{"id":18936,"date":"2012-12-19T16:09:36","date_gmt":"2012-12-19T16:09:36","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18936"},"modified":"2012-12-19T16:09:36","modified_gmt":"2012-12-19T16:09:36","slug":"guten-abend-meine-damen-und-herren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18936","title":{"rendered":"Guten Abend, meine Damen und Herren!"},"content":{"rendered":"<p>Das Fernsehen in Deutschland wird 60 Jahre alt. In der DDR begann der regul\u00e4re Sendebetrieb schon am 21. Dezember 1952, der NWDR folgte vier Tage sp\u00e4ter. Technisch hat sich seitdem einiges ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Das Weihnachtsfest 1952 brachte den Deutschen ein Geschenk von beispielloser Nachhaltigkeit: Mit einem Doppelstart in Ost und West nahm das Fernsehen seinen regelm\u00e4\u00dfigen Betrieb auf, und zwar nach einem Wettbewerbsmuster, das wir sp\u00e4ter im Zusammenhang mit dem Sputnik-Schock noch genauer kennenlernen sollten. Schon zwei Jahre zuvor hatte sich in der Bundesrepublik die ARD (die Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands) formiert und mit Volldampf begonnen, die regelm\u00e4\u00dfige Ausstrahlung bewegter Bilder vorzubereiten. Doch die DDR war schneller: Am 21. Dezember, p\u00fcnktlich zum Geburtstag des Genossen Stalin, legte der Deutsche Fernsehfunk (DFF) mit zwei t\u00e4glichen Sendestunden los &#8211; im eigens errichteten Ostberliner Fernsehzentrum Adlershof.<\/p>\n<p>So erlebten die Westfunker zun\u00e4chst einen taktischen R\u00fcckstand, doch ein paar Tage sp\u00e4ter, am 25. Dezember, schafften sie mit dem \u201eNWDR-Fernsehen\u201c den Ausgleich. Schon am zweiten Weihnachtsfeiertag ging dann zum ersten Mal die Tagesschau \u00fcber den \u00c4ther. Damals waren Westdeutscher Rundfunk und Norddeutscher Rundfunk noch im NWDR vereint (bis 1955).<\/p>\n<h2>Abenteuerliche Relation von Preis und Bildfl\u00e4che<\/h2>\n<p>Technisch nahm der Fernsehstart eigentlich schon die friedliche Koexistenz vorweg, denn das Fernsehen diesseits und jenseits der innerdeutschen Grenze beruhte auf identischen Parametern. Auf 576 sichtbare Bildzeilen hatten sich Europas Fernseh-Vordenker schon sieben Monate zuvor in der Stockholmer Konferenz geeinigt &#8211; eine Aufl\u00f6sung, die heute noch Millionen Bildschirme f\u00fcllt und die erst allm\u00e4hlich von HDTV-Rastern mit 720 oder 1080 Zeilen abgel\u00f6st wird.<\/p>\n<p><!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Auch die Frequenz von 25 Einzelbildern &#8211; genauer: von 50 Halbbildern in jeder Sekunde nach dem Prinzip des Zeilensprungs &#8211; war identisch. Folglich funktionierte grenz\u00fcberschreitender Fernsehempfang problemlos, von limitierten Sender-Reichweiten einmal abgesehen. Allerdings sollte die technische Kompatibilit\u00e4t erst sp\u00e4ter ihre so wichtige politische Bedeutung erlangen. Denn anno 1952 war die Errungenschaft des Fernsehens noch ein Thema f\u00fcr exklusive Minderheiten. Ganze 300 Empf\u00e4nger standen zum Weihnachtsfest in westdeutschen Wohnstuben, nur 60 gab es in der DDR.<\/p>\n<p>Bis zum Jahresende gingen in der Bundesrepublik Deutschland immerhin 4000 Fernsehger\u00e4te \u00fcber den Ladentisch &#8211; zu Preisen von etwa 1000 Mark, dem Mehrfachen eines Monatslohns von Arbeitern und Angestellten. Die Relation von Preis und Bildfl\u00e4che blieb vorerst noch abenteuerlicher: 22\u00d722 Zentimeter ma\u00dfen die ersten Bildr\u00f6hren.<\/p>\n<h2>Tragbare Dimensionen<\/h2>\n<p>In Richtung Massenph\u00e4nomen entwickelte sich das Fernsehen zun\u00e4chst im Schneckentempo. Immerhin: Als Elisabeth II. 1953 in London zur K\u00f6nigin gekr\u00f6nt wurde und das Medium seine erste internationale Live-\u00dcbertragung erlebte, hockte vor jedem Bildschirm nicht nur die Familie, sondern gleich die ganze Nachbarschaft. Ein Jahr sp\u00e4ter, 1954, hatte der Bestand schon 100.000 Ger\u00e4te erreicht. Von da an ging es steiler bergauf: 1957 meldeten die Statistiken die erste Fernseher-Million in den Wohnzimmern, von der zweiten k\u00fcndeten die Marktdaten bereits 1959. Keine Frage: Der Guckkasten avancierte zum Statussymbol im fortgeschritten Wirtschaftswunder.<\/p>\n<p>In den fr\u00fchen sechziger Jahren nahm in der Bundesrepublik die Idee, das bis dahin einzige Fernsehprogramm um ein zweites zu erg\u00e4nzen, konkrete Gestalt an. So erprobte die ARD zwischen 1961 und 1963 zun\u00e4chst ein ARD2 genanntes Projekt, zog diese Initiative aber wieder zur\u00fcck. Bundeskanzler Konrad Adenauer entwickelte Ambitionen auf einen Fernsehkanal im Dienst der Regierung, scheiterte damit aber schlie\u00dflich am Verfassungsgericht. 1963 dann startete das ZDF &#8211; und damit die unaufhaltsame Entwicklung zu mehr Vielfalt. Schon ein Jahr sp\u00e4ter nahmen in den Bundesl\u00e4ndern Dritte Programme den Sendebetrieb auf.<\/p>\n<p>Bis zu dieser Zeit hatte sich das Medium auch technisch fortentwickelt. Schon in den fr\u00fchen f\u00fcnfziger Jahren gab es in Amerika erste Kabel-Fernbedienungen, in Deutschland kamen 1959 Modelle mit Ultraschall-\u00dcbertragung auf den Markt. Sp\u00e4ter setzte sich die Infrarottechnik durch. Von 1960 an begannen Transistoren, die R\u00f6hren in den Schaltungen der Fernsehger\u00e4te abzul\u00f6sen, und Leiterplatinen traten nach und nach an die Stelle der freien Verdrahtung. So konnten die Ger\u00e4te erstmals auch auf tragbare Dimensionen schrumpfen.<\/p>\n<h2>Die ersten Videoger\u00e4te treten auf den Plan<\/h2>\n<p>Spektakul\u00e4ren Fortschritt aber brachte das Jahr 1967: Auf der \u201eGro\u00dfen Deutschen Funkausstellung\u201c, wie die traditionelle Branchenmesse in Berlin damals noch hie\u00df, dr\u00fcckte der damalige Vizekanzler Willy Brandt auf den symbolischen roten Knopf, um das Farbfernsehen zu starten. Den Anfang machte die Show \u201eDer goldene Schuss\u201c. Nach und nach folgten immer mehr Buntsendungen, und damit der Zuschauer sie auch bewusst goutierte, strahlten die Sender dazu jedes Mal einen Vorspann aus, in dem sich animierte, bl\u00fctenartige Ornamente in allen Farben des Regenbogens entfalteten.<\/p>\n<p>Die Technik f\u00fcrs Bunte ging auf eine Idee von Telefunken-Entwicklungschef Walter Bruch zur\u00fcck, der 1963 das Patent f\u00fcr sein Farb-Kodierverfahren \u201ePhase Alternating Line\u201c (kurz PAL) erhielt. PAL brachte den entscheidenden Fortschritt gegen\u00fcber der \u00e4lteren amerikanischen Farbnorm NTSC, die Insider gern sp\u00f6ttisch mit \u201eNever twice the same colour\u201c (Niemals zweimal die gleiche Farbe) in Langschrift \u00fcbersetzten. Denn NTSC war anf\u00e4llig f\u00fcr Farbton-Fehler, eine Schw\u00e4che, die PAL mit einem genialen Kunstgriff \u00fcberwand. Die meisten L\u00e4nder Mitteleuropas setzen auf PAL. Die DDR dagegen entschied sich, als 1969 auch dort das Fernsehen farbig wurde, f\u00fcr das franz\u00f6sische Konkurrenzverfahren Secam &#8211; gemeinsam mit ihren sozialistischen Nachbarn. (Secam steht f\u00fcr \u201eS\u00e9quentiel couleur \u00e0 m\u00e9moire\u201c, in etwa: sequentielle Farbe mit Speicher). Mitte August 1967 gab es in der Bundesrepublik schon 28 Farbfernseh-Ger\u00e4tetypen von 15 Unternehmen. Die Preise lagen damals zwischen 2350 und 2700 Mark. Folglich erreichten die Verk\u00e4ufe zun\u00e4chst noch keine schwindelnden H\u00f6hen- erst 1972 \u00fcberschritten sie die Marke von einer Million.<\/p>\n<p>In den siebziger Jahren begann das bewegte elektronische Bild, sich von der Direktverbindung zwischen Sender und Fernseher zu emanzipieren: Die ersten Videoger\u00e4te traten auf den Plan. Sony ging 1971 mit seinem System U-Matic voran und machte daraus vier Jahre sp\u00e4ter den konsumententauglichen Betamax-Videorekorder. Im selben Jahr forderte JVC die japanische Konkurrenz mit seinem VHS-System heraus. Die Europ\u00e4er wollten nicht abseits stehen: Philips und Grundig versuchten 1979, mit ihrem Video 2000 zu punkten &#8211; zu sp\u00e4t: VHS blieb bis in die Digital-\u00c4ra hinein der Sieger.<\/p>\n<h2>H\u00f6chst n\u00fctzliche Verbesserungen im Detail<\/h2>\n<p>Kaum hatte sich der Pulverdampf der Video-Systemschlachten verzogen, zeichneten sich dramatische Ver\u00e4nderungen an anderen Fronten ab. 1981 machte das Bundesverfassungsgericht mit seinem dritten Rundfunk-Urteil den Weg f\u00fcr die Einf\u00fchrung des Privatfernsehens frei, f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter begr\u00fcndete dasselbe Gericht das duale Rundfunksystem in Deutschland. Am 1. Januar 1984 startete das Kabelpilotprojekt Ludwigshafen-Vorderpfalz. Neben den \u00fcblichen, bis dahin nur von Fernseht\u00fcrmen ausgestrahlten Fernsehprogrammen, kamen \u00fcber die Kupferleitungen nun auch Programme privater Anbieter ins Haus. SAT1 war von Anfang an dabei, RTL plus folgte nur einen Tag sp\u00e4ter. Terrestrisches Fernsehen und Breitbandkabel blieben nicht allein: 1988 schuf Astra mit seinen Hochleistungs-Trabanten erstmals eine Massenbasis f\u00fcr die Fernseh\u00fcbertragung \u00fcber Satellit. So etablierte sich in Deutschland auch der dritte Verbreitungsweg, wovon unter anderem Premiere profitierte &#8211; der erste deutsche Abo-Sender, der am 28. Februar 1991 seinen Betrieb aufnahm.<\/p>\n<p>Eher im Hintergrund \u00fcbte die Industrie gleichzeitig Klimmz\u00fcge zur Einf\u00fchrung des Hochzeilenfernsehens HDTV. Doch das Projekt endete 1992 wie das Hornberger Schie\u00dfen, denn es kam zu sp\u00e4t und zu fr\u00fch zugleich: zu sp\u00e4t, weil sich bereits das Ende der Analog-\u00c4ra abzuzeichnen begann, zu fr\u00fch, weil erst die modernen Flachbildschirme hochaufl\u00f6sende Bilder wirklich gro\u00dffl\u00e4chig, zu akzeptablen Kosten und mit tolerablen, schlanken Ger\u00e4tedimensionen ins Wohnzimmer bringen.<\/p>\n<p>Immerhin: Aus diesem fr\u00fchen HD-Versuch gingen die ersten R\u00f6hrenfernseher im Breitbild-Format 16:9 als Erben hervor &#8211; und eine Technik namens PALplus, die das analoge Farbfernsehen Bruchscher Provenienz zum Breitbild-Spektakel aufbohrte. Etwas abseits der gro\u00dfen Weichenstellungen gab es dann noch h\u00f6chst n\u00fctzliche Verbesserungen im Detail: Im Januar 1990 wurde aus dem Videotext, der bis dahin als Versuch lief (schon seit 1980), ein Regeldienst. Und immer mehr Sender gew\u00f6hnten sich an, den Ton in Stereo zu \u00fcbertragen, nachdem das ZDF bereits am 13. September 1981 damit begonnen hatte.<\/p>\n<h2>Zusammenwachsen von Internet und Rundfunk<\/h2>\n<p>Und dann l\u00e4utete das Jahr 1997 die wohl folgenreichste technische Ver\u00e4nderung des Fernsehens ein: Die digitale \u00dcbertragung begann, sich in Deutschland zu etablieren. Zun\u00e4chst ein bisschen holprig, denn jahrelang nervte die Kirch-Gruppe, ein inzwischen verschiedenes Medienimperium, den Rest der Welt mit ihren letztendlich fehlgeschlagenen Versuchen, digitales Fernsehen im \u00f6ffentlichen Bewusstsein mit Abo-Fernsehen zu identifizieren. Doch die Erkenntnis war nicht aufzuhalten: Digitale \u00dcbertragung steht vor allem f\u00fcr bessere Bild- und Tonqualit\u00e4t, f\u00fcr geringere \u00dcbertragungskosten und f\u00fcr mehr Programmvielfalt.<\/p>\n<p>Mittlerweile funken s\u00e4mtliche Fernseht\u00fcrme zwischen M\u00fcnchen und Flensburg sowie die f\u00fcr Deutschland zust\u00e4ndigen Astra-Satelliten ausschlie\u00dflich digital, im Kabel nimmt der Anteil der Digital\u00fcbertragung langsam, aber stetig zu. Und das ist gut so: HDTV, die schl\u00fcssige Antwort auf die l\u00e4ngst etablierte Flachbild-Technik und auf st\u00e4ndig wachsende Bildschirmgr\u00f6\u00dfen, funktioniert eben nur mit Bits und Bytes. Wie anachronistisch die Analogtechnik heute ist, wird deutlich, wenn Programmanbieter und Netzbetreiber sich schon Gedanken dar\u00fcber machen, was nach HDTV kommt. Immerhin gibt es bereits Bildschirme, die das Vierfache der heutigen HDTV-Aufl\u00f6sung bieten.<\/p>\n<p>Die Zukunft des Mediums liegt aber nicht prim\u00e4r in wachsender Pixelflut: Das Zusammenwachsen von Internetstrukturen und Rundfunkverteilwegen ver\u00e4ndert das Fernsehen auf eine so grundlegende Weise, dass wir heute schon sicher wissen: In weiteren 60 Jahren gibt es vielleicht noch den Begriff Fernsehen. Aber er wird nicht das Geringste mehr mit dem Pantoffelkino zu tun haben, von dem wir uns jetzt schon zu verabschieden beginnen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/audio-video\/60-jahre-fernsehen-guten-abend-meine-damen-und-herren-11996770.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/audio-video\/60-jahre-fernsehen-guten-abend-meine-damen-und-herren-11996770.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Fernsehen in Deutschland wird 60 Jahre alt. 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