{"id":18928,"date":"2012-12-25T16:09:34","date_gmt":"2012-12-25T16:09:34","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18928"},"modified":"2012-12-25T16:09:34","modified_gmt":"2012-12-25T16:09:34","slug":"deutsche-sind-bei-spielwaren-elektronikmuffel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18928","title":{"rendered":"\u201eDeutsche sind bei Spielwaren Elektronikmuffel\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Mit ihrer Auswahl von Spielzeug f\u00fcr den Gabentisch sind die Bundesb\u00fcrger wahre Sonderlinge. Spielwarenforscher Werner Lenzner erkl\u00e4rt, warum Eltern hierzulande internationale Verkaufsschlager verschm\u00e4hen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\"><strong>Herr Lenzner, unter dem Weihnachtsbaum liegt traditionell viel Spielzeug. Bekommen deutsche Kinder mehr als Gleichaltrige in anderen L\u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, im Gegenteil. Wir liegen deutlich hinter Frankreich und Gro\u00dfbritannien zur\u00fcck. F\u00fcr ein Kind werden in Deutschland im Jahr rund 250 Euro f\u00fcr Spielwaren ausgegeben. Die Franzosen kommen knapp an 300 Euro heran, Engl\u00e4nder geben sogar mehr als 300 Euro aus. In Deutschland liegen nur die Ausgaben f\u00fcr Drei- bis F\u00fcnfj\u00e4hrige bei mehr als 300 Euro.<\/p>\n<p><strong>Woran liegt das?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Grund ist, dass Franzosen schon bei Kleinkindern bis zwei Jahre wesentlich ausgabefreudiger sind. Au\u00dferdem spielt eine Rolle, dass sich in Deutschland auch Erwachsene gegenseitig beschenken. Sie verteilen ihre Ausgaben auf Weihnachtspr\u00e4sente f\u00fcr mehr Personen. In anderen L\u00e4ndern ist Weihnachten ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Kinder da.<\/p>\n<p><strong>Kinder in Deutschland k\u00f6nnten auf die Zukunft hoffen. Mit Eltern, Gro\u00dfeltern und Tanten kommen auf eine sinkende Kinderzahl immer mehr Erwachsene, die zusammen mehr ausgeben k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst versuchen Eltern, die Zahl der Spielzeug-Geschenke ihres Umfeldes zu regulieren. Ihre Tochter oder ihr Sohn soll nicht wahllos \u00fcberh\u00e4uft werden. Mit Gro\u00dfeltern, Onkeln und Tanten wird deshalb abgesprochen, was ein Kind bekommt. Das Hauptgeschenk, das f\u00fcr ein Kind nun mal das Spielzeug ist, wollen die Eltern aber am liebsten selbst \u00fcberreichen. Gro\u00dfeltern werden mit Bekleidung oder Schulsachen vertr\u00f6stet.<\/p>\n<p><strong>Eltern hierzulande veranschlagen ein anderes Budget, schenken sie auch andere Spielsachen?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das Konzept des Systemspielzeugs ist in anderen Kulturen weniger gel\u00e4ufig. Denken Sie an Lego oder Playmobil, die erzielen bei uns h\u00f6here Marktanteile als woanders. In Deutschland wird zun\u00e4chst ein Grundkasten geschenkt, sp\u00e4ter gibt es die Erweiterung dazu. Und wenn das Systemspielzeug lange im Kinderzimmer bleibt, sieht das Zimmer in den Augen der Eltern voll aus. In anderen L\u00e4ndern wird Spielzeug eher aus dem Kinderzimmer herausger\u00e4umt und auch weggeworfen.<\/p>\n<p><strong>Deutsche schmei\u00dfen kaum Spielwaren weg, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, wenn etwas nicht mehr gebraucht wird, verkaufen sie es lieber &#8211; zum Beispiel auf dem Flohmarkt. Gerade bei Systemspielzeug funktioniert das sehr gut. Die Artikel sind immer kompatibel mit anderen Sets, und sie halten sehr lange. Lego-Steine kommen einmal in die Waschmaschine, dann sind sie wieder sauber.<\/p>\n<p><strong>Gibt es typisch deutsche Spielzeuge, die im Ausland kaum Erfolg haben?<\/strong><\/p>\n<p>Die Modelleisenbahn ist ein sehr deutsches Ph\u00e4nomen. Auch das Laufrad ist nur hier so popul\u00e4r. Bei uns hei\u00dft es: Das ist ja praktisch, dann kann das Kind gleich Fahrradfahren lernen. Woanders gibt es das gar nicht. Dass Brettspiele ein deutsches Ph\u00e4nomen sind, ist hingegen ein Mythos. Wir haben zwar mehr Spieletitel im Angebot, aber gemessen am Umsatz ist der Markt in Frankreich gr\u00f6\u00dfer. F\u00fcr Deutschland ist lediglich typisch, dass auch Erwachsene untereinander spielen und nicht blo\u00df mit Kindern.<\/p>\n<p><strong>Und umgekehrt: Womit scheitern ausl\u00e4ndische Hersteller in Deutschland?<\/strong><\/p>\n<p>Lizenzthemen, wie Figuren oder Spiele zu einem aktuellen Kinofilm, haben hierzulande oft ein Negativimage. Sie gelten als teuer und schnell \u00fcberholt. Allerdings: Wenn die Deutschen ein Thema doch lieben, wird die Nachfrage richtig stark. Star-Wars-Spielzeug und Artikel zu den Cars-Trickfilmen k\u00f6nnen mit ihren Ums\u00e4tzen im internationalen Vergleich mithalten. Daneben gibt es aber unz\u00e4hlige Beispiele f\u00fcr Produkte, die bei uns scheitern: Farben scheinen zu grell, Action-Figuren zu aggressiv, Puppen zu sexy.<\/p>\n<p><strong>Zu sexy?<\/strong><\/p>\n<p>Vor ein paar Jahren gab es eine Puppenreihe aus Amerika, mit gro\u00dfem Kopf, sehr modisch gekleidet und sehr stark geschminkt. Die hatte nahezu \u00fcberall auf der Welt Erfolg, nur in Deutschland nicht.<\/p>\n<p><strong>T\u00e4uscht der Eindruck, dass Spielzeug in Amerika und Asien immer viel bunter ist als bei uns?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, das ist so. Das andere Farbempfinden ist einer der gr\u00f6\u00dften Unterschiede. Auch die Materialvorlieben sind andere. Wir haben einen Hang zu Holz und Textilien, woanders gilt Kunststoff als praktisch, weil der leichter zu reinigen und deshalb hygienischer sei.<\/p>\n<p><strong>Haben auch Amerikaner und Asiaten unterschiedliche Pr\u00e4ferenzen, oder sind die Deutschen bei Spielwaren Sonderlinge?<\/strong><\/p>\n<p>Wie es aussieht, steht Deutschland eher allein gegen den Rest der Welt. Bei uns gibt es viel mehr Bedenken. Mit Spielzeugwaffen gehen Eltern sehr restriktiv um. Sie haben mehr Erwartungen an Spielzeug, es muss langlebig, edukativ und wertvoll sein &#8211; und g\u00fcnstig. Dennoch spielen Wunschzettel der Kinder eine gro\u00dfe Rolle. Deutsche Eltern kaufen weniger auf eigene Initiative. Aber sie besprechen W\u00fcnsche vorab und schauen, in welche Richtung sie ihre Kinder leiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Was ist denn gutes Spielzeug?<\/strong><\/p>\n<p>Oft hei\u00dft es, gutes Spielzeug muss p\u00e4dagogisch wertvoll sein. Davon m\u00f6chte ich etwas abr\u00fccken. F\u00fcr mich ist ein gutes Spielzeug etwas, was Kinder begeistert. Die h\u00e4sslichste Action-Figur, die wir Erwachsenen ablehnen, kann die Phantasie eines Kindes anregen und dazu f\u00fchren, dass sich ein Kind tagelang damit besch\u00e4ftigt. Wenn man das P\u00e4dagogische zu sehr in den Vordergrund r\u00fcckt, wird es f\u00fcr Kinder oft langweilig. Ein Spiel, das Eltern und Kinder zum Spielen zusammenbringt, ist gut. In anderen L\u00e4ndern ist es dagegen anerkannt, Spielzeug zu kaufen, damit ein Kind mal eine Stunde damit allein besch\u00e4ftigt und ruhig ist.<\/p>\n<p><strong>Elektronik ist im Kinderzimmer auf dem Vormarsch, Tabletcomputer werden mit Apps und anderen Erg\u00e4nzungen zu Spielger\u00e4ten. Nicht wenige Eltern fragen sich, ob sie ihrem kleinen Kind schon ein Tablet geben sollen oder sogar m\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n<p>M\u00fcssen tut man gar nichts. Von der Entwicklung her sind Kinder heute nicht anders als vor 20 Jahren. Elektronik bringt nicht automatisch einen Entwicklungsvorsprung. Kinder m\u00fcssen erst einmal Grundlagen wie Greifen, Sprache, Farben lernen. Das geht auch ohne Elektronik. Verteufeln will ich sie aber auch nicht. Wir leben nun mal im 21. Jahrhundert. Kinder sehen die Ger\u00e4te und m\u00f6chten teilhaben. Wenn man sie k\u00fcnstlich fernh\u00e4lt, f\u00fchrt das zu Frustration. Wenn Elektronik den herk\u00f6mmlichen Spielzweck unterst\u00fctzt und das Spiel moderner wirkt, ist sie sehr gut eingesetzt.<\/p>\n<p><strong>Auf der N\u00fcrnberger Spielwarenmesse Anfang des Jahres wurden sogenannte iToys als der n\u00e4chste gro\u00dfe Trend gefeiert. Sind die Hoffnungen der Branche aufgegangen?<\/strong><\/p>\n<p>Noch nicht. Von den Produkten, die 2012 erstmals auf der Messe zu sehen waren, hat sich keines als der gro\u00dfe Verkaufshit herausgestellt. Man muss aber ber\u00fccksichtigen, wie viele Haushalte mit Kindern \u00fcberhaupt schon ein Tablet besitzen. Bislang sind iToys eine Entwicklung, die es wert ist, sie zu beobachten. F\u00fcr den Durchbruch gen\u00fcgt nicht blo\u00df ein App-Spiel, es muss einen echten Zusatznutzen geben. Mir fallen spontan die Skylanders-Charaktere ein. Die werden auf eine Plattform gestellt, die mit einer Spielekonsole verbunden wird. Die Figuren erscheinen dann im Videospiel. Sie k\u00f6nnen auch gesammelt und zu Freunden mitgenommen werden, um dort weiterzuspielen. Aber noch sind die Deutschen bei Spielwaren Elektronikmuffel. Grundspielsachen bleiben bedeutender. Dazu z\u00e4hlen beispielsweise Baus\u00e4tze von Lego, Playmobil-Figuren, Puppen wie Barbie, Sportspielzeug und f\u00fcr Jungen Autos &#8211; auch mit Fernsteuerung. Das sind die gro\u00dfen Umsatztr\u00e4ger.<\/p>\n<p><strong>Die Zahl der Kinder sinkt. Kann der Spielwarenmarkt hierzulande \u00fcberhaupt noch wachsen?<\/strong><\/p>\n<p>Wachstum zu erzielen wird sicher schwieriger. Die Branche muss den Umsatz je Kind erh\u00f6hen. Ich sehe daf\u00fcr M\u00f6glichkeiten bei Sechs- bis Zw\u00f6lfj\u00e4hrigen. Durch die Ver\u00e4nderungen auf dem Elektronikmarkt ist wieder Geld freigeworden, das f\u00fcr Kinder in dieser Altersgruppe in der Vergangenheit f\u00fcr Computer- und Videospiele ausgegeben wurde. Mit Produkten f\u00fcr Kleinkinder und Kindergartenkinder d\u00fcrfte es hingegen schwieriger werden. Die bekommen schon alles, was sie ben\u00f6tigen. Der Markt dort ist ges\u00e4ttigt, es gibt einen Verdr\u00e4ngungswettbewerb.<\/p>\n<p><em>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Timo Kotowski.<\/em><\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/audio-video\/werner-lenzner-im-gespraech-deutsche-sind-bei-spielwaren-elektronikmuffel-12001978.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/audio-video\/werner-lenzner-im-gespraech-deutsche-sind-bei-spielwaren-elektronikmuffel-12001978.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit ihrer Auswahl von Spielzeug f\u00fcr den Gabentisch sind die Bundesb\u00fcrger wahre Sonderlinge. Spielwarenforscher Werner Lenzner erkl\u00e4rt, warum Eltern hierzulande internationale Verkaufsschlager verschm\u00e4hen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":50086,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[486,454],"tags":[5347,266,409,481,1381,1382,1383],"class_list":["post-18928","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-video","category-technik-motor","tag-amerika","tag-deutschland","tag-frankreich","tag-grosbritannien","tag-lego","tag-playmobil","tag-weihnachten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18928","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18928"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18928\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18928"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18928"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18928"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}