{"id":18654,"date":"2013-09-27T16:08:32","date_gmt":"2013-09-27T16:08:32","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18654"},"modified":"2013-09-27T16:08:32","modified_gmt":"2013-09-27T16:08:32","slug":"ein-fruher-blick-auf-den-pazifik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18654","title":{"rendered":"Ein fr\u00fcher Blick auf den Pazifik"},"content":{"rendered":"<p>Typisch Konquistador: Vasco N\u00fa\u00f1ez de Balboa war nicht nur ein Haudegen, sondern im Nebenberuf auch noch Entdecker. Bis er schlie\u00dflich selbst seinen Kopf verlor.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Unter den gro\u00dfen Globalisierern der Weltgeschichte war er nicht der Geringste. Vasco N\u00fa\u00f1ez de Balboa, Herumtreiber, Entdecker und Eroberer, geh\u00f6rt in die Reihe der so ber\u00fchmten wie ber\u00fcchtigten spanischen Konquistadoren. Wie Francisco Pizarro und Hern\u00e1n Cort\u00e9s stammte er aus einem verarmten Adelsgeschlecht und verlie\u00df die heimische Estremadura, um in der Neuen Welt zu Ruhm und Gold zu kommen. Auch wenn es mit dem Reichtum nichts werden sollte, so hatte er doch eine \u201eSternstunde der Menschheit\u201c (Stefan Zweig beschreibt sie in seinem Buch im Kapitel \u201eFlucht in die Unsterblichkeit\u201c), als er als erster Europ\u00e4er den Pazifischen Ozean vom amerikanischen Kontinent aus erblickte.<\/p>\n<p>Die Historiker sind sich noch immer uneins, ob das am 25. oder 27. September 1513 geschah. Am Ort des Geschehens, dem heutigen Panama, wo der Balboa die nationale W\u00e4hrung ist, wird schon seit Mittwoch gefeiert. Sicher \u00fcberliefert ist, dass die Expedition am 29. September den Strand des nicht gerade friedlichen \u201eS\u00fcdmeeres\u201c erreichte, das Ferdinand Magellan sp\u00e4ter in \u201ePazifik\u201c umtaufen sollte.<\/p>\n<h2>Matrose, Gl\u00fcckssucher, Schweinez\u00fcchter<\/h2>\n<p>Doch verweilen wir mit Stefan Zweig in dem Augenblick, den Balboa mit niemandem, au\u00dfer seinem Hund Leoncico, teilen wollte. Der Gewaltmarsch mit den indianischen Lasttr\u00e4gern \u00fcber die Landenge von Panama war lebensgef\u00e4hrlich gewesen. Am sp\u00e4ten Vormittag n\u00e4herte sich die Truppe einer Bergkuppe, von der aus man einen \u201egro\u00dfen See\u201c erkennen sollte. Balboa befahl seinen Gefolgsleuten haltzumachen und ging mit seinem Jagdhund weiter. \u201eKeiner sollte ihm folgen, denn diesen ersten Blick auf den unbekannten Ozean will er mit keinem teilen\u201c, schreibt Zweig. \u201eAllein und einzig will er f\u00fcr ewige Zeit der erste Spanier, der erste Europ\u00e4er, der erste Christ gewesen sein und bleiben, der, nachdem er den einen riesigen Ozean unseres Weltalls, den Atlantischen, durchfahren, nun auch den anderen, den noch unbekannten Pazifischen erblickt.\u201c<\/p>\n<p>So mag es wohl gewesen sein, bevor er alles, was er um sich sah, mit gez\u00fccktem Schwert und hochgehaltener kastilischer Fahne im Namen der spanischen Krone in Besitz nahm. Ein begleitender Pater stimmte das Te Deum an. Und in ein Kreuz, grob aus einem kurzerhand gef\u00e4llten Baum gef\u00fcgt, wurden die Initialen des K\u00f6nigs geschnitten. Dieser, der katholische Ferdinand, hatte zun\u00e4chst seine helle Freude, als er zusammen mit der Entdeckernachricht erfuhr, dass an der \u201eanderen K\u00fcste\u201c auch Gold und Perlen gefunden worden seien. Er ernannte Balboa zum Generalkapit\u00e4n. Sein unordentliches Leben sollte jedoch nur noch sechs Jahre dauern, bis er den Kopf verlor.<\/p>\n<p>Balboa, um 1475 in Jerez de los Caballeros in der N\u00e4he von Badajoz geboren, war Matrose, Gl\u00fcckssucher, Schweinez\u00fcchter auf der Karibikinsel Hispaniola, Gr\u00fcnder der ersten festen Siedlung in Mittelamerika namens Santa Mar\u00eda de la Antigua del Dari\u00e9n und Gouverneur der Region in Panama. Er heiratete die Tochter eines Indianerh\u00e4uptlings und lie\u00df sich von einem anderen mit Gold beschenken. Im Umgang mit den \u201eEingeborenen\u201c hatte er so wenig Skrupel wie die meisten seiner Landsleute. Er hatte jedoch ein besonderes taktisches Geschick darin, zum eigenen Vorteil immer wieder die Freundschaft der Unterworfenen zu gewinnen. Sie waren es, die ihm schlie\u00dflich auch den Weg zum \u201eS\u00fcdmeer\u201c wiesen.<\/p>\n<h2>Wegen Verschw\u00f6rung enthauptet<\/h2>\n<p>Balboa kam urspr\u00fcnglich auf der Flucht vor seinen Gl\u00e4ubigern in der Karibik als blinder Passagier auf das Festland. Er begegnete Pizarro, dem sp\u00e4teren Eroberer Perus, rivalisierte mit anderen Abgesandten des K\u00f6nigs und fand schlie\u00dflich seinen Meister in Pedro Arias D\u00e1vila, dem Generalstatthalter der Provinzen Panama und Coiba. Dieser D\u00e1vila, wegen seines cholerischen Temperaments \u201eZorn Gottes\u201c genannt, wurde sogar sein Schwiegervater. Die Braut, die in einem spanischen Kloster eingesperrt war, bekam er aber nie zu Gesicht. Die Fern-Ehe war indes nur eine der Listen, mit denen der eine den anderen in Schach zu halten versuchte.<\/p>\n<p>Als es D\u00e1vila nach einer respektlosen Behandlung durch den J\u00fcngeren zu viel wurde, lie\u00df er Balboa wegen Verschw\u00f6rung festnehmen und im Januar 1519, nat\u00fcrlich ohne ordentliches Gerichtsverfahren, enthaupten. Der Kopf des Mannes, dessen Augen jenes Meer sahen, welches ein Drittel der Erdoberfl\u00e4che deckt, steckte noch tagelang auf der Spitze einer Lanze. Nun ist nach ihm wenigstens noch ein Krater auf dem Mond benannt.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/vasco-nu-ez-de-balboa-ein-frueher-blick-auf-den-pazifik-12592980.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/vasco-nu-ez-de-balboa-ein-frueher-blick-auf-den-pazifik-12592980.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Typisch Konquistador: Vasco N\u00fa\u00f1ez de Balboa war nicht nur ein Haudegen, sondern im Nebenberuf auch noch Entdecker. 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