{"id":18620,"date":"2013-09-07T16:08:19","date_gmt":"2013-09-07T16:08:19","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18620"},"modified":"2013-09-07T16:08:19","modified_gmt":"2013-09-07T16:08:19","slug":"banker-helft-euch-selbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18620","title":{"rendered":"Banker, helft euch selbst!"},"content":{"rendered":"<p>Vor f\u00fcnf Jahren kollabierte Lehman Brothers. Amerika verweigerte die Rettung. Das war gut so. Es taugt als abschreckendes Beispiel daf\u00fcr, was man nicht tun sollte &#8211; etwa f\u00fcr Angela Merkel.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Der Tag, an dem die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz anmeldete, erh\u00e4lt seine Bedeutung erst im R\u00fcckblick. W\u00e4hrend die meisten den 15. September 2008 noch als halbwegs normalen Tag erlebt hatten, hat er nun, f\u00fcnf Jahre und einige Milliarden-Garantien sp\u00e4ter, eine ganz andere Bedeutung. Er taugt als abschreckendes Beispiel daf\u00fcr, was man nicht tun sollte &#8211; etwa f\u00fcr Angela Merkel. \u201eBei Lehman Brothers habe ich gelernt, dass wir das Experiment nicht noch einmal machen sollten\u201c, sagte sie k\u00fcrzlich. Ihr Kanzler-Konkurrent und einstiger Finanzminister Peer Steinbr\u00fcck sagt es knapper: \u201eDie Lehman-Pleite war ein Fehler.\u201c<\/p>\n<p>Und der heutige Finanzminister Wolfgang Sch\u00e4uble, zu Zeiten der Lehman-Insolvenz Innenminister, hat zu Protokoll gegeben: \u201eMit Blick auf die Auswirkungen der Lehman-Pleite sage ich: Lasst uns den gleichen Fehler nicht zweimal machen.\u201c Der 15. September 2008 ist zu einem Schicksalsdatum geworden, zum wichtigsten Tag der Finanzkrise. Er markiert nicht nur den Beginn der dramatischen Phase dieser Krise, in der ein Beinahe-Bankenzusammenbruch auf den anderen folgte, in der Milliarden-Garantien schon nach wenigen Tagen durch Noch-mehr-Milliarden-Garantien abgel\u00f6st wurden.<\/p>\n<h2>Die \u201eteuerste Fehleinsch\u00e4tzung des 21. Jahrhunderts\u201c<\/h2>\n<p>Nein, der Tag gilt heute vielen als Symbol f\u00fcr staatliches Versagen. Dass die amerikanische Regierung Lehman nicht mit Staatsgeld gerettet hat, sondern in die Insolvenz entlie\u00df, wird als \u201eJahrhundertfehler\u201c bezeichnet oder als \u201eteuerste Fehleinsch\u00e4tzung des 21. Jahrhunderts\u201c. Offensiv guthei\u00dfen mag kaum einer mehr eine Entscheidung, die solch dramatische Konsequenzen hatte. Doch ist das richtig so?<\/p>\n<p>Lagen die Amerikaner tats\u00e4chlich so falsch, als sie nach einem Wochenende voll z\u00e4her Verhandlungen beschlossen, dass die Bank den Weg gehen sollte, den andere Firmen auch gehen, wenn sie zahlungsunf\u00e4hig sind? Dass sie Insolvenz anmelden sollte? Zweifel sind angebracht. Am Tag des Geschehens selbst deutete auf jeden Fall noch wenig darauf hin, dass er einmal so negativ gesehen w\u00fcrde. Das lag auch daran, dass die Lage zun\u00e4chst gar nicht so dramatisch schien. \u201eWir nehmen den 15. September heute als einen Big Bang wahr\u201c, sagt J\u00f6rg Asmussen, der heute im Direktorium der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) sitzt und damals im deutschen Finanzministerium die Abteilung Finanzmarktpolitik leitete.<\/p>\n<p>        \t                        \t<!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>\u201eAber das war nicht so. Die Schockstarre des Finanzsystems kam graduell.\u201c Asmussen selbst war zwar in der Nacht zum 15. September von einem Anruf seines Kollegen aus Amerika geweckt worden, der ihm mitteilte, dass Lehman in die Insolvenz gehen w\u00fcrde. Doch am Morgen reagierten die M\u00e4rkte recht ruhig &#8211; und Asmussen ging erst einmal zu einer Veranstaltung des Versicherungsverbands, um dort die neuen Aufsichtsregeln zu erkl\u00e4ren. \u201eEs hat zwei Wochen gedauert, bis die Schockstarre sich durchs System gefressen hatte\u201c, sagt Asmussen heute.<\/p>\n<p>Unter diesen Umst\u00e4nden wurde die Insolvenz von Lehman viel positiver gesehen als heute. Der damalige EZB-Pr\u00e4sident Jean-Claude Trichet erinnert sich: \u201eDas Erste, was die amerikanischen Beh\u00f6rden an diesem Montag sagten, war: ,Das ist gut, diese Bank war schlecht gemanagt\u2018.\u201c Es gab in Amerika die \u201eAnfangsdiagnose, der zufolge der Lehman-Bankrott keine bedeutenden Konsequenzen haben w\u00fcrde\u201c. Und es habe \u201eein paar halbe Tage\u201c gedauert, bis allen klar wurde: \u201eWir mussten den Geisteszustand wechseln. Die Frage war nun: Wie stoppen wir den Finanz-Tsunami?\u201c<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich waren die Folgen der Insolvenz dramatischer, als es sich jeglicher Notenbanker, \u00d6konom, Politiker, Banker, Untergangsprophet ausgemalt hatte. Der Dow Jones verlor innerhalb eines halben Jahres 43 Prozent an Wert, der Dax 41 Prozent. Die Wirtschaft brach in Deutschland kurzzeitig um 6,4 Prozent ein, in Amerika um drei Prozent. So unterschiedliche Institute wie Fortis, Hypo Real Estate, AIG und die Commerzbank brauchten Staatsgeld. So etwas hatte es seit der Weltwirtschaftskrise 1929 nicht mehr gegeben.<\/p>\n<h2>Irgendwann muss es Konsequenzen geben<\/h2>\n<p>Schuld war etwas, das auf den Finanzm\u00e4rkten verlorengegangen war: Vertrauen. Vor Lehman galt: \u201eDie Eintrittswahrscheinlichkeit f\u00fcr die Insolvenz einer internationalen Gro\u00dfbank war null\u201c, sagt Asmussen. \u201eKein Krisenplan sah so etwas vor.\u201c Nach Lehman war das Gegenteil der Fall. Banken und bald auch alle anderen Firmen verloren das Vertrauen in jeglichen Gesch\u00e4ftspartner. Wenn Lehman zusammenbrechen k\u00f6nne, dann k\u00f6nne jeder zusammenbrechen, dachten sie, stornierten Gesch\u00e4fte und horteten Cash. \u201eDieses Ph\u00e4nomen war die Krise\u201c, sagt Trichet.<\/p>\n<p>Der Zustand der Weltwirtschaft war einsch\u00fcchternd. Und manche, die Lehman zun\u00e4chst positiv gesehen hatten, \u00e4nderten ihre Meinung. Sie fragten: H\u00e4tte man Lehman gerettet, w\u00e4re es f\u00fcr die Welt dann nicht billiger geworden? Seither lautet die entscheidende, unbeantwortete Frage zum 15. September: War es falsch, Lehman fallenzulassen? Es gibt gute Gr\u00fcnde, sie mit Nein zu beantworten.<\/p>\n<p>        \t                        \t<!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Der wichtigste Grund ist eine Lehre, die jeder Vater und jede Mutter kennt: Irgendwann muss es Konsequenzen geben. Man kann nicht immer nur warnen, dass die Gute-Nacht-Geschichte ausf\u00e4llt, wenn die Tochter ihren kleinen Bruder \u00e4rgert. Irgendwann muss die Geschichte auch einmal ausfallen. Sonst wei\u00df das Kind schnell, dass sein schlechtes Verhalten keine Folgen hat &#8211; und \u00e4ndert nichts. Genauso kann man eine Bankbranche, die viel zu hohe Risiken eingegangen ist und deswegen das Vertrauen verliert, nicht immer nur ermahnen und ihr mit Insolvenz drohen &#8211; und dann doch mit Milliarden aushelfen.<\/p>\n<h2>Lehman war nicht der Grund f\u00fcr die Krise<\/h2>\n<p>Irgendwann muss die Insolvenz auch stattfinden. Sonst lernen die Banken nichts. Die \u00d6konomen nennen das \u201eMoral Hazard\u201c oder \u201emoralisches Risiko\u201c. Das Problem bei den Banken ist, dass eine Insolvenz &#8211; ganz im Gegensatz zur ausgefallenen Gute-Nacht-Geschichte &#8211; immer so hohe Kosten hat. Trotzdem ist es der gr\u00f6\u00dfte Fehlschluss, den man aus der Finanzkrise ziehen kann, wenn man sagt: Es darf nie wieder eine gro\u00dfe Bank pleitegehen. Vielmehr sollte man schlie\u00dfen: K\u00fcnftig m\u00fcssen auch gro\u00dfe Banken pleitegehen k\u00f6nnen. Denn sonst z\u00fcchtet man sich \u00fcber kurz oder lang eine Branche, die immer krisenanf\u00e4lliger wird, weil sie das Interesse an angemessenem Risiko v\u00f6llig verliert. Schlie\u00dflich muss sie im Zweifel f\u00fcr Verluste nicht selbst haften.<\/p>\n<p>Ein zweiter Grund, Lehman nicht so dramatisch zu sehen, wie es viele heute tun, ist, dass die Pleite ja nicht der Grund f\u00fcr die Krise war, sondern blo\u00df ein Element,das sie versch\u00e4rft hat. Der M\u00fcnchener \u00d6konom Hans-Werner Sinn sagt: \u201eDer Jahrhundertfehler war die Deregulierung der Banken, nicht der Lehman-Konkurs.\u201c Lehman sei eine Art \u201eSollbruchstelle\u201c gewesen &#8211; \u201evon der Sorte gab es viele\u201c. Wenn sich die Finanzkrise nicht durch die Lehman-Pleite einen Weg gebahnt h\u00e4tte, dann auf andere Weise. Die Politik habe den Banken das Zocken erlaubt, das sei der Fehler gewesen. Nicht die Entscheidung sp\u00e4ter, eine Bank, die sich verzockt hatte, fallenzulassen.<\/p>\n<p>        \t                        \t<!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Selbst wenn man grundlegende moralische und \u00f6konomische \u00dcberlegungen au\u00dfer Acht l\u00e4sst, kann man die Entscheidung zur Lehman-Pleite f\u00fcr richtig halten. Aus ganz praktischen Gr\u00fcnden. So wie Jean-Claude Trichet. \u201eIch halte es nicht f\u00fcr einen Fehler des amerikanischen Finanzministeriums, dass sie Lehman nicht gerettet haben\u201c, sagt er. \u201eMan kann solch ein Problem nicht mit einer Folge von Rettungen beseitigen.\u201c Wenn eine Bank nach der anderen in Schwierigkeiten ger\u00e4t, dann muss man sich irgendwann entscheiden: Entweder man rettet das ganze System, oder man l\u00e4sst auch einmal eine Bank scheitern.<\/p>\n<p>Die erste M\u00f6glichkeit aber &#8211; das ganze System retten &#8211; sei vor Lehman keine Option gewesen, glaubt Trichet: \u201eDie Leute h\u00e4tten es nicht akzeptiert.\u201c Sein Beweis daf\u00fcr: Selbst nach dem Zusammenbruch von Lehman wurde der erste Bankenrettungsfonds TARP der Amerikaner vom Kongress abgelehnt. \u201eTARP wurde erst angenommen, nachdem der Dow Jones wie ein Stein gefallen war.\u201c Also nachdem Lehman seine ganze Wirkung gezeigt hatte.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich stimmt es sogar, dass die Lehman-Pleite aus politischen Gr\u00fcnden notwendig war. Das beste Argument bleibt allerdings das der notwendigen Konsequenz &#8211; das des moralischen Risikos. Doch nur wenige trauen sich heute noch, es mit Bezug auf Lehman auszusprechen. Einer von ihnen ist Stefan Homburg, Finanzprofessor in Hannover und eher ein Querdenker unter den \u00d6konomen.<\/p>\n<h2>\u201eDas ist die historische Bedeutung von Lehman\u201c<\/h2>\n<p>Schon direkt nach der Lehman-Pleite sagte er im Interview, es sei die \u201eeinzig richtige Entscheidung\u201c gewesen, die Bank fallenzulassen &#8211; ein \u201eBeispiel f\u00fcr gegl\u00fcckte Politik\u201c. Jetzt, f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter, sieht er keinen Grund, seine Position zu revidieren. Niemand, der leichtsinnige Gesch\u00e4fte mache, d\u00fcrfe sich darauf verlassen k\u00f6nnen, immer vom Staat gerettet zu werden. Wenn man schon Banken retten muss, so Homburg, dann mit einer Politik der \u201etrembling hands\u201c, der \u201ezitternden H\u00e4nde\u201c: Wenn der Staat mal rettet und mal nicht, dann k\u00f6nnten Banken zumindest nicht risikolos darauf spekulieren, dass sie aufgefangen w\u00fcrden &#8211; und w\u00fcrden vorsichtiger.<\/p>\n<p>Dreimal in der gesamten Retterei der vergangenen f\u00fcnf Jahre haben die Staaten genau das gemacht und sich unberechenbar gezeigt: Als Amerika Lehman fallenlie\u00df. Als Europas Staaten einen Schuldenschnitt f\u00fcr Griechenlands Gl\u00e4ubiger beschlossen haben. Und als in Zypern die Sparer mit herangezogen wurden, um das Bankensystem zu retten. In jedem dieser F\u00e4lle haben sich alle verrechnet, die fest mit einer Rettung auf Kosten der Steuerzahler kalkulierten: Banken, Aktion\u00e4re, Gl\u00e4ubiger. Homburg ist sich sicher: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren &#8211; das sei seither kein todsicheres Gesch\u00e4ft mehr. \u201eDas ist die historische Bedeutung von Lehman.\u201c<\/p>\n<h2>Das Dilemma der impliziten Staatssubvention<\/h2>\n<p>Auch wissenschaftliche Studien zeigen, dass vor Lehman die feste Annahme, dass gro\u00dfe Banken immer vom Staat gerettet werden, den jeweiligen Instituten zu einem Aufschlag auf den Aktienkurs und zu einer unangemessen hohen Kreditw\u00fcrdigkeit verhalf. Mit fatalen Folgen: Sie konnten h\u00f6here Risiken eingehen &#8211; und taten das auch munter. Die Sch\u00e4tzungen zur H\u00f6he dieser sogenannten impliziten Staatssubvention variieren. In einer Studie des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung wird ein Kostenvorteil f\u00fcr systemrelevante Banken von 60 Basispunkten (0,6 Prozentpunkte) pro Jahr vor der Finanzkrise als eher konservative Richtgr\u00f6\u00dfe genannt.<\/p>\n<p>Auf Basis der Daten von 2002 bis 2007 lasse sich ermitteln, dass die weltweit gr\u00f6\u00dften Banken somit implizite Staatssubventionen im Wert von etwa 70 Milliarden Dollar pro Jahr beanspruchen konnten. Das entspricht etwa der H\u00e4lfte der durchschnittlichen Vorsteuergewinne dieser Banken im selben Zeitraum. Bis zur Lehman-Pleite gab es immer wieder die Erfahrung, dass dieses Kalk\u00fcl aufging. Zuerst retteten die Amerikaner im M\u00e4rz 2008 die Investmentbank Bear Stearns. Im Juli die Hypotheken-Institute Fannie Mae und Freddie Mac.<\/p>\n<p>\u201eWenn die amerikanische Regierung auch noch Lehman gerettet h\u00e4tte, mit ihrem verr\u00fcckten Chef Richard Fuld, dann h\u00e4tten alle gewusst, die retten wirklich jeden\u201c, meint Homburg. Bankchef Fuld, 67, genannt \u201eder Gorilla\u201c (nicht nur wegen des ausgestopften Affen in seinem B\u00fcro), hatte sich lange gegen Hilfen f\u00fcr Lehman und jede Form der \u00dcbernahme gewehrt. Er war deshalb zu den Gespr\u00e4chen \u00fcber eine Rettung der Bank von Finanzminister Hank Paulson am Wochenende vor dem 15. September 2008 in den R\u00e4umen der New Yorker Fed gar nicht erst eingeladen worden.<\/p>\n<h2>Neuordnung des Weltfinanzsystems<\/h2>\n<p>Ganz so einfach, wie Homburg insinuiert, ist es allerdings nicht mit der Lehman-Pleite. Denn kurzfristig haben die \u201ezitternden H\u00e4nde\u201c des Staates das Gegenteil dessen bewirkt, was \u00d6konomen wie Homburg sich gew\u00fcnscht h\u00e4tten. Statt nur die Banken zu erschrecken, schreckten sie auch die Politik. Und machten die Pleite einer Bank in den kommenden Monaten erst einmal unm\u00f6glich. \u201eDann droht ein zweites Lehman\u201c, warnten die Banken fortan, wann immer eine staatliche Entscheidung ihnen gro\u00dfe Nachteile zu bescheren drohte. Lehman wurde so zu einem Begriff, mit dem die Banken die Staaten in Geiselhaft nahmen.<\/p>\n<p>Doch das war nur die erste Reaktion. Heute, f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter, funktioniert diese Erpressung schon weniger gut, wie das Beispiel Zypern zeigt. Au\u00dferdem wird offenbar, dass noch etwas geschehen ist. Lehman war nicht nur Katastrophe. Lehman war auch Anlass, \u00fcber eine Neuordnung des Weltfinanzsystems und der Bankenregulierung nachzudenken. Damit war Lehman der Schaden, aus dem man &#8211; hoffentlich &#8211; kl\u00fcger wird. Selbst Kritiker der Pleite wie J\u00f6rg Asmussen sagen: \u201eH\u00e4tte man Lehman gerettet, w\u00e4re die Bankenregulierung heute sicher nicht sch\u00e4rfer als 2008.\u201c In diesem Sinne habe Lehman auch etwas Gutes gehabt.<\/p>\n<h2>Krisenbedingte Lerneffekte<\/h2>\n<p>Der amerikanische \u00d6konom Robert Shiller hat diesen Vorgang einmal mit dem Untergang der \u201eTitanic\u201c im Jahre 1912 verglichen. Die Trag\u00f6die war schrecklich, die meisten der 2.200 Passagiere des luxuri\u00f6sen Riesenschiffs starben nach dem Zusammensto\u00df mit einem Eisberg in den kalten Fluten des Nordatlantiks. Zugleich aber gab das Ereignis dem Schiffsbau in Amerika einen Schub und war Anlass f\u00fcr erhebliche Verbesserungen in der Sicherheit des internationalen Seeverkehrs. Man begann beispielsweise mit der systematischen Luftbeobachtung von Eisbergen. Auch bei der Entwicklung des Echolots soll Erfinder Alexander Behm die Katastrophe im Hinterkopf gehabt haben.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche krisenbedingte Lerneffekte lassen sich auch bei den Banken beobachten: Ohne Lehman h\u00e4tte sich die internationale Staatengemeinschaft wohl nie zu internationalen Gipfeln \u00fcber die Regulierung der Banken zusammengefunden. Oder zumindest nicht so schnell. Was schon vorher sinnvoll gewesen w\u00e4re, bekam durch Lehman den n\u00f6tigen Druck.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte ein sch\u00f6nes letztes Kapitel sein f\u00fcr die leidvolle Geschichte der Lehman Brothers. Doch so einfach ist es in der Welt der Banken und ihrer Regulierer leider nie. Ob das, was in den Banken seither erreicht wurde, ausreicht, um einen neuen Fall Lehman ein f\u00fcr alle Mal auszuschlie\u00dfen &#8211; das ist fraglich. Zwar wurden neue Regeln f\u00fcr die Boni der Banker beschlossen.<\/p>\n<p>Die Boni werden jetzt \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume gestreckt und d\u00fcrfen bestimmte Anteile an der Gesamtverg\u00fctung nicht \u00fcbersteigen. Auch die Bankenaufsicht wird st\u00e4rker internationalisiert &#8211; damit sich die Bankenaufseher bei Katastrophen nicht mehr rausreden k\u00f6nnen, sie w\u00e4ren f\u00fcr ausl\u00e4ndische Tochtergesellschaften nicht zust\u00e4ndig gewesen. Au\u00dferdem sollen die Banken k\u00fcnftig mehr Eigenkapital halten m\u00fcssen als fr\u00fcher. Das soll ihr Gesch\u00e4ft sicherer machen.<\/p>\n<p>Zumindest nach der Vorstellung der \u00d6konomen Anat Admati und Martin Hellwig, die dazu ein wegweisendes Buch verfasst haben, reicht das aber bei weitem nicht aus. Insbesondere die Vorschriften \u00fcber das Eigenkapital der Banken seien immer noch viel zu lax. Sie schlagen vor, Banken m\u00fcssten 20 bis 30 Prozent echtes Eigenkapital im Verh\u00e4ltnis zu ihrer gesamten Bilanzsumme halten &#8211; wie das im 19. Jahrhundert der Fall war. Heute sind es meistens etwas mehr als zwei, selten \u00fcber drei Prozent.<\/p>\n<p>Selbst J\u00f6rg Asmussen, der heute als Direktoriumsmitglied bei der Europ\u00e4ischen Zentralbank mit daf\u00fcr zust\u00e4ndig ist, das Bankensystem stabiler zu machen, ist skeptisch, ob ein Ereignis wie Lehman heute g\u00fcnstiger ausginge: \u201eWenn der Markt wei\u00df, was er erwarten muss, wenn es feste Abl\u00e4ufe gibt, dann ist es hoffentlich nicht mehr so dramatisch, eine gro\u00dfe Bank vom Markt zu nehmen\u201c, sagt er. \u201eLetztg\u00fcltig wissen wir das allerdings nie.\u201c<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/lehman-insolvenz-banker-helft-euch-selbst-12563883.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/lehman-insolvenz-banker-helft-euch-selbst-12563883.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor f\u00fcnf Jahren kollabierte Lehman Brothers. Amerika verweigerte die Rettung. 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