{"id":19593,"date":"2013-11-05T11:12:26","date_gmt":"2013-11-05T11:12:26","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19593"},"modified":"2013-11-05T11:12:26","modified_gmt":"2013-11-05T11:12:26","slug":"die-it-branche-kampft-um-ihren-ruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19593","title":{"rendered":"Die IT-Branche k\u00e4mpft um ihren Ruf"},"content":{"rendered":"<p>Die IT-Branche steht vor einer Wegscheide: Gelingt es ihr, das Vertrauen der Menschen zur\u00fcckzugewinnen? Auf der n\u00e4chsten Computermesse Cebit, die gerade geplant wird, gibt es ein sehr interessantes Projekt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Es ist ein Paradoxon: In einer Zeit, in der sich die Informationstechnologie anschickt, endg\u00fcltig s\u00e4mtliche Lebens- und Produktionsbereiche zu durchdringen, steht sie vor ihrer vielleicht gr\u00f6\u00dften gesellschaftlichen Herausforderung. Denn es gilt, das Vertrauen der Menschen zur\u00fcckzugewinnen. Die immer neuen Enth\u00fcllungen \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/nsa-affaere-alles-unter-kontrolle-12645635.html\">Schn\u00fcffelaktionen nicht nur des amerikanischen Geheimdienstes NSA<\/a> greifen Gesch\u00e4ftsmodelle an, die darauf aufbauen, m\u00f6glichst viele Daten m\u00f6glichst schnell auszuwerten \u2013 und diese dann wieder in Millisekunden rund um den Globus zu jagen.<\/p>\n<p>Verkehrsstr\u00f6me sollen sich intelligent vernetzen, die Energieversorgung intelligenter, Konsumenten gezielter angesprochen werden: Alles scheint m\u00f6glich, aber eben auch die totale \u00dcberwachung. In diese Phase f\u00e4llt f\u00fcr die Branche die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/netzwirtschaft\/netzpolitik-die-naechste-cebit-fuehrt-die-big-data-debatte-12550573.html\">Vorbereitung auf die n\u00e4chste Cebit-Messe in Hannover<\/a>. Wird es dort gelingen, die \u00c4ngste zu adressieren, in einen gesellschaftlichen Dialog einzutreten und doch die Faszination f\u00fcr die Neuheiten der Branche zu bewahren?<\/p>\n<p>Vielleicht liefert ein Besuch in der Halle 16 inmitten des Messegel\u00e4ndes die Antwort. Dort pr\u00e4sentiert sich abermals der von Ulrich Dietz, dem Gr\u00fcnder und Vorstandsvorsitzenden des mittelst\u00e4ndischen deutschen Softwarehauses GFT, inspirierte Gr\u00fcnderwettbewerb \u201eCode-N\u201c. Es ist kein Zufall, dass sich der Wettbewerb in dieser Runde vor allem dem Thema \u201eBig Data\u201c widmet, also ebenjenen Gesch\u00e4ftsmodellen, die sich rund um die Auswertung riesiger Datenmengen in Echtzeit bauen lassen. Damit das sperrige Thema aber auch Menschen erreicht, die eine eher bildliche Vorstellungskraft haben, hat Dietz zwei renommierte K\u00fcnstler beauftragt, die das Thema auch visuell eindrucksvoll umsetzen sollen: Clemens Weisshaar und Reed Kram.<\/p>\n<h2>Halle mit hochaufl\u00f6sendem Panorama bespielt<\/h2>\n<p>\u201eDas Konzept f\u00fcr die Halle bricht mit allen Konventionen der Ausstellungsarchitektur und schafft einen Raum, der gro\u00dfen Ideen und dem Dialog zwischen Gr\u00fcndern, Entwicklern, Unternehmern und Investoren gewidmet ist\u201c, hofft Dietz, und der erste Eindruck nach einem Probeaufbau in der vergangenen Woche zeigt, dass das gelingen k\u00f6nnte. Die beiden Designer, von der \u201eNew York Times\u201c als \u201eposterboys of a new breed of digital designers\u201c gefeiert, haben eine Architektur entwickelt, die die Halle umlaufend und in voller H\u00f6he mit einem 3000 Quadratmeter gro\u00dfen, hochaufl\u00f6senden Panorama bespielt und das Big Data, das Leitthema der Veranstaltung, greifbar machen soll. Die 5000 Quadratmeter Standfl\u00e4che in der Halle wiederum sind den Gr\u00fcndern gewidmet, die hier ihre Gesch\u00e4ftsmodelle pr\u00e4sentieren sollen. Sie sind die Finalisten des Code-N-Innovationswettbewerbs, der die zukunftstr\u00e4chtigsten jungen Unternehmen aufsp\u00fcren und in Hannover zusammenzubringen will. Der Wettbewerb wird von dieser Zeitung als Medienpartner unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>\u201eVor elf Jahren waren wir als Jungunternehmer selbst in einer \u00e4hnlichen Situation wie die Code-N-Start-ups\u201c, erinnert sich Weisshaar. \u201eUnd auf der Cebit werden sie frontal mit Realit\u00e4ten konfrontiert. Nach den f\u00fcnf Tagen wissen sie besser, ob ihr Gesch\u00e4ftsmodell tats\u00e4chlich funktioniert. So sehen wir unsere Aufgabe auch darin, mit unserer Architektur ein panoramisches Dach f\u00fcr die Ideen zu schaffen.\u201c Bewusst grenzt sich die Gestaltung radikal von den \u00fcblichen Messest\u00e4nden ab: \u201eWir invertieren die Idee des klassischen Messebaus\u201c, beschreibt Weisshaar das Projekt.<\/p>\n<p>Der Code-N-Inspirator Dietz wiederum versucht, mit seinem Wettbewerb die klassische Messe als solche zu invertieren, also im Wortsinne umzudrehen, weg von den gro\u00dfen St\u00e4nden der etablierten Branchengr\u00f6\u00dfen, hin zur Kraft durch Neues. Dabei ist Dietz einer der wenigen deutschen Softwareunternehmer, die es aus eigener Kraft mit ihrem Unternehmen zu einer gewissen Bedeutung \u00fcber ihre Heimatregion und Deutschland hinaus gebracht haben. L\u00e4ngst ist sein Unternehmen aufwendige Expansionsschritte nach Spanien und Italien gegangen. Wenn es also k\u00fcnftig darum gehen sollte, die Informationstechnologie im Wettbewerb mit Amerika in Europa wieder st\u00e4rker voranzubringen, w\u00e4ren es wohl Menschen wie Dietz, auf die man bauen m\u00fcsste, um zu zeigen, dass es auch hier kreative Ideen gibt.<\/p>\n<h2>Viele Milliarden Dollar in Informationssysteme investiert<\/h2>\n<p>Gespr\u00e4che mit dem Softwareunternehmer zeigen, dass ihn die Frage, wie Europa mit Innovationen im internationalen Wettbewerb vorankommen kann, schon l\u00e4nger bewegt als Menschen, die dar\u00fcber erst nachdenken, seitdem der fr\u00fchere amerikanische Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden seine Dokumente ver\u00f6ffentlicht. Dabei macht sich Dietz keine Illusionen: Seit den Anschl\u00e4gen des 11. September 2001 h\u00e4tten die Vereinigten Staaten viele Milliarden Dollar in neue Informationssysteme investiert: \u201eAlles unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit, der Terrorismus- und Kriminalit\u00e4tsbek\u00e4mpfung\u201c, sagt Dietz. Hieraus seien sehr viele neue Technologien entstanden, rund um Datenanalyse, rund um Abh\u00f6rma\u00dfnahmen und etliches mehr.<\/p>\n<p>Daran sehe man aber auch, dass die Amerikaner zehn Jahre gebraucht h\u00e4tten, um zu sichtbaren Ergebnissen zu kommen. \u201eImmer schnell, schnell, so wie sich das einige Unternehmen vorstellen, die jetzt pl\u00f6tzlich eine Innovationskultur etablieren oder neu beleben wollen, so wie zum Beispiel der Energieversorger ENBW oder auch Bosch, funktioniert das nicht\u201c, sagt Dietz. \u201eSolche Sachen entstehen nicht schnell.\u201c Entscheidend sei, ganz ohne staatliche Hilfe, dass die Kultur in einem Unternehmen f\u00fcr neue Themen offen sein m\u00fcsse. Wichtig sei eine \u201ePiraten-Kultur\u201c, wie zum Beispiel im Fall der \u201ei\u201c-Autos von BMW. Verkehrsleittechnik, Effizienz in der Produktion, Elektromobilit\u00e4t, alles das sei dort neu durchdacht worden: \u201eMit dem v\u00f6llig neu entwickelten Elektroauto i3 sammelt BMW Erfahrungen und wird darauf aufbauend weitere neue Produkte entwickeln, mit denen man in der Zukunft spannende Gesch\u00e4fte wird machen k\u00f6nnen. Vergessen Sie nicht: Der amerikanische Elektroautohersteller Tesla hat inzwischen eine h\u00f6here Marktkapitalisierung als Fiat\u201c, sagt Dietz.<\/p>\n<p>Tesla zeige: \u201eN\u00f6tig ist nicht die zweite oder dritte Ableitung eines Produkts, sondern Ideen, die wirklich anders sind.\u201c Dazu brauche man Teams, und die Innovationen k\u00e4men nicht durch einen \u201eHeureka\u201c-Moment. Alle Erfahrungen zeigten: Man brauche Geduld, und die Budgets, die f\u00fcr die Forschung und Entwicklung zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden, d\u00fcrfen auch nicht zu gro\u00df sein. Falls ein gewisser Mangel an finanziellen Mitteln die Kreativit\u00e4t tats\u00e4chlich bef\u00f6rdert, dann m\u00fcssten die Finalisten des Code-N-Wettbewerbs besonderes Interesse auf sich ziehen, sind die Start-ups doch stets auf der Suche nach Geld. Die Bilanz, die Dietz mit Blick auf die Wettbewerber der vorangegangenen Jahre ziehen kann, f\u00e4llt denn auch positiv aus: \u201eEntweder haben unsere Finalisten frisches Geld erhalten, wurden aufgekauft oder bekamen Kooperationen angeboten\u201c, hat er festgestellt.<\/p>\n<h2>Vernetzung von Maschinen verbessert Auslastung<\/h2>\n<p>Dietz\u2019 Erfahrungen mit Code-N beweisen nach seiner Meinung zudem: \u201eWollen gro\u00dfe Unternehmen Ideen von au\u00dfen anzapfen, m\u00fcssen sie gegen\u00fcber Start-ups offen sein, man muss kooperieren, ohne gleich zu assimilieren.\u201c Dabei gebe es so viele dynamische Entwicklungen, dass sich ein Blick auf diese Gr\u00fcnderkultur auch f\u00fcr die Verarbeitende Industrie lohne, was gerade f\u00fcr die deutsche Volkswirtschaft wichtig sei: Unter dem Stichwort \u201eIndustrie 4.0\u201c, also der Vernetzung von Maschinen untereinander, werde sich vor allem auch die Auslastung von Maschinen erheblich verbessern, ist Dietz \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Somit bleibt vor allem die Frage nach der Akzeptanz der sch\u00f6nen neuen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/daten-im-internet-wie-der-nutzer-in-echtzeit-durchleuchtet-wird-12641470.html\">Technikwelt rund um \u201eBig Data\u201c<\/a> \u2013 und wie gut die Start-ups dabei auf die \u00c4ngste der Menschen vor allem in Deutschland eingehen k\u00f6nnen. Eine Studie j\u00fcngeren Datums zeigt zumindest, dass die Lage in dieser Hinsicht noch nicht v\u00f6llig hoffnungslos ist. Eine vom Telekom-Tochterunternehmen T-Systems in Auftrag gegebene \u201eBig Data\u201c-Studie kommt jedenfalls zu dem Ergebnis, dass die Deutschen nicht grunds\u00e4tzlich dagegen sind, dass Unternehmen ihre Daten f\u00fcr \u201eBig-Data\u201c-Analysen nutzen. Dabei differenzieren sie aber stark nach Verwendungszweck: F\u00fcr die Verbesserung medizinischer Leistungen w\u00fcrden drei Viertel ihre pers\u00f6nlichen Daten hergeben und f\u00fcr eine Vermeidung von Staus oder Emissionen im Verkehr knapp die H\u00e4lfte der Befragten. Dagegen ist aber nur jeder Zehnte bereit, pers\u00f6nliche Daten f\u00fcr bessere Kaufempfehlungen in Form personalisierter Werbung preiszugeben.<\/p>\n<p>\u201eDie Studienergebnisse zeigen, dass \u201aBig Data\u2018 akzeptiert wird, wenn die Kunden einen klaren Nutzen erkennen. Big Data muss daher ausgewogen Vorteile f\u00fcr Verbraucher und Unternehmen bringen\u201c, kommentierte Reinhard Clemens, Telekom-Vorstand und Chef von T-Systems, die Ergebnisse. Die n\u00e4chste Cebit wird zeigen, ob die Unternehmen die Verbraucher von dieser Ausgewogenheit \u00fcberzeugen k\u00f6nnen. Ein Besuch in Halle 16 bei Code-N d\u00fcrfte diesem Aspekt eine besonders avantgardistische Note verleihen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/informationstechnik-die-it-branche-kaempft-um-ihren-ruf-12648030.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/informationstechnik-die-it-branche-kaempft-um-ihren-ruf-12648030.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die IT-Branche steht vor einer Wegscheide: Gelingt es ihr, das Vertrauen der Menschen zur\u00fcckzugewinnen? 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