{"id":18736,"date":"2013-08-01T16:08:49","date_gmt":"2013-08-01T16:08:49","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18736"},"modified":"2013-08-01T16:08:49","modified_gmt":"2013-08-01T16:08:49","slug":"das-grose-summen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18736","title":{"rendered":"Das gro\u00dfe Summen"},"content":{"rendered":"<p>Als nervig, aber harmlos gilt die M\u00fccke in Deutschland. Doch immer h\u00e4ufiger sichtet man auch hierzulande Arten, die eigentlich aus den Tropen stammen und Krankheiten \u00fcbertragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Kaum hat man es sich auf der Terrasse gem\u00fctlich gemacht, kommen sie auch schon um die Ecke geflogen. M\u00fccken. Nicht nur f\u00fcr uns Menschen sind die hei\u00dfen Temperaturen nach dem vielen Regen eine Freude, auch f\u00fcr die fliegende Plage ist der Wetterumschwung ein Segen. Hitze, die auf feuchtes Klima folgt: ideale Voraussetzungen f\u00fcr eine Vermehrung der Insekten. \u00dcberall schwirren sie herum, besonders betroffen sind die Flutgebiete entlang von Elbe und Donau.<\/p>\n<p>Das T\u00fcckische an den Tierchen: Noch bevor man vor dem Summen fliehen kann, stechen sie, auf der Suche nach Nahrung, meist schon gnadenlos zu. Schuld sind das Kohlendioxid, das wir ausatmen, und unsere Ausd\u00fcnstungen. Sie verraten unseren Aufenthaltsort. \u00dcber sensorische Kan\u00e4le nehmen die Stechm\u00fccken Gase und Ger\u00fcche wahr, wissend, dass bei hoher Konzentration ein S\u00e4ugetier, also eine Mahlzeit, nicht weit sein kann. Schnell werden menschliche Finger, Oberschenkel oder B\u00e4uche zur Futterstelle. Sind die Moskitos satt, k\u00f6nnen sie eine rote, leicht geschwollene Einstichstelle hinterlassen, die mit k\u00fchlen Umschl\u00e4gen gut zu behandeln ist. Schlimmeres bleibt in der Regel aus, zumindest in unseren Gefilden.<\/p>\n<h2>Stechm\u00fccken \u00fcbertragen Krankheiten<\/h2>\n<p>Stechm\u00fccken, die Krankheitserreger \u00fcbertragen, kennt man bisher nur von Reisen. Doch die Zusammensetzung der M\u00fcckenarten in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren ver\u00e4ndert. \u201eDie asiatische Tigerm\u00fccke beispielsweise, eigentlich in den Tropen und Ostasien heimisch, wurde mittlerweile auch bei uns gesichtet\u201c, sagt Johannes Ziegler vom Berliner Centrum f\u00fcr Reise- und Tropenmedizin. \u201eDas hei\u00dft bis jetzt allerdings nur, dass man zwar den \u00dcbertr\u00e4ger bestimmter Erkrankungen hier in Deutschland hat. Das hei\u00dft aber nicht automatisch, dass man auch den Erreger hier hat.\u201c Tigerm\u00fccken sind nur die Vektoren, also die \u00dcbertr\u00e4ger der Erkrankung. Beim Blutsaugen an unserer Haut hinterlassen sie die Viren, ohne selbst krank zu werden.<\/p>\n<p>In S\u00fcdfrankreich, in Kroatien oder auf der portugiesischen Insel Madeira sind in den vergangenen Jahren, anders als in Deutschland, F\u00e4lle von Dengue-Fieber aufgetreten, die nicht aus den tropischen L\u00e4ndern eingeschleppt wurden, ausgerechnet bei Personen, die ihre Heimat nicht verlassen hatten. Dengue-Fieber, so sagen Experten, ist zu einem globalen Problem geworden, und das Dengue-Virus, das zu der Familie der Flaviviren geh\u00f6rt, ist ein echter Gewinner der Globalisierung. Seit den sechziger Jahren breitet sich die urspr\u00fcngliche Tropenkrankheit aus. \u201eSeitdem haben sich die Fallzahlen der Erkrankung verdrei\u00dfigfacht- damit ist das Dengue-Fieber die schnellste sich ausbreitende Infektionskrankheit, die von Moskitos \u00fcbertragen wird\u201c, sagt Ziegler. Laut Robert-Koch-Institut sind in Deutschland in diesem Jahr bis Anfang Juli schon 450 F\u00e4lle der fiebrigen Erkrankung aufgetreten. Im Jahr 2012 wurden 615 Dengue-Fieber-Erkrankungen gemeldet.<\/p>\n<h2>Einstich verr\u00e4t Blutsauger<\/h2>\n<p>Die Ausbreitung wird dem Virus nicht schwer gemacht. Die Tigerm\u00fccke reist in Koffern und Paketen oder direkt als Passagier im Innenraum des Flugzeugs mit. Auch den Transport von gebrauchten Autoreifen, Pflanzen, leeren Dosen oder Flaschen auf Containerschiffen wei\u00df sie f\u00fcr sich zu nutzen. Hauptsache, es findet sich ein wenig Wasser, in dem die M\u00fccke reisen oder ihre Eier ablegen kann. Schon kleinste Mengen reichen, dass die Tigerm\u00fccke und ihre Larven darin \u00fcberleben und in andere Gebiete gelangen. Dabei \u00fcberstehen die Eier der M\u00fccken auch kurze K\u00e4lte- und Trockenperioden. Au\u00dferdem k\u00f6nnen M\u00fccken vermutlich das Dengue-Virus an die nachfolgenden M\u00fcckengenerationen weitergeben, was die Ausbreitung beg\u00fcnstigt.<\/p>\n<p>Wann und wo man gestochen wurde, kann ein Hinweis darauf sein, welcher kleine Blutsauger sich bei einem bedient hat. Die Tigerm\u00fccke beispielsweise ist tagaktiv und mag es durchaus urban. Sie ist also dann auf der Suche, wenn wir Menschen auch aktiv sind. Ob \u00fcber einen Stich Krankheitserreger \u00fcbertragen wurden, merkt man meist nicht an der Einstichstelle, \u201eviel mehr sollte man nach einem Stich auf das Allgemeinbefinden achten\u201c, sagt Reisemediziner Ziegler. \u201eMan sollte immer aufmerksam werden, wenn nach einem M\u00fcckenstich Fieber auftritt, auch wenn das erst nach Wochen der Fall ist.\u201c<\/p>\n<p>Wie der Namen schon verr\u00e4t, tritt auch bei einer Infektion mit Dengue-Viren eine Temperaturerh\u00f6hung auf. Hinzu kommen Kopf- und Gliederschmerzen, gelegentlich Hautausschlag am Rumpf. Die Inkubationszeit betr\u00e4gt zwischen zwei und zehn Tagen. Meist verl\u00e4uft eine Infektion harmlos, doch sie kann auch &#8211; besonders wenn man sie ein wiederholtes Mal bekommt &#8211; mit schweren Komplikationen wie inneren Blutungen und einem lebensbedrohlichen Schock verbunden sein. \u201eVerantwortlich gemacht f\u00fcr die unterschiedlichen Verl\u00e4ufe werden die verschiedenen Subtypen des Virus\u201c, sagt Ziegler. Antik\u00f6rper der ersten Infektion k\u00f6nnten die zweite verst\u00e4rken. Kinder zeigen eher einen schweren Verlauf als Erwachsene.<\/p>\n<h2>Keine Impfung, kein Medikament<\/h2>\n<p>Bei der Therapie des Dengue-Fiebers k\u00f6nnen nur die Symptome behandelt werden. Ein antivirales Medikament gibt es nicht, genauso wenig wie eine Impfung. Gerade Personen, die schon einmal unter der Tropenkrankheit gelitten haben, sollten deshalb auf Pr\u00e4vention setzen. Flaviviren haben sich mit der Tigerm\u00fccke einen perfekten Vektor ausgesucht, um an m\u00f6glichst viele S\u00e4uger, ob Tier oder Mensch, zu gelangen. Die Tigerm\u00fccke z\u00e4hlt n\u00e4mlich zu den \u201eStichunterbrechern\u201c. Sich nur an einem Menschen satt zu essen macht sie nicht gl\u00fccklich. Lieber verteilt sie ihre Mahlzeit auf mehre Menschen und damit im schlimmsten Fall auch die Viren.<\/p>\n<p>Zu der Familie der Flaviviren geh\u00f6rt auch das West-Nil-Virus. Ist es Anfang des vergangenen Jahrhunderts vor allem in den Gebieten aufgetreten, von denen es seinen Namen hat, ist es mittlerweile \u00fcber den ganzen Globus verteilt. Besonders h\u00e4ufig tritt das West-Nil-Fieber seit 1999 in den Vereinigten Staaten auf. Wissenschaftler sprechen von \u00fcber 1500 Todesf\u00e4llen in den vergangenen 13 Jahren. Einer der \u00dcbertr\u00e4ger des West-Nil-Virus, neben der Tigerm\u00fccke, ist die asiatische Buschm\u00fccke, auch sie wurde schon in Deutschland gesichtet. Meist verl\u00e4uft eine Infektion mit dem West-Nil-Virus symptomlos. Nur ein F\u00fcnftel der Infizierten erkrankt. Die Beschwerden sind denen des Dengue-Fiebers \u00e4hnlich: Fieber, Glieder- und Kopfschmerzen, Hautausschlag, Unwohlsein. Bei schweren Verl\u00e4ufen kommt es zu Hirn- oder Hirnhautentz\u00fcndungen. In der Regel heilt die Erkrankung aus. Auch gegen das West-Nil-Fieber gibt es kein spezifisches Medikament und keine Impfung.<\/p>\n<h2>Schutz vor Gelbfieber<\/h2>\n<p>Anders sieht es beim Gelbfieber aus, ebenfalls eine Erkrankung, die von Flaviviren verursacht und von M\u00fccken \u00fcbertragen wird. \u201eGegen Gelbfieber gibt es schon sehr lange einen Impfstoff. Nach Sch\u00e4tzungen haben schon \u00fcber sechshundert Millionen Menschen diese Impfung bekommen\u201c, sagt Ziegler. Der Impfstoff sei nach dem Bau des Panamakanals entwickelt worden, da w\u00e4hrend der Bauarbeiten viele Menschen an der Krankheit gestorben seien. Langzeitdaten zeigten, dass Geimpfte oft einen lebenslangen Schutz haben. \u201eOffiziell hei\u00dft es allerdings immer noch: Der Schutz wirkt zehn Tage nach der Impfung f\u00fcr zehn Jahre\u201c, so Ziegler. Gegen Gelbfieber kann man sich also gut sch\u00fctzen. Doch die Tropen halten noch genug Erreger und Parasiten bereit, die aufgrund der vernetzten Welt und der Klimaver\u00e4nderungen auch in unseren Breiten heimisch werden k\u00f6nnten, wenn M\u00fccken sie nur mitbringen.<\/p>\n<p>Anfang Juli haben Wissenschaftler des Bernhard-Nocht-Instituts f\u00fcr Tropenmedizin in Hamburg zum ersten Mal in Deutschland gef\u00e4hrliche Larven des Hundehautwurms in Stechm\u00fccken nachgewiesen. Die Larven k\u00f6nnen durch einen Stich auf Menschen \u00fcbertragen werden. So harmlos wie ihr Ruf scheinen die summenden Insekten um uns herum f\u00fcr die Gesundheit also gar nicht zu sein. \u201eF\u00fcr solche Sorgen gibt es keinen Grund\u201c, sagt Ziegler. \u201eMan beobachtet zwar die ver\u00e4nderte Verteilung der M\u00fccken und auch mancher Erreger, aber von einer drohenden Gefahr ist keine Rede.\u201c Das Wichtigste sei ein guter M\u00fcckenschutz, dann stehe lauschigen Abenden auf der Terrasse auch weiter nichts im Weg.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/gesundheit\/tropische-muecken-in-deutschland-das-grosse-summen-12308588.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/gesundheit\/tropische-muecken-in-deutschland-das-grosse-summen-12308588.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als nervig, aber harmlos gilt die M\u00fccke in Deutschland. 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