{"id":18916,"date":"2013-02-22T16:09:31","date_gmt":"2013-02-22T16:09:31","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18916"},"modified":"2013-02-22T16:09:31","modified_gmt":"2013-02-22T16:09:31","slug":"schusseln-und-verschlusseln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18916","title":{"rendered":"Sch\u00fcsseln und Verschl\u00fcsseln"},"content":{"rendered":"<p>Scharf, in pr\u00e4chtiger Auswahl und ohne H\u00fcrden: So sollten Fernsehbilder ins Wohnzimmer kommen. Die Realit\u00e4t ist nicht immer ganz so ideal. Denn alle \u00dcbertragungswege haben neben den St\u00e4rken auch ihre Schw\u00e4chen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Umzugsplaner, Haushaltsgr\u00fcnder, H\u00e4uslebauer und Tarifm\u00fcde in Wechselstimmung &#8211; sie alle m\u00fcssen sich entscheiden: Auf welchem Weg sollen demn\u00e4chst die Fernsehbilder auf die Mattscheibe kommen? Vier \u00dcbertragungswege stehen zur Wahl: das terrestrische Antennenfernsehen, der Satellitenempfang, die Kabelverteilung und der Empfang \u00fcber schnelle DSL-Internet-Verbindungen, kurz IPTV. Sie alle haben ihre St\u00e4rken und Schw\u00e4chen, Haken und \u00d6sen. Wir wollen helfen, die Vor- und Nachteile zu sortieren.<\/p>\n<p>Das Antennenfernsehen funktioniert seit 2009 komplett digital und tr\u00e4gt seither den Beinamen DVB-T (das K\u00fcrzel dieser Digitalnorm in Langschrift: Digital Video Broadcasting &#8211; Terrestrial). Seine Protagonisten haben ihm den Marketing-Namen \u201e\u00dcberall-Fernsehen\u201c verpasst, um zu signalisieren: DVB-T eignet sich auch f\u00fcr den Empfang unterwegs &#8211; mit mobilen Mini-Fernsehger\u00e4ten, Empfangs-Sticks f\u00fcr Notebooks und winzigen Dongles, die sogar die Bildfl\u00e4chen von Smartphones und Tablet-PCs zu Fernsehschirmen machen.<\/p>\n<h2>HDTV ist nicht m\u00f6glich<\/h2>\n<p>Ob der Empfang auch in der Wohnung klappt, h\u00e4ngt vom Standort ab: Manchmal gen\u00fcgt eine winzige Stabantenne, manchmal braucht man eine gr\u00f6\u00dfere Zimmerantenne mit eingebautem Verst\u00e4rker, manchmal sogar eine Au\u00dfenantenne. Aber in jedem Fall hat der station\u00e4re Empfang seinen Charme: Alle Flachbildfernsehger\u00e4te haben heute DVB-T-Empfangsteile, k\u00f6nnen also autark, ohne Settop-Box und umst\u00e4ndliche Verkabelung, auf Empfang gehen.<\/p>\n<p>So w\u00e4re DVB-T eigentlich, zumindest f\u00fcr Zweitger\u00e4te, eine pfiffige Empfangsl\u00f6sung. Jedenfalls in Ballungsgebieten wie Hamburg und Berlin, wo auch die Programmvielfalt bisher kaum W\u00fcnsche \u00fcbrigl\u00e4sst. Doch in weiten Regionen der Republik bestreiten ausschlie\u00dflich die \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender das Programm. Zudem hat RTL im Januar angek\u00fcndigt, die terrestrische Verbreitung seiner Programme bis zum Jahr 2015 ganz einzustellen, Sat1 und Pro Sieben pr\u00fcfen den Ausstieg ebenfalls.<\/p>\n<p>Hinzu kommt: Die heutige DVB-Technik erlaubt nur die \u00dcbertragung mit sehr niedrigen Datenraten, HDTV ist \u00fcberhaupt nicht m\u00f6glich. So bleibt der Fernsehgenuss auf gro\u00dfen Bildschirmen \u00fcber das Antennenfernsehen getr\u00fcbt. Auch die Netzpolitik der Bundesregierung nagt am Lebensfaden von DVB-T: In immer gr\u00f6\u00dferen Teilen des klassischen Fernsehspektrums soll sich der Mobilfunk breitmachen. Unter diesen Bedingungen hat das terrestrische Fernsehen keine Zukunftschancen.<\/p>\n<p>Das m\u00fcsste eigentlich nicht sein: Die Umstellung auf das modernere DVB-T2 w\u00fcrde Frequenzressourcen f\u00fcr HDTV und bessere Qualit\u00e4t in der Standardaufl\u00f6sung freisetzen, eine rege Beteiligung privater Sender w\u00fcrde die Attraktivit\u00e4t zus\u00e4tzlich steigern und die anteiligen \u00dcbertragungskosten f\u00fcr die Medienh\u00e4user senken.<\/p>\n<h2>Kabel geh\u00f6rt oft zur Ausstattung<\/h2>\n<p>Ob es dazu noch kommt oder ob DVB-T nur noch eine Weile als Provisorium in Umzugsphasen oder als Behelfsfernsehen in Studentenbuden dient, bis es vollends das Zeitliche segnet &#8211; das wird von Entscheidungen abh\u00e4ngen, die Sender und Politik in den n\u00e4chsten Monaten treffen. Wir f\u00e4nden die zweite Alternative schade. Mobiler Empfang w\u00e4re dann nur noch \u00fcber die Mobilfunknetze m\u00f6glich &#8211; und das ist f\u00fcr klassische, lineare Rundfunkverbreitung im Grunde nicht das passende Biotop, ganz abgesehen von den bedenklichen Einfl\u00fcssen auf die monatliche Mobilfunk-Rechnung.<\/p>\n<p>In gr\u00f6\u00dferen Mietsh\u00e4usern ist die Wahlfreiheit des Fernsehanschlusses oft ohnehin Fiktion: Dort geh\u00f6rt der Kabelanschluss nicht selten zur Wohnungsausstattung, die monatliche Grundgeb\u00fchr &#8211; typische H\u00f6he um 15 Euro &#8211; z\u00e4hlt zu den Mietnebenkosten. So schluckt K\u00f6nig Kunde wohl oder \u00fcbel etliche Kr\u00f6ten, die ihm die Netzbetreiber zumuten.<\/p>\n<p>Unitymedia und Kabel Deutschland zum Beispiel, die beiden gr\u00f6\u00dften Kabelgesellschaften in Deutschland, verschl\u00fcsselten jahrelang nicht nur Abo-Kan\u00e4le, sondern auch die privaten Programme in Standardaufl\u00f6sung, also die Senderfamilien um RTL, Sat1 und Pro Sieben, um sie eintr\u00e4glicher vermarkten und die Nutzungsmodalit\u00e4ten, etwa die Aufnahme von Programmen, reglementieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>ARD und ZDF zahlen keine Einspeisegeb\u00fchren<\/h2>\n<p>Erst das Bundeskartellamt machte dieser Praxis ein Ende: Unitymedia gab im Januar freiwillig die Verschl\u00fcsselung der genannten Programme auf &#8211; als Teil eines Deals mit dem Kartellamt im Zuge der \u00dcbernahme von Kabel Baden-W\u00fcrttemberg. Kabel Deutschland wird diesem Schritt im April unfreiwillig folgen: Die Kartellw\u00e4chter hatten festgestellt, dass die \u201eGrundverschl\u00fcsselung\u201c auf wettbewerbswidrigen Absprachen zwischen RTL, Sat1 und Pro Sieben beruhte.<\/p>\n<p>Die privaten HD-Programme aber bleiben in allen Kabelnetzen verschl\u00fcsselt. Die Kabelbetreiber verpacken sie gemeinsam mit den \u00f6ffentlich-rechtlichen HD-Versionen zu speziellen HD-Paketen &#8211; gegen zus\u00e4tzliche Geb\u00fchren, versteht sich: Vier Euro extra verlangt zum Beispiel Unitymedia. \u00c4rgerlich: Bis heute sind zwar die wichtigsten, aber noch nicht alle \u00f6ffentlich-rechtlichen HD-Angebote in den Kabelnetzen vertreten.<\/p>\n<p>Und Kabel Deutschland reduziert bei den \u00f6ffentlich-rechtlichen HD-Sendern sogar die Datenrate und damit die Bildqualit\u00e4t. Hintergrund ist ein anhaltender Streit mit den Sendern: ARD und ZDF zahlen von diesem Jahr an keine Einspeisegeb\u00fchren mehr. Der Zuschauer soll es dann wenigstens partiell b\u00fc\u00dfen. Weitere \u00c4rgernisse kommen hinzu: Wenn Kabelkunden private HD-Programme aufnehmen wollen, erleben sie oft b\u00f6se \u00dcberraschungen (siehe Grafik).<\/p>\n<h2>Zweitfernseher kostet extra<\/h2>\n<p>Die Einschr\u00e4nkungen h\u00e4ngen auch von der Empfangsausr\u00fcstung ab: Sie treffen besonders jene Kabel-Zuschauer, die zum Empfang den ins Fernsehger\u00e4t eingebauten DVB-C-Tuner und zur Entschl\u00fcsselung ein Steckmodul nach dem Standard CI+ nutzen. Die von den Kabelbetreibern vertriebenen oder zertifizierten Festplattenreceiver sind da nicht ganz so zickig. Aber noch ein weiteres Detail der Kabel-Gesch\u00e4ftsmodelle nervt: F\u00fcr den Zweitfernseher braucht man eine Zweit-Smartcard, nat\u00fcrlich zu weiteren Kosten: Kabel Deutschland verlangt einmalig 24,90 Euro, Unitymedia bietet die Zweitkarte mit passender Hardware an, zum Beispiel mit einem CI+-Modul f\u00fcr 79 Euro.<\/p>\n<p>All dies spricht f\u00fcr unsere Lieblingsthese: Wer kann, sollte das Kabel kappen und eine Satellitensch\u00fcssel aufs Dach schrauben. Denn die Satelliten\u00fcbertragung bietet die beste Bildqualit\u00e4t und ein \u00fcberbordendes Angebot an unverschl\u00fcsselten, geb\u00fchrenfreien Programmen. Gewiss: F\u00fcr die privaten HD-Programme, die verschl\u00fcsselt unter der Vermarktungsplattform HD+ ausgestrahlt werden, ist auch in der Satellitenwelt ein Obolus f\u00e4llig. Doch der ist mit f\u00fcnf Euro im Monat halbwegs ertr\u00e4glich. HD+ erhebt ihn zudem erst nach zw\u00f6lf Testmonaten. Aufnahme-Schikanen hat HD+ zwar ebenfalls im Repertoire, so kann man bei mitgeschnittenen Sendungen die Werbung nicht vorspulen. Aber notfalls konserviert man<\/p>\n<p>die Sendung eben in Standardaufl\u00f6sung. Selbst die Montage einer Satellitenantenne ist kein unl\u00f6sbares Problem: Es gibt bereits extrem handliche Flachantennen, die nicht gr\u00f6\u00dfer sind als eine halbe Seite dieser Zeitung &#8211; ideal f\u00fcr die Installation zwischen den Blumenk\u00e4sten auf dem S\u00fcdbalkon. Und seit es SAT IP gibt, hat sogar die Verkabelung ihren Schrecken verloren: Wer mag, verbindet die Antenne einfach direkt mit einem Elektronik-K\u00e4stchen, das die digitalen Fernsehbilder \u00fcber das Heimnetzwerk weiter verteilt &#8211; nicht nur an den Fernseher, sondern \u00fcber W-LAN auch an Computer, Tablets und Smartphones.<\/p>\n<p>Wenn nun aber der Balkon nach Norden zeigt und der Vermieter striktes Sch\u00fcsselverbot in den Vertrag geschrieben hat? Dann gibt es noch eine weitere Alternative &#8211; vorzugsweise f\u00fcr Kunden der Telekom, die ohnehin einen Telefonanschluss und einen schnellen Internetanschluss brauchen: F\u00fcr \u00fcberschaubare Mehrkosten &#8211; je nach Tarif von etwa f\u00fcnf bis zehn Euro &#8211; kann man das Fernsehen \u00fcber Internet, bei der Telekom Entertain genannt, hinzubuchen. Wir empfehlen mindestens die Leitungsgeschwindigkeit VDSL 25 mit 25 Megabit je Sekunde: Sie garantiert, dass man auch zwei Programm-Datenstr\u00f6me gleichzeitig empfangen kann, zum Beispiel einen f\u00fcr den Bildschirm und einen weiteren zum Aufnehmen.<\/p>\n<p>Auch Entertain hat gewisse Nachteile. So kodiert die Telekom alle Programme in Windows Media Video um und reduziert dabei die Datenrate, was die Bildqualit\u00e4t nicht gerade verbessert. Ansonsten hat der Entertain-Service durchaus seinen Reiz: Das Programmangebot ist in Ordnung, Aufnehmen klappt mit dem Entertain-Festplattenreceiver problemlos, ein \u00fcbersichtlicher Programmf\u00fchrer und eine elektronische Videothek geh\u00f6ren zum Service, sogar ein paar Apps, etwa f\u00fcr die Online-Tagesschau, hat der Dienst zu bieten.<\/p>\n<p>Diese Funktion ist ausbauw\u00fcrdig: Apps, die zu den Mediatheken der Sender f\u00fchren, w\u00e4ren zum Beispiel w\u00fcnschenswert. Allerdings: Die Versorgung eines zweiten Fernsehger\u00e4ts ist auch hier mit Mehrkosten verbunden. Der unentbehrliche Extra-Receiver kostet 170 Euro oder 3,59 Euro Miete im Monat.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/audio-video\/fernsehuebertragung-schuesseln-und-verschluesseln-12083823.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/audio-video\/fernsehuebertragung-schuesseln-und-verschluesseln-12083823.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Scharf, in pr\u00e4chtiger Auswahl und ohne H\u00fcrden: So sollten Fernsehbilder ins Wohnzimmer kommen. Die Realit\u00e4t ist nicht immer ganz so ideal. 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