{"id":18447,"date":"2013-10-03T12:33:40","date_gmt":"2013-10-03T12:33:40","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18447"},"modified":"2013-10-03T12:33:40","modified_gmt":"2013-10-03T12:33:40","slug":"antennenfernsehen-soll-nicht-sterben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18447","title":{"rendered":"Antennenfernsehen soll nicht sterben"},"content":{"rendered":"<p>Hat das terrestrische Fernsehen da \u00fcberhaupt noch eine Zukunft? ARD und ZDF wollen jedenfalls den Nachfolgestandard von DVB-T einf\u00fchren. Das ehrgeizige Projekt muss noch hohe H\u00fcrden nehmen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Vor vier Jahren stellten die letzten Sendet\u00fcrme in Deutschland ihre analoge Fernseh\u00fcbertragung auf die digitale Ausstrahlung nach dem Standard DVB-T um. Das \u00dcberallfernsehen, wie die Marketing-Leute die neue Infrastruktur nannten, startete mit Erfolg: Unkomplizierter Empfang auch mit portablen Ger\u00e4ten, eine Programmauswahl, die alles bei weitem \u00fcbertraf, was das analoge Antennenfernsehen je bieten konnte, das Ganze ohne laufende Kosten &#8211; all dies \u00fcberzeugte viele Zuschauer und lie\u00df ihre Zahl zun\u00e4chst sprunghaft steigen. Doch inzwischen bleibt DVB-T sowohl in der Bildqualit\u00e4t als auch in der Programmvielfalt immer deutlicher hinter dem rasant wachsenden und immer mehr in HD ausgestrahlten Angebot von Kabel, Satellit und IPTV zur\u00fcck. Die Sender der RTL-Gruppe werden ihre DVB-T-\u00dcbertragung Ende des n\u00e4chsten Jahres einstellen, in der Region M\u00fcnchen sind sie schon aus dem Angebot verschwunden.<\/p>\n<p>Hat das terrestrische Fernsehen da \u00fcberhaupt noch eine Zukunft? Eine interessante Antwort kommt in diesen Tagen von ARD und ZDF: Sie wollen von 2017 an auf den Nachfolgestandard DVB-T2 umstellen und damit den \u00e4ltesten \u00dcbertragungsweg wieder flottmachen. DVB-T2 nutzt das Frequenzspektrum effizienter: Es bringt je Megahertz bis zu einem Drittel mehr Daten ans Empfangsger\u00e4t. Und wenn man dann statt der heute verwendeten Videocodierung MPEG-2 eine Videokompression der \u00fcbern\u00e4chsten Generation einf\u00fchrt (angedacht ist der f\u00fcr k\u00fcnftiges Ultra-HDTV vorgesehene Standard HEVC), bietet das terrestrische Fernseh-Spektrum genug Bandbreite, um auch HDTV in konkurrenzf\u00e4higer Vielfalt auszustrahlen.<\/p>\n<h2>Die Bundesnetzagentur l\u00e4sst bereits \u00fcberpr\u00fcfen<\/h2>\n<p>Sind die Entwicklungsbedingungen des Antennenfernsehens damit wirklich dauerhaft gesichert? Zweifel sind berechtigt. Die f\u00fcr die weltweite Frequenzplanung zust\u00e4ndige World Radiocommunications Conference (WRC) will auf ihrer n\u00e4chsten Tagung im Jahr 2015 empfehlen, einen Teil der heute f\u00fcr DVB-T genutzten Frequenzen, n\u00e4mlich das sogenannte 700-Megahertz-Band zwischen 694 bis 790 Megahertz, f\u00fcr Mobilfunkdienste freizugeben. Die Bundesnetzagentur l\u00e4sst bereits \u00fcberpr\u00fcfen, ob und wie diese Umwidmung in Deutschland umgesetzt werden kann. Die ARD lehnt dieses Szenario strikt ab: Der Umstieg auf DVB-T2 erfordere eine l\u00e4ngere Phase der Parallelausstrahlung in alter und neuer Technik- daf\u00fcr sei das gesamte heutige Fernsehspektrum unverzichtbar. Dieser \u201eSimulcast\u201c aber, sagt die Bundesnetzagentur, funktioniere auch im reduzierten Spektrum. Dar\u00fcber streiten die Experten.<\/p>\n<p>Da lohnt sich ein Blick nach \u00d6sterreich. Dort ist DVB-T2 bereits seit April in der Luft &#8211; als Parallelangebot zur etablierten DVB-T-Ausstrahlung. Um dieses Projekt verwirklichen zu k\u00f6nnen, hat \u00d6sterreich auf die Umwidmung des 700-Megahertz-Bandes verzichtet. Interessant sind auch die Angebote und Gesch\u00e4ftsmodelle im Nachbarland. Unter dem Namen \u201eSimpliTV\u201c k\u00f6nnen die \u00d6sterreicher \u00fcber DVB-T2 ihre \u00f6ffentlich-rechtlichen Programme, die ARD, das ZDF, Pro Sieben und RTL in HD empfangen, dar\u00fcber hinaus viele weitere Programme in HD- und in Standardaufl\u00f6sung. Alle Programme sind verschl\u00fcsselt. ORF 1, ORF 2 und Servus TV gibt es kostenlos, alle \u00fcbrigen Angebote kosten zehn Euro im Monat. Verschl\u00fcsselung und Geb\u00fchr &#8211; unter diesen Pr\u00e4missen w\u00fcrden sich vermutlich auch die Privatsender in Deutschland an einer DVB-T2-Einf\u00fchrung beteiligen. Aber wie reizvoll ist der terrestrische Empfang dann noch? Vom Kostenaspekt abgesehen: Die Verschl\u00fcsselung verlangt nach einer Settop-Box mit Kartenleser oder nach einer passenden Ausstattung des station\u00e4ren Fernsehers. Damit aber entfielen die Hauptvorteile der Terrestrik, n\u00e4mlich der Empfang mit mobilen Ger\u00e4ten, etwa \u00fcber USB-Empfangssticks, und die umkomplizierte Versorgung des Zweitfernsehers in der K\u00fcche. Braucht man also einen Funk-\u00dcbertragungsweg, der eigentlich nicht anders funktioniert als der Kabelanschluss? Dar\u00fcber sollten die Sender lieber zweimal nachdenken.<\/p>\n<p>Vielleicht sollten sie sich auch ernsthaft mit einem futuristisch anmutenden Systemvorschlag auseinandersetzen, den Ulrich Reimers, Leiter des Instituts f\u00fcr Nachrichtentechnik an der Technischen Universit\u00e4t Braunschweig und quasi der Vater der DVB-Standards, mit seinem Team schon im vergangenen Jahr ver\u00f6ffentlicht und nun noch weiterentwickelt hat. Seine Idee l\u00e4uft auf eine Verheiratung von Digitalfernsehen und Mobilfunk hinaus: Auf der Basis des LTE-Standards \u00fcbernehmen Sendet\u00fcrme mit gro\u00dfer Reichweite (\u201eTower Overlay\u201c) die Verbreitung von Fernsehbildern &#8211; \u00fcber die Grenzen der engmaschigen Mobilfunkzellen und \u00fcber die Netze unterschiedlicher Mobilfunkbetreiber hinweg. Diese T\u00fcrme k\u00f6nnten in jenem Frequenzband funken, das heute noch ein Zankapfel zwischen Fernsehen und Mobilfunk ist, w\u00e4hrend die digitale Kommunikation in den kleinen Zellen und in einem wesentlich h\u00f6heren Frequenzbereich, etwa im 2,6-Gigahertz-Band, stattf\u00e4nde. LTE-Advanced, die j\u00fcngste Erweiterung des Standards, l\u00e4sst die gleichzeitige Nutzung von zwei unterschiedlichen Frequenzen mit einem Endger\u00e4t zu. Damit w\u00e4re DVB-T2 durchaus nicht obsolet: Die Braunschweiger Wissenschaftler wollen die f\u00fcr LTE-Ger\u00e4te gedachten Videoinformationen zus\u00e4tzlich in DVB-T2-Datenstr\u00f6men verpacken. Dann wertet jeder Empf\u00e4nger aus, was er verarbeiten kann: DVB-T2-Ger\u00e4te finden ihre Fernsehsignale, LTE-Smartphones deren digitale Ebenbilder f\u00fcr den Empfang nach der Mobilfunknorm. Eine charmante Idee, finden wir.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/audio-video\/nachfolge-von-dvb-t-antennenfernsehen-soll-nicht-sterben-12596810.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/audio-video\/nachfolge-von-dvb-t-antennenfernsehen-soll-nicht-sterben-12596810.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hat das terrestrische Fernsehen da \u00fcberhaupt noch eine Zukunft? ARD und ZDF wollen jedenfalls den Nachfolgestandard von DVB-T einf\u00fchren. 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