{"id":19170,"date":"2013-10-27T17:15:05","date_gmt":"2013-10-27T17:15:05","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19170"},"modified":"2013-10-27T17:15:05","modified_gmt":"2013-10-27T17:15:05","slug":"sarkozys-ex-frau-und-ihre-lust-auf-wahrheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19170","title":{"rendered":"Sarkozys Ex-Frau und ihre Lust auf Wahrheit"},"content":{"rendered":"<p>Nach Jahren im selbst gew\u00e4hlten Exil spricht C\u00e9cilia Attias erstmals \u00fcber ihre Ehe mit Nicolas Sarkozy. Endlich will sie alle Fragen beantworten, die sich ganz Frankreich stellte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Im \u201eBristol\u201c scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Schlanke junge Frauen stolzieren im Chanel-Kost\u00fcm durch die Eingangshalle, ihre hohen Abs\u00e4tze versinken in den cremig-weichen Teppichen. Ein Zimmerm\u00e4dchen im schwarzen Kleid mit wei\u00dfen Spitzensch\u00fcrzchen weist einer wei\u00dfhaarigen Dame mit einem Zwergpudel den Weg. Ein livrierter Diener winkt vor der Schwingt\u00fcr eine dunkle Limousine f\u00fcr drei G\u00e4ste in kn\u00f6chellangen hellen Gew\u00e4ndern und Turbanen heran. Auf der Schulter der Empfangsdame schnurrt Faraon, die Hotelkatze mit dem flauschigen Fell (eine Heilige Birma, wei\u00df der Barmann).<\/p>\n<p>Im ged\u00e4mpften Prunk des F\u00fcnf-Sterne-Hotels am Faubourg Saint-Honor\u00e9 hat lange das Lieblingsrestaurant der Sarkozys gelegen, das sie ihre \u201ecantine\u201c nannten. Wann immer es ging, vom nur ein paar Schritte entfernten Innenministerium am Place Beauvau und sp\u00e4ter, w\u00e4hrend der ersten Monate im Elys\u00e9e-Palast, gaben sie sich hier ein kulinarisches Stelldichein, Nicolas Sarkozy und seine C\u00e9cilia.<\/p>\n<h2>Zur\u00fcck aus dem selbst gew\u00e4hlten Exil<\/h2>\n<p>Jetzt ist C\u00e9cilia zur\u00fcck, im Bristol, und irgendwie auch in ihrer Vergangenheit. So etwas wie \u201eeine Lust auf Wahrheit\u201c (so der Titel ihres gerade erschienenen autobiographischen Buches) hat sie zur\u00fcckgetrieben, nach mehr als sechs Jahren im selbst gew\u00e4hlten Exil in Dubai und in New York. Endlich will sie alle Fragen beantworten, die sich ganz Frankreich stellte, als sie nach kaum einem halben Jahr im Elys\u00e9e-Palast Pracht und Macht entfloh und mit dem Mann durchbrannte, den Nicolas Sarkozy nur \u201eden Beleuchter\u201c nannte.<\/p>\n<p>Richard Attias, so sein Name, ist nat\u00fcrlich auch da. Er sitzt diskret im Halbschatten ganz am Ende des Saals auf einem Fauteuil, ein Mobiltelefon am Ohr, und l\u00e4chelt g\u00f6nnerhaft. Er scheint dar\u00fcber zu wachen, dass C\u00e9cilia ihre Biographie gut verkauft.<\/p>\n<p>C\u00e9cilia Attias ist noch genauso aufrecht und genauso schlank wie einst, als viele sie f\u00fcrchteten. Sie ist die K\u00f6nigin, h\u00fcstelten damals die Sarkologen, er macht, was sie sagt. \u201eSie ist meine einzige Schw\u00e4che\u201c, sagte Sarkozy einmal. Gut zehn Jahre waren die beiden verheiratet.<\/p>\n<h2>Geplagt von Gewissensqualen<\/h2>\n<p>Nun steht sie da in enganliegender wei\u00dfer Bluse zur Jeans, ihre blaugr\u00fcnen Katzenaugen blinzeln freundlich, zur Begr\u00fc\u00dfung sagt sie etwas, was wie \u201eMy dearest\u201c klingt, aber dann ist sie schon wieder weg. \u201eExcusez-moi\u201c (Entschuldigen Sie bitte), ruft sie noch. Im sonnendurchfluteten Innengarten, in dem im Fr\u00fchjahr die Magnolien bl\u00fchen, wartet ein Fotograf auf sie. Es scheint C\u00e9cilia zu gefallen, vor der Kamera Modell zu stehen. \u201eF\u00fcr ein Magazin\u201c, wei\u00df ihr Verlagsattach\u00e9, der eigentlich f\u00fcr politische B\u00fccher zust\u00e4ndig ist, \u201eaber irgendwie ist sie ja auch Politik!\u201c.<\/p>\n<p>\u201eNon\u201c, sagt sie, als sie endlich, die schulterlangen Haare aus dem Gesicht streichend, auf dem kleinen Canap\u00e9 Platz genommen hat, \u00fcber Politik, die gro\u00dfe Politik, wolle sie eigentlich nicht reden. Aber dann erz\u00e4hlt sie doch, vom riesigen Missverst\u00e4ndnis, das sie zu der heimlichen K\u00f6nigin machte, von der ersten Stunde des Wahlsieges an, eine \u201eabwesende und allm\u00e4chtige Regentin\u201c. \u201eIn den Augen der Medien habe ich alles gewollt und alles organisiert\u201c, sagt sie. Dabei sei sie eigentlich in diesen Tagen und Wochen nach dem Sieg Nicolas Sarkozys von Gewissensqualen geplagt worden. Aus Vernunft sei sie an die Seite des Pr\u00e4sidenten zur\u00fcckgekehrt, nach einer kurzen Flucht, ihr Herz aber schlug nur f\u00fcr Richard Attias, der Sarkozys Kr\u00f6nungsparteitag organisiert hatte. Ganz unf\u00e4hig sei sie gewesen, die G\u00e4steliste f\u00fcr den Abend im Fouquet\u2019s, dem Nobelrestaurant auf den Champs-Elys\u00e9es zusammenzustellen, wie es ihr angeh\u00e4ngt wurde, und als Supert\u00fcrsteher ungebetene G\u00e4ste zur\u00fcckzuweisen. Es habe sie schon alle Kraft gekostet, \u00fcberhaupt zu der Siegesfeier zu kommen: \u201eMeine Tochter Jeanne-Marie hat mich \u00fcberzeugt, dass mein Platz an der Seite des neuen Pr\u00e4sidenten und nicht bei mir zu Hause ist.\u201c Auch die Spritztour im Mittelmeer auf der Yacht des Industriellenfreundes Vincent Bollor\u00e9, sei nicht ihre Idee gewesen. Als Symbolfigur des schamlosen Reichtums der Parven\u00fcs tauge sie wahrlich nicht.<\/p>\n<p>Mit ihrer Familiengeschichte, ihrer beh\u00fcteten und beg\u00fcterten Kindheit in der kosmopolitischen <i>haute bourgeoisie<\/i> von Paris hat sie fast die H\u00e4lfte ihres Buches gef\u00fcllt. Nur f\u00fcr meine Kinder, das betont sie, habe sie \u201eihre Rolle\u201c im Elys\u00e9e spielen wollen. Und in ihrem Tonfall schwingt noch immer mit, was sie das gekostet haben muss. Der Einzug der Patchworkfamilie \u00fcber den roten Teppich im Elys\u00e9e-Palast, mit ihren beiden blonden T\u00f6chtern Jeanne-Marie und Judith, Sarkozys beiden S\u00f6hnen mit Nackenm\u00e4hnen und dem gemeinsamen Sohn Louis, es war eine Show, die ihr nicht leichtfiel. \u201eIch habe den Ehrerweisungen, den Zeremonien, den grandiosen Inszenierungen immer misstraut\u201c, sagt sie.<\/p>\n<h2>\u201eEs war vorbei, mein Leben musste sich \u00e4ndern\u201c<\/h2>\n<p>Es flackert auch kurz Misstrauen in ihren Augen auf, als die Rede auf Le Bristol kommt. Kleine Lachf\u00e4ltchen umspielen ihre Augen, nachdem sie merkt, dass es nur um den deutschen Besitzer des Hotels und nicht um ihren vorgeblichen Hang zum Luxus geht. \u201eSure\u201c, sagt sie, die Wahlamerikanerin, dann herzt sie kurz eine Frau, die sich als ihre Agentin vorstellt.<\/p>\n<p>N\u00fctzlich wollte sie sein, sagt C\u00e9cilia Attias, und deshalb habe sie sich, an einem lauen Sommermorgen im Juli 2007, sofort der Delegation angeschlossen, die zur Rettung der vom libyschen Diktator Gaddafi inhaftierten bulgarischen Krankenschwestern nach Tripolis aufbrechen sollte. \u201eIch schlug meinem Exmann eine Initiative vor, an die er auch schon gedacht hatte\u201c, sagt sie. In einem riesigen Zelt sa\u00df sie sp\u00e4ter Gaddafi gegen\u00fcber, \u201eein aufgedunsenes Gesicht, mit entstellten Gesichtsz\u00fcgen und unz\u00e4hligen Implantaten\u201c. Gaddafi verlangte, allein mit ihr zu verhandeln. \u201eIch habe ja gesagt.\u201c Angst habe sie erst r\u00fcckblickend empfunden.<\/p>\n<p>Bei ihrer zweiten Reise, nach einer n\u00e4chtlichen Irrfahrt zum Bunker Gaddafis, ohne Leibw\u00e4chter und ohne Mobiltelefonverbindung, sollte sie den Diktator \u00fcberzeugen, die Krankenschwestern und den pal\u00e4stinensischen Arzt freizulassen. Zur damaligen EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner, sagt sie, habe sie noch immer Kontakt. Erst k\u00fcrzlich habe sie sie in Madrid angerufen, und in Erinnerung an die bangen Stunden in Tripolis h\u00e4tten sie gemeinsam geweint. Was sie in der libyschen Hauptstadt durchlebte, sei \u201edas st\u00e4rkste Erlebnis meiner ganzen Existenz\u201c, sagt C\u00e9cilia Attias. \u201eDanach war nichts mehr wie zuvor.\u201c Sie hielt den Alltag im Elys\u00e9e-Palast nicht aus. \u201eEs war vorbei, mein Leben musste sich \u00e4ndern. Und mein Leben hat sich ge\u00e4ndert.\u201c<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Monat wird C\u00e9cilia Attias 56 Jahre alt, und sie wirft einen kritischen Blick auf das Frankreich, das sie verlassen hat. Gaddafi, sagt sie, h\u00e4tte vor Gericht gef\u00fchrt werden m\u00fcssen, der Milit\u00e4reinsatz einen Plan f\u00fcr die Zeit nach dem Fall des Diktators vorsehen m\u00fcssen. Sie bedauert, dass so viele junge, talentierte Franzosen anderswo als in ihrem Heimatland ihre berufliche Zukunft suchen. \u201eIch wei\u00df nur zu gut, wie gern die K\u00f6pfe derjenigen in Frankreich abgehackt werden, die aus der Masse herausragen\u201c, sagt sie. \u201eSobald jemand oben angekommen ist, will dieses Land ihn fallen sehen\u201c, sagt sie. \u00dcber ein politisches Comeback ihres Exmannes will sie nicht nachdenken, das seien \u00dcberlegungen, die sie sich verb\u00f6ten.<\/p>\n<p>Von Napoleon Bonaparte erz\u00e4hlen sich die Franzosen, dass sein Stern nach der Trennung von Josephine zu sinken begann. Nicolas Sarkozys Siegesmarathon von Wahlerfolg zu Wahlerfolg endete, nachdem C\u00e9cilia ihn verlassen hatte.<\/p>\n<p>\u201eDas haben Sie jetzt gesagt\u201c, sagt sie und lacht. \u201eSchreiben Sie bitte, dass dieser Vergleich vermessen ist!\u201c<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/cecilia-attias-sarkozys-ex-frau-und-ihre-lust-auf-wahrheit-12635240.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/cecilia-attias-sarkozys-ex-frau-und-ihre-lust-auf-wahrheit-12635240.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Jahren im selbst gew\u00e4hlten Exil spricht C\u00e9cilia Attias erstmals \u00fcber ihre Ehe mit Nicolas Sarkozy. 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