{"id":19020,"date":"2013-08-17T16:10:01","date_gmt":"2013-08-17T16:10:01","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=19020"},"modified":"2013-08-17T16:10:01","modified_gmt":"2013-08-17T16:10:01","slug":"abschied-von-der-zukunft-zuruck-zur-telematik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=19020","title":{"rendered":"Abschied von der Zukunft, zur\u00fcck zur Telematik"},"content":{"rendered":"<p>Fast alle Autohersteller und f\u00fchrenden Zulieferer sind von der sogenannten \u201eCar to X\u201c-Kommunikation \u00fcberzeugt. Doch die Idee des vernetzten Fahrens steckt in einer tiefen Krise.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">So einfach ist das: Das Auto der Zukunft ist vernetzt, es kommuniziert mit anderen Fahrzeugen, es tauscht sich mit der Verkehrsinfrastruktur aus, es warnt vor Gefahren und zeigt den n\u00e4chsten freien Parkplatz, Staus und Unf\u00e4lle werden deutlich minimiert. Nicht nur einfach ist das, es kostet auch nicht viel: Das Auto der Zukunft muss lediglich mit handels\u00fcblicher W-Lan-Technik ausger\u00fcstet sein, damit es ein Netzwerk mit seiner Umgebung aufbaut. Und schlie\u00dflich: Es funktioniert, es ist keine Science-Fiction- ein gro\u00dfer Feldversuch im Rhein-Main-Gebiet habe unl\u00e4ngst \u201ebewiesen\u201c, dass die sogenannte \u201eCar to X\u201c-Kommunikation \u201ereif f\u00fcr den Alltagseinsatz\u201c sei. Fast alle Autohersteller und alle f\u00fchrenden Zulieferer sind von Car to X \u00fcberzeugt und beteiligen sich an Forschung und Entwicklung. Journalisten \u00fcberschlagen sich in Jubelmeldungen, \u00d6konomen rechnen mit volkswirtschaftlichen Effekten in Milliardenh\u00f6he durch weniger Unf\u00e4lle und Staus, durch besser flie\u00dfenden Verkehr.<\/p>\n<p>Nur: Wo ist der Haken? Was heute als brandneue Car-to-X-Technik kommuniziert wird, ist tats\u00e4chlich eine alte Idee, denn die Gr\u00fcndung des ersten Konsortiums, damals mit der Bezeichnung \u201eCar to Car\u201c, liegt mittlerweile elf Jahre zur\u00fcck. Szenarien, Bausteine und Komponenten des vernetzten Fahrens wurden seit 2004 immer wieder der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt. Der Kerngedanke war, dass das Fahrzeug mit einer Wireless-Lan-Einheit ausger\u00fcstet wird, wie man sie in jedem Notebook vorfindet. Die Funktechnik sollte ein autonomes Netzwerk aufbauen, das wie eine Internettauschb\u00f6rse arbeitet. Ohne Umwege w\u00fcrden Daten direkt ausgetauscht, von Auto zu Auto, jedes w\u00e4re gleichzeitig Sender und Empf\u00e4nger, Informationen und Warnungen w\u00fcrden wie ein Staffelstab von einem Fahrzeug zum n\u00e4chsten weitergereicht. Der Clou war also die Abkehr von herk\u00f6mmlichen Verkehrsleitzentralen und hierarchischen Strukturen zugunsten der Selbstorganisation. Autos bilden eine Kette der Informationsweitergabe und erlauben innovative Dienste, die mit starren oder hierarchischen Strukturen nicht zu realisieren sind. Das System funktioniert autonom, die Daten suchen sich von allein ihre Wege, Ausf\u00e4lle und St\u00f6rungen werden umgangen.<\/p>\n<h2>Mobilfunk statt Wireless-Lan<\/h2>\n<p>Die gesamte Systemarchitektur inklusive der Komponenten und Protokolle, Anwendungen und Verfahren bis herunter auf die Ebene der zu verwendenden W-Lan-Standards wurde schon 2007 in einem hundertseitigen \u201eManifest\u201c niedergelegt. Was ist seither passiert? Der besagte Feldversuch mit 120 Fahrzeugen ist nicht die wichtigste Neuheit. Die wichtigste Nachricht ist, dass bislang kein einziger Hersteller seine Fahrzeuge mit den unabdingbaren W-Lan-Modulen ausstattet. Ohne W-Lan keine Vernetzung und keine Car-to-Car-Kommunikation. Und nach Informationen dieser Zeitung wird sich daran in den n\u00e4chsten Jahren auch nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<p>        \t                        \t<!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Verantwortlich daf\u00fcr sind nicht etwa die Kosten f\u00fcr die W-Lan-Ausr\u00fcstung, die je Neuwagen im unteren dreistelligen Eurobereich liegen. Die Idee scheitert vielmehr daran, dass Fahrzeughersteller und Zulieferer an einer selbstorganisierten Vernetzung im Grunde genommen nichts verdienen. Deshalb sollen von ihnen organisierte Telematikangebote das urspr\u00fcngliche Konzept ersetzen. Alles dreht sich abermals um Verkehrsleitzentralen, um den Informationsfluss von unten nach oben, um Hierarchie statt Selbstorganisation.<\/p>\n<p>Das umetikettierte Car to X geht noch in diesem Jahr an den Start, etwa bei Mercedes-Benz. Wireless-Lan wird daf\u00fcr nicht ben\u00f6tigt, vielmehr erfolgt die Daten\u00fcbertragung zwischen Fahrzeug und Telematikzentrale wie gehabt via Mobilfunk. Die Stuttgarter verwenden dazu das \u201eDrive Kit Plus\u201c, also die Integrationsl\u00f6sung f\u00fcr Apples iPhone. Wenn in der Umgebung des Fahrzeugs Warnmeldungen vorliegen, erh\u00e4lt der Mercedes-Fahrer einen Hinweis auf dem Smartphone-Display. Die Daten stammen aus einer von Daimler betriebenen Verkehrsleitzentrale. Der Fahrer kann sich aktiv am Melden von Nachrichten beteiligen, also \u00fcber das Drive Kit Plus beispielsweise vor dem Stauende in der Kurve warnen. Seine Meldung wird in der Leitzentrale gepr\u00fcft und dann an andere rundgesendet.<\/p>\n<h2>Mit der urspr\u00fcnglichen Idee hat das nichts mehr zu tun<\/h2>\n<p>Auch Audi spricht davon, dass die Ausr\u00fcstung von Fahrzeugen mit W-Lan nicht absehbar ist. In Ingolstadt setzt man ebenfalls auf den Mobilfunk. Das<\/p>\n<p>\u201cBackend\u201c f\u00fcr Verkehrsdaten laufe bereits, es verarbeitet die von Inrix angelieferten Staudaten und schickt sie ins Fahrzeug. F\u00fcr das kommende Jahr sei geplant, dass auch die Daten der Fahrzeug-Sensorik &#8211; etwa ESP-Hinweise auf eine glatte Stra\u00dfe &#8211; ins Ingolst\u00e4dter Rechenzentrum geschickt werden, um nach Aufbereitung der Daten die Audi-Fahrer in der Umgebung zu warnen.<\/p>\n<p>Mit der urspr\u00fcnglichen Idee untereinander vernetzter Fahrzeuge, die sich hersteller\u00fcbergreifend austauschen und warnen, hat das alles nichts mehr zu tun. Es geht also bei Car to X vor allem darum, Telematikl\u00f6sungen an den Mann zu bringen, die mit herk\u00f6mmlichen \u00dcbertragungswegen in den vergangenen 20 Jahren nicht monetarisierbar waren.<\/p>\n<p>Wireless-Lan werde nur f\u00fcr sehr zeitkritische Anforderungen ben\u00f6tigt, etwa die \u201eintelligente Ampelsteuerung\u201c, hei\u00dft es. Vor 2018 sei nicht mit entsprechend ausger\u00fcsteten Fahrzeugen zu rechnen, sagt der Sprecher eines Automobilherstellers. In f\u00fcnf Jahren wird freilich das selbstfahrende Auto die Agenda der verkehrspolitischen Diskussion bestimmen. Nicht nur Google hat dazu in den vergangenen Jahren ein geradezu verbl\u00fcffendes Innovationstempo vorgelegt. Wenn das autonome, fehler- und unfallfreie Fahren zur Realit\u00e4t wird, hat sich die Car-to-X-Episode ohnehin erledigt.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/car-to-x-kommunikation-abschied-von-der-zukunft-zurueck-zur-telematik-12514670.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/car-to-x-kommunikation-abschied-von-der-zukunft-zurueck-zur-telematik-12514670.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast alle Autohersteller und f\u00fchrenden Zulieferer sind von der sogenannten \u201eCar to X\u201c-Kommunikation \u00fcberzeugt. 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