{"id":18459,"date":"2013-08-22T12:33:44","date_gmt":"2013-08-22T12:33:44","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18459"},"modified":"2013-08-22T12:33:44","modified_gmt":"2013-08-22T12:33:44","slug":"das-beste-aus-zwei-welten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18459","title":{"rendered":"Das Beste aus zwei Welten"},"content":{"rendered":"<p>Die TransAcoustic-Technik von Yamaha verschmilzt Fl\u00fcgel und Digitalpiano &#8211; und kommt dabei ohne Lautsprecher aus. Das Ergebnis klingt beeindruckend.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Pianisten, denen ihr Instrument \u00fcber alles geht, haben ein Problem: ihre Nachbarn. Czerny-Et\u00fcden am fr\u00fchen Abend? Rachmaninow im Fortissimo nach 22 Uhr? Sp\u00e4testens bei Letzterem ist es mit dem Frieden im Mietshaus vorbei, und die sonst so schwerh\u00f6rige Frau aus der Wohnung im zweiten Stock klopft mit dem Besenstiel erbost den Takt mit.<\/p>\n<p>Als L\u00f6sung blieb Musikern, die auch abends \u00fcben wollen, bislang zweierlei: die Anschaffung eines Digitalpianos als Zweitinstrument, was Puristen kaum befriedigt, weil sie sich ungern an das ver\u00e4nderte Tastaturgef\u00fchl und den mitunter synthetischen Klang gew\u00f6hnen wollen. Oder aber die Aufr\u00fcstung des akustischen Instruments mit der \u201eSilent\u201c-Option. Mit dieser urspr\u00fcnglich von dem japanischen Unternehmen Yamaha erfundenen und seit langem verbreiteten Technik kann ein Klavier oder ein Fl\u00fcgel durch das Dr\u00fccken des mittleren Pedals stummgeschaltet werden. Eine Holzleiste verhindert dann, dass die H\u00e4mmer die Saiten anschlagen. \u00dcber optische Sensoren unter den Tasten wird stattdessen eine integrierte digitale Klangerzeugung angesprochen. Ein Segen f\u00fcr Klavierfans, die so nicht nur still \u00fcben, sondern auch einmal Streicher oder ein E-Piano auf ihrer gewohnten Klaviertastatur spielen sowie mehrere Kl\u00e4nge mischen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Eher Pragmatismus denn Hingabe<\/h2>\n<p>Trotzdem hatte die Silent-Technik bislang einen Haken: Um die digitalen Kl\u00e4nge zu h\u00f6ren, musste ein Kopfh\u00f6rer benutzt werden. F\u00fcr das stille \u00dcben von Et\u00fcden mag das vertretbar sein, aber was, wenn man sein Klavier nicht ganz stumm schalten, sondern nur auf Zimmerlautst\u00e4rke spielen will? Dann half nur der Anschluss externer Lautsprecher, was einen erheblichen Verkabelungsaufwand erfordert und im Wohnzimmer unsch\u00f6n aussieht. Auch entfaltet sich der digitale Ton nicht frei im Raum wie der akustische, der vom Resonanzboden des Klaviers erzeugt wird, sondern nur punktuell. Klavier spielen \u00fcber die Silent-Funktion, das war bisher eher eine Frage des Pragmatismus denn der musikalischen Hingabe.<\/p>\n<p>        \t                        \t<!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Doch das k\u00f6nnte sich mit der \u201eTransAcoustic\u201c-Technik geh\u00f6rig \u00e4ndern, die Yamaha Anfang des n\u00e4chsten Jahres auf den Markt bringen will. Sie k\u00f6nnte die Branche elektrisieren wie lange nichts mehr. Sie nutzt im Prinzip die herk\u00f6mmliche Silent-Technologie &#8211; das hei\u00dft, ein akustisches Klavier oder ein Fl\u00fcgel kann auf Pedaldruck stummgeschaltet werden, um dann \u00fcber einen Kopfh\u00f6rer die digitale Klangerzeugung zu benutzen. So weit, so bekannt. Das Revolution\u00e4re ist: Will man den digitalen Ton doch laut (das hei\u00dft auf nachbarschaftskompatibler Zimmerlautst\u00e4rke) h\u00f6ren, muss man diesen nicht mehr \u00fcber externe Lautsprecher verst\u00e4rken, sondern er wird wie der akustische durch den h\u00f6lzernen Resonanzboden des Instruments erzeugt. Dazu werden die Daten des Klangchips an einen \u201eTransducer\u201c weitergeleitet. Dieses kleine K\u00e4stchen ist unter dem h\u00f6lzernen Resonanzboden des Instruments befestigt und wandelt die digitalen Informationen in akustische Schwingungen um, die dann an den Resonanzboden weitergegeben werden.<\/p>\n<h2>Die Technik klingt beeindruckend<\/h2>\n<p>An und f\u00fcr sich ist diese Technik nicht neu &#8211; auch andere Hersteller wie der deutsche Klavierbauer Schimmel t\u00fcftelten in der Vergangenheit an einem \u00e4hnlichen System. \u201eWir haben die Idee nun konsequent zu Ende gedacht\u201c, sagt Yamaha-Produktmanager Thomas Hoffarth, der regelrecht ins Schw\u00e4rmen ger\u00e4t, wenn er von seinem neuesten Angebot spricht. Im Gegensatz zu anderen Systemen, die sich in der Vergangenheit an einer \u00e4hnlichen Technik versucht h\u00e4tten, werde der empfindliche Resonanzboden durch den Transducer so kaum belastet, erkl\u00e4rt Hoffarth.<\/p>\n<p>        \t                        \t<!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Doch wie klingt das in der Praxis? Absolut beeindruckend, wie ein Test an einem Prototyp in der Yamaha-Zentrale in Rellingen bei Hamburg zeigt. Schaltet man an dem C3-XTA-Fl\u00fcgel, der bis auf ein kleines, aus den herk\u00f6mmlichen Silent-Modellen bekanntes Bedienfeld unter dem Spieltisch mit einem normalen Fl\u00fcgel identisch ist, den akustischen Klang aus (nicht mehr mechanisch durch das Niederdr\u00fccken des mittleren Pedals, sondern durch eine \u201eMute\u201c-Taste, welche die Stoppleiste f\u00fcr die H\u00e4mmer mit einem kleinen Motor bewegt), wird die digitale Tonerzeugung aktiviert und der Klang kommt aus dem Inneren des Fl\u00fcgels wie bis dahin der akustische Ton. Ohne Lautsprecher, ohne zus\u00e4tzliche Verkabelung. Lediglich ein Stromkabel f\u00fchrt bei genauerem Hinsehen vom Transducer in die Steckdose.<\/p>\n<h2>Ein digitaler Klang, der lebt<\/h2>\n<p>Zum ersten Mal erleben wir so einen digitalen Klang, der von einem Resonanzboden erzeugt wird wie bei einem akustischen Instrument, der sich genauso im Raum verbreitet, der den Fl\u00fcgelkorpus genauso erbeben l\u00e4sst. Sogar die echten Saiten, die im Silent-Modus stummgeschaltet sind, vibrieren mit, als wir erst die digitale Klavier-Variante, danach eine Kirchenorgel und schlie\u00dflich ein dreckig-verzerrtes E-Piano spielen &#8211; und der Mann am Klavier bekommt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. \u00dcber einen Drehschalter kann die Lautst\u00e4rke des Klangs reguliert werden &#8211; von kaum h\u00f6rbar (was alle Pianisten in Mietwohnungen freuen wird) bis zu einer Lautst\u00e4rke, die der des akustischen Pendants kaum nachsteht.<\/p>\n<p>Noch mehr beeindruckt sind wir allerdings von der M\u00f6glichkeit, den akustischen Fl\u00fcgelklang gemeinsam mit der digitalen Klangerzeugung zu spielen. Auch das war schon bei herk\u00f6mmlichen Silentsystemen m\u00f6glich, nur kam der Klang jeweils aus verschiedenen Quellen &#8211; der akustische aus dem Instrument, der digitale aus externen Lautsprecherboxen. Das machte nicht nur das Abgleichen und Aussteuern schwierig, sondern verhinderte auch ein organisches Spielerlebnis.<\/p>\n<p>Schaltet man bei Trans Acoustic den akustischen Klang ein und aktiviert zugleich die digitale Klangerzeugung (indem die Mute-Taste unangetastet bleibt), werden beide Kl\u00e4nge gleichzeitig vom Resonanzboden erzeugt. Ein akustischer Fl\u00fcgelklang zusammen mit einem Fender Rhodes, und beide erklingen zusammen aus dem Inneren des Fl\u00fcgels &#8211; ein Erlebnis, das schlichtweg spektakul\u00e4r ist. Was auch daran liegt, dass sich die digitale Klangerzeugung durchweg auf sehr hohem Niveau bewegt. Die 19 Kl\u00e4nge entstammen beim Prototyp der neuesten Samplegeneration der SH-Silent-Modelle, die von hoher G\u00fcte ist und f\u00fcr den Fl\u00fcgelklang ein binaurales Sample des neuen CFX-Fl\u00fcgels verwenden. Bei dieser Aufnahmetechnik werden Mikrofone in den Ohren eines Dummys plaziert, um eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche R\u00e4umlichkeit der Aufnahme zu erzielen. Das Ergebnis kann sich absolut h\u00f6ren lassen.<\/p>\n<h2>Moderater Aufpreis von rund 1000 Euro<\/h2>\n<p>Da Trans Acoustic das Bedienfeld der Silent-Technik nutzt und damit \u00fcber einen normalen Midi- und Aux-in-Anschluss verf\u00fcgt, k\u00f6nnen theoretisch auch externe Klangerzeuger wie Soundmodule, ein Keyboard, ein Laptop oder ein CD-Player angeschlossen werden. Nicht zuletzt f\u00fcr Live-Auftritte erschlie\u00dfen sich so v\u00f6llig neue Perspektiven: Erg\u00e4nzt um ein Keyboard oder einen Synthesizer, der auf dem Fl\u00fcgel steht, wird dieser zum Masterkeyboard, auf dem bei Bedarf auch Synthesizer- oder Orgelkl\u00e4nge gespielt werden k\u00f6nnen &#8211; ohne zus\u00e4tzliche Lautsprecher. Auch im Wohnzimmer macht Trans Acoustic aus einem ehrw\u00fcrdigen Fl\u00fcgel ein modernes Entertainment-Zentrum, das nicht nur akustische und Digitalpiano-Kl\u00e4nge, sondern prinzipiell auch CDs oder Musik aus dem iPod abspielen kann.<\/p>\n<p>Zur Markteinf\u00fchrung von Trans Acoustic, die voraussichtlich im Februar oder M\u00e4rz 2014 erfolgen soll, haben Fl\u00fcgelfans allerdings erst einmal das Nachsehen. Anfangs soll die neue Technik nur in Yamahas U1-Klavier angeboten werden &#8211; f\u00fcr einen allerdings sehr moderaten Aufpreis gegen\u00fcber der herk\u00f6mmlichen Silent-Ausstattung von rund 1000 Euro. Nach Angabe von Yamaha stehen die Chancen aber gut, dass die Technik sp\u00e4ter auch f\u00fcr die Fl\u00fcgelmodelle angeboten wird.<\/p>\n<p>Nun werden Klavierpuristen sagen: Welch eine frevelhafte Entweihung und eine unn\u00fctze dazu: Wer will schon ein E-Piano oder Streicherkl\u00e4nge auf einem Fl\u00fcgel spielen, wer gar einen Synthesizer anschlie\u00dfen? Doch wir finden: Wer Trans Acoustic erlebt hat, der wird es lieben. Die Technik hat das Potential, die B\u00fchnen dieser Welt zu revolutionieren, sie verbindet das Beste aus zwei Welten. Und macht einen h\u00f6llischen Spa\u00df.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/audio-video\/transacoustic-von-yamaha-das-beste-aus-zwei-welten-12537540.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/audio-video\/transacoustic-von-yamaha-das-beste-aus-zwei-welten-12537540.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die TransAcoustic-Technik von Yamaha verschmilzt Fl\u00fcgel und Digitalpiano &#8211; und kommt dabei ohne Lautsprecher aus. Das Ergebnis klingt beeindruckend.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":50086,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[486,454],"tags":[665,1035],"class_list":["post-18459","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-video","category-technik-motor","tag-frieden","tag-yamaha"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18459","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18459"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18459\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18459"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18459"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18459"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}