers. Hans Zimmer geht noch weiter: \u201eDas Seaboard hat etwas Sinnliches. Es verh\u00e4lt sich viel eher so, wie man es sich w\u00fcnscht, wenn man mit T\u00f6nen hantiert.\u201c<\/p>\n<p>Kopfstehen wird die Musikwelt deshalb nicht. Im Tonstudio werden Noten und Klangparameter in die Aufnahmesoftware \u201egemalt\u201c, und das meist nicht in Echtzeit. Klangspielereien \u00e0 la Seaboard lassen sich mit einigen Mausklicks erledigen. Selbst wenn die Instrumente live eingespielt werden, vermag das Seaboard vermutlich kaum etwas, das sich nicht mit modernen Programmen nachtr\u00e4glich imitieren lie\u00dfe. Von seinen M\u00f6glichkeiten profitieren also vor allem Freizeit- und B\u00fchnenmusiker.<\/p>\n<p>Wer mit Musikproduzenten \u00fcber das Seaboard spricht, h\u00f6rt folglich kein gl\u00fchendes Interesse heraus. Eher kommt die Frage, ob man damit auch andere Klangerzeuger steuern kann. Laut Roli soll das funktionieren. Alle Kontrolldaten flie\u00dfen \u00fcber die USB-Schnittstelle, Midi-Ausg\u00e4nge sind nicht vorhanden.<\/p>\n<p>Falls es f\u00fcr Roli fabelhaft l\u00e4uft, gibt es in 20 Jahren fast nur noch Seaboards und Seaboard-Imitate, da niemand das neue Spielgef\u00fchl missen m\u00f6chte. Und angenommen, es l\u00e4uft mies? Dann wird dem Seaboard ein Nischendasein beschieden sein und vielleicht hohe Preise bei Online-Auktionen, weil die wenigen gebauten Exemplare dort gehandelt werden.<\/p>\n<p>Doch eigentlich w\u00fcnscht man Roland Lamb den Erfolg, denn seine Erfindung hat alles, um das Keyboard f\u00fcr Ambitionierte zu werden. Dann w\u00e4re das Seaboard der Edelsportwagen unter den Keyboards. Jaulen und schreien kann es ja.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/audio-video\/neues-instrument-seaboard-das-ende-des-keyboards-12646793.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/audio-video\/neues-instrument-seaboard-das-ende-des-keyboards-12646793.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Tasteninstrumente frustrieren ihn: zu starr, zu wenig Spieltechniken. 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