{"id":18576,"date":"2013-10-15T16:08:09","date_gmt":"2013-10-15T16:08:09","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18576"},"modified":"2013-10-15T16:08:09","modified_gmt":"2013-10-15T16:08:09","slug":"die-industrie-macht-ihren-strom-selbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18576","title":{"rendered":"Die Industrie macht ihren Strom selbst"},"content":{"rendered":"<p>Weil der Strompreis weiter steigt, erzeugen Unternehmen wie BMW zunehmend ihren eigenen Strom. Doch das schafft neue Probleme f\u00fcr Verbraucher und Energieversorger. Unter Umst\u00e4nden k\u00f6nnte der Strom f\u00fcr einige teurer werden.\u00a0<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Hier werden nicht nur Autos produziert, das ist schon aus der Ferne zu sehen: Vier riesige Windr\u00e4der stehen vor dem BMW-Werk in Leipzig. Ihre Rotorbl\u00e4tter ragen 190 Meter in den s\u00e4chsischen Himmel. Sie erzeugen den Strom, den <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/bmw-stellt-den-bmw-i3-vor-elektromotor-in-viel-carbon-12311608.html\">BMW f\u00fcr die Herstellung seines neuen Elektroautos i3 <\/a>ben\u00f6tigt. Die Windr\u00e4der bringen es auf eine Leistung von zehn Megawatt und sollen mehr als 25 Millionen Kilowattstunden pro Jahr liefern \u2013 genug um 8000 Haushalte zu versorgen.<\/p>\n<p>An st\u00fcrmischen Tagen kann es auch mehr Strom sein, als BMW ben\u00f6tigt. Dann wird der \u00dcberschuss in das Leipziger Stadtnetz eingespeist. F\u00fcr den Autokonzern ist der \u00d6kostrom auch deshalb wichtig, weil er seinen Kunden, die im November den Kleinwagen zu Preisen einer Mittelklasselimousine kaufen sollen, ein Werbeversprechen mitgibt: Der i3 f\u00e4hrt nicht nur weitgehend emissionsfrei, er soll auch in der Produktion CO2-neutral sein.<\/p>\n<p>BMW ist mit seiner Eigenstromerzeugung nicht alleine. Weil Strom \u2013 <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/rekordwert-oekostrom-umlage-steigt-auf-6-24-cent-12617347.html\">getrieben von der steigenden EEG-Umlage<\/a> \u2013 immer teurer wird, steigt f\u00fcr Unternehmen und Privatverbraucher der Anreiz, ihren Strom mit Photovoltaikanlagen, Blockheizkraftwerken und Windr\u00e4dern selbst zu produzieren. Dank des im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschriebenen Eigenstromprivilegs sparen die Selbstverbraucher die EEG-Umlage, Stromsteuern und bei den Netzentgelte. \u201eDer selbst erzeugte Strom ist dadurch f\u00fcr Haushalte, Dienstleister und viele produzierende Betriebe fast um zwei Drittel g\u00fcnstiger\u201c, hat Georg Erdmann, Professor f\u00fcr Energiesystem an der TU Berlin, errechnet.<\/p>\n<p>Erstaunlicherweise gibt es trotz der wachsenden Bedeutung kaum valide Daten zur Eigenstromerzeugung. Weder die Bundesnetzagentur noch die Energieversorger f\u00fchren eine entsprechende Statistik. In einem gemeinsamen Monitoringbericht des Wirtschafts- und Umweltministeriums, der sich gr\u00f6\u00dftenteils auf Daten des Jahres 2011 bezieht, ist nachzulesen, dass 8,5 Prozent des verbrauchten Stroms selbst erzeugt wurden, was rund 50 Terawattstunden entsprach. Lukrativ ist die Eigenerzeugung von \u00d6kostrom. Nach Angeben der Netzbetreiber gingen im vergangenen Jahr 10 Prozent des mit Photovoltaikanlagen erzeugten Stroms in den Eigenverbrauch. \u201eWir empfehlen, diese Daten k\u00fcnftig genauer zu erfassen\u201c, sagt Forscher Erdmann, der Mitglied in der von der Bundesregierung eingesetzten Monitoring-Kommission zur Energiewende ist.<\/p>\n<h2>Die restlichen Verbraucher m\u00fcssen mehr zahlen<\/h2>\n<p>Dass Unternehmen die Stromerzeugung zunehmend selbst in die Hand nehmen, verdeutlicht eine Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter knapp 2400 Betrieben im Juni. 27 Prozent der Industrieunternehmen errichten demnach eine eigene Stromerzeugungsanlage oder haben dies in der Vergangenheit getan. 21 Prozent der Unternehmen plant entsprechende Ma\u00dfnahmen. Zusammengenommen ist die Eigenstromerzeugung f\u00fcr beinahe jedes zweite Unternehmen von Bedeutung. \u201eSpitzenreiter ist die Solartechnik, gefolgt von fossilen Energietr\u00e4gersysteme (zumeist in KWK-Anlagen), Biogas und Windkraft\u201c, hei\u00dft es in der Auswertung. Nach Ansicht des DIHK schlagen die Betriebe zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie sparen nicht nur Abgaben wie die EEG-Umlage, \u201esie stabilisieren so einen wichtigen Teil ihres Fixkostenblocks\u201c, fassen die Autoren zusammen.<\/p>\n<p>Doch was sich f\u00fcr die Unternehmen rechnet, schafft an anderer Stelle Probleme. Denn je mehr Verbraucher sich dank des Eigenstromprivilegs aus der Finanzierung der erneuerbaren Energien und der Netzinfrastruktur verabschieden, desto h\u00f6her werden die Stromrechnungen f\u00fcr die verbleibenden Verbraucher. \u201eSetzt sich der Trend fort, zahlen Mieter und Hartz IV-Empf\u00e4nger, die Strom nicht selbst produzieren k\u00f6nnen, am Ende mehr\u201c, sagt Forscher Erdmann. Energieversorger beklagen eine \u201eEntsolidarisierung\u201c.<\/p>\n<p>Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht, prognostiziert Energiefachmann Erdmann, es handle sich um einen \u201eselbstverst\u00e4rkenden Prozess\u201c. Denn wenn die Netzentgelte und die EEG-Umlage durch die Selbstversorgung steigen, dann w\u00e4chst wiederum der Anreiz, sich durch eigne Solaranlagen und Windr\u00e4der von diesen Kosten zu befreien. Verbrauchersch\u00fctzer warnen schon jetzt vor Mehrbelastungen f\u00fcr Haushalte. \u201eWir fordern, dass im n\u00e4chsten Jahr eine Reform der Netzentgelte auf den Weg gebracht wird\u201c, sagt Holger Krawinkel, der im Verbraucherzentrale Bundesverband den Bereich Energie leitet. Damit die Kosten f\u00fcr die Netzinfrastruktur gerechter auf alle Stromverbraucher verteilt wird, sollten die Nutzungsentgelte k\u00fcnftig in Form einer \u201eFlatrate\u201c bezahlt werden. Bislang werden die Netzentgelte zumindest im Niedrigspannungsbereich je bezogener Kilowattstunde berechnet, wovon Eigenversorger profitieren. Krawinkel fordert, dass stattdessen schon f\u00fcr die Netzanbindung zu zahlen ist, also f\u00fcr eine bestimmte Netzleistung, auf die auch Eigenversorger angewiesen sind. \u201eDas w\u00e4re zumindest ein erster Schritt\u201c, sagt Krawinkel.<\/p>\n<p>Vor ernsthafte Herausforderungen stellt die Entwicklung die Energieversorger. \u201eIhnen geht ein Teil ihres Gesch\u00e4fts verloren\u201c, sagt Forscher Erdmann. Anschaulich wird das in Aalen, der baden-w\u00fcrttembergischen Stadt mit rund 66.000 Einwohnern. In der Kommune, in der viele Industriebetriebe angesiedelt sind, betrug der Anteil des Eigenstromverbrauchs nach Angaben der Stadtwerke schon im Jahr 2008 rund 35 Prozent. \u201eIn den vergangenen f\u00fcnf Jahren ist der Anteil auf etwa 50 Prozent gestiegen\u201c, sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Stadtwerke Cordt M\u00fcller. Da m\u00fcsse man sich nat\u00fcrlich \u00fcberlegen, wie neue Gesch\u00e4ftsmodelle aussehen k\u00f6nnen. \u201eEine L\u00f6sung besteht f\u00fcr uns darin, f\u00fcr Unternehmen, die sich eine Anlage zur Kraft-W\u00e4rme-Kopplung (KWK) anschaffen, zum Dienstleister zu werden\u201c, sagt M\u00fcller.<\/p>\n<p>Weil den Unternehmen die Expertise fehle, \u00fcbernehmen die Stadtwerke die Aufgabe, die Anlagen zu steuern, zu bilanzieren und den Strom abzurechnen. \u201eSo k\u00f6nnen wir den wegfallenden Stromabsatz kompensieren\u201c, sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Bei Photovoltaikanlagen, die deutlich weniger Verwaltungs- und Steuerungsaufwand als KWK-Anlagen verursachen, besteht die M\u00f6glichkeit jedoch nicht. Die Netzentgelte haben die Aalener trotz der Entwicklung bislang nicht erh\u00f6ht. Bei anderen Versorgern, die zuletzt massiv in gr\u00f6\u00dfere Kraftwerke investiert haben, sind die Probleme gr\u00f6\u00dfer, sagt M\u00fcller. Anders als viele Kollegen ist er dagegen, das Eigenstromprivileg zu kappen: \u201eGrunds\u00e4tzlich ist es ja im Sinne der Energiewende, wenn Strom dezentral erzeugt wird\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Gesch\u00e4fte der \u00dcbertragungsnetzbetreiber wie 50 Hertz und Amprion hat die vermehrte Eigenerzeugung bislang nur geringe Auswirkungen. Sie errechnen ihren Finanzbedarf, der von der Bundesnetzagentur gepr\u00fcft wird, unabh\u00e4ngig davon, wie die Kosten auf die Verbraucher verteilt werden. \u201eNat\u00fcrlich haben auch wir kein Interesse daran, dass die Strompreise weiter steigen\u201c, sagte ein Amprion-Sprecher, \u201elangfristig gibt es da Reformbedarf.\u201c<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftspolitik\/energiepolitik\/steigende-eeg-umlage-die-industrie-macht-ihren-strom-selbst-12618930.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftspolitik\/energiepolitik\/steigende-eeg-umlage-die-industrie-macht-ihren-strom-selbst-12618930.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil der Strompreis weiter steigt, erzeugen Unternehmen wie BMW zunehmend ihren eigenen Strom. Doch das schafft neue Probleme f\u00fcr Verbraucher und Energieversorger. 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