{"id":18445,"date":"2013-08-18T12:33:39","date_gmt":"2013-08-18T12:33:39","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18445"},"modified":"2013-08-18T12:33:39","modified_gmt":"2013-08-18T12:33:39","slug":"knapp-am-tod-vorbei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18445","title":{"rendered":"Knapp am Tod vorbei"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Jahr waren viele Kleinv\u00f6gel sp\u00e4t dran. Die erste Brut ging wegen des schlechten Wetters im Fr\u00fchling oft verloren. Besonders als Neunt\u00f6ter muss man Gl\u00fcck haben um zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Die vier jungen Neunt\u00f6ter haben Gl\u00fcck gehabt. Die Motorschere hat nur wenige Zentimeter vor ihrem Nest aufgeh\u00f6rt, die sch\u00fctzenden Zweige des Dornbuschs zu k\u00fcrzen. Dann hat der Heckenstutzer gemerkt, dass sich in dem gr\u00fcn belaubten Dickicht etwas r\u00fchrt. Einer der fast fl\u00fcggen Jungv\u00f6gel hat sich emporgereckt, w\u00e4hrend sich die drei Geschwister flach in das napfartige Nest gedr\u00fcckt haben. Da konnten die beiden Altv\u00f6gel in der N\u00e4he noch so laut zetern und hin und her fliegen: Das laute Summen und Rattern der Schere hat alle Warnlaute \u00fcbert\u00f6nt.<\/p>\n<p>Und eine vorherige \u00dcberpr\u00fcfung der Hecke unterlie\u00df der G\u00e4rtner fahrl\u00e4ssig. Immerhin hat der Heckenschneider einige Zweige vor das freigelegte Nest gesteckt und so f\u00fcr eine weitere Tarnung des Brutplatzes gesorgt. Da die jungen Neunt\u00f6ter wenige Tage sp\u00e4ter fl\u00fcgge waren, \u00fcberwanden die Eltern die St\u00f6rung und setzten die F\u00fctterung fort. Besonders in diesem Jahr waren viele Kleinv\u00f6gel sp\u00e4t dran. Die erste Brut ging wegen des schlechten Wetters im Fr\u00fchling oft verloren. Daher haben es mehr Singv\u00f6gel als sonst erst in fortgeschrittenem Fr\u00fchling zum zweiten Mal versucht.<\/p>\n<h2>Auch auch als Rotr\u00fcckiger W\u00fcrger oder Dorndreher bekannt<\/h2>\n<p>Nicht wenige Arten br\u00fcten ohnehin zweimal, auch wenn sie ihre erste Brut erfolgreich aufgezogen haben. Denn vom Legen des ersten Eis bis zum Ausfliegen der Jungen vergehen in der Regel nur etwa f\u00fcnf Wochen. Danach wird der Nachwuchs zwar noch etwas l\u00e4nger betreut, doch die Weibchen beginnen schon mit dem zweiten Gelege in einem neuen Nest. Daher tun alle Gartenbesitzer gut daran, ihre Hecken und B\u00fcsche erst von Anfang August an zur\u00fcckzuschneiden, zumindest aber vor einem fr\u00fcheren Beginn mit der entsprechenden Arbeit genau nachzuschauen.<\/p>\n<p>Die in fast ganz Europa bis nach Ostasien verbreiteten Neunt\u00f6ter, auch als Rotr\u00fcckige W\u00fcrger oder Dorndreher sowie unter knapp 150 weiteren Namen bekannt (die Walter W\u00fcst in seinem 1970 erschienenen Buch \u201eDie Brutv\u00f6gel Mitteleuropas\u201c zusammengetragen hat), geh\u00f6ren zu den Singv\u00f6geln, die aus ihren afrikanischen Winterquartieren in diesem Fr\u00fchjahr bis zu drei Wochen versp\u00e4tet zur\u00fcckgekehrt sind. Zumindest in Norddeutschland und Skandinavien kamen viele erst im Juni statt wie \u00fcblich im Mai an.<\/p>\n<p>Und nach der Ankunft hatten sie es wegen K\u00e4lte und Regen schwer, gen\u00fcgend Insekten als Nahrung zu finden. So schoben sie den Beginn der Brut oft bis in die zweite Junih\u00e4lfte oder gar zum Juli-Beginn hinaus. Die M\u00e4nnchen, mit rostbraunem R\u00fccken, leicht rosafarbenem Brust- und Flankengefieder, schwarzwei\u00dfem Schwanz und einem markanten schwarzen Augenstreif weit auff\u00e4lliger gef\u00e4rbt als die Weibchen, kommen einige Tage vor diesen in ihrem Brutrevier an.<\/p>\n<h2>Die Ortstreue l\u00e4sst manches Paar \u00fcber Jahre zusammenhalten<\/h2>\n<p>Dank der Wiederfunde vieler beringter V\u00f6gel wei\u00df man, dass Neunt\u00f6ter sowohl ihren einmal gew\u00e4hlten Brutgebieten als auch ihren Winterquartieren recht treu sind &#8211; vorausgesetzt, dass diese w\u00e4hrend ihrer Abwesenheit durch den Menschen nicht stark ver\u00e4ndert werden. Das geschieht immer wieder durch Eingriffe in naturnahe Landschaftselemente. Dornhecken und -b\u00fcsche mit Brach- oder Gr\u00fcnland in der Umgebung und Streuobstwiesen, die ein gutes Insektenangebot garantieren, sind bei \u201eLanius collurio\u201c besonders beliebt. Wo noch das Vieh auf die Sommerweide getrieben wird, siedelt sich ein Neunt\u00f6ter-Paar gerne an.<\/p>\n<p>Zur Ausschau nach Beute, zu der gelegentlich auch mal junge Singv\u00f6gel geh\u00f6ren, nutzen sie gerne erh\u00f6hte Sitzwarten, von denen sie ihre kurzen Jagdrundfl\u00fcge unternehmen. Nicht etwa gegenseitige Zuneigung, sondern die Ortstreue l\u00e4sst manches Paar \u00fcber Jahre zusammenhalten. Die M\u00e4nnchen stimmen einen zarten Balzgesang an, sobald sich ein Weibchen in der N\u00e4he zeigt. Mit Revierfl\u00fcgen und kleinen Futtergaben versucht es, die k\u00fcnftige Partnerin von der Qualit\u00e4t des Reviers zu \u00fcberzeugen, auch wenn sie schon ihre Wahl in den Jahren zuvor getroffen hat.<\/p>\n<p>Und da Neunt\u00f6ter im ersten Lebensjahr geschlechtsreif werden und bei guten Lebens- und Zugbedingungen mindestens neun Jahre alt werden k\u00f6nnen, ist eine recht lange Bindung eines Paares an eine einmal erw\u00e4hlte Brutheimat m\u00f6glich. Die Weibchen treffen einige Tage nach den M\u00e4nnchen ein. Sie lassen sich vom Revierm\u00e4nnchen geeignete Nistpl\u00e4tze zeigen, die sich auch in Kronen halbhoher B\u00e4ume befinden k\u00f6nnen. Wo das aus drei Materiallagen bestehende Nest schlie\u00dflich von beiden V\u00f6geln gebaut wird, bestimmt das Weibchen.<\/p>\n<p>Es sorgt auch alleine f\u00fcr die rund zweiw\u00f6chige Bebr\u00fctung der vier bis sechs Eier. Nach weiteren zwei Wochen verlassen die Jungen das Nest, werden danach aber weitere zwei bis drei Wochen von beiden Altv\u00f6geln noch mit Futter versorgt, um das sie lauthals betteln. Zu ihrem bedrohlich lautenden Familiennamen sind die mehr als 30 Arten der \u201eW\u00fcrger\u201c dank einer Verhaltensweise gekommen, die auch Eulen auszeichnet: Die Singv\u00f6gel mit dem Hakenschnabel w\u00fcrgen unverdauliche Nahrungsreste wie Chitinpanzer von K\u00e4fern oder Knochen kleiner M\u00e4use und Eidechsen wieder aus.<\/p>\n<p>Vom W\u00fcrger zum T\u00f6ter oder M\u00f6rder (\u201eNeunm\u00f6rder\u201c lautet ein weiterer Name des Rotr\u00fcckenw\u00fcrgers) ist die Spanne nicht weit. Den mit 18 Zentimetern K\u00f6rperl\u00e4nge etwa lerchengro\u00dfen V\u00f6geln wird nachgesagt, dass sie mitunter erst neun Beutetiere fangen und diese an einer Dornspitze oder Stacheldraht aufspie\u00dfen, bevor sie sie fressen. Auf diese Weise sorgen sie gelegentlich auch f\u00fcr an der Luft getrocknete Nahrungsvorr\u00e4te.<\/p>\n<h2>Nur jeder dritte junge Neunt\u00f6ter erreicht sein Winterquartier<\/h2>\n<p>In den vergangenen Jahrzehnten wird von den Vogelforschern ein kontinuierlicher R\u00fcckgang der Neunt\u00f6ter in Europa verzeichnet. Schon 1985 hatten der Naturschutzbund Deutschland und der Landesbund f\u00fcr Vogelschutz in Bayern die Art deshalb zum \u201eVogel des Jahres\u201c erkl\u00e4rt. Neben der intensiven gro\u00dffl\u00e4chigen Landwirtschaft, die der Insektenwelt starke Einbu\u00dfen gebracht hat und wenig Platz f\u00fcr naturnahe Brut- und Ansitzpl\u00e4tze l\u00e4sst, sind es auch der Vogelfang mit Leimruten und Netzen sowie der Abschuss in S\u00fcdeuropa und Nordafrika, welche die Reihen der Neunt\u00f6ter stark lichten.<\/p>\n<p>Besonders trifft das die Jungv\u00f6gel auf ihrem ersten Flug ins afrikanische Winterquartier, zu dem die meisten im September aufbrechen. Sie ziehen unabh\u00e4ngig von ihren Eltern nachts \u00fcber das Mittelmeer und landen vor allem an der \u00e4gyptischen K\u00fcste in einer Barriere von feinmaschigen Netzen der dortigen Vogelf\u00e4nger.<\/p>\n<p>Allenfalls jeder dritte junge Neunt\u00f6ter erreicht sein Winterquartier, das \u00fcber Zimbabwe bis nach S\u00fcdafrika reicht. Und h\u00f6chstens jeder vierte kommt heil nach Europa zur\u00fcck. Den im s\u00fcdlichen Deutschland selten vorkommenden Rotkopf- und Schwarzstirnw\u00fcrgern ergeht es nicht besser. Der Raubw\u00fcrger, mit 25 Zentimetern K\u00f6rperl\u00e4nge der gr\u00f6\u00dfte unter den hiesigen W\u00fcrgern, zieht zwar nicht nach Afrika. Aber auch ohne das Risiko langer Zugwege steht er auf der Roten Liste der bedrohten Arten.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/neuntoeter-knapp-am-tod-vorbei-12534880.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/neuntoeter-knapp-am-tod-vorbei-12534880.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Jahr waren viele Kleinv\u00f6gel sp\u00e4t dran. Die erste Brut ging wegen des schlechten Wetters im Fr\u00fchling oft verloren. 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