{"id":19216,"date":"2013-10-25T17:16:25","date_gmt":"2013-10-25T17:16:25","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19216"},"modified":"2013-10-25T17:16:25","modified_gmt":"2013-10-25T17:16:25","slug":"noch-einmal-anlassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19216","title":{"rendered":"Noch einmal anlassen"},"content":{"rendered":"<p>Kaum zu glauben, aber wahr: Zw\u00f6lf Zylinder im Ferrari faszinieren auch auf dem t\u00e4glichen Weg ins B\u00fcro. Du fliehst einfach gen Horizont. Doch so ein Auto kann auch f\u00fcr Probleme sorgen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Ein Ferrari ist im Haus. Das wirft Fragen auf. Wie bekommt man es hin, braune Schuhe zum dunkelgrauen Anzug zu tragen? Kann ich eine Pizza Pepperoniwurst f\u00fcr 5,50 Euro bestellen, obwohl drau\u00dfen 740 Pferde angebunden sind? Wie l\u00e4sst sich der Menschenauflauf zerstreuen, ohne dabei den unabl\u00e4ssig \u201eMamma mia, che bella macchin!\u201c ausrufenden italienischen Nachbarn so zu kr\u00e4nken, dass er sich nicht gleich auf den Boden wirft, w\u00e4lzt und die Gelbe Karte fordert?<\/p>\n<p>Wo stellt man dieses Auto ab w\u00e4hrend eines Termins in einem Viertel, in dem Rot und Licht andere Bedeutung haben als Au\u00dfenlackierung und LED-Scheinwerfer? Die letzten Worte des etwas unruhigen Ferrari-Mitarbeiters vor der Abfahrt klingen uns noch im Ohr: Sie haben doch eine Garage? Ja, ja, haben wir, aber in der Frankfurter Innenstadt gerade nicht zur Hand. Wir stellen den F12 in ein Parkhaus. Es passiert nichts.<\/p>\n<h2>Nur acht Durchg\u00e4nge Probesitzen<\/h2>\n<p>Bis wir wieder wegfahren. So ein Parkhaus ist ein sch\u00f6ner Resonanzk\u00f6rper. Der Zw\u00f6lfzylinder erhebt sich nach Druck auf den roten Startknopf aus seinem vor\u00fcbergehenden Ruhestand je nach Temperatur mit einem zornigen Satz oder mit einem sehr zornigen in die N\u00e4he von 2.500\/min. Im familieneigenen Diesel w\u00e4re das keiner Erw\u00e4hnung wert. Hier schon. Ja, uns ist das mit dem Feuerwehreinsatz auch unangenehm, und nein, wir k\u00f6nnen uns nicht erkl\u00e4ren, wieso die Brandmelder geborsten sind.<\/p>\n<p>Wochenende, Tennisplatz. Es lebt sich ganz gut zwischen Porsche und Range Rover. Schon nach acht Durchg\u00e4ngen Probesitzen ist die Schar Neugieriger zufriedengestellt. Der Tag geht entspannt zu Ende, ein Pokal des Filius ist zu verbuchen, Mann und Frau entern ihre Gef\u00e4hrte. Wir h\u00e4tten das mit der vierflutigen Auspuffanlage gern noch erkl\u00e4rt, aber da hatte die hinter dem startenden Ferrari entlangschlendernde Dame schon vor Schreck alle Taschen fallen lassen.<\/p>\n<p><!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Dabei wussten wir doch um die Ersch\u00fctterungen, den Startknopf, gelobten Zur\u00fcckhaltung (nicht wirklich), und wir hatten in den R\u00fcckspiegel geschaut (wirklich). In dem ist leider nichts zu erkennen. Ein Ferrari-Pilot blickt nach vorn, nur nach vorn, sagte schon Fernando Alonso. Der muss dabei st\u00e4ndig einen Red Bull Renault ertragen, wir nur den langen Strich, der die Fahrspur auf der Autobahn teilt.<\/p>\n<p>Das Auto ist eigentlich ein GT, hat der Ferrari-Mann gesagt. Schon klar. Ihn locker um die Kurven zu werfen ist bei 4,62 Meter L\u00e4nge und 1.630 Kilogramm keine leichte \u00dcbung. Also schnurstracks dem Horizont entgegen. F\u00fcnf rote Warnleuchten blitzen nach und nach im Lenkrad auf, immer wenn die Maschine 5.500\/min \u00fcerschreitet, die Automatik wirft die n\u00e4chste Stufe ein. Oder man nimmt die Schaltarbeit, die ein Vergn\u00fcgen ist, \u00fcber Paddel selbst in die Hand.<\/p>\n<h2>Das Gebr\u00fcll ist infernalisch, herrlich<\/h2>\n<p>Das Gebr\u00fcll des Zw\u00f6lfzylinders, der eben in der Stadt noch dezent vor sich hin brabbelte und ohne Murren durch die 30-km\/h-Zone surrte, ist jetzt infernalisch, herrlich. Resonanzrohre vom Auspuff f\u00fchren gen Innenraum, damit man jederzeit im Tone ist. Der Drehzahlmesser zuckt hoch, vor der Angabe km\/h laufen Ziffern durch: 220, 240, 270, es sind jetzt keine nennenswerten Fahrwiderst\u00e4nde zu erkennen, die einer weiteren Beschleunigung abtr\u00e4glich w\u00e4ren. 285, 301, 306. Genug. So leer ist keine Autobahn. Ferrari gibt als H\u00f6chstgeschwindigkeit \u201e\u00dcber 340 km\/h\u201c an.<\/p>\n<p>Es wird stimmen, so wie die 8,5 Sekunden. Von null auf 100 km\/h? Auf 200. Launch Control ist dabei hilfreich. In Kurzform: System aktivieren, linken Fu\u00df auf die Bremse, rechten Fu\u00df voll aufs Gas, linken Fu\u00df lupfen, beim Ausbruch des \u00c4tna das Schalten nicht vergessen. Das Heck m\u00f6chte vor der Front ins Ziel, die Elektronik unterbindet \u00fcberm\u00e4\u00dfige Ausbruchversuche. Man kann s\u00e4mtliche elektronischen Hilfen mit dem Manettino genannten Drehschalter am Lenkrad abschalten. Man kann 268400 Euro in die Wand setzen.<\/p>\n<h2>Welch sch\u00f6ne Details<\/h2>\n<p>Das mit den Kurven geht \u00fcbrigens trotzdem recht flott. Die Lenkung ist pr\u00e4zise, das Fahrwerk knackig, die Konkurrenz in der psychotherapeutischen Nachsorge. Es gibt da noch ein paar Dinge: Hatten wir schon diese stilvollen N\u00e4hte im edel ausgeschlagenen Innenraum erw\u00e4hnt? Die Ringe an den L\u00fcftungsd\u00fcsen sind eine Verf\u00fchrung. Das Handschuhfach wird auf Knopfdruck elektrisch entriegelt. Welch sch\u00f6ne Details.<\/p>\n<p>Im Kofferraum ist Teppich ausgelegt, den unsere Katze nicht mehr preisgeben w\u00fcrde. Das Lenkrad und seine Umgebung? Sie kommt ohne Hebel aus, weshalb man die Fahrtrichtungsanzeiger \u00fcber Tasten nach links mit dem linken und nach rechts mit dem rechten Daumen bet\u00e4tigt. Ein Knopf f\u00fcr die Scheibenwischer, einer f\u00fcr das Fernlicht, das Volant ist der Kommandostand. Es gibt ein Radio, wir hatten es nie an. Wem aber ist das Reibeisen im Fu\u00dfraum auf der Beifahrer-Innenseite eingefallen? Irgendwie albern und genderm\u00e4\u00dfig nat\u00fcrlich vollkommen unkorrekt.<\/p>\n<h2>Mit dem iPhone 5 verbindet sich der Ferrari ungern<\/h2>\n<p>Die Fensterheber kauern in der Mittelkonsole. Die beiden recht kommoden Sitze sind nicht h\u00f6henverstellbar und l\u00e4ngs manuell zu justieren. Man hatte uns wohl die Billigversion zugef\u00fchrt. Der Kofferraum liegt hinten und ist nach Ma\u00dfst\u00e4ben von Supersportwagen verschwenderisch gro\u00df, nur die Kante in Schulterh\u00f6he erschwert die Beladung, sofern kein Gabelstapler bereitsteht. Die Anzeigen im Armaturentr\u00e4ger sind von gestern mit dem technischen Unterbau von vorgestern.<\/p>\n<p>Mit dem iPhone 5 verbindet sich der Ferrari eher ungern. Das wird so nicht bleiben k\u00f6nnen, nicht nur wegen der Asiaten, die diesbez\u00fcglich wenig Spa\u00df verstehen. Jaha, und der Verbrauch. Die italienischen Scherzbolde geben doch glatt 15 Liter auf 100 Kilometer an. 25 Liter sind schon realistischer. Volltanken beschert einen Krater im Portemonnaie und magere 400 Kilometer Reichweite.<\/p>\n<p>Der Einf\u00fcllstutzen macht dich zum Depp an der Tanke. Man muss ihn mit der Nase der Zapfpistole ein wenig nach oben schieben, um die \u00d6ffnung frei zu bekommen. Wer das nicht wei\u00df, fummelt mit der Pistole hilflos herum. Schwamm dr\u00fcber, die Kommentare der Aral-Fachkraft tun schon fast nicht mehr weh.<\/p>\n<p>Es ist ein feuchter Herbstmorgen, unser letzter Tag. Der Zw\u00f6lfzylinder grummelt und dampft vor sich hin wie das Ungeheuer von Loch Ness, bevor es aus dem See springt. 20 Prozent aller F12-Fahrer nutzen ihren jeden Tag, die meisten anderen fahren nur 2.000 Kilometer im Jahr. Wir geh\u00f6rten gern zur Minderheit. Ein Ferrari geht aus dem Haus. Noch einmal anlassen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/ferrari-f12-berlinetta-noch-einmal-anlassen-12626382.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/ferrari-f12-berlinetta-noch-einmal-anlassen-12626382.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum zu glauben, aber wahr: Zw\u00f6lf Zylinder im Ferrari faszinieren auch auf dem t\u00e4glichen Weg ins B\u00fcro. Du fliehst einfach gen Horizont. 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