{"id":19028,"date":"2013-08-12T16:10:03","date_gmt":"2013-08-12T16:10:03","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19028"},"modified":"2013-08-12T16:10:03","modified_gmt":"2013-08-12T16:10:03","slug":"kumpel-mit-kruckstock","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19028","title":{"rendered":"Kumpel mit Kr\u00fcckstock"},"content":{"rendered":"<p>Der Renault 4 war nicht das erste Auto der Familie, doch er brachte savoir vivre. Und dem frischgebackenen F\u00fchrerscheininhaber gro\u00dfe Mobilit\u00e4t. Der Renault 4 ist eben ein Traumauto.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Im R\u00fcckspiegel gesehen ist manches im Blick verkl\u00e4rt. Nicht diese Aussage: Der Renault 4 ist ein Traumauto. Denn als der kleine Franzose um das Jahr 1980 in die Familie kam, erf\u00fcllten sich Tr\u00e4ume. Als erster Zweitwagen war er Mutters Auto und auf einen Schlag verdoppelte Mobilit\u00e4t, somit epochal. Vater fuhr damals einen Ford Granada in Ghia-Ausstattung, mit sanft gurgelndem Motor, gigantischem Innenraum, samtweichen Polstern und Echtholzt\u00fcrleisten. Dessen Opulenz und auch Benzindurst wurde zumeist an den Wochenenden der R4 mit seinen 34 PS und d\u00fcnn beplanktem Blech entgegengesetzt, der dann zur frugalen Ausflugskutsche f\u00fcr Eltern mit Tochter und Sohn wurde. Der Niederrhein wurde mit ihm in einer bis dato nicht gekannten Leichtigkeit entdeckt. Erst sp\u00e4ter wurde in dieser Leichtigkeit ein savoir vivre erkannt.<\/p>\n<p>Der Familien-R4 war nicht irgendeiner: Es kam in der Sonderausf\u00fchrung \u201eSafari\u201c daher. Diese zeichnete sich durch bunteste Au\u00dfenfarben (gew\u00e4hlt: T\u00fcrkis) und schwarze Anbauteile statt Chromzier, fr\u00f6hliche Sitzpolster (obligat: t\u00fcrkis-gelb-schwarz quergestreift) und breite Gummileisten an den T\u00fcren aus. Die Sitze waren keine im Fauteuil-Stil, sondern aus Stahlrohr gefertigt und inklusive eben des farbschreienden Oberstoffs eher ein rasantes Gartenmobiliar. Vater betonte stets die fix vorhandenen Kopfst\u00fctzen, damals weithin nicht \u00fcblich, und ihr Sicherheitsplus, und der Genickpunkt w\u00e4re im Safari sicherlich weniger ein Knickpunkt gewesen im Falle eines Unfalls, doch wollte man sich Auswirkungen auf alle anderen K\u00f6rperpartien besser nicht vorstellen.<\/p>\n<h2>Ein einfaches Blechdings<\/h2>\n<p>Denn das Auto war ein einfaches Blechdings mit nur rudiment\u00e4ren Verformungszonen, aber auch das war noch vor 30 Jahren in der Automobillandschaft nicht selten. Das insgesamt Simple des R4 resultierte in einer immensen Leichtigkeit des Seins. Genau das mochten wir: Alles schien mit ihm m\u00f6glich, und es kostete nicht die Welt. Ein Verbrauch von nur f\u00fcnf bis sieben Liter &#8211; perfekt. Die riesige Heckklappe inklusive umklappbarer und sogar herausnehmbarer R\u00fccksitzbank &#8211; kubikmeterweise Platz f\u00fcr alle Lebenslagen. Ein 34-PS-Vergasermot\u00f6rchen, das freudig hochdrehte und die Fuhre locker auf 130 km\/h bringen konnte &#8211; manche Tour ist schnell angetreten.<\/p>\n<p>Zu dieser Leichtigkeit des Seins geh\u00f6rte unbedingt auch der nonchalante Umgang mit dem Blech. Als Gebrauchter des Baujahrs 1976 stie\u00df er zur Familie und trug bereits das ein oder andere Mal des Lebens, so dass es auf Zusatzmale auch nicht ankam. Der Umgang mit dem immanenten Rostproblem war souver\u00e4n: Alle zwei Jahre bei anstehendem T\u00dcV erhielt der R4 ganz einfach zwei neue vordere Kotfl\u00fcgel, die es billig gab &#8211; Korrosionsentfernungsarbeiten w\u00e4ren aufwendiger gewesen. An anderen Stellen durfte der Sohnemann mit Drahtb\u00fcrste, Rostschutzfarbe, Spachtelmasse und T\u00fcrkis das Auto partiell renovieren.<\/p>\n<p><!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Er brachte es dabei zu gro\u00dfer Kunstfertigkeit und war sich stets sicher, dass der Pr\u00fcfer nimmer eine Laienarbeit erkannte. Weit gefehlt, es waren die Stellen, wo der ganz genau hinschaute. Das h\u00e4tte er auch im Kofferraum und an den dortigen Radh\u00e4usern liebend gern getan, doch dieser war, welch Zufall, auf Anraten des betreuenden Automechanikers just immer dann mit zwei prallen Kartoffels\u00e4cken oder riesigen leeren Pappkartons gef\u00fcllt, wenn Mutter beim T\u00dcV vorfuhr, und f\u00fcrs Ausladen war sich der Herr im wei\u00dfen Pr\u00fcferkittel zu schade. F\u00fcr den Sohn wurde der R4 zudem Wegbereiter der Automobilit\u00e4t. Diese k\u00fcndigte sich schon Jahre vor dem F\u00fchrerschein \u00fcber die ein oder andere Bastelarbeit an.<\/p>\n<p>Mutter duldete den Einbau eines Stereo-Autoradios, bedingte sich aber den Verbleib des vorhandenen Monoger\u00e4ts mit seinen mechanischen Stationstasten (U-U-M-L-K) wegen der gewohnten Bedienung aus- so konnte der Franzose auf Wunsch mit zwei Radios schallen. Ein \u00e4u\u00dferst subtiles Tuning war das Anmalen des Michelin-Schriftzugs inklusive der Reifengr\u00f6\u00dfe an allen vier R\u00e4dern in Wei\u00df zwecks sportlicher Optik, die gerade dem Safari-R4 auch vorz\u00fcglich stand- weil das aber mit Kreide passierte, floss die Zierde sp\u00e4testens mit dem n\u00e4chsten Regen dahin. Eine gro\u00dfe Zeit dann das Selberfahren mit dem R4 mit 18 Jahren, endlich. Die Eltern genehmigten recht freigiebig die Nutzung, wenn Mutter das Auto nicht ben\u00f6tigte.<\/p>\n<h2>Sprung in gr\u00f6\u00dfere Freiheit<\/h2>\n<p>Der damalige Mobilit\u00e4tsgewinn f\u00fchlt sich auch r\u00fcckblickend als der wichtigste \u00fcberhaupt an, erm\u00f6glichte er doch den Sprung in noch gr\u00f6\u00dfere Freiheit. Herrlich leicht lie\u00df sich das Auto bewegen, die Motorleistung gen\u00fcgte vollauf, eine Servolenkung wurde nicht vermisst. Und der Umgang mit der Kr\u00fcckstockschaltung wurde souver\u00e4n gemeistert. Perfekt die Stra\u00dfenlage &#8211; in schnell gefahrenen Kurven warf sich allenfalls die Karosserie in eine kecke Schr\u00e4glage zur entgegengesetzten Seite. F\u00fcrs flotte Fahren nicht ganz angemessen waren hingegen die Bremsen, die zudem gern auch mal einseitig zogen.<\/p>\n<p>Aber das Gesamtpaket half, s\u00e4mtliche Sinne f\u00fcrs Autofahren zu sch\u00e4rfen. Nur ein Extra wurde vermisst: Ein Faltdach h\u00e4tte den Genuss der franz\u00f6sischen Leichtigkeit verst\u00e4rkt. Die Schiebefenster in allen T\u00fcren waren ein zwar witziger, aber ungen\u00fcgender Ersatz. Und sie lie\u00dfen sich mit den Jahren auch immer schwerer \u00f6ffnen, als die Laufschienen l\u00e4ngst mehr Moos als Dichtung trugen. Der R4 verlie\u00df die Familie um das Jahr 1988, als der damalige Erstwagen zum Zweitwagen wurde, ein VW Jetta mit Automatikgetriebe in Polarsilber. Fortan war Solidit\u00e4t statt Leichtigkeit zu sp\u00fcren. Mehr Leben war vorher.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/renault-4-kumpel-mit-krueckstock-12496254.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/renault-4-kumpel-mit-krueckstock-12496254.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Renault 4 war nicht das erste Auto der Familie, doch er brachte savoir vivre. 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