{"id":18518,"date":"2013-07-17T16:07:57","date_gmt":"2013-07-17T16:07:57","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18518"},"modified":"2013-07-17T16:07:57","modified_gmt":"2013-07-17T16:07:57","slug":"das-vertrauen-in-die-eu-wachst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18518","title":{"rendered":"Das Vertrauen in die EU w\u00e4chst"},"content":{"rendered":"<p>Uneingeschr\u00e4nkt begeistert f\u00fcr \u201eEuropa\u201c sind die Deutschen nicht. Aber einfach nur schlecht finden sie es auch nicht. Und diejenigen, die die D-Mark wieder haben wollen, werden weniger.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Der beginnende Bundestagswahlkampf k\u00f6nnte der erste in der Geschichte der Bundesrepublik sein, bei dem das Thema Europa eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielt. Zwar war die europ\u00e4ische Einigung von Anfang an ein wichtiges Anliegen der Bundesregierungen und auch weiter Teile der Bev\u00f6lkerung, doch die gro\u00dfen Integrationsschritte fanden entweder in der Mitte der deutschen Legislaturperioden statt oder wurden von anderen politischen Themen \u00fcberlagert: Die Gr\u00fcndung der Montanunion erfolgte 1951, zwei Jahre vor der n\u00e4chsten Bundestagswahl. Die r\u00f6mischen Vertr\u00e4ge wurden zwar im Wahljahr 1957 unterzeichnet, doch diese Wahl stand ganz unter dem Eindruck der von Adenauer durchgesetzten R\u00fcckkehr der letzten Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion.<\/p>\n<p>Der 1963 geschlossene deutsch-franz\u00f6sische Freundschaftsvertrag spielte im Wahlkampf von 1965 keine wesentliche Rolle mehr, ebenso wenig wie der 1992 unterzeichnete Vertrag von Maastricht im Jahr 1994. Die gro\u00dfen Wahlkampfthemen waren andere: 1953 die Wiederbewaffnung und die Westbindung, 1961 der Bau der Mauer, 1972 die Ostvertr\u00e4ge, 1990 die deutsche Einheit. In den anderen Jahren standen meist wirtschafts- und sozialpolitische Themen im Vordergrund. Auch abseits der Wahljahre fand die europ\u00e4ische Einigung in der \u00d6ffentlichkeit nur wenig Resonanz, wenn nicht gerade ein gro\u00dfes symboltr\u00e4chtiges Ereignis kurzzeitig den Blick auf sie lenkte. Noch im Herbst 2009, zu einem Zeitpunkt, als immerhin der Vertrag von Lissabon in Kraft trat, widmete das Nachrichtenmagazin \u201eDer Spiegel\u201c, wie eine Inhaltsanalyse ergab, den Reformen der EU etwa gleich viel Platz im Heft wie der Wirtschaftspolitik Wei\u00dfrusslands und einer W\u00e4hrungsreform in Nordkorea.<\/p>\n<h2>Die Aufregung hat sich wieder weitgehend gelegt<\/h2>\n<p>Dies hat sich in der Zwischenzeit gr\u00fcndlich ge\u00e4ndert. Vermutlich, weil sich das Thema europ\u00e4ische Einigung durch die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/europas-schuldenkrise\/\">Staatsschuldenkrisen in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern<\/a> mit den klassischen innenpolitischen Themen der Wirtschafts- und Finanzpolitik verbunden hat, blickt die \u00d6ffentlichkeit wesentlich aufmerksamer auf Europa als fr\u00fcher. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ausf\u00fchrlich \u00fcber die Staatsverschuldung in Griechenland, Zypern, Irland und neuerdings auch Frankreich berichtet wird, \u00fcber Staatskrisen in Portugal und Italien oder die Arbeitslosigkeit in Spanien, stets verkn\u00fcpft mit der Frage, welche Belastungen diese Ereignisse f\u00fcr die deutsche Staatskasse &#8211; und damit letztlich f\u00fcr die B\u00fcrger &#8211; bedeuten.<\/p>\n<p>Es liegt nahe anzunehmen, dass unter diesen Umst\u00e4nden die traditionelle Europa-Freundlichkeit der Deutschen Schaden nimmt. Tats\u00e4chlich schien es eine Zeitlang, als k\u00f6nnte sich die Stimmung gegen die europ\u00e4ische Integration drehen. Nach Ausbruch der Griechenland-Krise 2010 sank der Anteil derjenigen, die sagten, sie h\u00e4tten gro\u00dfes Vertrauen in die Europ\u00e4ische Union, binnen weniger Wochen von 37 auf 26 Prozent. Die Zahl derer, die der Aussage zustimmten, Europa sei \u201eunsere Zukunft\u201c, ging vom April 2010 bis zum Januar 2011 von 53 auf 41 Prozent zur\u00fcck. Auf dem H\u00f6hepunkt der Vertrauenskrise, im Herbst 2011, sagten 62 Prozent der Deutschen, die Lage der Eurozone beunruhige sie \u201esehr stark\u201c oder \u201estark\u201c.<\/p>\n<p>Doch seitdem hat sich die Aufregung wieder weitgehend gelegt. Obwohl die wirtschaftlichen und sozialen Probleme in vielen L\u00e4ndern der Europ\u00e4ischen Union keineswegs gel\u00f6st sind und die Bev\u00f6lkerung deswegen auch durchaus besorgt ist, n\u00e4hert sich das Europa-Bild der Deutschen wieder der Situation vor dem Ausbruch der Krise in Griechenland. Von einer Alarmstimmung kann keine Rede sein. Dies zeigen die Ergebnisse der j\u00fcngsten Allensbacher Repr\u00e4sentativumfrage im Auftrag dieser Zeitung.<\/p>\n<h2>Das Urteil \u00fcber die Einigung hat sich kaum ver\u00e4ndert<\/h2>\n<p>Erkennbar ist dies beispielsweise an den Antworten auf die Frage \u201eWie viel Vertrauen haben Sie zur Europ\u00e4ischen Union?\u201c 2011 sagten 68 Prozent der Deutschen, sie h\u00e4tten \u201enicht so gro\u00dfes\u201c oder \u201egar kein Vertrauen\u201c. Heute sind es 60 Prozent, und damit weniger als 2010. Die Zahl derer, die sehr gro\u00dfes oder gro\u00dfes Vertrauen in die Europ\u00e4ische Union haben, ist seit 2011 von 24 auf 33 Prozent gestiegen, das sind ebenso viele wie 2007. Damit zeigt sich die Bev\u00f6lkerung insgesamt zwar noch immer sehr misstrauisch, doch die Werte haben wieder das Niveau der Zeit vor Ausbruch der Schuldenkrisen erreicht.<\/p>\n<p>Angesichts der Schwere der wirtschaftlichen und finanziellen Probleme in Europa erscheint es r\u00fcckblickend bemerkenswert, wie wenig sich selbst auf dem H\u00f6hepunkt der Krise das allgemeine Urteil der Deutschen \u00fcber die europ\u00e4ische Einigung ver\u00e4ndert hat. Viele Trendfragen zu diesem Thema zeigen sogar 2010 und 2011 kaum Schwankungen, beispielsweise die Frage \u201eHat Deutschland durch die Mitgliedschaft in der Europ\u00e4ischen Union eigentlich mehr Vorteile oder mehr Nachteile, oder w\u00fcrden Sie sagen, die Vor- und Nachteile gleichen sich aus?\u201c Im Mai 2008, vor Ausbruch der Krise, sagten 21 Prozent, Deutschland habe durch seine EU-Mitgliedschaft mehr Vorteile, 31 Prozent sahen mehr Nachteile, eine relative Mehrheit von 38 Prozent meinte, die Vor- und Nachteile glichen sich wohl aus. Seitdem ist die Frage zehnmal wiederholt worden, und immer waren die Antworten praktisch die gleichen. Heute sagen 25 Prozent, die EU-Mitgliedschaft habe vor allem Vorteile, 27 Prozent glauben, die Nachteile \u00fcberw\u00f6gen.<\/p>\n<p>Auch wenn man die spontanen Assoziationen zum Stichwort \u201eEuropa\u201c erfragt, erh\u00e4lt man heute alles in allem die gleichen Antworten wie vor Beginn der Finanzkrise. Seit 2003 schwankt der Anteil derer, die sagen, man k\u00f6nne bei \u201eEuropa\u201c an Frieden denken, zwischen 67 und 85 Prozent. Heute liegt er bei 71 Prozent mitten in der gewohnten Bandbreite. Die Zahl derer, die beim Stichwort \u201eEuropa\u201c an Einheit denken, sank von 2008 bis 2012 von 50 auf 39 Prozent, doch der Wert von 2008 war auch im Vergleich zu fr\u00fcheren Jahren au\u00dfergew\u00f6hnlich hoch. Heute liegt die Zahl bei 43 Prozent und damit im Mittelfeld der Ergebnisse aus den vergangenen 12 Jahren. Auch der Anteil der B\u00fcrger, die mit \u201eEuropa\u201c Niedergang assoziieren, h\u00e4lt sich nach wie vor in engen Grenzen. Er stieg zwar von 2008 auf 2012 von 8 auf 19 Prozent, doch schon 2001 hatten 22 Prozent die gleiche Antwort gegeben. Heute sind es mit 15 Prozent wieder merklich weniger.<\/p>\n<h2>Die D-Mark-Anh\u00e4nger werden weniger<\/h2>\n<p>Auff\u00e4llig ist, dass das <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/europas-schuldenkrise\/umfrage-des-bankenverbandes-vertrauen-der-deutschen-in-den-euro-kehrt-zurueck-12269512.html\">Ansehen des Euros<\/a> in den Jahren, in denen oft von einer \u201eEuro-Krise\u201c die Rede war, nicht dauerhaft besch\u00e4digt worden ist. Zwar sank in der Zeit von 2009 bis 2011 die Zahl der Deutschen, die sagten, sie h\u00e4tten gro\u00dfes Vertrauen in den Euro, von dem bis dahin ungew\u00f6hnlich hohen Wert von 44 Prozent auf 17 Prozent, doch heute liegt er wieder bei 28 Prozent und damit auf dem seit langem gewohnten Niveau. Noch bemerkenswerter sind die Antworten auf die Frage \u201eH\u00e4tten Sie lieber wieder die D-Mark, oder w\u00fcrden Sie das nicht sagen?\u201c Seitdem die Frage im Jahr 2002 zum ersten Mal gestellt wurde, sagte stets eine deutliche Mehrheit der Befragten, ihnen w\u00e4re die D-Mark lieber als der Euro. Dies \u00e4nderte sich ausgerechnet im kritischen Jahr 2011, als zum ersten Mal der Anteil derjenigen, die sich die alte W\u00e4hrung nicht zur\u00fcckw\u00fcnschten, mit 44 Prozent gleich gro\u00df war wie die Zahl der D-Mark-Anh\u00e4nger. Heute sagen 50 Prozent, sie w\u00fcnschten sich die D-Mark nicht zur\u00fcck. Nur noch etwas mehr als ein Drittel, 35 Prozent, widersprechen.<\/p>\n<p>Man bekommt den Eindruck, dass die europ\u00e4ische Einigung f\u00fcr die Deutschen trotz aller Skepsis angesichts der finanziellen Risiken, die die Rettungsprogramme f\u00fcr die Krisenstaaten mit sich bringen, eher wichtiger geworden ist. Auf die Frage \u201eIst die Einigung Europas, die Europ\u00e4ische Union f\u00fcr Sie eher Anlass zur Freude oder eher zur Sorge?\u201c antworten heute 40 Prozent, die Einigung sei f\u00fcr sie ein Grund zur Freude. Das sind so viele wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr.<\/p>\n<p>Was ist der Grund f\u00fcr diese Entwicklung? Aufschluss geben hier die Reaktionen auf eine Frage, bei der die Interviewer eine Liste mit verschiedenen Aussagen \u00fcber die Europ\u00e4ische Union \u00fcberreichten, mit der Bitte an die Befragten, die Punkte zu nennen, die auch sie mit der EU verbinden. Die Frage wurde zum ersten Mal 2006 gestellt. Vergleicht man die damaligen Antworten mit den aktuellen, dann f\u00e4llt auf, dass die Befragten heute die meisten Punkte h\u00e4ufiger ausw\u00e4hlen als vor sieben Jahren, und zwar sowohl die negativen als auch die positiven. 2006 sagten 40 Prozent, die EU bedeute f\u00fcr sie eine wuchernde B\u00fcrokratie, heute meinen dies 60 Prozent. Regulierungswut verbanden vor sieben Jahren 32 Prozent mit der EU, heute sind es 60 Prozent. In der gleichen Zeit ist aber auch der Anteil derer, die beim Stichwort EU an Sicherheit vor Kriegen in Europa denken, von 55 auf 62 Prozent gestiegen, bei der Aussage \u201eEin Europa ohne Grenzen, in dem man ungehindert reisen und seinen Beruf aus\u00fcben kann\u201c, ist ein Zuwachs von 62 auf 72 Prozent zu verzeichnen.<\/p>\n<h2>Das Thema Europa n\u00fctzt der Union<\/h2>\n<p>Das bedeutet, dass die Schuldenkrise das Thema Europa mehr als bisher ins Bewusstsein der B\u00fcrger gehoben hat. Wie bei einer starken Produktmarke sind dabei die Vorstellungen von Europa, die lange Jahre verschwommen geblieben waren, vergleichsweise plastisch und lebendig geworden, mit ihren negativen, aber eben auch mit ihren positiven Aspekten. Es sieht so aus, als w\u00fcrde vielen Deutschen bewusst, was auf dem Spiel steht, wenn die europ\u00e4ische Integration scheitert. So stimmen 63 Prozent der Aussage zu \u201eTrotz aller Schwierigkeiten, die wir zurzeit in Europa haben, geh\u00f6ren wir Europ\u00e4er letzten Endes zusammen.\u201c<\/p>\n<p>Es ist anzunehmen, dass diese Haltung der Grund daf\u00fcr ist, dass der Erfolg der \u201eAlternative f\u00fcr Deutschland\u201c bisher sehr begrenzt geblieben ist. Wenn das Thema Europa im Wahlkampf Bedeutung erlangen sollte, d\u00fcrfte dies eher der CDU\/CSU n\u00fctzen, die die Bev\u00f6lkerung nach wie vor mit weitem Abstand vor allen anderen Parteien als die politische Kraft ansieht, die sich am meisten f\u00fcr Europa einsetzt. Und ein solcher Einsatz ist ganz im Sinne der Deutschen, die trotz allem letztlich wohl doch entschlossen sind, das Einigungswerk nicht scheitern zu lassen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/neue-allensbach-analyse-das-vertrauen-in-die-eu-waechst-12284506.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/neue-allensbach-analyse-das-vertrauen-in-die-eu-waechst-12284506.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Uneingeschr\u00e4nkt begeistert f\u00fcr \u201eEuropa\u201c sind die Deutschen nicht. Aber einfach nur schlecht finden sie es auch nicht. 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