{"id":18780,"date":"2013-07-17T16:09:00","date_gmt":"2013-07-17T16:09:00","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18780"},"modified":"2013-07-17T16:09:00","modified_gmt":"2013-07-17T16:09:00","slug":"gefahrliche-impflucken-bei-kindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18780","title":{"rendered":"Gef\u00e4hrliche Impfl\u00fccken bei Kindern"},"content":{"rendered":"<p>Erstmals zeigt eine Studie, wo in Deutschland besonders impfkritische Eltern leben. Die Skepsis im Land w\u00e4chst seit Jahren \u2013 die Studie zeigt: je h\u00f6her der Bildungsgrad der M\u00fctter, umso geringer ist ihre Impfbereitschaft.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">In Deutschland werden nur 37 Prozent aller Kleinkinder so gegen Masern geimpft, wie es die St\u00e4ndige Impfkommission (Stiko) empfiehlt. Zu diesem Ergebnis kommt eine soeben ver\u00f6ffentlichte Studie, die vom Zentralinstitut f\u00fcr die kassen\u00e4rztliche Versorgung in Berlin angefertigt wurde. Ausgewertet wurden Daten aus Arztpraxen f\u00fcr 550 000 Kinder, die 2008 geboren wurden. Auf die Untersuchung haben Wissenschaftler ungeduldig gewartet, vor allem, weil in den vergangenen Wochen Masernf\u00e4lle an Schulen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/gesundheit\/umfrage-mehrheit-der-deutschen-fuer-impfpflicht-12278767.html\">Rufe nach einer Impfpflicht laut werden lie\u00dfen<\/a>.<\/p>\n<p>Jetzt stehen mehrere Verdachtsmomente im Raum. Zum einen geht es um die Haltung anthroposophisch orientierter Eltern zum Impfen. In der Vergangenheit sind Waldorfschulen mehrfach f\u00fcr die \u00dcberzeugung eingetreten, dass das Durchstehen von Infektionskrankheiten sich g\u00fcnstig auf die Entwicklung von Kindern auswirkt, man also auf Impfungen verzichten solle. Auch die aktuellen F\u00e4lle traten an einer Waldorfschule in Erftstadt bei K\u00f6ln auf. Zum anderen haben viele Studien ergeben, dass Eltern mit einem sozio\u00f6konomisch hohen Status besonders impfskeptisch sind.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Masern-Impfquoten sind Bayern, Baden-W\u00fcrttemberg, Berlin und Bremen nach der neuen Studie von Maike Schulz und Sandra Mangiapane die Schlusslichter unter den Bundesl\u00e4ndern. Aber vor allem fallen gravierende regionale Unterschiede auf Kreisebene auf. Nur drei Landkreise k\u00f6nnen bei der ersten der beiden notwendigen Masernimpfungen mit einer Impfquote knapp unterhalb der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen 95 Prozent aufwarten: die kreisfreie Stadt Zweibr\u00fccken in Rheinland-Pfalz, der Kreis M\u00fcritz in Mecklenburg-Vorpommern und Remscheid in Nordrhein-Westfalen.<\/p>\n<h2>Die Impfskepsis in Deutschland w\u00e4chst<\/h2>\n<p>Gegen Masern muss zweimal geimpft werden. Die Stiko empfiehlt, die erste Impfung im Alter von 11 bis 14 Monaten, fr\u00fchestens jedoch mit neun Monaten, und die zweite zwischen 15 und 23 Monaten abzuschlie\u00dfen. Im Bundesdurchschnitt liegt die Quote f\u00fcr die Erstimpfung bei knapp 86 Prozent und bei 62 Prozent f\u00fcr die Zweitimpfung. Schlusslichter sind die Landkreise Rosenheim, Garmisch-Partenkirchen und Bad T\u00f6lz. Dort erhalten nur 61 bis knapp 66 Prozent der Kinder die erste und nur h\u00f6chstens 39,5 Prozent die zweite Impfung.<\/p>\n<p>Die Zweitimpfung sorgt daf\u00fcr, dass jene drei bis f\u00fcnf Prozent der Kinder, bei denen die erste Impfung nicht anschl\u00e4gt, dann doch noch eine Immunit\u00e4t aufbauen. Ihre Ergebnisse bedeuteten nun, sagt Studienautorin Maike Schulz, \u201edass zwischen 14000 und 23000 Kinder, die eine Erstimpfung bekommen haben, bis zur Zweitimpfung nicht gesch\u00fctzt sind, obwohl ihre Eltern das denken\u201c. Offenbar sind die Eltern nicht ausreichend aufgekl\u00e4rt \u00fcber die Bedeutung der Zweitimpfung- viele verzichten wom\u00f6glich, weil sie nach der ersten Impfung eine Reaktion beim Kind beobachteten. \u00dcberhaupt w\u00e4chst die Impfskepsis in Deutschland: W\u00e4hrend sich 1994 noch erst 24 Prozent der M\u00fctter in den alten Bundesl\u00e4ndern und zehn Prozent in den neuen Bundesl\u00e4ndern kritisch gegen\u00fcber Schutzimpfungen \u00e4u\u00dferten, waren es 2011 schon 35 Prozent unter Befragten, die mehrheitlich aus den alten Bundesl\u00e4ndern stammen.<\/p>\n<p>Die Studie best\u00e4tigt die Vermutung, dass ein hoher sozio\u00f6konomischer Status mit einer geringeren Bereitschaft zu Impfungen einhergeht. Der Bildungsgrad der M\u00fctter scheint entscheidend zu sein: Die Impf-Wahrscheinlichkeit sinkt mit steigender Quote hoch qualifizierter Frauen in der Region. Hoch qualifizierte V\u00e4ter scheinen einen leichten Einfluss f\u00fcr eine Impfung auszu\u00fcben &#8211; der aber nicht so stark zu Buche schl\u00e4gt, weil bei kleinen Kindern meist die M\u00fctter medizinische Entscheidungen treffen.<\/p>\n<h2>Nur wenige Eltern halten die Masern f\u00fcr gef\u00e4hrlich<\/h2>\n<p>Die regionalen Unterschiede k\u00f6nnen durch sozio\u00f6konomische Faktoren nur zum Teil erkl\u00e4rt werden. Eine Rolle spielt wohl auch die Frage, ob ein hoher Anteil der Kinder in der Region fr\u00fch ganztags im Kindergarten betreut wird, wie es in Ostdeutschland h\u00e4ufiger \u00fcblich ist als im Westen. Dann entscheiden sich Eltern eher f\u00fcr Impfungen, weil ungeimpfte Kleinkinder besonders schwere Folgen erleiden k\u00f6nnen. Gef\u00fcrchtet ist vor allem die Gehirnentz\u00fcndung. Aber in einem von 10000 F\u00e4llen kommt es auch zu einer t\u00f6dlichen Sp\u00e4tfolge, der subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE), die noch Jahre nach der \u00fcberwundenen Infektion auftreten kann. Vielen Eltern ist das nicht klar: In einer Befragung der Bundeszentrale f\u00fcr gesundheitliche Aufkl\u00e4rung 2011 hielten nur 61 Prozent der Eltern Masern f\u00fcr eine sehr gef\u00e4hrliche Krankheit.<\/p>\n<p>\u201eAuch der Einfluss regional unterschiedlich stark vertretener impfkritischer \u00c4rzte, Heilpraktiker und Hom\u00f6opathen wirkt sich vermutlich aus\u201c, sagt Studienautorin Sandra Mangiapane. Impfkritische Thesen werden beispielsweise durch Artikel in regionalen Gratiszeitungen verbreitet oder durch Vortr\u00e4ge, ergaben Untersuchungen der \u00c4rztin Sandra Stricker, die sich 2006 mit den Strategien von Impfgegnern befasst hat. Die wichtigsten Wege der Vorbehalte sind demnach B\u00fccher, Internetseiten, pers\u00f6nliche Kontakte und medizinisches Personal. Bei ihrer Befragung von mehr als 100 Hebammen zeigte sich etwa ein F\u00fcnftel \u201estark impfkritisch\u201c. Die Hebammen glaubten etwa, dass Impfungen Allergien verst\u00e4rken oder verursachen k\u00f6nnten. Eltern werden also gerade in einer Phase, in der sie verunsichert sind, in den ersten Lebenswochen des Kindes, m\u00f6glicherweise mit negativen Einstellungen konfrontiert.<\/p>\n<p>Stricker fand heraus, dass impfkritische Organisationen auf ihren Internetseiten oft einen offiziellen Status suggerierten und neutral zu erscheinen versuchten, indem sie auch auf Vorteile von Impfungen eingehen. Viele Gruppen verbreiten Verschw\u00f6rungstheorien, behaupten etwa, die Beh\u00f6rden hielten die Information zur\u00fcck, dass Infektionskrankheiten schon vor den Impfungen weit zur\u00fcckgedr\u00e4ngt waren, oder dass humanes Choriongonadotropin in den Tetanus-Impfstoff gemischt wurde, um Frauen unfruchtbar zu machen. Der kanadische Fall einer Enzephalitis bei einem 21 Monate alten Jungen nach einer Masernimpfung gilt ihnen als Beispiel f\u00fcr das Risiko. Sie erw\u00e4hnen nicht, dass der Junge an einer St\u00f6rung des Abwehrsystems litt.<\/p>\n<h2>Debatte \u00fcber Impfpflicht<\/h2>\n<p>Nun steht zur Debatte, ob die Impf-Entscheidung Privatsache sein kann &#8211; gerade angesichts einer wachsenden Anzahl von Kindern, die schon im Baby- und Kleinkindalter in Krippen betreut werden. Besonders im ersten Lebensjahr sind Kinder gef\u00e4hrdet- in dieser Zeit ist noch keine Impfung, wohl aber ein Krippenbesuch m\u00f6glich. Wolfram Hartmann, der Pr\u00e4sident des Berufsverbands der Kinder- und Jugend\u00e4rzte, forderte deshalb unl\u00e4ngst im \u201eDeutschen \u00c4rzteblatt\u201c \u201eden Nachweis einer vollst\u00e4ndigen Impfung vor Aufnahme eines Kindes in eine staatlich finanzierte Betreuungseinrichtung, damit auch solche Kinder vor einer Infektion gesch\u00fctzt werden, die aus medizinischen Gr\u00fcnden nicht geimpft werden k\u00f6nnen\u201c. Auch Sandra Mangiapane sagt: \u201eImpfl\u00fccken k\u00f6nnen beispielsweise in Kindertagesst\u00e4tten fatale Folgen haben, wenn die Infektion bei einem lokalen Masernausbruch eingeschleppt wird.\u201c<\/p>\n<p>In den Vereinigten Staaten m\u00fcssen mit dem Schuleintritt empfohlene Impfungen nachgewiesen werden (\u201ekleine Impfpflicht\u201c). Ohne sie ist die Einschulung nicht m\u00f6glich. In den meisten Bundesstaaten sind Ausnahmen m\u00f6glich, aus medizinischen, religi\u00f6sen und ideologischen oder pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden. Viele Religionsgemeinschaften stehen Impfungen skeptisch gegen\u00fcber, etwa die Mormonen, Old Amish People oder die Sieben-Tage-Adventisten.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/gesundheit\/studie-zur-impfskepsis-gefaehrliche-impfluecken-bei-kindern-12285381.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/gesundheit\/studie-zur-impfskepsis-gefaehrliche-impfluecken-bei-kindern-12285381.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstmals zeigt eine Studie, wo in Deutschland besonders impfkritische Eltern leben. 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