{"id":18980,"date":"2013-05-07T16:09:54","date_gmt":"2013-05-07T16:09:54","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18980"},"modified":"2013-05-07T16:09:54","modified_gmt":"2013-05-07T16:09:54","slug":"ein-virus-das-gern-zum-menschen-ausweicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18980","title":{"rendered":"Ein Virus, das gern zum Menschen ausweicht"},"content":{"rendered":"<p>Mehr als hundert Erkrankte bisher: Wie gef\u00e4hrlich ist der neue Erreger H7N9 aus China? Einige Mutationen bereiten den Wissenschaftlern gr\u00f6\u00dfere Sorgen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Seit f\u00fcnf Wochen versuchen Experten zu verstehen, wie gef\u00e4hrlich das neue Vogelgrippevirus H7N9 aus China ist. Bis zum 2. Mai sind 128 Erkrankungen und 26 Todesf\u00e4lle registriert worden- derzeit werden die Fallzahlen w\u00f6chentlich aktualisiert. Weil die chinesischen Beh\u00f6rden das Virus rasch an alle relevanten Referenzlabore der Welt verteilt haben, konnte ein erster Steckbrief zusammengestellt werden, der allerdings noch erhebliche L\u00fccken aufweist.<\/p>\n<p>H7N9 ist ein Tiervirus. Es gibt keinen Beleg f\u00fcr eine anhaltende \u00dcbertragung von Mensch zu Mensch. 76 Prozent der Erkrankten hatten Kontakt zu H\u00fchnern (\u201eNew England Journal of Medicine\u201c, doi:10.1056\/NEJMoa1304617). Einige wenige Kranke k\u00f6nnen sich bei infizierten Angeh\u00f6rigen angesteckt haben. Bei den anderen Erkrankungen ist nicht klar, wie es zu der Infektion gekommen ist. H\u00fchner und Tauben gelten nach Aussagen von Hans-Dieter Klenk, Virologe und Influenzaforscher an der Universit\u00e4t Marburg, derzeit als die wichtigste Infektionsquelle. Allerdings ist es auch m\u00f6glich, dass es noch weitere Reservoire gibt, die bisher nicht entdeckt worden sind. W\u00e4re dies der Fall, w\u00fcrde die Eind\u00e4mmung der Infektion erschwert werden, weil die Viren immer wieder \u00fcber diese noch unbekannten Quellen in Umlauf gebracht w\u00fcrden.<\/p>\n<h2>F\u00fcr V\u00f6gel kaum gef\u00e4hrlich<\/h2>\n<p>Das neue H7N9-Virus ist f\u00fcr V\u00f6gel g\u00e4nzlich ungef\u00e4hrlich, f\u00fchrt beim Menschen aber zu einer schweren Influenza, die nicht selten t\u00f6dlich endet. Auf V\u00f6gel bezogen gilt H7N9 aber als niedrigpathogen. Das 1997 erstmals aufgetretene Vogelgrippevirus H5N1 ist f\u00fcr V\u00f6gel dagegen hochpathogen, weil es die Tiere schnell verenden l\u00e4sst. Wegen der fehlenden Krankheitssymptome kann man H\u00fchnerbest\u00e4nden oder feilgebotenem Gefl\u00fcgel nicht ansehen, ob sie mit H7N9 infiziert sind oder nicht. Die Welttiergesundheitsorganisation hat best\u00e4tigt, dass das Virus in H\u00fchnern nachgewiesen wurde, die zum Verzehr bestimmt waren. Es gibt allerdings keinerlei Hinweise darauf, dass eine Gefl\u00fcgel- oder Eiermahlzeit aus infizierten Best\u00e4nden eine Infektionsquelle sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Zu denken gibt den Influenzaexperten auch, dass verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viele Menschen in relativ kurzer Zeit erkrankt sind. Mit H5N1 haben sich zwischen 2003 und 2011 weltweit nur 566 Personen infiziert. Das neue Virus hat es in den wenigen Wochen, in denen es in einigen chinesischen Provinzen zirkuliert, bereits auf ein knappes Viertel dieser Erkrankungszahl gebracht. An H5N1 ist jeder zweite Infizierte gestorben, an H7N9 bisher jeder f\u00fcnfte. Daraus abzuleiten, dass das neue Vogelgrippevirus vielleicht weniger Todesf\u00e4lle verursachen k\u00f6nnte als H5N1, sei sicher nicht zul\u00e4ssig, sagt Hans-Dieter Klenk. Wie gef\u00e4hrlich H7N9 f\u00fcr den Menschen sei, k\u00f6nne bisher nicht gesagt werden, so der Virologe. Man m\u00fcsse die weitere Entwicklung abwarten.<\/p>\n<h2>Kaum milde Verl\u00e4ufe?<\/h2>\n<p>Unklar ist bisher auch, ob die schweren Krankheitsverl\u00e4ufe die Regel oder die Ausnahme sind. Vieles spricht daf\u00fcr, dass es kaum milde Infektionen gibt, weil es unter den Kontaktpersonen bisher nur sehr wenige leichte Erkrankungen gegeben hat. Das \u201eNew England Journal of Medicine\u201c berichtete in der oben genannten Studie vor einigen Tagen, dass sich von 1251 untersuchten Personen aus dem Umfeld der Kranken und Verstorbenen anscheinend niemand angesteckt hat. Offen ist auch noch, inwieweit die Begleiterkrankungen einiger Patienten f\u00fcr deren Tod verantwortlich sind und welchen Anteil das Virus am fatalen Ausgang der Infektion hat. Aus den ver\u00f6ffentlichten Krankenakten der ersten drei Todesopfer geht hervor, dass zwei der Verstorbenen eine Hepatitis-B-Infektion hatten, der dritte eine chronisch obstruktive Bronchitis (\u201eNew England Journal of Medicine\u201c, doi: 10.1056\/NEJMoa1304459). Allerdings ist es nicht ungew\u00f6hnlich, dass gerade besonders kranke Menschen an einer Influenza-Infektion sterben. Deshalb wird dieser Bev\u00f6lkerungsgruppe auch jedes Jahr die saisonale Grippeimpfung empfohlen.<\/p>\n<p>Seinen Ursprung hat das neue Virus in drei anderen Influenza-A-Viren aus V\u00f6geln. Das Gen f\u00fcr sein Oberfl\u00e4chenprotein H\u00e4magglutinin H7 stammt wahrscheinlich von H7-infizierten Hausenten aus der chinesischen Provinz Zhejiang, sein Neuraminidase-Gen N9 von infizierten Wildv\u00f6geln aus Korea. Die restlichen Gene sind vermutlich von einem mit H9N2 infizierten Bergfinken beigesteuert worden.<\/p>\n<h2>Charakteristische Mutationen<\/h2>\n<p>F\u00fcr den Menschen k\u00f6nnte H7N9 wegen einiger genetischer Ver\u00e4nderungen gef\u00e4hrlich werden. \u201eDas neue Vogelgrippevirus besitzt charakteristische Mutationen, die es n\u00e4her an ein typisches S\u00e4uger-Influenza-Virus heranr\u00fccken\u201c, erkl\u00e4rt Klenk. Bei einer der kritischen Mutationen ist eine Aminos\u00e4ure in Position 226 des H7-Gens ausgetauscht worden. Anstelle eines Glutamins taucht dort ein Leucin auf (doi:10.1056\/ NEJMoa1304459). Was auf den ersten Blick wie eine Bagatelle aussieht, hat weitreichende Konsequenzen f\u00fcr die Wirtsspezifit\u00e4t. Das Glutamin ist n\u00e4mlich die spezifische Signatur f\u00fcr den Virusrezeptor der V\u00f6gel, das Leucin f\u00fcr den Virusrezeptor des Menschen. \u201eDurch diese Mutation hat H7N9 vermutlich die F\u00e4higkeit erworben, an den humanen Virusrezeptor in den unteren Atemwegen anzudocken\u201c, erkl\u00e4rt Klenk. Bewiesen sei das zwar noch nicht, aber nach allem, was man bisher aus den Untersuchungen zum Pandemiepotenial avi\u00e4rer Influenzaviren wisse, sei dies durchaus wahrscheinlich.<\/p>\n<p>In \u201eScience\u201c zeigen Wei Zhang und seine Kollegen von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, wie sich solche Mutationen auf das Bindungsverhalten der Vogelgrippeviren auswirken. Sie zwingen das Virus offensichtlich dazu, sich dem Rezeptor in einer anderen Position zu n\u00e4hern. Aus dieser Position heraus binden sie besser an den humanen Virusrezeptor und weniger gut an den Vogelrezeptor. Diese Experimente wurden allerdings mit H5N1 gemacht, nicht mit H7N9 (doi:10.1126\/science.1236787).<\/p>\n<p>Die zweite von H7N9 erworbene Mutation, die den Experten Sorgen macht, ist ein Aminos\u00e4uren-Austausch im sogenannten PB2-Gen. Diese Mutation f\u00f6rdert die Vermehrung von H7N9 und macht das Virus temperaturempfindlicher. In den Atemwegen des Menschen ist es k\u00fchler als im K\u00f6rpers eines Huhns. Deshalb weicht ein temperaturempfindliches Virus vielleicht lieber auf einen Wirt aus, bei dem es weniger warm ist.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/erreger-h7n9-aus-china-ein-virus-das-gern-zum-menschen-ausweicht-12174972.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/erreger-h7n9-aus-china-ein-virus-das-gern-zum-menschen-ausweicht-12174972.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als hundert Erkrankte bisher: Wie gef\u00e4hrlich ist der neue Erreger H7N9 aus China? 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