{"id":18964,"date":"2013-05-31T16:09:51","date_gmt":"2013-05-31T16:09:51","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18964"},"modified":"2013-05-31T16:09:51","modified_gmt":"2013-05-31T16:09:51","slug":"wie-man-der-demenz-davonlauft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18964","title":{"rendered":"Wie man der Demenz davonl\u00e4uft"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6rperliche Fitness schl\u00e4gt alle anderen Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen f\u00fcr Demenz. Erkl\u00e4ren k\u00f6nnen Forscher den Effekt allerdings noch nicht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Testen Sie Ihr Wissen: Welche Ma\u00dfnahme vermindert das Risiko, dement zu werden, am effektivsten? L\u00f6sung A: Regelm\u00e4\u00dfiges L\u00f6sen von Denksportaufgaben? B: Regelm\u00e4\u00dfige Lekt\u00fcre einer Tageszeitung? C: Regelm\u00e4\u00dfige Einnahme von Ginkgo biloba? D: Regelm\u00e4\u00dfiger ma\u00dfvoller Genuss von Rotwein? Oder E: Regelm\u00e4\u00dfiges Joggen? Die wenigsten w\u00fcssten, dass sie ihrer Hirnleistung den gr\u00f6\u00dften Dienst erweisen, wenn sie aus all diesen T\u00e4tigkeiten das Joggen w\u00e4hlten. K\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t bringt offenbar den Geist ebenfalls auf Trab, wie immer die Ausgangsposition aussehen mag: Noch geistig fitte Probanden k\u00f6nnen mit Bewegung und Sport ihr Denk-, Lern- und Argumentationsverm\u00f6gen sch\u00e4rfen, wenn Demenz beginnt, wird die nachlassende Ged\u00e4chtnisfunktion durch k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t verbessert und jene Personen, die etwa wegen famili\u00e4rer Veranlagung ein h\u00f6heres Demenzrisiko aufweisen, k\u00f6nnen damit den Beginn der Erkrankung aufhalten &#8211; so lassen sich eine Vielzahl von fr\u00fcheren Forschungsarbeiten zusammenfassen und j\u00fcngste Arbeiten best\u00e4tigen dies.<\/p>\n<h2>Objektiver Test auf dem Laufband<\/h2>\n<p>Es lohnt sich, nicht zu lange damit zu warten, den K\u00f6rper zum Einsatz zu bringen: Wer sich bereits in den mittleren Jahren laufend qu\u00e4lt, ist im Alter nicht nur k\u00f6rperlich, sondern auch geistig fitter. Im Rahmen einer aufw\u00e4ndigen finnischen Studie wurden fast 20000 Teilnehmer \u00fcber den Zeitraum von 1971 bis 2009 beobachtet. Ihre Fitness wurde auf dem Laufband objektiv getestet &#8211; das macht das Ergebnis im Vergleich zu sonst zugrunde gelegten Selbstausk\u00fcnften zur eigenen Fitness besonders verl\u00e4sslich. Legt man f\u00fcnf verschiedene Fitnesslevel zugrunde, so war das Risiko, an irgendeiner Form von Demenz zu erkranken, in der Gruppe mit der besten Fitness um ein gutes Drittel geringer als bei denen, die sich als die Schlaffsten erwiesen (\u201eAnnals of Internal Medicine\u201c, Bd.158, S.162).<\/p>\n<p>Das best\u00e4tigen auch die Ergebnisse einer weiteren Studie mit einer Gruppe von fast 15000 Menschen, deren k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit ebenfalls objektiv auf einem Laufband gemessen wurde. Geh\u00f6rte man zu den zwei Dritteln derer mit mittleren bis guten Fitnesswerten, so sank das Risiko, an einer Demenz zu sterben, gegen\u00fcber jenen, die das letzte Drittel bildeten, um die H\u00e4lfte (\u201eMedical Science of Sports and Exercise\u201c, Bd.44, S.253). Und ein Vergleich von neunzig Zwillingspaaren, von denen jeweils einer an Demenz erkrankt war, ergab, dass sich das Demenzrisiko bei jenen, die Sport getrieben hatten, halbierte (\u201eJournal of Gerontology and Biological Science and Medical Science\u201c, Bd.63, S.62). Vielfach best\u00e4tigt werden diese Beobachtungen durch Tierversuchsmodelle, die zeigen, dass Lernfunktionen und Ged\u00e4chtnis bei Tieren mittels k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t oder Inaktivit\u00e4t gezielt beeinflusst werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Bremse f\u00fcr den Verfall<\/h2>\n<p>K\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t wirkt jedoch nicht nur vorbeugend. Ende letzten Jahres lautete das Ergebnis der LADIS-Studie (Leukoaraiosis and Disability Study), dass Bewegung dem Denkapparat auch dann noch guttut, wenn sich bereits kognitive Einbu\u00dfen abzuzeichnen beginnen. K\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t bremste im Verlauf einer dreij\u00e4hrigen Beobachtungsphase den geistigen Verfall erkennbar ab. Wichtig ist dabei festzuhalten, dass dies unabh\u00e4ngig von anderen Faktoren gelang, die ebenfalls Einfluss auf den Verlauf einer Demenz nehmen k\u00f6nnen &#8211; etwa das Alter selbst, der Ausbildungsgrad, Substanzver\u00e4nderungen im Gehirn, Schlaganfall und Diabetes (\u201eStroke\u201c, Bd.43, S.3331). Fazit: Bewegung ist per se gut f\u00fcr den Kopf. Daher l\u00e4sst sich nicht so ohne weiteres erkl\u00e4ren, warum die k\u00f6rperliche Fitness auf die geistige so vorteilhaft abf\u00e4rbt. Das vordergr\u00fcndig stimmige Deutungsmodell lautete n\u00e4mlich: Wer etwas f\u00fcr seine Herz-Kreislaufgesundheit tut, indem er Sport treibt und sich bewegt, schont die Blutgef\u00e4\u00dfe. Denn hoher Blutdruck, hohe Blutfette, Diabetes, und andere Risiken, die die Gef\u00e4\u00dfe &#8211; und auch die das Hirn versorgenden Arterien &#8211; angreifen, ziehen weniger Sch\u00e4den nach sich, wenn die kardiovaskul\u00e4re Fitness stimmt. Das wiederum verringert das Risiko kleinerer Schlaganf\u00e4lle und Durchblutungsst\u00f6rungen, die f\u00fcr die vaskul\u00e4re, durchblutungsabh\u00e4ngige Demenz verantwortlich gemacht werden.<\/p>\n<p>Aber k\u00f6rperliche Anstrengung verringert offenbar genauso das Auftreten der nicht vaskul\u00e4r bedingten Alzheimer-Demenz und das Risiko f\u00fcr Demenzen insgesamt &#8211; und dies unabh\u00e4ngig von den Erkrankungen, die die Durchblutung beeintr\u00e4chtigen. Tats\u00e4chlich ergeht man sich deshalb noch in Vermutungen, um die Zusammenh\u00e4nge zu verstehen. Eine gute Durchblutung soll helfen, zellul\u00e4re Abfallprodukte besser zu entsorgen, mehr sch\u00fctzende Substanzen zur Verf\u00fcgung zu stellen und daf\u00fcr sorgen, dass Regenerationsprozesse im Gehirn durch neu entstehende Nervenzellen besser funktionieren &#8211; Verringerung des oxidativen Stresses hei\u00dft eine allgemein gehaltene Begr\u00fcndung, die eher als Mantra denn als wissenschaftliche Erkl\u00e4rung zu verstehen ist, es gibt keine wirklich tragf\u00e4hige.<\/p>\n<h2>Auch andere Hirnerkrankungen profitieren<\/h2>\n<p>Allerdings sollte die Tatsache, dass man derzeit mit den Erkl\u00e4rungen den Beobachtungen noch hinterherhinkt, nicht dazu f\u00fchren, die Vorteile zu negieren. Vor allem deshalb nicht, weil auch viele andere Hirnkrankheiten ganz offensichtlich von k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t profitieren, von der Schizophrenie \u00fcber die Parkinsonkrankheit bis hin zu Impulskontrollst\u00f6rungen. Elisabeth Zschucke und ihre Kollegen von der Abteilung f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie der Charit\u00e9 in Berlin haben in einer \u00dcbersichtsarbeit Anfang des Jahres zahlreiche Belege daf\u00fcr zusammengetragen (\u201eJournal of Preventive Medicine &#038;amp- Public Health\u201c, Supplement-Bd.46, S.S12).<\/p>\n<p>\u00dcber Art und Ausma\u00df der k\u00f6rperlichen Bet\u00e4tigung, die zu empfehlen seien, herrscht keine Einigkeit. Schon ein t\u00e4glicher Spaziergang von zwanzig Minuten soll helfen, hei\u00dft es bei den einen, andere legen die Latte h\u00f6her und fordern mindestens viermal w\u00f6chentlich als unteres Limit stramme M\u00e4rsche mit dem Hund, besser aber ein nicht allzu bequemes, durchaus schwei\u00dftreibendes Bewegungsprogramm in Form von Laufen, Teamsport, oder Gymnastik f\u00fcr jeweils vierzig Minuten. Die Angaben schwanken bedenklich unwissenschaftlich zwischen nicht beweisbarer Genauigkeit &#8211; etwa, jeder Extrakilometer pro Woche reduziere das Risiko des geistigen Verfall um dreizehn Prozent &#8211; und vagen Ratschl\u00e4gen, wie dem, man m\u00fcsse nicht zum Marathonl\u00e4ufer werden, es n\u00fctze schon, wenn man sich einmal pro Woche k\u00f6rperlich bet\u00e4tige. Alex Dregan vom Kings College in London, der eine der l\u00e4ngsten Verlaufsstudien zum Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Fitness und Demenz leitet und die j\u00fcngste Auswertung soeben in der Maiausgabe der Zeitschrift \u201eAge Ageing\u201c ver\u00f6ffentlicht hat, pocht jedenfalls darauf, dass jede Form von Bewegung n\u00fctzlich sei (Bd.42, S.338). Die Mannschaft der Mayo Klinik bezeichnete k\u00f6rperliche Bet\u00e4tigung einmal als \u201ebest bet\u201c im Kampf gegen Alzheimer. Ronald Petersen, der Direktor des Alzheimer Forschungszentrums an der Mayo Klinik fasst es so zusammen: \u201eRegelm\u00e4\u00dfige k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t ist nach derzeitigem Wissen vermutlich die beste Alzheimerpr\u00e4vention &#8211; besser als Medikamente, besser als intellektuelle T\u00e4tigkeiten, besser als Nahrungserg\u00e4nzungsmittel (wie Vitamine) und besser als Di\u00e4ten\u201c (www.mayoclinic.com\/health\/alzheimers\/ MY00001\/METHOD=print).<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/bewegung-fuer-den-kopf-wie-man-der-demenz-davonlaeuft-12196873.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/bewegung-fuer-den-kopf-wie-man-der-demenz-davonlaeuft-12196873.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6rperliche Fitness schl\u00e4gt alle anderen Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen f\u00fcr Demenz. 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