{"id":18814,"date":"2013-03-12T16:09:07","date_gmt":"2013-03-12T16:09:07","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18814"},"modified":"2013-03-12T16:09:07","modified_gmt":"2013-03-12T16:09:07","slug":"kirsche-nein-apple-ja-und-don-armani-karl-heinz-geht-auch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18814","title":{"rendered":"Kirsche: nein, Apple: ja \u2013 und Don Armani Karl-Heinz geht auch"},"content":{"rendered":"<p>Klassiker wie Marie und Maximilian z\u00e4hlen zu den beliebtesten Baby-Vornamen. Standesbeamte und Experten beobachten aber auch: Der Trend zum ungew\u00f6hnlichen Namen nimmt zu. Ist das Kindeswohl gef\u00e4hrdet?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Hedi-Rocky, Flonne oder Ultraviolett f\u00fcr M\u00e4dchen. Corleone, Skywalker oder Maradona f\u00fcr Jungen. Auch wenn Klassiker wie Maximilian und Marie bei der Auswahl von Vornamen hoch im Kurs stehen, fallen Kindernamen in Deutschland aber auch immer h\u00e4ufiger ungew\u00f6hnlich aus. Das registrieren Experten und Standesbeamte bundesweit, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. \u201eDie Vornamen sind zunehmend ausgefallen. Die Eltern w\u00e4hlen alles M\u00f6gliche\u201c, beobachtet J\u00fcrgen Rast, Pr\u00e4sident des Bundesverbandes der Deutschen Standesbeamten im hessischen Bad Salzschlirf.<\/p>\n<p>Standesbeamte, die Vornamen genehmigen und eintragen m\u00fcssen, werden zunehmend liberaler. Auch die Urteile, wenn es zu Gerichtsverhandlungen kommt, fallen immer \u00f6fter zugunsten der Eltern aus, die den gew\u00e4hlten Namen mit aller Macht durchboxen wollen. \u201eDer Staat muss lediglich darauf achten, dass das Wohl des Kindes durch den Namen nicht gef\u00e4hrdet wird\u201c, sagt Rast. Auff\u00e4llig ist aber auch: Die Standesbeamten kommen mitunter zu unterschiedlichen Bewertungen.<\/p>\n<p>\u201eWir sind gro\u00dfz\u00fcgig und international\u201c, sagt die Leiterin des Standesamtes in K\u00f6ln, Angelika Barg. Aber der von muslimischen Eltern gew\u00e4hlte Vorname Osama bin Laden wurden vor einigen Jahren abgelehnt. \u201eMit dem Namen l\u00e4sst sich keine positive Verbindung herstellen\u201c, befand Barg. \u201eWir wollen uns nicht als Ordnungsbeamte aufspielen, sondern die Eltern beraten. Mittlerweile muss man sagen: Fast nichts ist unm\u00f6glich. Der Trend zum auffallenden Vornamen verst\u00e4rkt sich.\u201c<\/p>\n<h2>Sexmus Ronny und Camino Santiago Freigeist<\/h2>\n<p>Besonders in Gro\u00dfst\u00e4dten w\u00e4hlen Eltern gern ungew\u00f6hnliche Vornamen. Beurkundet wurden vom Standesamt Hamburg-Nord zuletzt Sexmus Ronny, Don Armani Karl-Heinz (nachdem die Eltern mit Desperado abblitzten) und Camino Santiago Freigeist. Individualit\u00e4t scheint immer wichtiger und bestimmendes Motiv. \u201eViele Eltern w\u00fcnschen sich f\u00fcr ihre Kinder etwas Besonderes, dass sie sich von der Masse abheben\u201c, sagt die Hamburger Standesbeamtin Caroline Richter. Im Gro\u00dfen und Ganzen sei die Namensgebung lockerer geworden.<\/p>\n<p>Wenn die Standesbeamten unsicher sind, ob ein Vorname beurkundet werden kann, k\u00f6nnen sie Rat einholen. Etwa bei der Gesellschaft f\u00fcr deutsche Sprache in Wiesbaden. Oder beim Namenskundlichen Zentrum der Uni Leipzig. Dort k\u00f6nnen Eltern Gutachten erstellen lassen und die Beamten mit der Expertise \u00fcberzeugen. Gabriele Rodriguez arbeitet in der Namensberatungsstelle. Sie hat 500.000 Namen in ihrer Datei. Und der Bestand w\u00e4chst st\u00e4ndig. Ebenso die Zahl ungew\u00f6hnlicher Vornamen.<\/p>\n<h2>Darf\u2019s auch ein Weichsp\u00fcler sein?<\/h2>\n<p>Die Regel, dass Vornamen geschlechtsspezifisch sein m\u00fcssen, wackele allm\u00e4hlich, erkl\u00e4rt Rodriguez. Pepper k\u00f6nne in Deutschland M\u00e4nnlein und Weiblein verliehen werden. 2007 habe es ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts gegeben, wonach das Geschlecht nicht mehr eindeutig aus dem Vornamen hervorgehen m\u00fcsse. Vor 20 Jahren seien Madison und Brooklyn abgelehnt worden &#8211; heute kein Problem. Heute gebe es ebenso keinen Widerstand bei Pumuckl, Tarzan, Winnetou oder Schneewittchen. Sunil und Lenor seien erlaubt \u2013 obwohl Markennamen.<\/p>\n<p>Manchmal ist es aber auch f\u00fcr die Eltern verwirrend. Kirsche, sagt Rodriguez, geht nicht, Apple und Peaches aber schon. K\u00f6ln nicht, Colonia aber doch. Porsche werde nicht beurkundet, Mercedes aber schon. Whisky geht nicht, Brandy ist okay. Keine Chance h\u00e4tten Eltern derzeit mit Waldmeister, Joghurt, Crazy Horse oder Borussia. Ein Tabu-Name sei f\u00fcr viele Eltern noch Adolf, zu DDR-Zeiten sogar verboten. Seit einigen Jahren tauche der Namen aber wieder auf.<\/p>\n<p>Welche Namen Eltern w\u00e4hlen, sei auch stark von der Bildungsniveau abh\u00e4ngig. Untere Schichten orientierten sich stark an amerikanisierten Namen, schnappten Ideen aus Filmen, Romanen oder von Promis auf. Bildungsstarke Schichten orientierten sich an Klassikern wie Karl oder Friedrich. Aus diesem Milieu sei auch die Frage gekommen, ob Henry eher ein Ober- oder Unterschichten-Name sei, erz\u00e4hlt Rodriguez. Abhalten lie\u00df sich das Ehepaar Schlipfer, ihre Tochter Rosa zu nennen. \u201eDas klingt ja wie Rosa Schl\u00fcpfer\u201c, warnte die Expertin. Standesbeamten-Pr\u00e4sident Rast sagt: \u201eDie Eltern tun den Kindern damit kein Gefallen. Die werden doch st\u00e4ndig geh\u00e4nselt.\u201c<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/namenswahl-kirsche-nein-apple-ja-und-don-armani-karl-heinz-geht-auch-12111952.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/namenswahl-kirsche-nein-apple-ja-und-don-armani-karl-heinz-geht-auch-12111952.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klassiker wie Marie und Maximilian z\u00e4hlen zu den beliebtesten Baby-Vornamen. Standesbeamte und Experten beobachten aber auch: Der Trend zum ungew\u00f6hnlichen Namen nimmt zu. 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