{"id":18690,"date":"2013-09-09T16:08:40","date_gmt":"2013-09-09T16:08:40","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18690"},"modified":"2013-09-09T16:08:40","modified_gmt":"2013-09-09T16:08:40","slug":"worauf-sich-investoren-einstellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18690","title":{"rendered":"Worauf sich Investoren einstellen"},"content":{"rendered":"<p>Zunehmend gilt den Anlegern auch die Bundestagswahl als Unsicherheitsfaktor. Die m\u00f6glichen Folgen sich vielf\u00e4ltiger als man zun\u00e4chst denken mag.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Programmierern f\u00fcr den superschnellen Computerhandel, die Software f\u00fcr den Ausgang der Bundestagswahl entwickeln, d\u00fcrften in diesen Tagen die K\u00f6pfe rauchen. Die Herausforderung ist gewaltig. Denn abh\u00e4ngig von der k\u00fcnftigen Regierungskonstellation k\u00f6nnten Deutschland erhebliche \u00c4nderungen bei Steuergesetzen und in der Wirtschaftspolitik bevorstehen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem haben die Parteien unterschiedliche Pl\u00e4ne f\u00fcr die europ\u00e4ische Integration und f\u00fcr den Umgang mit Banken. F\u00fcr Devisen-, Anleihe- und Aktienm\u00e4rkte lassen sich dadurch &#8211; je nach Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis der Parteien &#8211; vielf\u00e4ltige Szenarien hochrechnen.<\/p>\n<h2>Die Krux der Steuerpolitik<\/h2>\n<p>Die Ausgangslage scheint noch recht \u00fcbersichtlich. In politischen Grundpositionen unterscheiden sich vier der f\u00fcnf etablierten Parteien in den Augen von Investmentstrategen nur geringf\u00fcgig. CDU\/CSU, SPD, B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen und FDP wollen alle die europ\u00e4ische Integration voranbringen, die Energiewende vorantreiben und mehr Geld in den Bildungsbereich investieren. Markanter sind die Unterschiede in der Steuerpolitik, der Arbeitsmarktpolitik und bei der Regulierung der Finanzm\u00e4rkte.<\/p>\n<p>CDU\/CSU und FDP wollen die Steuerpolitik im Gro\u00dfen und Ganzen so fortf\u00fchren wie bisher. SPD und Gr\u00fcne setzen dagegen auf Steuererh\u00f6hungen. Au\u00dferdem sind sie &#8211; anders als Union und die Liberalen &#8211; offen f\u00fcr die Einf\u00fchrung von Eurobonds. Auch bei der Frage nach einer effektiven Aufsicht der Kreditinstitute verfolgen die Regierungskoalition und die Opposition verschiedene Ans\u00e4tze. Eine Einf\u00fchrung der an den M\u00e4rkten heftig diskutierten Finanztransaktionssteuer scheint dagegen mit allen Parteien m\u00f6glich.<\/p>\n<h2>Schwarz-Gelb ist schlecht f\u00fcr den Euro<\/h2>\n<p>Ein Hauptszenario f\u00fcr Investmentstrategen ist angesichts der aktuellen Umfragen die Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition. In diesem Fall warnen die Experten von Morgan Stanley vor einer Abwertung des Euro. Ihre Argumentation: SPD und Gr\u00fcne k\u00f6nnten ihre Niederlage darauf zur\u00fcckf\u00fchren, dass sie sich beim Thema Schuldenkrise inhaltlich von Schwarz-Gelb nicht deutlich genug abgesetzt haben.<\/p>\n<p>Als Konsequenz k\u00f6nnten sie nun umsteuern und Angela Merkels Euro-Kurs &#8211; bei dem sich bed\u00fcrftige L\u00e4nder bis jetzt doch immer auf neue Hilfen verlassen konnten &#8211; torpedieren. F\u00fcr Merkel wiederum werde es dadurch schwieriger, Kritiker in den eigenen Reihen zu ignorieren. \u201eF\u00fcr Peripheriel\u00e4nder d\u00fcrfte es dann noch schwerer werden, zus\u00e4tzliche Finanzhilfen von Deutschland zu erhalten\u201c, hei\u00dft es in einer Studie der Bank. Unter diesen Umst\u00e4nden k\u00f6nnte der Euro bis zum Jahresende auf 1,26 Dollar fallen.<\/p>\n<p>Auch der Verm\u00f6gensverwalter Deutsche Asset &#038;amp- Wealth Management geht davon aus, dass bei einer Fortsetzung der derzeitigen Regierungskoalition die Verhandlungen mit den hoch verschuldeten Euro-L\u00e4ndern um finanzielle Erleichterungen h\u00e4rter gef\u00fchrt werden. \u201eDas k\u00f6nnte auch zu einer leicht h\u00f6heren Volatilit\u00e4t bei Anleihen aus den s\u00fcdlichen L\u00e4ndern des Euro-Raums f\u00fchren\u201c, schreibt Asoka W\u00f6hrmann, der die Investmentstrategie der Deutsche-Bank-Tochter mit verantwortet. Bundesanleihen d\u00fcrften dagegen stabil bleiben. F\u00fcr den Aktienmarkt erwarten Experten \u00fcbereinstimmend keine gr\u00f6\u00dferen Implikationen. \u201eDamit w\u00fcrde sich der Status Quo ja praktisch fortsetzen\u201c, formuliert es Stratege Graham Secker von Morgan Stanley.<\/p>\n<h2>Rot-Gr\u00fcn: Schlechte Farben f\u00fcr den deutschen Aktienmarkt<\/h2>\n<p>Anders k\u00f6nnte das aussehen, sollten SPD und Gr\u00fcne die Regierungsmehrheit doch noch schaffen &#8211; \u201edie aus Aktienmarktsicht schlechteste Kombination\u201c, wie es Stratege Carsten Klude von MM Warburg unter Verweis auf die angestrebten Steuererh\u00f6hungen formuliert. \u201eEine steigende Steuer- und Abgabenbelastung reduziert die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Unternehmen und verschlechtert damit die Bedingungen f\u00fcr Investitionen am Standort Deutschland\u201c, bringen die Strategen der LBBW die Kritik auf den Punkt.<\/p>\n<p>Ein daraus resultierendes schw\u00e4cheres Wachstum werde sich auch in fallenden Renditen am Anleihemarkt durchschlagen, warnt W\u00f6hrmann. Andererseits d\u00fcrfte eine rot-gr\u00fcne Regierung eher als schwarz-gelb bereit sein, f\u00fcr Schulden der Peripherie-L\u00e4nder mit zu haften. \u201eDas wirkt auf Bundesanleihen renditesteigernd.\u201c Die Risikoaufschl\u00e4ge zu den Anleihen der hoch verschuldeten L\u00e4nder d\u00fcrften sinken.<\/p>\n<p>Aus europ\u00e4ischer Sicht k\u00f6nnte ein Sieg von Rot-Gr\u00fcn durchaus positiv gesehen werden, schreibt Morgan Stanley. \u201eWenn Investoren davon ausgehen, dass dieses Ergebnis der Vorbote eines st\u00e4rkeren \u2019pro Europa\u2019-Ansatzes ist &#8211; vor allem dann, wenn auch Eurobonds dazu geh\u00f6ren &#8211; dann d\u00fcrften die M\u00e4rkte in der Hoffnung auf eine engere Fiskalunion steigen\u201c, kommentieren sie. Vor allem die B\u00f6rsen der Peripherie-L\u00e4nder k\u00f6nnten dann stark zulegen.<\/p>\n<h2>Gro\u00dfe Koalition f\u00fcrs Renditeplus der Bundesanleihe<\/h2>\n<p>Eine gro\u00dfe Koalition wird nach Einsch\u00e4tzung von Marktexperten recht schwierig zu schmieden. Angesichts der weit auseinander liegenden Vorstellungen in der Steuerpolitik und im Wachstumskonzept seien langwierige Verhandlungen zu erwarten. Die LBBW geht davon aus, dass eine gro\u00dfe Koalition st\u00e4rker als Schwarz-Gelb auf die europ\u00e4ische Integration abzielen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>\u201eIn diesem Fall d\u00fcrften sich Risikoaufschl\u00e4ge der Peripherie-Staaten gegen\u00fcber Deutschland weiter reduzieren, auch \u00fcber ansteigende Renditen f\u00fcr Bundesanleihen\u201c, hei\u00dft es in einer Analyse der Landesbank. \u201eDies umso st\u00e4rker, je mehr es in Richtung einer Vergemeinschaftung von Schulden oder \u00dcbernahme von Haftungsrisiken geht.\u201c<\/p>\n<p>W\u00f6hrmann von Deutsche Asset &#038;amp- Wealth Management konstatiert: \u201eEine gro\u00dfe Koalition f\u00fchrt in der Regel zu einer Politik der kleinen Schritte.\u201c Das k\u00f6nnte zu einer leichten Abwertung des Euros f\u00fchren. Aktienanleger d\u00fcrften dagegen honorieren, dass Angela Merkel weiter die Regierung f\u00fchrt.<\/p>\n<h2>Energiewerte gerieten bei Schwarz-Gr\u00fcn in besonderen Fokus<\/h2>\n<p>So richtig gr\u00fcn sind sich die beiden nicht, von daher d\u00fcrften die Koalitionsverhandlungen im eher unwahrscheinlichen Fall einer schwarz-gr\u00fcnen Koalition besonders schwierig werden. \u201eAufgrund des gro\u00dfen Gewichts der CDU\/CSU in einer solchen Koalition d\u00fcrften sich die Ver\u00e4nderungen in der Fiskalpolitik und bei der Bankenregulierung in Grenzen halten\u201c, sagt die Deutsche Asset &#038;amp- Wealth Management voraus. Eine solche Regierung d\u00fcrfte aber eine weichere Haltung gegen\u00fcber den hoch verschuldeten Euro-L\u00e4ndern einnehmen. \u201eDas k\u00f6nnte tempor\u00e4r zu einem Anstieg des Euro f\u00fchren.\u201c<\/p>\n<p>Morgan Stanley h\u00e4lt es f\u00fcr m\u00f6glich, dass ein Schuldentilgungsfonds eingef\u00fchrt wird. In diesem Fall sei ein Anstieg des Euro bis auf 1,43 Dollar zu erwarten. Die Reaktion des Aktienmarkts h\u00e4ngt nach Meinung der Investmentstrategen von den Zugest\u00e4ndnissen ab, die die Gr\u00fcnen der Union abringen. Besonders spannend d\u00fcrfte es f\u00fcr den Energiesektor werden. Anders als die Union wollen die Gr\u00fcnen erneuerbare Energien weiter stark subventionieren und die Strompreise f\u00fcr energieintensive Industrien erh\u00f6hen.<\/p>\n<h2>Die Welt endet nicht am 22.<\/h2>\n<p>Auch andere Regierungs-Konstellationen unter Beteiligung der kleineren Parteien werden auf ihre m\u00f6glichen Implikationen f\u00fcr den Finanzmarkt abgeklopft und in Szenarien gegossen. Sie gelten aber als relativ unwahrscheinlich. Was f\u00fcr Investoren vor allem z\u00e4hlt, ist eine schnelle Regierungsbildung. Denn sie blicken weiter nach vorn. \u201eEs scheint, als seien viele schwierige Diskussionen &#8211; wie k\u00fcnftige Rettungsaktionen f\u00fcr Griechenland und Portugal oder neue Schritte in Richtung einer Bankenunion &#8211; zun\u00e4chst auf Halt gesetzt worden, um die W\u00e4hler nicht zu ver\u00e4rgern\u201c, schreibt Morgan Stanley.<\/p>\n<p>Diese Entscheidungen k\u00f6nnten aber nicht ewig hinausgez\u00f6gert werden. Schlie\u00dflich stehe die neue Regierung vor ernsten Herausforderungen im Umgang mit der Euro-Krise. Eine der ersten werde die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts \u00fcber die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Anleihenkaufprogramms OMT der Europ\u00e4ischen Zentralbank sein.<\/p>\n<p>Azad Zangana, Volkswirt f\u00fcr Europa beim britischen Verm\u00f6gensverwalter Schroders, sieht eine Ver\u00e4nderung der deutschen Politik unabh\u00e4ngig von der Parteienkoalition, wobei Zangana weder an schwarz-gelb noch an rot-gr\u00fcn glaubt.<\/p>\n<p>Die k\u00fcnftige deutsche Regierung werde ihre Haltung gegen\u00fcber den Peripheriel\u00e4ndern lockern, ohne passiv zu werden. Griechenland brauche ganz offensichtlich weitere Hilfen, und die gingen zu Lasten offizieller Institutionen und damit letztlich zu Lasten der Steuerzahler.<\/p>\n<p>Die neue Regierung werde einen h\u00e4rteren Kurs gegen\u00fcber Banken einschlagen, was auch die Anleger treffen werde, die in Banken investiert seien, sowohl \u00fcber Aktien als auch Anleihen.<\/p>\n<p>Entscheidender Taktgeber f\u00fcr den Finanzmarkt bleibt zudem die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed. Auch hier werden in K\u00fcrze neue Weichenstellungen erwartet. Ein Aktienh\u00e4ndler in Frankfurt umschreibt die Einstellung der Investoren so: \u201eDer 22. September ist f\u00fcr die Deutschen ein wichtiger Termin. Aber f\u00fcr den Markt sind die Termine nach dem 22. September genauso wichtig.\u201c<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/aktien\/bundestagswahl-worauf-sich-investoren-einstellen-12565737.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/aktien\/bundestagswahl-worauf-sich-investoren-einstellen-12565737.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zunehmend gilt den Anlegern auch die Bundestagswahl als Unsicherheitsfaktor. 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