{"id":18870,"date":"2012-10-11T16:09:21","date_gmt":"2012-10-11T16:09:21","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18870"},"modified":"2012-10-11T16:09:21","modified_gmt":"2012-10-11T16:09:21","slug":"motivationshilfen-furs-gesunde-essen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18870","title":{"rendered":"Motivationshilfen f\u00fcrs gesunde Essen"},"content":{"rendered":"<p>Verhaltensstupser, sogenannte \u201eNudges\u201c, helfen, sch\u00e4dliche Gewohnheiten aufzugeben. Wie man so \u00dcbergewicht vermeidet, fassen Forscher in \u201eScience\u201c zusammen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Wie frustrierend es ist, allen guten Di\u00e4tvors\u00e4tzen zum Trotz den kalorienreichen Gaumenfreuden nicht entsagen zu k\u00f6nnen, d\u00fcrfte vielen Menschen mit unerf\u00fclltem Schlankheitswunsch bekannt sein. St\u00e4rker als Absichten sind offenkundig die auf unmittelbaren Lustgewinn abzielenden Begierden. Nur so l\u00e4sst sich zumindest erkl\u00e4ren, weshalb weltweit immer mehr Menschen immer mehr Speck ansetzen. In Deutschland bringen mittlerweile gut zwei Drittel der m\u00e4nnlichen und mehr als die H\u00e4lfte der weiblichen Bev\u00f6lkerung zu viele Pfunde auf die Waage. In den Vereinigten Staaten sollen es im Durchschnitt an die siebzig Prozent sein. Am guten Willen, den allenthalben vorhandenen Dickmachern zu entsagen, fehlt es dabei offenbar nicht. Fettarme Nahrungsmittel, Di\u00e4trezepte und Schlankheitsmittel jeglicher Natur erfreuen sich jedenfalls gemeinhin gro\u00dfer Beliebtheit.<\/p>\n<p>Um dem weltweiten XXL-Trend Einhalt zu gebieten, reicht es offenbar nicht, nur an die Vernunft zu appellieren. Mindestens ebenso wichtig sei es, die hiervon unabh\u00e4ngigen Handlungstriebkr\u00e4fte ins Visier zu nehmen, schreiben Forscher um die Psychologin Theresa Marteau von der Cambridge University in Gro\u00dfbritannien in einer \u00dcbersichtsarbeit (\u201cScience\u201c, Bd. 337, S. 1492). Die unwillk\u00fcrlichen Motivationszentren im Gehirn bestimmten unser Tun n\u00e4mlich sehr viel mehr als gemeinhin angenommen. Bislang st\u00fcnden diese aber mehrheitlich unter dem &#8211; meist wenig gesundheitsf\u00f6rdernden &#8211; Einfluss der an hohen Verkaufszahlen interessierten Marktstrategen. Viele Dickmacher landeten n\u00e4mlich nur im Einkaufskorb, weil sie attraktiv verpackt sind, in der Werbung als begehrenswert dargestellt werden und sich in Reichweite befinden.<\/p>\n<h2>Warum scheitern so viele Di\u00e4ten?<\/h2>\n<p>Ob und wie leicht wir solchen Versuchungen erliegen, h\u00e4ngt von etlichen Faktoren ab. Ablenkung ist einer davon. So entschieden sich die Probanden einer Studie der University of Iowa, w\u00e4hrend einer Rechenaufgabe vor die Wahl zwischen einem Fruchtsalat und einem Schokoladenkuchen gestellt, umso eher f\u00fcr das Zuckergeb\u00e4ck, je mehr ihre Aufmerksamkeit durch die \u00dcbung in Anspruch genommen wurde und je weniger Zeit somit zum Nachdenken blieb.<\/p>\n<p>Starke Impulse und Begierden sind freilich nicht der einzige Grund, warum Di\u00e4tvorhaben oft kl\u00e4glich scheitern. Eine wichtige Rolle spielen daneben durch Wiederholungen eingepr\u00e4gte Automatismen. Wie die Ergebnisse einschl\u00e4giger Erhebungen zeigen, f\u00fchren wir rund die H\u00e4lfte unserer t\u00e4glichen Aktivit\u00e4ten mechanisch aus. Beispiele sind das morgendliche Kaffeekochen, das Absperren der Haust\u00fcr beim Verlassen der Wohnung und die Fahrt zum B\u00fcro. Der Vorteil solcher gleichsam von allein ablaufenden T\u00e4tigkeiten ist, dass sie wenig Konzentration erfordern und man die Aufmerksamkeit daher anderen Dingen zuwenden kann. Der Nachteil: Sch\u00e4dliche Automatismen halten sich genauso hartn\u00e4ckig wie n\u00fctzliche. Hat man sich beispielsweise angew\u00f6hnt, nach der Arbeit immer ein bestimmtes Fast-Food-Restaurant aufzusuchen oder beim Fernsehen reflexartig nach Chipst\u00fcte und Bier zu greifen, hat der gute Wille naturgem\u00e4\u00df einen schweren Stand.<\/p>\n<h2>Ver\u00e4nderungen des Umfeld sind effektiv<\/h2>\n<p>Mehr Erfolg versprechen in solchen F\u00e4llen Ma\u00dfnahmen, die das Verhalten unterschwellig in die gew\u00fcnschte Richtung lenken. Wie solche Verhaltensstupser oder \u201eNudges\u201c &#8211; so die auch bei uns zunehmend gebr\u00e4uchliche englische Bezeichnung &#8211; aussehen, schildern die Wissenschaftler um Marteau detailliert. Grunds\u00e4tzlich gibt es demnach zwei M\u00f6glichkeiten, Einfluss auszu\u00fcben. Man kann Betroffene durch Ver\u00e4nderungen des Umfelds dazu bringen, ges\u00fcnder zu leben, oder etwa mit speziellen Schulungsprogrammen versuchen, die verh\u00e4ngnisvollen Assoziationen &#8211; beispielsweise Fernsehen und Chips &#8211; zu entkoppeln und durch neue, ges\u00fcndere zu ersetzen.<\/p>\n<p>Ver\u00e4nderungen des Umfelds halten Marteau und ihre Kollegen insofern f\u00fcr effektiver, als man hiermit unabh\u00e4ngig vom sozio\u00f6konomischen Hintergrund weite Teile der Bev\u00f6lkerung zu erreichen vermag. Ein weiterer Vorzug: Etlichen Beobachtungen zufolge zeigen schon kleine \u00c4nderungen mitunter gro\u00dfe Wirkung. So gibt es Hinweise darauf, dass Kinder und Jugendliche in der Schulpause mehr Obst einkaufen, wenn sich dieses griffbereit neben der Ladenkasse befindet. Bei einem attraktiven Angebot an Obst und Gem\u00fcse verzichten sie zudem h\u00e4ufiger auf Eis und andere Schleckereien. Erwachsene scheinen nicht minder empf\u00e4nglich f\u00fcr solche Verhaltensstupser zu sein. Laut einer Verbraucherstudie der New Mexico State University reicht es offenbar, einen bestimmten Bereich des Einkaufswagens als \u201eAblage f\u00fcr Obst und Gem\u00fcse\u201c zu kennzeichnen, um den Verkauf solcher Lebensmittel merklich anzukurbeln. Im Restaurant l\u00e4sst sich das Essverhalten der G\u00e4ste zudem g\u00fcnstig beeinflussen, wenn man die gesunden Speisen einige Zentimeter vor den anderen Gerichten am Buffet pr\u00e4sentiert oder im Men\u00fc eigens auf kalorienarme und gesunde Speisen hinweist.<\/p>\n<p>Welche der vielen im Labor und in Feldstudien erprobten \u201eNudges\u201c den gr\u00f6\u00dften Nutzen bringen, ist bislang noch unklar. Einzelne Verhaltensstupser d\u00fcrften freilich kaum in der Lage sein, den \u00dcbergewichtstsunami aufzuhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, kommt man wahrscheinlich nicht umhin, an mehreren Stellschrauben gleichzeitig zu drehen. Wie die englischen Autoren einr\u00e4umen, sind hierzu vermutlich auch gesetzliche Regelungen vonn\u00f6ten. Denn viele der Einfl\u00fcsse, die einen gesunden Lebensstil f\u00f6rdern, lassen sich ohne strengere Vorschriften nicht nachhaltig genug kontrollieren. Das gelte unter anderem f\u00fcr die Nahrungsmittelwerbung in Kindersendungen, schreibt Marteau. Unabh\u00e4ngig von der Art des beworbenen Produkts verleiten solche Spots die kleinen Zuschauer n\u00e4mlich dazu, sehr viel mehr zu essen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/nudging-motivationshilfen-fuers-gesunde-essen-11919680.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/nudging-motivationshilfen-fuers-gesunde-essen-11919680.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verhaltensstupser, sogenannte \u201eNudges\u201c, helfen, sch\u00e4dliche Gewohnheiten aufzugeben. 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