{"id":19124,"date":"2013-10-27T17:14:20","date_gmt":"2013-10-27T17:14:20","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19124"},"modified":"2013-10-27T17:14:20","modified_gmt":"2013-10-27T17:14:20","slug":"chinas-wahrung-erobert-die-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19124","title":{"rendered":"Chinas W\u00e4hrung erobert die Welt"},"content":{"rendered":"<p>China will seine W\u00e4hrung  freigeben: eine Z\u00e4sur in der Geschichte der Weltwirtschaft. London, Paris, Z\u00fcrich und Frankfurt buhlen darum, wer bei diesem Jahrhundertvorhaben Partner der Chinesen wird.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Fast w\u00f6chentlich gibt es im Augenblick Nachrichten, dass China neue Abkommen mit den gro\u00dfen Finanzzentren der Welt abgeschlossen hat. Egal ob in Singapur, London oder Frankfurt, stets geht es dabei um dieselbe Angelegenheit: die W\u00e4hrung der Chinesen, den Renminbi (\u201eW\u00e4hrung des Volkes\u201c), auch \u201eYuan\u201c genannt. Ihr Einsatz wird erleichtert. China \u00f6ffnet sich immer weiter dem Westen &#8211; und auch seine W\u00e4hrung.<\/p>\n<p>Dabei geht es um nichts Geringeres als eine Z\u00e4sur in der Geschichte der Weltwirtschaft. China will aus seiner W\u00e4hrung, die bislang vor allem innerhalb des Landes eine Rolle spielt, eine Weltw\u00e4hrung machen &#8211; <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/devisen-rohstoffe\/waehrungstausch-neues-potential-fuer-den-renminbi-handel-in-europa-12612827.html\">eine Konkurrenz f\u00fcr Dollar, Euro und Yen<\/a>.<\/p>\n<p>Der amerikanische \u00d6konom Barry Eichengreen beschreibt das so: Im vorigen Jahr habe China seinen ersten Flugzeugtr\u00e4ger \u201eLiaoning\u201c in Betrieb genommen und damit Amerika im s\u00fcdchinesischen Meer milit\u00e4risch herausgefordert. In \u00e4hnlicher Weise suche das Land jetzt die Herausforderung des Dollar als alles beherrschende Weltw\u00e4hrung, indem es die Internationalisierung seiner eigenen W\u00e4hrung Renminbi vorantreibe.<\/p>\n<h2>Handel in Renminbi ist schon erlaubt<\/h2>\n<p>Wie geht das konkret? Bislang ist die chinesische W\u00e4hrung nicht frei konvertierbar, man kann sie nicht einfach gegen Dollar oder Euro tauschen. Au\u00dferdem gibt es Kapitalverkehrskontrollen: Man darf \u00fcberhaupt nur begrenzt Renminbi \u00fcber die Grenze mitnehmen, 20.000 pro Person &#8211; den Gegenwert von gut 3000 Dollar. Auch den Wechselkurs hat China fest im Griff. Der Renminbi ist an einen Korb von W\u00e4hrungen gekoppelt, in dem der Dollar bestimmend ist. Steigt der Kurs \u00fcber eine Schwankungsgrenze, kauft die Notenbank Dollar, bis der Kurs wieder sinkt.<\/p>\n<p>Das alles soll sich \u00e4ndern. In drei Schritten will China dem Renminbi mehr Freiheit geben. Die Freigabe f\u00fcr die sogenannte \u201eFakturierung\u201c, den Einsatz als Verrechnungseinheit im Handel, sei schon relativ weit gediehen, sagt Rolf Langhammer, China-Experte am Institut f\u00fcr Weltwirtschaft in Kiel. Bereits voriges Jahr hat China die Vorschriften gelockert. So d\u00fcrfen jetzt Unternehmen aus allen Teilen Chinas zumindest theoretisch grenz\u00fcberschreitenden Handel in Renminbi betreiben. Vorher war das auf bestimmte Testregionen begrenzt, wie China das bei wirtschaftlichen Reformen oft macht.<\/p>\n<p>Ein zweiter Schritt ist der Handel mit Renminbi selbst. Er erfolgt an offiziell autorisierten Offshore-Handelspl\u00e4tzen: Der erste war Hongkong, gefolgt von Macao und jetzt Singapur. Daf\u00fcr gibt es eigens eine Parallelw\u00e4hrung, den sogenannten Offshore-Renminbi: Er kann frei gehandelt werden. Sein K\u00fcrzel ist CNH, im Gegensatz zu CNY f\u00fcr den Inlands-Renminbi.<\/p>\n<h2>Langsame \u00d6ffnung<\/h2>\n<p>Der dritte Schritt w\u00e4re die freie Konvertibilit\u00e4t des Renminbi selbst. Sogar das k\u00f6nnte schneller kommen als bislang geglaubt, meint Gregory Chow, chinesischst\u00e4mmiger \u00d6konom an der Princeton University. Es m\u00fcsse kein Jahrzehnt mehr dauern: Voraussetzung sei nur, dass die chinesische Regierung zu dem Schluss komme, dass \u201edurch die freie Konvertibilit\u00e4t kein Schaden entsteht\u201c.<\/p>\n<p>Die Chinesen stecken n\u00e4mlich in einem Dilemma. Auf der einen Seite wollen sie unabh\u00e4ngiger vom Dollar werden. Sie haben einen Gro\u00dfteil ihrer Ersparnisse und Reserven in der amerikanischen W\u00e4hrung angelegt. Das macht sie abh\u00e4ngig von der Haushalts- und Geldpolitik der Vereinigten Staaten. Verliert der Dollar an Wert, trifft sie das unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p>Wenn China auf der anderen Seite den Renminbi zu pl\u00f6tzlich freigibt, k\u00f6nnte die W\u00e4hrung schockartig aufwerten. Die Exporte w\u00fcrden zu teuer, und das Land geriete in eine Krise. \u201eDie Chinesen bem\u00fchen sich deshalb um eine behutsame L\u00f6sung\u201c, sagt Horst L\u00f6chel, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management und Mitbegr\u00fcnder eines Instituts in Schanghai. China folge deshalb der chinesischen Redensart: Den Fluss \u00fcberqueren, indem man die Steine ber\u00fchrt &#8211; einen Schritt nach dem anderen gehen, nichts \u00fcbereilen.<\/p>\n<h2>London, Paris, Frankfurt und Z\u00fcrich wetteifern<\/h2>\n<p>Chinas Bem\u00fchungen sind auf jeden Fall erfolgreich. Nachdem das Land bereits vor vier Jahren Deutschland als Exportweltmeister abgel\u00f6st hatte, w\u00e4chst jetzt auch die Bedeutung der chinesischen W\u00e4hrung im Handel. Nach Angaben der Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungausgleich hat es der Renminbi dieses Jahr zum ersten Mal unter die \u201eTop Ten\u201c der W\u00e4hrungen im Welthandel geschafft &#8211; vor drei Jahren lag er noch auf Platz 17.<\/p>\n<p>In der westlichen Welt sorgt das f\u00fcr einige Unruhe. Alle wichtigen Finanzpl\u00e4tze wollen gerne dabei sein, wenn China den n\u00e4chsten Schritt zur Liberalisierung des Renminbi geht. Schlie\u00dflich wittern alle das gro\u00dfe Gesch\u00e4ft. <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/devisen-rohstoffe\/jagd-auf-den-yuan-zuerich-will-drehscheibe-fuer-renminbi-sein-12279182.html\">Vor allem London, Frankfurt, Paris und Z\u00fcrich bem\u00fchen sich darum<\/a>, \u201eRenminbi Offshore Zentrum\u201c in Europa zu werden: ein Ort, an dem die chinesische W\u00e4hrung gehandelt wird und an dem das sogenannte Clearing stattfindet: Dazu geh\u00f6rt die Aufrechnung gegenseitiger Forderungen, eine gewisse Absicherung gegen Ausf\u00e4lle von Gesch\u00e4ftspartnern und die Abwicklung von Wertpapiergesch\u00e4ften.<\/p>\n<p>Jeder Finanzplatz wirbt jetzt f\u00fcr sich. Im Augenblick hat offenbar London etwas die Nase vorn, weil die Stadt als wichtiger Devisenhandelsplatz gilt. Aber auch Frankfurt rechnet sich noch gute Chancen aus, weil deutsche Industrieunternehmen au\u00dfergew\u00f6hnlich viel nach China exportieren. Die Bundesregierung hat das Thema mehrfach in Gespr\u00e4chen mit chinesischen Politikern erw\u00e4hnt. Und vom 9. bis 16. November reist der hessische Wirtschaftsminister Florian Rentsch mit einer Delegation nach China, um Frankfurts Position noch einmal zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Engagiert f\u00fcr das Projekt sind auch chinesische Banken: \u201eF\u00fcr Frankfurt w\u00e4re ein Offshore Renminbi-Zentrum eine gro\u00dfe Chance\u201c, meint Friedhelm Messerschmidt, der Leiter der Frankfurter Niederlassung der chinesischen Bank ICBC. \u201eDenkbar w\u00e4re auch eine Arbeitsteilung, bei der London st\u00e4rker f\u00fcr die Finanzm\u00e4rkte und Frankfurt f\u00fcr die Versorgung der europ\u00e4ischen Realwirtschaft mit Renminbi zust\u00e4ndig w\u00e4re.\u201c Seine Bank betreibt seit Anfang des Jahres in Singapur das neue asiatische Offshore-Zentrum &#8211; offenbar mit Erfolg.<\/p>\n<h2>Deutsche B\u00f6rse wittert gutes Gesch\u00e4ft<\/h2>\n<p>Entscheiden muss \u00fcber den Standort des neuen Renminbi-Handelsplatzes in Europa die chinesische Notenbank, die People\u2019s Bank of China. Die gibt sich bislang verschwiegen. Als gutes Zeichen werten die Frankfurt-Bef\u00fcrworter allerdings, dass die Chinesen zu einer Veranstaltung der \u00f6rtlichen Finanzplatz-Initiative \u201eFrankfurt Main Finance\u201c zu diesem Thema den Botschafter pers\u00f6nlich hinschickten &#8211; und nicht irgendeinen Attach\u00e9.<\/p>\n<p>Ein Unternehmen, das dieses Projekt stark vorantreibt, ist die Deutsche B\u00f6rse. \u201eWir arbeiten eng mit Regierungsstellen, Regulatoren und dem Finanzplatz Frankfurt zusammen\u201c, sagt Vorstandsmitglied Andreas Preu\u00df. Der B\u00f6rse geht es dabei weniger um die M\u00f6glichkeit, die chinesische W\u00e4hrung in Frankfurt zu handeln. Sie erhofft sich vielmehr, auch das attraktive Gesch\u00e4ft mit B\u00f6rseng\u00e4ngen, Unternehmensanleihen, Derivaten und Indexfonds in chinesischer W\u00e4hrung nach Frankfurt holen zu k\u00f6nnen &#8211; auf ihr Handelssystem Xetra.<\/p>\n<p>Auch deutsche Industrieunternehmen erhoffen sich laut einer Studie der Commerzbank Vorteile. Etwa wenn sie Anleihen in Deutschland in Renminbi auflegen k\u00f6nnen und gleich die richtige W\u00e4hrung haben, wenn sie ein neues Werk in China bauen wollen. Denn eines ist allen klar: Der Aufstieg Chinas geht weiter &#8211; und die \u00d6ffnung des Landes bringt noch jede Menge neue Gesch\u00e4ftsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftspolitik\/renminbi-chinas-waehrung-erobert-die-welt-12635799.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftspolitik\/renminbi-chinas-waehrung-erobert-die-welt-12635799.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>China will seine W\u00e4hrung freigeben: eine Z\u00e4sur in der Geschichte der Weltwirtschaft. 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