{"id":18429,"date":"2013-09-11T12:33:36","date_gmt":"2013-09-11T12:33:36","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18429"},"modified":"2013-09-11T12:33:36","modified_gmt":"2013-09-11T12:33:36","slug":"kampf-gegen-imaginare-colts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18429","title":{"rendered":"Kampf gegen imagin\u00e4re Colts"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Amoklauf in Newton treibt die Waffenpolitik vieler amerikanischer Schulen seltsame Bl\u00fcten. Zweitkl\u00e4ssler, die Cowboy-und-Indianer spielen, werden vom Unterricht ausgeschlossen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Dass selbst unbedarfte Gesten wie ein ausgestreckter Zeigefinger unter dem nach oben gerichteten Daumen l\u00e4ngst kein Kinderspiel mehr sind, musste jetzt ein Elfj\u00e4hriger im amerikanischen Maryland erleben. Da der Junge w\u00e4hrend der Busfahrt zur Mill Creek Middle School in Lusby mit seinen Fingern einen Revolver nachahmte, durfte er wegen eines Versto\u00dfes gegen das Waffenverbot der Schule einen Tag nicht am Unterricht teilnehmen. Noch mehr Emp\u00f6rung rief bei Carin Read, der Mutter des Sechstkl\u00e4sslers, aber ein Eintrag in die Sch\u00fclerakte hervor, der den Jungen bis zum Ende der Schulzeit mit einem vermeintlichen Waffenvergehen in Verbindung bringt.<\/p>\n<p>\u201eEr hat niemanden bedroht und ist schon genug bestraft worden\u201c, schimpfte Read. Wie die \u201eWashington Post\u201c meldete, verweigert die Schulleitung aber die L\u00f6schung des Eintrags. Vor den Sommerferien war in Lusby schon ein Vorsch\u00fcler f\u00fcr zehn Tage vom Unterricht ausgeschlossen worden, da er in seinem Rucksack eine Spielzeugpistole mitbrachte. Nach Protesten der Eltern beschr\u00e4nkte die Schulverwaltung in Calvert County, etwa 60 Kilometer s\u00fcdlich von Washington, die Strafe immerhin auf drei Tage. Zudem wurde der Vermerk aus der Sch\u00fclerakte des F\u00fcnfj\u00e4hrigen gestrichen.<\/p>\n<h2>Eine Pausenbrot, das an eine Pistole erinnert<\/h2>\n<p>Nach dem Amoklauf in Newtown in Connecticut, wo ein Zwanzigj\u00e4hriger im vergangenen Dezember an der Sandy-Hook-Grundschule 20 Kinder und sechs Erwachsene erschoss, treibt die versch\u00e4rfte \u201eweapons policy\u201c vieler amerikanischer Schulen bizarre Bl\u00fcten. Im Schulbezirk Prince William in Virginia wurde im Februar ein Zweitkl\u00e4ssler vom Unterricht ausgeschlossen, nachdem er auf dem Schulflur mit einem Freund Cowboy und Indianer gespielt hatte. Die Begr\u00fcndung \u201eDrohung gegen andere oder sich selbst\u201c fiel in dieselbe Kategorie wie das Mitbringen einer echten Waffe in die Schule.<\/p>\n<p>Vier Wochen sp\u00e4ter knabberte ein Siebenj\u00e4hriger im Schulbezirk Anne Arundel in Maryland so lange an seinem mit Erdbeermarmelade beschmierten Pausenbrot, bis es an eine Pistole erinnerte. Als der Zweitkl\u00e4ssler das Brot mit dem Ausruf \u201ePeng peng!\u201c gegen die Decke richtete, wurde er wegen der Bedrohung seiner Mitsch\u00fcler verwarnt. Im Fall der 13 Jahre alten Angelina Branham blieb es nicht bei einer Verwarnung.<\/p>\n<p>Die Sch\u00fclerin der Ola Middle School in der Kleinstadt McDonough verbrachte in der vergangenen Woche zwei Tage in einem Jugendgef\u00e4ngnis des Bundesstaates Georgia, nachdem sie ihrer Lehrerin unaufgefordert zwei antike Brief\u00f6ffner in Messerform \u00fcbergeben hatte, die sie versehentlich zu Hause in den Rucksack gepackt hatte.<\/p>\n<h2>Unterrichtsverbot wegen einer Angelzeitschrift<\/h2>\n<p>Die Gegner strikterer Waffengesetze wie die Organisation \u201eGuns Save Life\u201c im Bundesstaat Illinois verweisen angesichts der Ausw\u00fcchse an Schulen immer wieder auf die \u201eHysterie\u201c vieler Amerikaner, die sich von strengeren Regelungen mehr Sicherheit versprechen. Der Schulbezirk Calvert, wo auch Reads Sohn mit der Waffengeste f\u00fcr einen Eklat sorgte, f\u00e4llt ungew\u00f6hnlich h\u00e4ufig durch harsche Strafen auf.<\/p>\n<p>Zu den mindestens zw\u00f6lf Sch\u00fclern, die dort in den vergangenen Monaten wegen vermeintlicher Waffenvergehen auffielen, z\u00e4hlt unter anderen ein Jugendlicher, der w\u00e4hrend einer Freistunde in einer Angelzeitschrift las. Da die Anzeige auf der R\u00fcckseite des Magazins ein Angelmesser zeigte, erhielt auch er ein Unterrichtsverbot. \u201eEs gab eine Reihe von Zwischenf\u00e4llen, die gezeigt haben, dass die aktuellen Vorschriften und Regeln nicht angemessen sind. Ich schlage vor, dass wir den gesunden Menschenverstand walten lassen\u201c, lie\u00df Joe Chenelly, ein Vertreter der Schulbeh\u00f6rde in Calvert County, jetzt wissen.<\/p>\n<p>Unter anderem sollten die Schulleiter der 23 \u00f6ffentlichen Schulen des Bezirks k\u00fcnftig abw\u00e4gen, ob die angeblichen St\u00f6renfriede \u00fcberhaupt b\u00f6se Absichten hegten. Zudem schlug Chenelly vor, die geistige Reife des Einzelnen zu ber\u00fccksichtigen. Auf der Konferenz der Schulbeh\u00f6rde am 10. Oktober steht eine entsprechende Neufassung der umstrittenen Waffenvorschrift 1515 auf der Tagesordnung.<\/p>\n<p>Die Schulverwaltung im etwa 120 Kilometer entfernten Baltimore hat die \u201ezero tolerance\u201c-Regelung nach Elternbeschwerden bereits abgeschafft. Anstelle eines Verweises werden Sch\u00fcler und Eltern k\u00fcnftig zu einem Gespr\u00e4ch eingeladen. Auch eine Spielzeugwaffe im Rucksack wird nicht l\u00e4nger grunds\u00e4tzlich mit dem Ausschluss vom Unterricht bestraft.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/waffengesetze-amerikanischer-schulen-kampf-gegen-imaginaere-colts-12569421.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/waffengesetze-amerikanischer-schulen-kampf-gegen-imaginaere-colts-12569421.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Amoklauf in Newton treibt die Waffenpolitik vieler amerikanischer Schulen seltsame Bl\u00fcten. 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