{"id":18812,"date":"2013-03-21T16:09:07","date_gmt":"2013-03-21T16:09:07","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18812"},"modified":"2013-03-21T16:09:07","modified_gmt":"2013-03-21T16:09:07","slug":"schrecken-unserer-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18812","title":{"rendered":"\u201eSchrecken unserer Geschichte\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Jahrzehntelang wurden unverheirateten M\u00fcttern in Australien die Kinder kurz nach der Geburt weggenommen. Bis heute sind viele Betroffene traumatisiert. Endlich finden sie offiziell Geh\u00f6r und Zuspruch.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Es geschah in dem Glauben, das Richtige f\u00fcr die Kinder und ihre Eltern zu tun. Doch bis heute sind viele M\u00fctter, V\u00e4ter und Kinder in Australien von den Erfahrungen der Zwangsadoptionen traumatisiert, die dort von den f\u00fcnfziger bis in die siebziger Jahre \u00fcblich waren. Etwa 150.000 Frauen sollen damals ihre Kinder weggenommen worden sein, zum Teil noch im Krei\u00dfsaal. Die Frauen wurden gezwungen, die Adoptionspapiere zu unterschreiben, psychisch unter Druck gesetzt und zum Teil mit Medikamenten ruhiggestellt. Der Grund war meist, dass die Frauen nach den damaligen Moralvorstellungen der australischen Gesellschaft zu jung waren, um Kinder gro\u00dfzuziehen. Au\u00dferdem waren sie nicht verheiratet. Von einem \u201eSchrecken unserer Geschichte\u201c sprach ein Senatsausschuss 2012, der die Vorg\u00e4nge untersucht hatte.<\/p>\n<p>Viele Opfer der verfehlten Adoptionspraxis w\u00fcnschen sich schon lange eine Geste der Wiedergutmachung. Zum ersten Mal haben sich die beiden australischen Parlamente, der Senat und das Repr\u00e4sentantenhaus, am Donnerstag im Namen des australischen Volkes bei den Betroffenen entschuldigt. In einer von vielen als bewegend empfundenen Rede erkannte die Premierministerin Julia Gillard das \u201eErbe des Schmerzes und des Leidens\u201c der M\u00fctter an, die gegen ihren Willen von ihren Kindern getrennt worden waren.<\/p>\n<p>\u201eDiese Geschichte hatte ihre Anf\u00e4nge in dem falschen Glauben, dass man Frauen von ihren Kindern trennen d\u00fcrfe und dass dies f\u00fcr sie das beste w\u00e4re\u201c, sagte Gillard vor etwa 800 Zuh\u00f6rern, die alle auf die eine oder andere Weise unter den Zwangsma\u00dfnahmen zu leiden hatten. \u201eWir entschuldigen uns bei den S\u00f6hnen und T\u00f6chtern, die aufwuchsen, ohne zu wissen, wie sehr sie gebraucht und geliebt wurden\u201c, sagte Frau Gillard.<\/p>\n<h2>Vielen Kindern wurde die Adoption sp\u00e4ter verheimlicht<\/h2>\n<p>Die Entschuldigung fand in Australien viel Beifall. Er k\u00f6nne sich kein gr\u00f6\u00dferes Leid vorstellen, als das eines Elternteils und eines Kindes, die getrennt werden, sagte auch der Oppositionsf\u00fchrer Tony Abbott in seiner Rede. Jedes Kind verdiene die Liebe der Mutter, und jede Mutter habe das Recht, ihr Kind gro\u00dfzuziehen. \u201eDas wissen wir heute, und wir h\u00e4tten es damals wissen sollen\u201c, sagte Abbott. Beide Politiker bezogen neben den M\u00fcttern und Kindern auch die leiblichen V\u00e4ter und die Adoptiveltern in die Bitte um Vergebung ein.<\/p>\n<p>\u201eMenschen haben das Recht, Entscheidungen zu treffen, und sie verdienen unsere Liebe und unseren Respekt f\u00fcr die Entscheidungen, die sie getroffen haben\u201c, sagte Abbott. Die Zahl der Adoptionen hatte in Australien im Jahr 1971 bis 1972 mit 10.000 F\u00e4llen ihren H\u00f6hepunkt erreicht. Untersuchungen haben ergeben, dass die psychische Gef\u00e4hrdung der M\u00fctter gro\u00df ist. Fast drei Viertel der als Kinder Adoptierten sprachen davon, dass die Adoptionen negative Auswirkungen auf ihr sp\u00e4teres Leben hatten. Zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts hatte sich in Australien die Theorie durchgesetzt, dass ein \u201esauberer Bruch\u201c zwischen den Kindern und den leiblichen Eltern sinnvoll sei, wenn diese nach Einsch\u00e4tzung der Beh\u00f6rden als Erzieher ungeeignet erschienen. So steht es in einer Untersuchung des Australischen Instituts f\u00fcr Familienforschung. Zudem sei den Kindern die Adoption fast immer verheimlicht worden, die leiblichen Eltern h\u00e4tten nur die wenigsten gekannt.<\/p>\n<p>Das Stigma f\u00fcr unverheiratete Frauen sei gro\u00df gewesen. \u201eIch war ein Teenager, der sich schuldig f\u00fchlte, der sich sch\u00e4mte, der sich deshalb f\u00fcr unf\u00e4hig hielt\u201c, sagte eine Mutter bei den Untersuchungen der Familienforscher. Die Kinder wurden in Familien gesteckt, die als intakt angesehen wurden. Sie habe sich deshalb Zeit ihres Lebens schuldig gef\u00fchlt, sagte eine Mutter, deren Kind gegen ihren Willen zur Adoption kam und die bei der Geburt ans Bett gefesselt und mit Medikamenten ruhiggestellt worden war. Eine Frau, deren Kind zur Adoption gegeben worden war, berichtete den Forschern sogar, sie habe im Krankenhaus danach die Kinder anderer Frauen stillen m\u00fcssen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/zwangsadoptionen-in-australien-schrecken-unserer-geschichte-12122777.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/zwangsadoptionen-in-australien-schrecken-unserer-geschichte-12122777.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahrzehntelang wurden unverheirateten M\u00fcttern in Australien die Kinder kurz nach der Geburt weggenommen. Bis heute sind viele Betroffene traumatisiert. 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