{"id":18782,"date":"2013-09-07T16:09:00","date_gmt":"2013-09-07T16:09:00","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18782"},"modified":"2013-09-07T16:09:00","modified_gmt":"2013-09-07T16:09:00","slug":"nuchtern-im-allerheiligsten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18782","title":{"rendered":"N\u00fcchtern im Allerheiligsten"},"content":{"rendered":"<p>Mit einer vierst\u00fcndigen Dokumentation n\u00e4hert sich Vox dem Modezaren Karl Lagerfeld. Das Projekt ist ambitioniert, immerhin geht es auch um Religion und Metaphysik &#8211; und doch \u00fcber weite Strecken gelungen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Endlich ging\u2019s am Stachus mal zu wie am Stachus. Karl Lagerfeld war am Mittwochabend bei sch\u00f6nstem Wetter aus Paris eingeschwebt, um mit 228 G\u00e4sten im Gloria-Palast am M\u00fcnchner Karlsplatz die Vorschau der Dokumentation \u201eKarl Lagerfeld &#8211; Mode als Religion\u201c zu sehen. Verona Pooth trug ein Lagerfeld-Kleid (\u201erein zuf\u00e4llig\u201c), Sunnyi Melles freute sich \u00fcber ein Dankesch\u00f6n f\u00fcr den Briefbeschwerer, den sie ihm vor langer Zeit schenkte, und die \u201eVogue\u201c-Chefredakteurin Christiane Arp, die vom Sommer auf dem Land berichtet, wurde umstandslos und spa\u00dfeshalber zur \u201eUnschuld vom Lande\u201c erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Lagerfeld-Filme, sollte man meinen, gibt es nun wirklich genug. Die Dokumentationen von Lo\u00efc Prigent (\u201eLebens-Skizzen\u201c) sind legend\u00e4r, altes Filmmaterial aus Chlo\u00e9- und fr\u00fchen Chanel-Zeiten wird mit jedem Jahr besser, und pr\u00e4sent in den Medien ist der Modemacher auch.<\/p>\n<p>Aber Martina Neuen, RTL-Reporterin und daher eigentlich mit Hang zum kurzen Atem, hat sich erfolgreich an ein Langzeit-Projekt in jedem Sinn gewagt. Im Auftrag von Info-Network, wo man Nachrichten und Magazine der Mediengruppe RTL produziert, verfolgte sie den Modesch\u00f6pfer und seine Entourage seit Anfang 2012, und rund vier Stunden lang dauert ihre frisch fertiggestellte Dokumentation.<\/p>\n<h2>\u201eSo grauenhaft kann ich also gar nicht sein\u201c<\/h2>\n<p>Wenn man die einst\u00fcndige Vorschau vom Mittwochabend als Ma\u00dfstab nimmt, werden die von Werbung unterbrochenen 205 Netto-Minuten bei Vox nicht allzu lang dauern. Denn an sch\u00f6nen Sentenzen des originellsten Modesch\u00f6pfers fehlt es nicht. \u201eIch finde mich selber total normal\u201c, sagt er einmal, \u201enur wei\u00df ich gar nicht, was normal ist.\u201c Eine Chanel-Schneiderin, sagt er an anderer Stelle, arbeite seit 45 Jahren mit ihm zusammen: \u201eSo grauenhaft kann ich also gar nicht sein.\u201c<\/p>\n<p>Zu Wort kommen viele Wegbegleiter: Christiane Arp, die ganz unglamour\u00f6s auf dem Boden ihres B\u00fcros die Bilder einer Modestrecke ordnet- der Verleger Gerhard Steidl, dem der wei\u00dfe Arbeitskittel der sch\u00f6nste Dress-Code ist- Linda Evangelista, der Lagerfeld auch nach ihrem Verbl\u00fchen treu bleibt- die Couture-Kundin Patricia Rossignol, die ihren offenbar resignierenden Ehemann zu f\u00fcnfstelligen Summen f\u00fcr neue Kleider gar nicht mehr \u00fcberreden muss- Caroline Lebar, Lagerfelds Pressesprecherin seit 27 Jahren- und sogar der Hausmeister Dario Pinheiro, der den Perfektionismus seines Chefs nachzuahmen scheint und mit dem Staubsauger bis in die hinterletzten Ecken geht.<\/p>\n<p>\u00d6de wird der Film nur, wenn er in Reportage-Manier einen \u00fcberschnappenden D\u00fcsseldorfer Mode-Fan nach Paris begleitet. Die Autorin will die Zuschauer abholen, aber es klingt zu sehr nach Vox populi. So kommt der Film nicht an die durchdringende Intensit\u00e4t heran, <a href=\"http:\/\/www.arte.tv\/de\/interview-mit-loic-prigent\/2151166,CmC=2995556.html\">die Lo\u00efc Prigent in seinen Portr\u00e4ts gelingt<\/a>, allerdings f\u00fcr einen anderen Sender (Arte), eine andere Sendezeit (sp\u00e4ter am Abend) und ein anderes Publikum (Geduldige).<\/p>\n<h2>Die Verbeugung des Papstes vor K\u00f6nigin Rania<\/h2>\n<p>Wenn man Gott vor der Kamera hat, muss man eigentlich nicht mehr mit dem Fu\u00dfvolk sprechen. Mit ihrem Motto \u201eMode als Religion\u201c hat Martina Neuen den Schl\u00fcssel schon in der Hand. Denn die Trend-Begeisterung erinnert als s\u00e4kulare Ersatzreligion an die Verehrung des Allerheiligsten.<\/p>\n<p>Lagerfeld, dessen Eltern schon aus der Kirche austraten, ist n\u00fcchtern genug, den Metaphernreigen nicht weiterzuf\u00fchren. An der Kirche interessiert ihn ohnehin vor allem ihre Realgeschichte. \u00dcber Religionskriege kann er sich aufregen. Und die Verbeugung des neuen Papstes Franziskus vor Jordaniens K\u00f6nigin Rania, so erz\u00e4hlt er sp\u00e4ter, fand er peinlich.<\/p>\n<p>Vier Stunden sind f\u00fcr einen Modegott keine Ewigkeit. Aber Lagerfeld fragte: \u201eWir haben nur ein Viertel gesehen? Und was passiert in den anderen drei Stunden? Wird das wirklich alles am gleichen Tag gesendet?\u201c Erschwerend kam hinzu: \u201eIch hasse Filme \u00fcber mich. Jedes Mal, wenn ich auf der Leinwand bin, mache ich die Augen zu. Sonst verliere ich jeden Rest an Nat\u00fcrlichkeit, wenn es den \u00fcberhaupt noch gibt.\u201c<\/p>\n<p>Vom Herrscher \u00fcber die Zeit, der den Samstagabend also vermutlich anders verbringen wird, kann man auch lernen, die Zeit gut zu nutzen. Nach der Kurz-Premiere am Mittwoch er\u00f6ffnete der Modemacher gleich zwei Gesch\u00e4fte seiner Marke \u201eKarl Lagerfeld\u201c in der Maffeistra\u00dfe und gab ein Dutzend Interviews. Sehr sp\u00e4t hob er im Privatflugzeug ab Richtung Paris &#8211; von N\u00fcrnberg aus, wegen des M\u00fcnchner Nachtflugverbots.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/mode-design\/lagerfeld-doku-bei-vox-nuechtern-im-allerheiligsten-12561467.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/mode-design\/lagerfeld-doku-bei-vox-nuechtern-im-allerheiligsten-12561467.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einer vierst\u00fcndigen Dokumentation n\u00e4hert sich Vox dem Modezaren Karl Lagerfeld. 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