{"id":19208,"date":"2013-10-22T17:16:10","date_gmt":"2013-10-22T17:16:10","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19208"},"modified":"2013-10-22T17:16:10","modified_gmt":"2013-10-22T17:16:10","slug":"breuni-bar-und-exquisit-etage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19208","title":{"rendered":"Breuni-B\u00e4r und Exquisit-Etage"},"content":{"rendered":"<p>Breuninger ist eines der wenigen deutschen Kaufh\u00e4user, das es mit der internationalen Konkurrenz aufnehmen kann. Das liegt vor allem am Service. Die Kunden sollen staunen, im Stuttgarter Stammsitz wie im neuen D\u00fcsseldorfer Store.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Was staunten die Stuttgarter Kaufhauskunden da, einer nach dem anderen, als sie v\u00f6llig unerwartet von den in Schwarz gekleideten Verk\u00e4uferinnen in diese Hinterzimmer gef\u00fchrt wurden. \u201eW\u00e4ren Sie an einer Kundenkarte interessiert?\u201c Die Frage, die heute v\u00f6llig gew\u00f6hnlich klingt, beinahe nervig kam damals, in der fr\u00fchen Bundesrepublik, vor allem \u00fcberraschend. Sie klang aufregend.<\/p>\n<p>Eine Stunde dauerte das Aufnahmesystem. Was man da alles ankreuzen musste: Nach dem Beruf wurde gefragt, nach dem Jahresgehalt, am Ende stand die Schnellauskunft \u00fcber die Kreditw\u00fcrdigkeit. Es war eine Zeit, als die Verk\u00e4uferinnen an jedem anderen beliebigen Kassentresen des Landes noch schwiegen, als noch niemand ihr Kundenkarten-Gemurmel erfunden hatte: \u201ePayback-Karte?\u201c<\/p>\n<p>Mit der ersten Kundenkarte Deutschlands, die Heinz Breuninger erstmals 1959 in seinem Warenhaus vorgestellt hatte, blieb er jahrzehntelang ziemlich allein. \u201eDamals wurden numerierte Papierkarten ausgegeben\u201c, sagt Willy Oergel, der heutige Chef des Unternehmens. \u201eUnd die Kunden bekamen am Monatsende f\u00fcr ihren Einkauf eine Rechnung.\u201c Die Tradition ist bis heute sichtbar: \u201eSechs von zehn Kunden bezahlen mit der Breuninger-Karte\u201c, sagt Oergel.<\/p>\n<p>Zumindest ist das in Stuttgart so, dem Stammsitz des Unternehmens. Mittlerweile hat das Warenhaus weitere St\u00fctzpunkte er\u00f6ffnet. In Leipzig, in Karlsruhe, an zus\u00e4tzlichen sieben Standorten und nun, seit vergangenem Donnerstag, auch in D\u00fcsseldorf. Aus Breuninger ist eine Kette von Department Stores geworden. Neben den Premiumh\u00e4usern von Karstadt, zu denen das KaDeWe in Berlin geh\u00f6rt, ist Breuninger die einzige deutsche Kaufhausmarke, die es mit dem internationalen Vergleich aufnehmen kann, den La Rinascentes in Italien, den Galeries Lafayettes in Frankreich, den Filialen von Harvey Nichols in Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<p>Das liegt nicht etwa an der besonderen Kauflust der Deutschen oder am Modeverst\u00e4ndnis der Schwaben. Es liegt vor allem am Service \u2013 daran, dass dieses Warenhaus von Anfang an den Charakter eines Erlebnishauses haben sollte. Hier konnten die Stuttgarter im hauseigenen Schwimmbad im Obergeschoss in den siebziger Jahren Spa-Tage einlegen, bevor sie das W\u00f6rtchen Wellness \u00fcberhaupt kannten. Durch die Etagen darunter schossen derweil die gl\u00e4sernen Aufz\u00fcge, es gab den Shuttleservice, der einen nach dem Shopping bis vor die Haust\u00fcr fuhr, den Kinderfris\u00f6r, die Betreuung f\u00fcr Kinder, den \u201eBreuni-B\u00e4r\u201c, der im Haus herumzog und die Kleinen bei Laune hielt.<\/p>\n<p>Beim Streben nach Wohlstand in den Nachkriegsjahren lieferte das Haus, das bereits im Jahr 1881 gegr\u00fcndet wurde, den Kunden eine faszinierend glitzernde Lebensvorlage. \u201eMan kann an vielen Orten Kleider kaufen\u201c, sagt Oergel. \u201eEs geht darum, die Menschen im Herzen zu erreichen.\u201c Man muss sie zum Staunen bringen. Daf\u00fcr reiste Heinz Breuninger regelm\u00e4\u00dfig in die Vereinigten Staaten \u2013 und kehrte mit neuen Inspirationen zur\u00fcck: mit den Ideen zu den Kundenkarten, den Restaurants auf jedem Stockwerk, die mittlerweile auch in den Einkaufszentren der Provinz selbstverst\u00e4ndlich geworden sind. \u00dcber das Stuttgarter Stammhaus kamen sie zum ersten Mal nach Deutschland.<\/p>\n<p>Willy Oergel geht es heute indes vor allem um die richtige Inszenierung, um die Konzentration auf Schwerpunkte. Im neuen D\u00fcsseldorfer Haus gibt es f\u00fcnf Etagen. Da sind zu kaufen: Schuhe, Accessoires, Beauty, Kleidung. Und das war\u2019s. Ansonsten kann man sich noch in der eigenen Ma\u00dfschneiderei Anz\u00fcge fertigen lassen. Oder jene Abteilung nutzen, die passenderweise \u201eSpecial Service\u201c hei\u00dft: \u201eSollten Sie f\u00fcr Ihren Einkauf zum Beispiel nur zehn Minuten Zeit haben\u201c, sagt Oergel, \u201edann bereiten wir dort in separaten R\u00e4umen alles vor. Sie brauchen nicht im Haus zu suchen. Aufgrund Ihrer Angaben kennen wir Ihre Marken, Ihre Vorlieben und wissen, f\u00fcr welchen Anlass Sie etwas ben\u00f6tigen.\u201c<\/p>\n<p>Aber zum Beispiel eine Papeterie-Abteilung sucht man im neuen D\u00fcsseldorfer Haus vergeblich. Wo sind die Bildb\u00e4nde, das Geschirr, das sch\u00f6ne Spielzeug, das Reisegep\u00e4ck? Muss ein Kaufhaus nicht f\u00fcr alle Lebenslagen ein Produkt anbieten, damit man es \u00fcberhaupt ins Herz schlie\u00dfen kann? Nicht \u00fcberall ist daf\u00fcr Platz: \u201eUm allein die Sortimente Fashion, Beauty, Schuhe und Accessoires glaubw\u00fcrdig und attraktiv zu vermitteln, brauchen wir eine Gr\u00f6\u00dfe von 15.000 Quadratmetern\u201c, sagt Oergel.<\/p>\n<p>So war dann auch das ehemalige Haus, das Breuninger bis 2006 in D\u00fcsseldorf unterhielt, mit 2500 Quadratmetern schlicht zu klein. Ob das Sortiment bei den D\u00fcsseldorfer Kunden nun noch W\u00fcnsche offenl\u00e4sst? Wer wei\u00df. Auf jeden Fall macht es die Nachbarn nerv\u00f6s: Im Stammhaus von Peek &#038;amp- Cloppenburg hat man auf rund 16.000 Quadratmeter aufger\u00fcstet. Und bei Karstadt, auch nur ein paar Schritte entfernt, kann man jetzt Trend-Marken kaufen.<\/p>\n<p>Gegen die Exquisitabteilungen von Breuninger wird es die Konkurrenz wohl dennoch schwer haben: Schlie\u00dflich h\u00e4ngt da das Begehrenswerte schlauerweise gleich neben dem Erschwinglichen. Zum Beispiel h\u00e4ngen Lederleggings von The Row &#8211; jener Edelmarke, die von Mary-Kate und Ashley Olsen entworfen wird und die in deutschen H\u00e4usern selten zu finden ist \u2013 neben dem \u00e4hnlich rockigen und doch viel preisg\u00fcnstigeren Pariser Label Zadig &#038;amp- Voltaire. Eine Frau probiert am Donnerstag im vier Stunden alten Kaufhaus gleich mal eine Cape-Weste aus Pelz an, f\u00fcr mehrere tausend Euro. Die Sicherheitsschnur ragt unter dem Fell hervor wie ein Infusionsschlauch, und dennoch l\u00e4sst sie sich in dem Teil fotografieren, ganz ungeniert mit dem iPhone.<\/p>\n<p>\u201eEs ist uns wichtig, nicht als Luxuskaufhaus verstanden zu werden\u201c, sagt Oergel. \u201eWir haben qualitativ sehr gute Hemden f\u00fcr 39 Euro im Sortiment und solche f\u00fcr 300.\u201c Oder Kleider f\u00fcr mehr als 3000 Mark: Als im Jahre 1963 im Stuttgarter Stammhaus die Exquisit-Etage gegr\u00fcndet wurde, hing dort von einem Tag auf den anderen die Pr\u00eat-\u00e0-porter-Mode aus Paris, die italienischen Designerkleider, und gleich daneben leuchtete \u201ePlaza\u201c: eine eigene Haute-Couture-Abteilung mit den feinsten Roben. Gehalten hat sich \u201ePlaza\u201c \u00fcber die Jahrzehnte nicht. Zu mehr als Tr\u00e4umereien konnten diese Roben wohl leider doch nicht inspirieren. Tr\u00e4ume sind auf Dauer eben ein ziemlich teurer Service.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/mode-design\/breuninger-in-duesseldorf-breuni-baer-und-exquisit-etage-12625174.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/mode-design\/breuninger-in-duesseldorf-breuni-baer-und-exquisit-etage-12625174.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Breuninger ist eines der wenigen deutschen Kaufh\u00e4user, das es mit der internationalen Konkurrenz aufnehmen kann. Das liegt vor allem am Service. 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