{"id":19204,"date":"2013-10-27T17:15:53","date_gmt":"2013-10-27T17:15:53","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19204"},"modified":"2013-10-27T17:15:53","modified_gmt":"2013-10-27T17:15:53","slug":"nutzliche-wechselwirkungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19204","title":{"rendered":"N\u00fctzliche Wechselwirkungen"},"content":{"rendered":"<p>Nimmt man verschiedene Arzneien gleichzeitig ein, kann das Vorteile bergen, schreiben New Yorker Wissenschaftler. Sie untersuchten ein Diabetes-Mittel und unerw\u00fcnschte Wirkungen, die damit zusammenhingen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Dass Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln mitunter erheblichen Schaden anrichten, ist bekannt. Was indes viele nicht ahnen: Mitunter k\u00f6nnen solche Interaktionen auch von Nutzen sein. Hinweise darauf liefern zumindest die Ergebnisse einer besonders systematischen Studie, die Wissenschaftler der Mount Sinai School of Medicine in New York soeben vorgelegt haben. Im ersten Teil ihrer Untersuchungen analysierten Shan Zhao, Ravi Iengar und die anderen Forscher die umfassende Datenbank des amerikanischen Registers f\u00fcr unerw\u00fcnschte Arzneimittelwirkungen. Ihr Augenmerk richteten sie dabei auf all jene zwischen den Jahren 2004 und 2012 eingegangenen Meldungen, in denen das Antidiabetikum Rosiglitazon zur Sprache kam.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher eines der bestverkauften Mittel zur Senkung erh\u00f6hter Blutzuckerspiegel, verschwand Rosiglitazon im Jahr 2010 aus den Apothekenregalen etlicher L\u00e4nder, denn einer Reihe von Beobachtungen hatte den Verdacht gen\u00e4hrt, dass es die Entstehung von Herzattacken und Schlaganf\u00e4llen beg\u00fcnstigen k\u00f6nnte. Zhao und seine Kollegen wollten nun herausfinden, unter welchen Umst\u00e4nden Rosiglitazon mit einer erh\u00f6hten Infarktrate einhergeht und falls ja, ob es Medikamente gibt, die diese Bedrohung abzuschw\u00e4chen verm\u00f6gen.<\/p>\n<h2>Herzinfarkte kamen h\u00e4ufig vor<\/h2>\n<p>Wie sie in der Online-Ausgabe des Journals \u201eScience Translational Medicine\u201c (10.1126\/scitranslmed.3006548) schreiben, wurden der amerikanischen Gesundheitsbeh\u00f6rde FDA zwischen 2004 und 2012 knapp vier Millionen schwere Arzneimittelwirkungen zugetragen. Von den rund 63.000 Verdachtsberichten, in denen Rosiglitazon eine Rolle spielte, handelten 20.000 und damit ein Drittel von Herzinfarkten. Bei den anderen Antidiabetika betrug der Anteil solcher Diagnosen demgegen\u00fcber nur zwei Prozent. Weitere Analysen ergaben dann, dass Rosiglitazon nicht immer ein so starkes Infarktsignal erzeugte. Die Studienautoren entdeckten vielmehr rund ein Dutzend Medikamente, die, gemeinsam mit Rosiglitazon verabreicht, die Rate der einschl\u00e4gigen Infarktberichte verringerten. Dazu z\u00e4hlten einerseits einige Antidiabetika und Herzkreislaufmittel, andererseits aber auch bestimmte Schmerzstiller und Psychopharmaka. Als besonders ausgepr\u00e4gt erwies sich dieser g\u00fcnstige Effekt bei einem neueren, nur als Injektion verf\u00fcgbaren Antidiabetikum namens Exenatide. War das zur Gruppe der Inkretine geh\u00f6rende Mittel Teil der Behandlung, wurde Rosiglitazon nicht h\u00e4ufiger mit Herzattacken in Verbindung gebracht als die anderen Antidiabetika.<\/p>\n<p>Meldungen \u00fcber verd\u00e4chtige Arzneimittelwirkungen erlauben freilich keine Aussagen \u00fcber kausale Zusammenh\u00e4nge. Auch l\u00e4sst sich hieraus nicht ersehen, wie oft eine bestimmte medikament\u00f6se Nebenwirkung in der t\u00e4glichen Praxis vorkommt. Ob eine Komplikation gemeldet wird oder nicht, h\u00e4ngt n\u00e4mlich von vielen Faktoren ab. Einer davon ist die Dauer der Marktzulassung: Gesundheitliche Sch\u00e4den, die bei Anwendung eines neuen Wirkstoffs auftreten, erhalten generell mehr Beachtung und werden den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden daher auch eher mitgeteilt als altbekannte Komplikationen seit Jahrzehnten gebr\u00e4uchlicher Arzneien. Und auch intensive Debatten \u00fcber echte oder vermeintliche Sicherheitsrisiken, zumal wenn sie einen vormals hochgelobten Hoffungstr\u00e4ger treffen, f\u00fchren meist zu einem \u00fcberproportionalen Anstieg der Zahl an Verdachtsberichten. Das veranschaulicht das Beispiel von Rosiglitazon.<\/p>\n<h2>Positiver Einfluss<\/h2>\n<p>Auf der Basis einer umfassenden Datenanalyse hatten amerikanische Wissenschaftler im Sommer 2007 die viel beachtete Warnung ge\u00e4u\u00dfert, dass Rosiglitazon das Risiko f\u00fcr Herzinfarkte um rund vierzig Prozent in die H\u00f6he treiben k\u00f6nnte. Kurze Zeit sp\u00e4ter nahm die Zahl der einschl\u00e4gigen Registereintr\u00e4ge dann sprunghaft zu. Wie die New Yorker Forscher darlegen, blieb der positive Einfluss von Exenatide auf Rosiglitazon von diesem Trend allerdings unber\u00fchrt und unterlag auch in Abh\u00e4ngigkeit von anderen \u00e4u\u00dferen Faktoren keinerlei Schwankungen.<\/p>\n<p>Von der Konstanz dieser g\u00fcnstigen Interaktion ermutigt, gingen die Wissenschaftler in einem n\u00e4chsten Schritt der Frage nach, wie es Exenatide gelingen k\u00f6nnten, Rosiglitazon gleichsam zu bes\u00e4nftigen. Hierzu durchsuchten sie mehrere molekularbiologische Datenbanken nach Knotenpunkten, an denen sich die Reaktionswege der beiden Medikamente kreuzen. Eine solche molekulare Schnittstelle erf\u00fcllte die notwendigen Voraussetzungen. Dabei handelte es sich um ein kurz PAI-1 genanntes Gerinnungseiwei\u00df, das sowohl von Rosiglitazon als auch von Exenatide beeinflusst wurde \u2013 wie genau, ging aus den molekularen Schalttafeln nicht hervor.<\/p>\n<h2>M\u00e4use mit Alterszucker<\/h2>\n<p>Um mehr Klarheit zu erhalten, behandelten die Wissenschaftler in der Folge M\u00e4use, die an einem dem menschlichen \u201eAlterszucker\u201c entsprechenden Diabetes mellitus litten, mehrere Wochen lang teilweise nur mit Rosiglitazon und teilweise au\u00dferdem mit Exenatide. Wie sich ergab, f\u00fchrte die Anwendung von Rosiglitazon bei den diabeteskranken Nagern \u2013 nicht hingegen bei gesunden M\u00e4usen \u2013 zu einer merklichen Anreicherung von PAI-1 im Blut.<\/p>\n<p>Erhielten die Tiere neben Rosiglitazon auch Exenatide, fiel die Konzentration des Gerinnungsproteins nach kurzfristigem H\u00f6henflug auf das Niveau der gesunden M\u00e4use zur\u00fcck. Wie die amerikanischen Pharmakologen mutma\u00dfen, ist der gegenl\u00e4ufige Effekt der beiden Arzneien auf das Gerinnungssystem m\u00f6glicherweise der Grund f\u00fcr die beobachtete Wechselwirkung. So k\u00f6nnte Exenatide \u00fcber seinen Einfluss auf PAI-1 Rosiglitazon daran hindern, die Ausbildung von Blutpfropfen zu f\u00f6rdern und damit der Entstehung von Infarkten den Weg zu bereiten. Ob ihre Annahme zutrifft, wollen die Wissenschaftler in weiteren Untersuchungen kl\u00e4ren.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/arzneimittel-nuetzliche-wechselwirkungen-12627265.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/arzneimittel-nuetzliche-wechselwirkungen-12627265.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nimmt man verschiedene Arzneien gleichzeitig ein, kann das Vorteile bergen, schreiben New Yorker Wissenschaftler. 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