{"id":18441,"date":"2013-09-04T12:33:38","date_gmt":"2013-09-04T12:33:38","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18441"},"modified":"2013-09-04T12:33:38","modified_gmt":"2013-09-04T12:33:38","slug":"das-ende-des-patriarchats","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18441","title":{"rendered":"Das Ende des Patriarchats"},"content":{"rendered":"<p>In dem Bem\u00fchen \u00fcber die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist es bisher beim \u201eHerumdoktern\u201c an Symptomen geblieben. Die Probleme der Zukunft lassen sich nur l\u00f6sen, wenn Frauen und M\u00e4nner ihre F\u00e4higkeiten als gleichwertige Partner einbringen. Ein Gastbeitrag.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist seit Jahren ein zentrales Thema unserer gesellschaftlichen Diskussion gepaart mit einem \u201eHerumdoktern\u201c an Symptomen der dem \u00dcbel zu Grunde liegenden Krankheit ohne wesentlichen sichtbaren Therapieerfolg. Warum?<br \/>Im Wesentlichen wurde das Leben \u00fcber die Jahrtausende nur von M\u00e4nnern f\u00fcr M\u00e4nner gemacht und gedacht, da sich Frauen auf Grund ihrer Biologie in einer Rolle fanden, die fast ausschlie\u00dflich mit der Reproduktion befasst war.<\/p>\n<p>Frauen mussten geb\u00e4ren, am besten viele Kinder, damit die, die bei der hohen Kindersterblichkeit \u00fcberlebten, sich prim\u00e4r um die Eltern im Alter und sekund\u00e4r um den Stammeserhalt k\u00fcmmern konnten. Frauen konnten sich auch nicht anders entscheiden, da der Drang zur k\u00f6rperlichen Vereinigung untrennbar mit der Schwangerschaft verbunden war. Frauen waren zu schwach, sich vor der allgegenw\u00e4rtigen Gewalt von au\u00dfen zu sch\u00fctzen, zu schwach und zudem meist noch schwanger, um sich um mit schwerer k\u00f6rperlicher Arbeit verbundenen Nahrungsbeschaffung zu k\u00fcmmern. Lange stillend, existentiell f\u00fcr die Aufzucht des Nachwuchses,  fest in Haus und Hof verortet.<\/p>\n<p>Somit hatte der Mann, nur kurzfristig durch die Reproduktion abgelenkt, diese dabei nicht einmal im Sinn, sondern ein Nebenprodukt, auf Grund der k\u00f6rperlichen Statur, seiner Testosteron verursachten h\u00f6heren Aggressivit\u00e4t, sich um Schutz und Nahrungsbeschaffung zu k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Diese m\u00e4nnlichen Aufgaben sind heute nicht mehr gefragt. Denn seit der Industrialisierung werden schwere k\u00f6rperliche Arbeiten zunehmend von Maschinen geleistet. Und seit Carl Dyerassi durch die Entwicklung des k\u00fcnstlichen Gestagens ab den sechziger Jahren vielen die hormonale Geburtenregelung m\u00f6glich machte, konnten sich Frauen Zeit f\u00fcr Ihre eigene Qualifikation in fr\u00fcher M\u00e4nnern vorbehaltenen Berufsfeldern nehmen.<\/p>\n<h2>Die Frau hat es in der Hand<\/h2>\n<p>Nun ist Denken f\u00fcr alle das Leben steuernden Schritte das wichtigste Instrument. Will man die begonnene gesellschaftliche Umstrukturierung zum Erfolg f\u00fchren, muss umgedacht werden. Alle Bereiche des t\u00e4glichen Lebens m\u00fcssen von der Frau aus gedacht werden, denn sie hat es ma\u00dfgeblich in der Hand, ob unsere Gesellschaft sich weiter entwickelt, weiter besteht. Sie hat es in der Hand, ob Kinder geboren werden.<\/p>\n<p>Sich zu lieben und Kinder zu haben ist arterhaltend genetisch in uns verankert. Ist dieses uns nicht m\u00f6glich oder arbeiten wir dagegen, entstehen St\u00f6rungen bis hin zur Krankheit. Eine Vielzahl psychiatrisch relevanter Krankheiten ist verbunden mit Partnerschaftsproblemen. Viele Paare leiden, wenn sie keine Kinder bekommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gibt man Nagern in einer experimentellen Situation schlechte Lebensbedingungen, wird ihre Reproduktion gehemmt. Auch wenn wir Menschen komplexer sind als Nager, es sind wie wir S\u00e4ugetiere, werden auch wir Entscheidungen f\u00fcr Kinder nur f\u00e4llen, wenn die \u00e4u\u00dferen Bedingungen die Realisation des Kinderwunsches auch zulassen, wenn ein Kind die pers\u00f6nliche Lebenssituation nicht verschlechtert.<\/p>\n<p>Entgegen der politischen Praxis sind es nicht weitere Geldgaben, sondern die Wertsch\u00e4tzung durch die Gesellschaft, die Eltern fehlt. Wertsch\u00e4tzung kann leider nicht durch Gesetze verordnet werden kann. Aber eine Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen kann Wertsch\u00e4tzung in einem jahrelangen Prozess f\u00fcr die B\u00fcrger lohnend machen. Die Neurobiologie zeigt uns, dass wir Menschen das gerne tun, wof\u00fcr wir belohnt werden. Das Belohnungsprinzip k\u00f6nnte Maxime einer wertsch\u00e4tzenden Gesetzgebung sein.<\/p>\n<p>Unsere Vorfahren haben Kriege gef\u00fchrt, um Probleme zu l\u00f6sen oder von ihnen abzulenken.Unsere heutigen Probleme lassen sich so nicht l\u00f6sen. Der m\u00e4chtige Feind ist in unserem Kopf. Er lie\u00df nicht zu, dass aus der Gleichberechtigung in vielen Bereichen eine \u201eGleichbef\u00e4higung\u201c wurde, nachdem die \u201ePille\u201c den Frauen endlich ein den M\u00e4nnern ad\u00e4quates Lernen und K\u00f6nnen zum Wohle unserer Gesellschaft erm\u00f6glichte.<\/p>\n<p>Die Probleme der Zukunft lassen sich nur l\u00f6sen, wenn Frauen und M\u00e4nner ihre F\u00e4higkeiten als gleichwertige Partner einbringen. Sinngem\u00e4\u00df schreibt Blaise Pascal, dass wir mit zwei Augen immer nur vor einen Gegenstand schauen, mit vieren aber um ihn herumsehen k\u00f6nnen. Wie sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn diese Augen dann alles gemeinsam aus der weiblichen und m\u00e4nnlichen Perspektive sehen.<\/p>\n<h2>Der Beginn eines \u201eParentiarchat\u201c<\/h2>\n<p>Wir Menschen haben es in uns, zu erfinden und Erfundenes zu verbessern. So haben wir Maschinen, die Pille, das Internet und Vieles mehr. Mit den Folgen unserer Erfindungen tun wir uns etwas schwer. Wenig entwickelt sich so, wie wir es w\u00fcnschen. Statt Verweigerung ist konstruktive Begleitung gefragt. Sehen wir in diesen Entwicklungen nicht den Feind, sondern den ungest\u00fcmen Freund, der unserer erfahrenen Hilfe bedarf, um uns neue Weiten zu er\u00f6ffnen. In der n\u00f6tigen Gelassenheit und mit dem Blick von dem aus, um den es geht. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist kein einzelnes Ziel, sondern Teil der Entwicklung auf gutem Wege.<\/p>\n<p>Ordnet man die Symptome, erleichtert man eine Diagnose. So k\u00f6nnte aus dem \u201eHerumdoktern\u201c  eine erfolgreiche Therapie der zu Grunde liegenden Krankheit werden.<\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Ludwig Sp\u00e4tling ist Direktor der Frauenklinik, Klinikum Fulda sowie Vorstand der Deutschen Familienstiftung<\/em><\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/familienpolitik-das-ende-des-patriarchats-12559618.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/familienpolitik-das-ende-des-patriarchats-12559618.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dem Bem\u00fchen \u00fcber die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist es bisher beim \u201eHerumdoktern\u201c an Symptomen geblieben. Die Probleme der Zukunft lassen sich nur l\u00f6sen, wenn Frauen und M\u00e4nner ihre F\u00e4higkeiten als gleichwertige Partner einbringen. 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