{"id":19046,"date":"2013-10-27T17:11:33","date_gmt":"2013-10-27T17:11:33","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19046"},"modified":"2013-10-27T17:11:33","modified_gmt":"2013-10-27T17:11:33","slug":"hollandes-starker-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19046","title":{"rendered":"Hollandes starker Mann"},"content":{"rendered":"<p>Frankreichs Innenminister Manuel Valls ist die treibende Kraft im Kabinett Hollandes. Er blieb bei der umstrittenen Abschiebung einer jugendlichen Roma hart. Seine Zustimmungswerte steigen, der Glamourfaktor stimmt. Manche sehen ihn schon im Elys\u00e9e-Palast.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Der franz\u00f6sische Innenminister Manuel Valls hat sich durchgesetzt \u2013 anstatt zur\u00fcckzutreten. Gedroht hatte er sehr wohl damit, die Regierung zu verlassen, sollte der Pr\u00e4sident umfallen und die rechtm\u00e4\u00dfig ins Kosovo ausgewiesene Roma-Familie zur\u00fcck ins Land holen. Da war er gerade \u00fcbern\u00e4chtigt aus dem Flugzeug in Paris gestiegen, mit tiefen Augenringen und Bartstoppeln im Gesicht. Eine Reise auf die Karibikinseln Martinique und Guadeloupe, auf denen er auch f\u00fcr Ordnung und Sicherheit zust\u00e4ndig ist, hatte er abgebrochen. Denn im Elys\u00e9e-Palast war Panik ausgebrochen angesichts des anschwellenden Protestes gegen die Abschiebepolitik.<\/p>\n<p>Valls hat sich dem Beschwichtigungskurs des Pr\u00e4sidenten nicht gebeugt. Er bestand darauf, dass die Roma-Familie in Frankreich nichts zu suchen habe, auch wenn protestierende Obersch\u00fcler das forderten. Ein bisschen ist er deshalb auch schuld an der blamablen Fernsehansprache Hollandes, die in dem g\u00e4nzlich unverst\u00e4ndlichen Kompromissangebot gipfelte, das 15 Jahre alte Roma-M\u00e4dchen Leonarda ohne ihre Familie wieder in Frankreich aufzunehmen &#8211; was diese denn auch prompt und obendrein noch \u00f6ffentlich ablehnte.<\/p>\n<h2>Showeinlagen f\u00fcr die Boulevardpresse<\/h2>\n<p>Nach dieser Aff\u00e4re ist Valls mehr denn je der starke Mann der Regierung, ein zupackender Innenminister, der anders als der Pr\u00e4sident einen klaren Kurs vorgibt. Die Franzosen danken es ihm mit kontinuierlich steigenden Zustimmungswerten. Jede f\u00fcnfte Franz\u00f6sin, das hat ein Frauenmagazin ermittelt, tr\u00e4umt inzwischen von einem \u201efeurigen Abenteuer\u201c mit dem Minister. Valls nimmt solche Umfrageergebnisse mit Gelassenheit: \u201eIch bin verliebt!\u201c, erwiderte er in einer Fernsehsendung. Politik ist auch Show. F\u00fcr die Fotografen des Hochglanzmagazins \u201eParis Match\u201c k\u00fcsste er seine Auserw\u00e4hlte. Anne Gravoin hei\u00dft sie, eine stolze, schlanke Br\u00fcnette, Inbild der modernen Franz\u00f6sin.<\/p>\n<p>Sie war ein Jugendflirt, aus dem \u2013 zun\u00e4chst \u2013 nichts wurde. Sie machte Karriere als international anerkannte Violinistin. Er bekam vier Kinder mit einer anderen. Und fristete ein Au\u00dfenseiterdasein in der Sozialistischen Partei, die mit seinem Pragmatismus und Modernisierungsdrang nicht viel anfangen konnte. Das war nach seinen politischen Anf\u00e4ngen als Regierungssprecher der Linksregierung Jospin (1997 bis 2001), ein Vorgeschmack darauf, wie schwer es ist, mit einem bunten Haufen aus Gr\u00fcnen, Kommunisten und anderen Linksgl\u00e4ubigen zu regieren.<\/p>\n<h2>Cherchez les femmes!<\/h2>\n<p>Valls hat damals die Schw\u00e4chen Hollandes kennengelernt, der als Parteichef dem Premierminister den R\u00fccken freihalten sollte \u2013 und es nicht vermochte. Nach der Niederlage 2002 konzentrierte sich Valls auf den Pariser Vorort Evry, ein Labor f\u00fcr die franz\u00f6sische Multikulti-Gesellschaft. Als B\u00fcrgermeister erfasste Valls schnell, dass es einer Leitkultur bedarf, gerade in seiner von Zuwanderung und Religionsvielfalt gepr\u00e4gten Vorstadt. Er k\u00e4mpfte \u2013 erfolgreich \u2013 dagegen, dass in bestimmten Vierteln das Warenangebot in den Superm\u00e4rkten eingeschr\u00e4nkt wurde und etwa Alkohol aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden aus den Regalen verschwand. Auf seine Erfahrung in Evry geht seine \u00dcberzeugung zur\u00fcck, dass die Linke in der Sicherheits- und Einwanderungspolitik republikanische Kompromisslosigkeit zeigen muss.<\/p>\n<p>Als S\u00e9gol\u00e8ne Royal f\u00fcr die Sozialisten in den Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf zog, war er wenig angetan. \u201eWie lange will dieses Paar noch die Partei dominieren?\u201c, st\u00f6hnte er damals. Nun, das Paar ist nicht mehr, aber Hollande ist er mit seinem Ruf nach Erneuerung nicht losgeworden. Den Lockrufen Sarkozys, der sich Valls gern als sozialistische Lichtgestalt ins Kabinett geholt h\u00e4tte, widerstand er. In den offenen Vorwahlen der Linken im Herbst 2011 trat Valls gegen Hollande an. \u00dcberraschend schnell schlug sich Valls im zweiten Wahlgang auf die Seite Hollandes. Angebahnt hatte den Schulterschluss Anne Gravoin, die mit Hollandes Lebensgef\u00e4hrtin Val\u00e9rie Trierweiler eng befreundet ist. Die beiden Frauen sollen sich angeblich h\u00e4ufiger einschalten, damit es zwischen den M\u00e4nnern nicht kracht.<\/p>\n<h2>Metamorphose zum Mond\u00e4nen<\/h2>\n<p>L\u00e4ngst schon lebt Valls nicht mehr in Evry, sondern nahe der Bastille in Paris, in einem gro\u00dfz\u00fcgigen Loft. B\u00f6se Beobachter wie die Satirezeitung \u201eLe Canard Enchain\u00e9\u201c behaupten, dass aus den Stra\u00dfenz\u00fcgen um die Ministerwohnung Polizisten regelm\u00e4\u00dfig Stadtstreicher und bettelnde Roma-Kinder verjagen m\u00fcssen, damit \u201eMadame\u201c nicht gest\u00f6rt werde. Der Innenminister hat das vehement zur\u00fcckgewiesen. Aber eine gewisse Metamorphose zum Mond\u00e4nen kann er nicht leugnen. Er tr\u00e4gt jetzt ma\u00dfgeschneiderte Anz\u00fcge, Hemden mit eingestickten Initialen und edle Seidenkrawatten. L\u00e4ngst ist vergessen, dass er w\u00e4hrend der Regierung Jospin gern als \u201eMonsieur Darty\u201c verspottet wurde, da seine bunten Jacken und Krawatten an die Arbeitsuniform der Verk\u00e4ufer der Haushaltswarenkette erinnerten. Valls gef\u00e4llt es, sich auch im Kleidungsstil von der Provinzialit\u00e4t des Premierministers Jean-Marc Ayrault abzuheben.<\/p>\n<h2>Neuerdings auch ein Beispiel f\u00fcr gelungene Integration<\/h2>\n<p>Und nat\u00fcrlich hat er dabei politische Hintergedanken. Ihm behagt es, dass er als Nachfolger f\u00fcr den gl\u00fccklosen Regierungschef gehandelt wird. \u201eEine Violinistin aus Paris, das verspricht schon mehr Glamour als eine Deutschlehrerin aus der Banlieue von Nantes\u201c, stichelte Anne Gravoin gleich zu Anfang. Inzwischen hat sie sich bei Ayraults Frau entschuldigt. Aber das Bild vom Hochglanzpaar Valls ist geblieben. Flie\u00dfend Spanisch, Italienisch und Katalanisch spricht der Minister und kann damit in Anspruch nehmen, das europ\u00e4ischste der Kabinettsmitglieder zu sein.<\/p>\n<p>\u00dcber seine Herkunft \u2013 er ist der Sohn eines katalanischen K\u00fcnstlers und einer Schweizer Architektentochter aus dem Tessin \u2013 hatte Valls lange nicht gesprochen. Die Freunde wussten, dass er ein gro\u00dfer Fan des FC Barcelona ist. Schlie\u00dflich hatte sein Gro\u00dfonkel die Hymne des Vereins (\u201eCant el Bar\u00e7a\u201c) komponiert. Aber erst seit er als Innenminister Ausweisungen zu verantworten hat, stellt sich Valls gern als Beispiel f\u00fcr eine erfolgreiche Integration dar. Sein Vater war aus Opposition gegen das Franco-Regime aus Spanien weggezogen und hatte in Paris eine neue Heimat gefunden. Erst mit 20 Jahren \u2013 1982 \u2013 wurde Manuel Valls zum Franzosen.<\/p>\n<h2>Weiche Seite, harte Bandagen<\/h2>\n<p>Seine ein Jahr j\u00fcngere Schwester Giovanna lebt inzwischen wieder in seiner Geburtsstadt Barcelona. F\u00fcr die kleine Schwester ist Manuel Valls Besch\u00fctzer und Retter. Denn, das hat der Minister seinen Biographen anvertraut, Giovanna war als junge Frau heroins\u00fcchtig geworden, hatte den Abstieg in Abh\u00e4ngigkeit und Kriminalit\u00e4t erlebt. Valls holte sie raus aus dem Elend, finanzierte ihre Entziehungskur und steht ihr weiterhin zur Seite. Das zumindest erz\u00e4hlte der Minister. Und gab sich damit eine zutiefst menschliche Seite, die dem obersten Polizeichef Frankreichs nicht spontan zugetraut wird.<\/p>\n<p>Auf dem Weg nach oben k\u00e4mpft Valls dagegen mit harten Bandagen. Justizministerin Christiane Taubira hat das zu sp\u00fcren bekommen, deren Projekte etwa zur Lockerung des Strafvollzugs er regelm\u00e4\u00dfig torpediert. F\u00fcr die gr\u00fcne Ministerin C\u00e9cile Duflot ist Valls seit langem ein rotes Tuch. Als er an der Integrationsf\u00e4higkeit der Roma zweifelte, hielt sie ihm vor, den Republikanischen Pakt verraten zu haben. Valls ficht das nicht an, genauso wenig wie die Proteste der Obersch\u00fcler. Er wei\u00df eine Mehrheit der Franzosen hinter sich. Seine Frau hat einem Magazin schon anvertraut, dass sie sich ganz gut vorstellen k\u00f6nnte, im Elys\u00e9e-Palast zu wohnen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/europa\/manuel-valls-hollandes-starker-mann-12635242.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/europa\/manuel-valls-hollandes-starker-mann-12635242.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frankreichs Innenminister Manuel Valls ist die treibende Kraft im Kabinett Hollandes. Er blieb bei der umstrittenen Abschiebung einer jugendlichen Roma hart. 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