{"id":19629,"date":"2013-11-06T11:12:44","date_gmt":"2013-11-06T11:12:44","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19629"},"modified":"2013-11-06T11:12:44","modified_gmt":"2013-11-06T11:12:44","slug":"studenten-weltmeister-im-genlabor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19629","title":{"rendered":"Studenten-Weltmeister im Genlabor"},"content":{"rendered":"<p>Wer mag schon Gentechnik? Kaum einer hierzulande, doch unser Nachwuchs ist Weltspitze: Auf der iGEM-Weltmeisterschaft am MIT haben deutsche Teams abgesahnt, ein Heidelberger Team holt sogar Gold im doppelten Sinn.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Der \u201eStein des Philosophen\u201c hat am Ende voll eingeschlagen &#8211; und dem gleichnamigen Projekt schlie\u00dflich  jenen Glanz verliehen, der einem Goldprojekt geziemt. Zum ersten Mal sind Heidelberger Studierende Studentenweltmeister der Synthetischen Biologie geworden. Und nicht nur das: Auf dem prestigetr\u00e4chtigen \u201eiGEM\u201c-Wettstreit am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston, wo vor neun Jahren mit ein paar Teilnehmerteams der Jungforscherwettstreit aus der Taufe gehoben wurde, haben auch die anderen deutschen Teams am Wochenende m\u00e4chtig vom Preistisch abger\u00e4umt: Von den sechs Finalisten (insgesamt waren 204 Teams aus fast allen Kontinenten am Start) stammen f\u00fcnf aus Europa und eines aus China. Drei der f\u00fcnf europ\u00e4ischen Studentenmannschaften kommen von deutschen Universit\u00e4ten: Hinter Heidelberg plazierte sich das Team der TU M\u00fcnchen mit seinem \u201ePhysco-Filter\u201c aus Moospfl\u00e4nzchen. Als Zweiter triumphierte die hoch gehandelte Mannschaft aus Bielefeld in der Studentenklasse \u00fcber 24 Jahre mit einer Biobatterie aus Bakterien. Vor kurzem hatten sie damit noch die europ\u00e4ische iGEM-Ausscheidung in Lyon f\u00fcr sich entschieden. Dagegen hatten ambitionierte Nachwuchsteams aus Stanford, des MIT, vom Imperial College oder der ETH Z\u00fcrich ebenso das Nachsehen wie asiatische Talente der Peking University und des Tokyo Institute of Technology. <\/p>\n<p>\u201eInternational competition of genetically engineered machines\u201c &#8211; wenn man sich den Titel des iGEM-Wettstreits ansieht, k\u00f6nnte man kaum glauben, dass deutsche Forschung hier eine herausragende Rolle spielen sollte. Gentechnik, das Grundkonzept der synthetischen Biologie, hat in Deutschland nicht nur im Landwirtschaftsministerium traditionell eher schlechte Karten. Kaum eine andere Forscher- und Ingenieurskunst wird hierzulande so radikal abgelehnt wie die Gentechnik, fragt man in repr\u00e4sentativen Umfragen danach. Dass es in der Medikamentenherstellung kaum noch ohne geht, will man nicht wissen, f\u00fcr den biotechnischen Umweltschutz interessiert man sich nicht, und in Lebensmitteln ist Gentechnik ohnehin ein Tabu &#8211; zumindest will die Mehrheit fest daran glauben, dass Gentechnik in der Lebensmittelproduktion nicht eingesetzt wird. Und wenn, will man durch entsprechende Labels auf den Produkten zumindest gewarnt werden. Viele Bundesl\u00e4nder r\u00fchmen sich ihrer \u201egenfreien Zonen\u201c, allen voran das Bundesland des bayrischen Gens\u00e4uberers Horst Seehofer.<\/p>\n<p>Dass in dieser lebensfeindlichen Umwelt \u00fcberhaupt das eine oder andere Pfl\u00e4nzchen der Gentechnik gedeiht, ist dem besonderen Schutzstatus zu verdanken, dem man in der Republik (sogar im Agrarministerium, wenn es drauf ankommt) der Grundlagenforschung einr\u00e4umt. Der Heidelberger Bioinformatiker und Genforscher Roland Eils, der sowohl am Deutschen Krebsforschungszentrum wie an der Universit\u00e4t erfolgreiche Forschungslabore unterh\u00e4lt, hat schon vor Jahren damit begonnen, die talentiertesten Jungforscher auf dem Campus fr\u00fch mit dem biotechnischen Handwerkszeug vertraut zu machen. Nach dem Motto Kreativit\u00e4t durch Idealismus motiviert er die Studenten aus der Biologie, der Informatik und der Mathematik schon in den ersten Semestern zu Selbstorganisation und Gruppenarbeit  &#8211; und nicht zuletzt zu Opferbereitschaft. Die j\u00fcngsten Semesterferien konnten die Teilnehmer des iGEM-Wettbewerbs jedenfalls von Beginn an abhaken, die Weltmeisterschaftsvorbereitungen hatten absoluten Vorrang. <\/p>\n<p>Das hat auch damit zu tun, dass das Heidelberger Gentechnik-Projekt quasi ein ingenieurwissenschaftliches Gesamtkunstwerk werden sollte: Goldr\u00fcckgewinnung aus Elektronikschrott durch  gentechnisch erzeugte \u201eNon-Ribosomal Peptide Synthesis\u201c. Dahinter verbirgt sich ein lange Zeit nahezu unbekannter Lebensprozess:  Kleine Proteinschnipsel werden nicht wie \u00fcblich in den Zellen in den Eiwei\u00dffabriken, den Ribosomen, erzeugt, sondern v\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon. Bei einigen Bakterien und Pilzen hat man diesen Vorgang beobachtet. Und offenbar sind die entsprechenden Peptide besonders vielseitig und wertvoll: Einige wirken wie Tyrocidine offenbar antibiotisch gegen Erreger, andere dienen als Farbstoffe, als Botenstoffe, als Immun- oder Nervenmodulatoren  oder sogar als S\u00fc\u00dfstoff. Die Heidelberger Studenten haben in einem Bakterium nun durch geschicktes, bioinrmatisch ermitteltes Kombinieren von Genmodulen nun neue \u201eNicht-Ribosomale Peptide\u201c (NRP) erzeugt, die vor allem eines k\u00f6nnen: Goldpartikeln aus Elektronikschrott herauszul\u00f6sen und zu recyceln. Die Kosten daf\u00fcr, auch das wurde haarklein ausgerechnet, w\u00e4ren bei der industriellen Anwendung sogar konkurrenzf\u00e4hig mit der klassischen chemischen Aufarbeitung von Gold &#8211; \u201ebei allerdings deutlich weniger Umweltbelastung im Bioreaktor\u201c, wie die Heidelberger Gruppe in ihrer Pr\u00e4sentation am MIT die Juroren wissen lie\u00dft.<\/p>\n<p>Das Konzept \u00fcberzeugte auf der ganzen Linie. Denn quasi nebenbei hat man, was die Preisw\u00fcrdigkeit der Heidelberger Bioingenieursarbeit noch erheblich gesteigert haben d\u00fcrfte, ein neuartiges Etikettierungsverfahren f\u00fcr die Mikrobenpeptide entwickelt. Anstelle des bekannten  und bei gro\u00dfen Proteinen verwendbaren Gr\u00fcnfluoreszierenden Proteins GFP, f\u00fcr dessen Entwicklung in der Biotechnik vor f\u00fcnf Jahren der Chemie-Nobelpreis vergeben worden war, haben die Nachwuchsforscher f\u00fcr ihre NRPs  ein kleines blaues Pigment-Label aus Indigoidine genutzt, das schon  k\u00fcrzeste Peptidketten zu markieren und damit unter dem Mikroskop sichtbar zu machen erlaubt. Eine Heidelberger Erfindung, f\u00fcr die mittlerweile ein patent angemeldet wurde, und das, so der IGEM-Meistermacher Roland Eils, \u201ef\u00fcr das wir am MIT verschiedentlich auf die Vermarktung angesprochen wurden\u201c.<\/p>\n<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/heidelberger-goldrausch-studenten-weltmeister-im-genlabor-12650509.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/heidelberger-goldrausch-studenten-weltmeister-im-genlabor-12650509.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer mag schon Gentechnik? 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