{"id":19330,"date":"2013-10-29T11:07:18","date_gmt":"2013-10-29T11:07:18","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19330"},"modified":"2013-10-29T11:07:18","modified_gmt":"2013-10-29T11:07:18","slug":"schlechte-nachrichten-sind-glaubwurdiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19330","title":{"rendered":"\u201eSchlechte Nachrichten sind glaubw\u00fcrdiger\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Ob Teenager-Schwangerschaften, Sozialbetrug oder Einwanderung &#8211; viele Briten \u00fcbersch\u00e4tzen die sozialen Probleme in ihrem Land. Im Interview erkl\u00e4rt ein Kommunikationswissenschaftler, wie die Situation in Deutschland aussieht und was die Medien dagegen tun k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\"><em>Soziale Probleme werden nicht nur in Gro\u00dfbritannien, sondern auch in Deutschland teils massiv \u00fcbersch\u00e4tzt, glaubt Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Universit\u00e4t Hohenheim.<\/em><\/p>\n<p><strong>Eine Studie bescheinigt den Briten, dass die \u00f6ffentliche Wahrnehmung bei sozialen Themen oft deutlich daneben liegt. Sind die Deutschen da besser?<\/strong><\/p>\n<p>Nein. Das ist bei uns weitgehend auch so. Aber nicht nur bei uns, sondern das ist auch in den Vereinigten Staaten und vielen anderen L\u00e4ndern nachgewiesen.<\/p>\n<p><strong>Woran liegt das?<\/strong><\/p>\n<p>In der Kommunikationswissenschaft gibt es daf\u00fcr den Begriff der Kultivierungshypothese. Das bedeutet, dass die Darstellung der Medien die \u00f6ffentliche Wahrnehmung pr\u00e4gt. Und dort liefern negative Nachrichten in der Regel gr\u00f6\u00dfere Schlagzeilen als positive Meldungen. Bei der allgemeinen Wirtschaftslage, der Sicherheit der Renten oder dem Kriminalit\u00e4tsniveau wird daher die gesellschaftliche Entwicklung als problematisch eingesch\u00e4tzt. Auf der privaten Ebene sagt man dagegen in denselben Bereichen: Alles \u00fcberhaupt kein Thema. Das ist eigentlich paradox, denn man sollte ja meinen, dass die Summe der Einzelmeldungen der \u00f6ffentliche Wahrnehmung entspricht. Aber diese Kluft ist sehr, sehr gut nachgewiesen.<\/p>\n<p><strong>Die Berichterstattung ist also nicht ausgewogen genug?<\/strong><\/p>\n<p>Weltweit hat sich der Nachrichtenfaktor des Negativismus etabliert. Zum Beispiel wird gro\u00df \u00fcber die wirtschaftlichen Probleme von Karstadt berichtet. Aber ist das \u00fcberhaupt ein typischer Fall? Es gibt ja auch zahlreiche Neugr\u00fcndungen, aber die sind in den Medien nicht so pr\u00e4sent.<\/p>\n<p><strong>Was k\u00f6nnen Medien denn tun, um diese Tendenz zu \u00fcberwinden?<\/strong><\/p>\n<p>Zuerst m\u00fcssen Journalisten das zur Kenntnis nehmen. Und dann sollten sie in der Auswahl der Nachrichten nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig auf negative Aspekte achten. Sie sollen nat\u00fcrlich nicht sch\u00f6nf\u00e4rben, aber etwas ausgewogenere Berichterstattung w\u00e4re schon w\u00fcnschenswert. Wenn zum Beispiel bei den Arbeitslosenzahlen eine gewisse Grenze nach oben hin durchbrochen wird, werden gro\u00dfe Schlagzeilen formuliert. Wenn die Zahlen wieder sinken, fehlen diese Schlagzeilen.<\/p>\n<p><strong>Wieso haben es schlechte Nachrichten so viel leichter, von den Medien ausgew\u00e4hlt zu werden?<\/strong><\/p>\n<p>Manche Kollegen vermuten, dass Negatives seit jeher wichtiger war und eben nach wie vor ist. Wenn man in der Steinzeit auf die Jagd ging, war die Warnung \u201eAchtung, S\u00e4belzahntiger!\u201c wichtiger als die Meldung \u201eAlles ist ruhig\u201c. Ich glaube aber, dass es vor allem daran liegt, dass negative Meldungen glaubw\u00fcrdiger sind. Bei positiven Nachrichten kommt gleich die Frage auf, f\u00fcr wen da Lohnschreiberei betrieben wird. Von journalistischer Seite kommt au\u00dferdem oft das Argument, dass Negatives beliebter beim Leser ist. Aber daf\u00fcr gibt es keinen empirischen Beleg. Leser wollen ausgewogene Berichterstattung.<\/p>\n<p><strong>Haben Journalisten die Alleinverantwortung f\u00fcr die schlechte \u00f6ffentliche Wahrnehmung von sozialen Themen. Welche Rolle spielt zum Beispiel die Politik?<\/strong><\/p>\n<p>Die Politik hat selbstverst\u00e4ndlich ebenso eine Verantwortung. Das Problem ist, dass Nachrichten aus Parteien nur sehr gefiltert wahrgenommen werden. Wenn die CDU mitteilt, dass es dem Land gut geht, werden SPD-Anh\u00e4nger das erst einmal f\u00fcr wenig glaubw\u00fcrdig halten. Anders herum gilt genau dasselbe.<\/p>\n<p><strong>Warum schlagen populistische Parteien aus der negativ gestimmten \u00f6ffentlichen Meinung dann nicht mehr Kapital?<\/strong><\/p>\n<p>Bei Landtagswahlen haben wir den Erfolg populistischer Parteien ja schon beobachtet. Erinnern Sie sich etwa an die Schill-Partei in Hamburg oder an den Erfolg rechtsextremer Kr\u00e4fte in Ostdeutschland. Bei der Bundestagswahl ist die Gefahr in Deutschland geringer, auch wegen unserer Geschichte. Au\u00dferdem hat der Negativismus der Medien ausgerechnet vor der Bundestagswahl abgenommen &#8211; das kann sich aber schnell wieder \u00e4ndern.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/oeffentliche-wahrnehmung-schlechte-nachrichten-sind-glaubwuerdiger-12638879.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/oeffentliche-wahrnehmung-schlechte-nachrichten-sind-glaubwuerdiger-12638879.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob Teenager-Schwangerschaften, Sozialbetrug oder Einwanderung &#8211; viele Briten \u00fcbersch\u00e4tzen die sozialen Probleme in ihrem Land. 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