{"id":19320,"date":"2013-10-23T11:07:11","date_gmt":"2013-10-23T11:07:11","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19320"},"modified":"2013-10-23T11:07:11","modified_gmt":"2013-10-23T11:07:11","slug":"die-banken-und-ihr-fitness-test","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19320","title":{"rendered":"Die Banken und ihr Fitness-Test"},"content":{"rendered":"<p>Die EZB wird 128 Banken in den n\u00e4chsten zw\u00f6lf Monaten im Stresstest pr\u00fcfen &#8211; 24 davon aus Deutschland. Den Aufbau der  Bankenaufsicht unter dem Dach der EZB treibt ma\u00dfgeblich der Luxemburger Yves Mersch voran. Ein Portr\u00e4t.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Er ist ein begeisterter Turner, und betrieb den Sport viele Jahre auf professionellem Niveau. Turner wirbeln auf Barren und an der Reckstange herum. Yves Merschs Medienberater sind aber gar nicht so begeistert, wenn das m\u00e4chtige EZB-Direktoriumsmitglied in internationalen Zeitungen wieder einmal als Turner-Figur dargestellt wird. Da kommen schnell Assoziationen auf, der mit seinen 64 Jahren agile Mersch sei irgendwie zu flexibel und biegsam f\u00fcr einen Zentralbanker, der auf Stabilit\u00e4t verpflichten ist- oder er turne gar ohne Sicherheitsnetz.<\/p>\n<p>Als Drahtseilakt erscheint nun der Aufbau der Bankenaufsicht unter dem Dach der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB), f\u00fcr den der Luxemburger ma\u00dfgeblich verantwortlich ist. Schon ein falscher Schritt kann zum Absturz f\u00fchren. Mersch steht dabei von mehreren Seiten unter Druck. Bankenverb\u00e4nde dringen hinter den Kulissen darauf, keine zu hohe Kapitalh\u00fcrde anzulegen. \u201eWir werden uns dem Lobby-Druck einiger Banken nicht beugen\u201c, hat Mersch schon vor einem Monat vorbeugend in einer Rede \u00f6ffentlich bekannt.<\/p>\n<p>Bei der tiefgreifenden Bilanzpr\u00fcfung werden die EZB-Aufseher in den Eingeweiden der Banken herumstochern und sicherlich einige unsch\u00f6ne Funde machen. F\u00fcr manches Institut mit vielen ausfallgef\u00e4hrdete Krediten kann es eng werden. Bankaktien geh\u00f6rten am Mittwoch zu den Verlierern an den B\u00f6rsen, als die EZB die Details der kommenden Bilanzpr\u00fcfung bekannt gab. Aber Mersch gibt sich \u00fcberzeugt, dass die \u00dcbung letztlich nicht zu Verunsicherung, sondern zu mehr Vertrauen f\u00fchren wird. Er hofft, dass die Banken vorausschauend gen\u00fcgend Kapital aufnehmen werden, um die Anforderungen zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Und eine m\u00f6gliche Belastung der Steuerzahler durch neue gro\u00dfe Kapitalspritzen f\u00fcr Banken? Dazu werde es nicht kommen, gibt er sich fest \u00fcberzeugt. Europas Banken h\u00e4tten sich schon gro\u00dfe Polster beschafft. Im Durchschnitt liege die Kapitalquote der Gro\u00dfbanken nun bei ann\u00e4hernd 12 Prozent, also weit \u00fcber den geforderten 8 Prozent. Allerdings steckt die EZB in einem Dilemma: F\u00e4llt das Ergebnis ihrer Bilanzpr\u00fcfung zu g\u00fcnstig aus, bleibt Misstrauen, ob sie wirklich alle Leichen in den Kellern der Banken gefunden hat. Andererseits w\u00fcrde ein zu schlechtes Ergebnis f\u00fcr einige Institute, gerade aus den angeschlagenen S\u00fcdl\u00e4ndern, eine neue Welle der Verunsicherung bei Investoren ausl\u00f6sen. F\u00fcr Mersch ist diese Gratwanderung bei der Bilanzpr\u00fcfung die gr\u00f6\u00dfte Aufgabe in seinem Berufsleben. Er sprach von der zu bauenden Bankenunion als der \u201eultimativen Herausforderung unserer Zeit\u201c.<\/p>\n<h2>Ein Kritiker der Staatsanleihek\u00e4ufe<\/h2>\n<p>Im Rat der EZB geh\u00f6rt er zu den erfahrensten Mitgliedern. Nur er und der Franzose Christian Noyer geh\u00f6ren seit Gr\u00fcndung der EZB 1998 ihrem Rat an, Mersch elf Jahre lang als Gouverneur der damals ebenfalls neu gegr\u00fcndeten Luxemburger Zentralbank. Er hat einen langen Weg zum stabilit\u00e4tsbewussten Geldpolitiker hinter sich. Geboren 1949 als Sohn eines Luxemburger Verfassungsrichter, hat Mersch in Paris an der Sorbonne Jura und Politik studiert. Die volkswirtschaftlichen Kurse, die er dort belegte, waren in der Zeit nach 1968 stark marxistisch angehaucht. Mersch wurde Mitglied der gem\u00e4\u00dfigt sozialistischen Luxemburgischen Arbeiterpartei. Ein zweij\u00e4hriger Einsatz beim Internationalen W\u00e4hrungsfonds in Washington, wo er seine Frau, eine malaysische \u00d6konomin, kennenlernte, brachte f\u00fcr ihn einen kleinen Kulturschock. Bald wurde er zum \u00fcberzeugten Marktwirtschaftler.<\/p>\n<p>Nach mehreren Stationen in der Luxemburgischen Verwaltung und im Finanzministerium stieg er dort 1989 zum Direktor des Schatzamtes auf. In dieser Position hat er an den Verhandlungen mitgewirkt, die zum Maastricht-Vertrag und der Schaffung des Euro f\u00fchrten. Der Sprung ins EZB-Pr\u00e4sidium gelang ihm erst im zweiten Anlauf und gegen den Widerstand linker und liberaler EU-Abgeordneter, die eine Frau dort sehen wollten. Er k\u00f6nne nichts daf\u00fcr, dass er ein Mann sei, sagte der Schnauzbarttr\u00e4ger. Seine Qualifikation haben die querschie\u00dfenden Abgeordneten nie bestritten.<\/p>\n<p>Der Zentralbanker Mersch gilt als Vertreter einer stabilit\u00e4tsorientierten Linie. Als die Euro- Schuldenkrise eskalierte, geh\u00f6rte er neben Bundesbank-Chef Jens Weidmann zu den Kritikern der EZB-Staatsanleihek\u00e4ufe. Dann aber blieb nur noch Weidmann allein \u00fcbrig, der das neue Anleihekaufprogramm von EZB-Chef Mario Draghi ablehnt, weil er es als verbotene monet\u00e4re Staatsfinanzierung ansieht. Mersch hingegen lobt es als \u201eein gewaltiges Bollwerk gegen die zerst\u00f6rerischen Szenarien\u201c, die an den Finanzm\u00e4rkten gespielt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Spannend wird die Frage, wer aus dem sechsk\u00f6pfigen EZB-Direktoriums dauerhaft die Aufgabe \u00fcbernimmt, die Bankenaufsicht zu f\u00fchren. Vorsitzende des \u201eSupervisory Boards\u201c wird h\u00f6chstwahrscheinlich die franz\u00f6sische Bankenaufseherin Daniele Nouy. Sie gilt als quasi gesetzt, auch wenn die EZB heuchlerisch behauptet, es gebe ein \u201eoffenes und transparentes\u201c Bewerbungsverfahren. F\u00fcr den Vize-Posten k\u00e4men vor allem der bisherige EZB-Chefvolkswirt Peter Praet oder Mersch in Frage. EZB-Vizepr\u00e4sident V\u00edtor Const\u00e2ncio hat wohl wenig Aussichten, der Deutsche J\u00f6rg Asmussen hat verzichtet. Intern werden Mersch gr\u00f6\u00dfere Chancen ausgerechnet. Der Posten ist aber ein hei\u00dfer Stuhl. Von \u201egro\u00dfen Abw\u00e4rtsrisiken\u201c sprechen sie intern \u2013 gemeint ist eine gro\u00dfe Fallh\u00f6he, falls die Sache schiefgeht, etwa weil der EZB bei ihrem Bankenfitnesstest eine Zombiebank \u00fcbersieht und dann mit deren Altlasten zu k\u00e4mpfen hat.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/unter-stress-die-banken-und-ihr-fitness-test-12630684.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/unter-stress-die-banken-und-ihr-fitness-test-12630684.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EZB wird 128 Banken in den n\u00e4chsten zw\u00f6lf Monaten im Stresstest pr\u00fcfen &#8211; 24 davon aus Deutschland. Den Aufbau der Bankenaufsicht unter dem Dach der EZB treibt ma\u00dfgeblich der Luxemburger Yves Mersch voran. 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