{"id":19515,"date":"2013-11-02T15:18:09","date_gmt":"2013-11-02T15:18:09","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19515"},"modified":"2013-11-02T15:18:09","modified_gmt":"2013-11-02T15:18:09","slug":"dax-rekord-und-keiner-geht-hin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19515","title":{"rendered":"Dax-Rekord, und keiner geht hin"},"content":{"rendered":"<p>Die B\u00f6rsenkurse steigen und steigen, doch die Deutschen haben davon nichts: Aktien fassen sie nicht an. Das hat seine Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Mitgez\u00e4hlt hat am Ende niemand mehr. Zu oft gab es in diesen Tagen neue Bestwerte, zu h\u00e4ufig hie\u00df es \u201eRekord, Rekord\u201c. Nahezu t\u00e4glich schwingt sich der deutsche Aktienindex derzeit zu neuen H\u00f6chstst\u00e4nden auf \u2013 die noch zu Jahresanfang als unerreichbar geltende Barriere von 9000 Punkten hat der Dax mit Leichtigkeit \u00fcbersprungen, nun nehmen die ersten bereits die n\u00e4chste Marke in den Blick: 10.000 Punkte.<\/p>\n<p>Alles scheint m\u00f6glich in diesen Wochen, in denen sich Deutschlands wichtigster Aktienindex so stark pr\u00e4sentiert wie nie zuvor. In Zahlen sieht die Erfolgsgeschichte so aus: Zugewinn seit Jahresanfang: 18 Prozent. Zugewinn im vergangenen Jahr: 29 Prozent. Macht zusammen: eine der gr\u00f6\u00dften Aktienrallys in der deutschen Geschichte.<\/p>\n<p>Es sind Unternehmen wie der Autobauer BMW oder der Chemiekonzern BASF, deren Kurse derzeit nach oben schie\u00dfen \u2013 Firmen, die fast jeder Deutsche kennt. Und doch ist hierzulande nichts zu sp\u00fcren von einer Begeisterung f\u00fcr deren Aktien, im Gegenteil: Zu einem Zeitpunkt, zu dem viele deutsche Unternehmen ihr bestes B\u00f6rsenjahr aller Zeiten hinlegen, wenden sich die Deutschen von der B\u00f6rse ab. Gerade einmal 9,4 Millionen Bundesb\u00fcrger besitzen Aktien oder Aktienfonds, das sind weniger als im Jahr 2012. Die Zahl der direkten Aktion\u00e4re ist noch niedriger \u2013 sie liegt mit 4,9 Millionen Menschen bei gerade einmal 7,5 Prozent der Bev\u00f6lkerung. Kurz gesagt: Die B\u00f6rse boomt \u2013 und die Deutschen sind nicht dabei. Es kaufen stattdessen die anderen. Gut zwei Drittel der Anteile an allen Dax-Konzernen halten Ausl\u00e4nder, darunter viele amerikanische Investmenth\u00e4user. Sie sind es vor allem, die von Deutschlands Aktienaufschwung profitieren.<\/p>\n<h2>Den Deutschen sind Aktien zu kostspielig<\/h2>\n<p>Sind wir ein Volk von Angsthasen? M\u00f6gen die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Investieren in Aktien noch so \u00fcberzeugend sein, mag man uns noch so h\u00e4ufig vorrechnen, dass angesichts der aktuellen Niedrigzinsen nur Aktien ausreichende Renditen einbringen \u2013 am Ende bleibt der Unterschied zu anderen Nationen frappierend: Mehr als die H\u00e4lfte aller Amerikaner besitzt Aktien, gut ein Drittel der Niederl\u00e4nder und immerhin rund ein F\u00fcnftel der Schweden. Das kann nicht einfach daran liegen, dass die Deutschen schlechtere Nerven haben. Oder etwa doch?<\/p>\n<p>                \t                                                <!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Wer sich auf die Suche nach den Gr\u00fcnden f\u00fcr die Aktienphobie der Bundesb\u00fcrger macht, h\u00f6rt zumindest das Argument immer wieder: Die Deutschen seien eben von Natur aus besonders risikoscheu. Ein gro\u00dfer Bl\u00f6dsinn sei das, findet Andreas Hackethal, Finanzprofessor an der Frankfurter Goethe-Universit\u00e4t. Hackethal hat die deutsche Aktienunlust in mehreren Studien untersucht \u2013 und ist dabei zu einem klaren Ergebnis gekommen: Wenn sich Menschen auf etwas nicht einlassen, kann es aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht nur einen Grund daf\u00fcr geben \u2013 die Sache ist ihnen zu teuer. Mit anderen Worten: Den Deutschen sind Aktien schlicht zu kostspielig.<\/p>\n<p>Aber kann das stimmen? Schlie\u00dflich kann jeder heutzutage ohne Schwierigkeiten ein kosteng\u00fcnstiges Online-Depot er\u00f6ffnen, schlie\u00dflich ist das Handeln von Aktien auch f\u00fcr Privatanleger ohne hohe Geb\u00fchren m\u00f6glich. Es m\u00fcssen also andere Kosten sein, um die es sich handelt \u2013 in der \u00d6konomie h\u00f6ren sie auf einen umst\u00e4ndlichen Namen: Informationskosten. Damit ist gemeint: Es erscheint vielen Deutschen schlicht zu aufwendig, ihre Zeit in das Verstehen des Aktienmarktes zu investieren. Dies hat vor allem damit zu tun, dass es jahrzehntelang eine vermeintlich bequemere Form der Vorsorge gab, bei der man selbst gar nichts machen musste \u2013 die gesetzliche Rentenversicherung.<\/p>\n<h2>Deutsche Unternehmen bevorzugten Bankkredite<\/h2>\n<p>Die ist zwar im Detail auch nicht immer leicht zu begreifen. Doch lange Zeit vertrauten die Deutschen ohne gr\u00f6\u00dfere Sorgen auf deren Umlageverfahren: Jede Generation zahlte die Rente ihrer Eltern und konnte sich sicher sein, dass ihre Kinder dies auch eines Tages tun w\u00fcrden. Davon lie\u00df sich im Ruhestand einigerma\u00dfen leben, warum also sich um so etwas Komplexes wie die Geldanlage in Aktien k\u00fcmmern? Allerdings: G\u00e4nzlich darauf verlassen haben sich die Deutschen dann doch nie. Schon immer geh\u00f6rten sie zu den Sparweltmeistern, zahlten beachtliche Summen auf ihre Sparb\u00fccher ein. Aber auch das war ein einfacherer und bequemerer Weg als ein Aktieninvestment.<\/p>\n<p>Ganz anders die Amerikaner. Dass sie ein Volk der Aktion\u00e4re sind, hat auch viel mit einer recht kryptisch wirkenden Abk\u00fcrzung zu tun: 401 (k). Dabei handelt es sich um spezielle Pensionspl\u00e4ne, die Amerikaner \u00fcber ihren Arbeitgeber abschlie\u00dfen \u2013 benannt nach dem Gesetzesparagraphen, in dem die Ausgestaltung geregelt ist. Auf diesen 401-(k)-Pensionsfonds ist ein Gro\u00dfteil der Altersvorsorge der amerikanischen Bev\u00f6lkerung aufgebaut, und die Gelder, die die Amerikaner hier einzahlen, flie\u00dfen vor allem in eine Anlageklasse \u2013 in Aktien.<\/p>\n<p>Das erkl\u00e4rt, warum Amerikaner sich so leicht mit der Aktie tun: Sie sind quasi gezwungen, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Durch die st\u00e4ndig aktualisierten Mitteilungen zum Stand ihres Fondsverm\u00f6gens lernen sie, mit Kursschwankungen umzugehen, sie erhalten ein Gef\u00fchl daf\u00fcr, was an der B\u00f6rse gerade los ist. \u201eDas sind wichtige Erfahrungs- und Lerneffekte, die auch innerhalb der Familie weitergegeben werden\u201c, sagt Forscher Hackethal. \u201eDen Deutschen fehlt dies.\u201c Zwar sind die Vorsorgesysteme europ\u00e4ischer L\u00e4nder im Detail nicht mit den Vereinigten Staaten vergleichbar. Aber auch beispielsweise in den Niederlanden, in Gro\u00dfbritannien und in Skandinavien gilt: Die Aktie spielt bei der Altersvorsorge eine viel gr\u00f6\u00dfere Rolle. Auf diese Weise lernen die Menschen den Umgang damit \u2013 und kaufen dann eben auch mal selbst einen Anteilsschein.<\/p>\n<p>Doch allein mit der unterschiedlichen Art der Altersvorsorge l\u00e4sst sich die Zur\u00fcckhaltung der Deutschen nicht erkl\u00e4ren. Sie hat n\u00e4mlich nach Meinung vieler Forscher auch mit der Art des deutschen Finanzsystems zu tun. Was so hochtrabend klingt, bedeutet in einfachen Worten: W\u00e4hrend es in Amerika und Gro\u00dfbritannien v\u00f6llig normal ist, dass Firmen sich frisches Geld \u00fcber die B\u00f6rse beschaffen, verfolgten die meisten deutschen Unternehmen jahrzehntelang einen anderen Weg \u2013 sie nahmen Bankkredite auf.<\/p>\n<h2>F\u00fcnf Prozent Rendite pro Jahr<\/h2>\n<p>Was das mit dem einzelnen Anleger zu tun hat? Eine ganze Menge. Eine Gesellschaft wie die deutsche, in der Banken stets als erste Ansprechpartner in allen Finanzfragen gelten, ist dann n\u00e4mlich auch besonders an Zinsen und Sparb\u00fcchern interessiert. In Amerika dagegen, wo B\u00f6rseng\u00e4nge und Kapitalerh\u00f6hungen an der Tagesordnung sind, steht stattdessen die Aktie im Vordergrund. Wissenschaftler sprechen in einem solchen Fall von Pfadabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>Doch es gibt bei aller sachlichen Analyse auch ein aufw\u00fchlendes Ereignis, das vielen Deutschen die Freude an der Aktie verleidet hat: Noch immer wirkt der Absturz der Aktie der Deutschen Telekom wie ein kollektives Trauma. Auf dem H\u00f6hepunkt des Internetbooms im Jahr 2000 trauten sich viele Deutsche erstmals an Aktien heran, zeichneten Neuemissionen wie im Rausch und setzten unter Missachtung aller Anlageregeln alles auf nur wenige Aktien. Am Ende wurden sie bitter entt\u00e4uscht: Binnen weniger Monate verlor vor allem die Telekom-Aktie fast 90 Prozent an Wert. Verluste, die f\u00fcr viele den Aktienkauf bis heute zum Tabu machen.<\/p>\n<p>Bezeichnenderweise gab es in der deutschen Geschichte nur einen einzigen Zeitpunkt, zu dem die Bundesb\u00fcrger einen gr\u00f6\u00dferen Anteil ihres Verm\u00f6gens in Aktien hielten als im Jahr 2000. Dies war im Jahr 1950, die Quote lag damals nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts bei stattlichen 26,5 Prozent. Grund f\u00fcr den ungew\u00f6hnlichen Anstieg: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatten viele Menschen ihre Immobilien verloren, Staatsanleihen waren ausgefallen \u2013 viele deutsche Unternehmen aber existierten nach wie vor. Ihre Aktien und der damit verbundene Wert hatten den Krieg \u00fcberdauert.<\/p>\n<p>Allein das ist schon ein eindrucksvolles Argument f\u00fcr die Vorz\u00fcge der Aktie. Doch noch st\u00e4rker wirkt selbst bei den skeptischen Deutschen wom\u00f6glich eine Zahl: Danach konnten Anleger, die seit dem Jahr 2000 Monat f\u00fcr Monat eine feste Summe in den Dax investiert haben, trotz des Aufs und Abs der Kurse in all der Zeit ein gutes Gesch\u00e4ft machen. Die Rendite betrug im Schnitt f\u00fcnf Prozent pro Jahr.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/aktien\/die-deutschen-kaufen-keine-aktien-dax-rekord-und-keiner-geht-hin-12645693.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/aktien\/die-deutschen-kaufen-keine-aktien-dax-rekord-und-keiner-geht-hin-12645693.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die B\u00f6rsenkurse steigen und steigen, doch die Deutschen haben davon nichts: Aktien fassen sie nicht an. 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