{"id":18355,"date":"2013-07-25T12:33:14","date_gmt":"2013-07-25T12:33:14","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18355"},"modified":"2013-07-25T12:33:14","modified_gmt":"2013-07-25T12:33:14","slug":"methankatastrophe-wiesentod-potsdam-eistanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18355","title":{"rendered":"Methankatastrophe, Wiesentod, Potsdam-Eistanz"},"content":{"rendered":"<p>Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update zu den neuen Prognosen \u00fcber die Weltwirtschaftskrise nach dem Permafrost-GAU.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">+++ 24. Juli. Russisches Methan k\u00f6nnte eine globale Kettenreaktion ausl\u00f6sen und eine Weltwirtschaftskrise verursachen. Dann n\u00e4mlich, wenn durch die Erderw\u00e4rmung die ostsibierischen Permafrostb\u00f6den auftauen und \u00fcber einen Zeitraum von nur zehn Jahren rund 50 Milliarden Tonnen des starken Treibhausgases Methan freisetzen. Die Folge w\u00e4re eine drastisch beschleunigte Erw\u00e4rmung der Atmosph\u00e4re, die Zwei-Grad-Erw\u00e4rmung \u00fcber dem vorindustriellen Niveau w\u00fcrde mindestens 35 Jahre f\u00fcher erreicht und die Volkswirtschaften insbesondere in den \u00e4rmeren L\u00e4ndern w\u00fcrden mehr oder weniger schnell kollabieren. Das alles steht in einem Kommentar, den Peter Wadhams, Chris Hope und Gail Whiteman in <a href=\"http:\/\/www.nature.com\/nature\/journal\/v499\/n7459\/full\/499401a.html\">\u201eNature\u201c<\/a> ver\u00f6ffentlicht haben. Die drei haben ihre Prognosen mit einer erweiterten Version des von Nicholas Stern (\u201eStern-Report\u201e) entwickelten  PAGE09-Modells ermittelt. Die von der Methankrise allein schon verursachte \u00f6konomische Bremsspur w\u00fcrde weltweit rund 60 Billionen Dollar kosten. Das ist knapp weniger als der gesamte gegenw\u00e4rtige Wert der Weltwirtschaft von 70 Billionen Dollar. \u201eDie Gesamtkosten, die durch das Abschmelzen der Arktis insgesamt entstehen, w\u00e4ren noch viel h\u00f6her\u201c, schreiben die drei Autoren. Vor diesem Hintergrund hat das amerikanische Repr\u00e4sentantenhaus gestern der Ausweitung der NSA-Spionageaktivit\u00e4ten zugestimmt. Jeder Quadratzentimeter des sibirischen Permafrosts wird jetzt von spziellen Satelliten und  ferngesteuerten amerikanischen Drohnen \u00fcberwacht. Die sibirische Schmelze gilt als ernste Bedrohung f\u00fcr Obamas Fernziel, die Kontrolle des Weltklimas wieder unter amerikanische Kontrolle zu bringen. Aus dem NSA-Hauptquartier hie\u00df es, genau das habe man mit den fl\u00e4chendeckenden Abh\u00f6rma\u00dfnahmen gemeint und nicht etwa die Email\u00fcberwachung unschuldiger Europ\u00e4er. +++  <\/p>\n<p>+++ 23. Juli. Die Populationen vieler Schmetterlinge sind dramatisch gesunken: seit 1990 um fast 50 Prozent auf den Wiesen zwischen der iberischen Halbinsel und dem Ural. Das hat die Europ\u00e4ische Umweltagentur EEA bekannt gegeben. Von den 17 f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.eea.europa.eu\/publications\/the-european-grassland-butterfly-indicator-19902011\">eine Studie <\/a>untersuchten Wiesenbewohnern sind acht Spezies in ihrer Populationsdichte stark r\u00fcckl\u00e4ufig, darunter der gew\u00f6hnliche Hauhechel-Bl\u00e4uling, Polyommatus icarus. Schuld daran ist die Intensivierung der Landwirtschaft und Verbuschung. Die  Wiesen gehen einfach verloren, und kein einziger Hinweis in dem Bericht, dass der Klimawandelt eine Rolle spielen k\u00f6nnte. \u201eBei solchen R\u00fcckg\u00e4ngen m\u00fcssen die Alarmglocken l\u00e4uten\u201c, schreibt Hans Bruyninckx, EEA Executiv-Direktor. Deshalb sollen Rasenm\u00e4her und Motorsensen mder Vergangenheit angeh\u00f6ren. Die EU-Kommission hat eine entsprechende Richtlinie angek\u00fcndigt, das Ausrotten der Wiesen m\u00fcsse ein Ende haben. In Br\u00fcssel rechnet man damit, auf diese Weise, 0,005 Prozent der j\u00e4hrlichen Kohlendioxidemissionen einzusparen sind &#8211; und keiner den Klimaschutz vergi\u00dft, wenn er an die Schmetterlinge denkt. +++ <\/p>\n<p>+++ 16. Juli. Anders als die Nachbarforscher vom Geoforschungszentrum (siehe 15. Juli) sind sich die Kollegen vom Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung (PIK) sicher: Die Zukunft der polaren Eisschilde Gr\u00f6nlands und der Antarktis ist  ausreichend gut prognostizierbar. F\u00fcnf Pressemitteilungen dazu, in deutsch und Englisch, sind in den vergangenen Stunden und Tagen angek\u00fcndigt und schlie\u00dflich ver\u00f6ffentlicht worden. \u201eJedes Grad an globaler Erw\u00e4rmung wird den Meeresspiegel zuk\u00fcnftig wahrscheinlich um mehr als 2 Meter erh\u00f6hen\u201c, hei\u00dft es in dem Begleittext zu einem Paper, das in den \u201eProceedings\u201c der amerikanischen Nationalakademie der Wissenschaften erschienen ist. F\u00fcr die Studie wurden Daten aus Sedimenten vom Meeresgrund und vergangener Uferlinien an K\u00fcsten herangezogen und anschlie\u00dfend in Modellexperimenten die Einfl\u00fcsse unterschiedlicher physikalische Parameter simuliert. Die Forscher, die in einem internationalen Team mitgearbeitet haben, glauben, dass ihre Eismodelle \u201edie zuk\u00fcnftige Entwicklung eines langfristigen Meeresspiegelanstiegs korrekt abbilden\u201c. Kurzfristige Schwankungen mitteln sich heraus.  Der Erw\u00e4rmungstrend wird demnach zum alles dominierenden Faktor: Vier Grad globale Temperaturerh\u00f6hung, die durchaus noch in diesem Jahrhundert erreicht werden k\u00f6nnten, w\u00fcrde bedeuten, dass langfristig drei Viertel des Meeresspiegelanstiegs  auf das w\u00e4rmebedingte Abschmelzen der beiden gro\u00dfen polaren Eisschilde zur\u00fcckzuf\u00fchren sei. Langfristig hei\u00dft: In zweitausend Jahren. Das ist schwer vermittelbar. Deshalb denkt  Anders Levermann vom PIK  praktisch und gegenwartsbezogen: \u201eGemessen in Legislaturperioden mag er zwar langsam sein, aber unausweichlich und somit wichtig f\u00fcr fast alles, was wir in K\u00fcstenn\u00e4he bauen  \u2013 und das noch f\u00fcr viele kommende Generationen.\u201c Eine sechste Pressemitteilung des PIK zur Sache mit einer Einladung ins Bundespresseamt, auf der die prognostizierten Eisschildkalamit\u00e4ten durch die Regierung offiziell best\u00e4tigt werden sollen,  wird noch im Laufe des Tages erwartet. +++<\/p>\n<p>+++ 15. Juli. Das Abschmelzen der Eismassen auf Gr\u00f6nland und in gro\u00dfen Teilen der Antarktis hat sich in den vergangenen Jahren zwar beschleunigt, dennoch ist es wissenschaftlich gesehen zumindest f\u00fcr Gr\u00f6nland noch zu fr\u00fch, sicher von einem langfristigen Trend zu sprechen. Das besagt eine Studie von Ben Wouters von der University of Colorado in Boulder, die er zusammen mit Forschern des Geoforschungszentrums Potsdam ver\u00f6ffentlicht hat. Im Mittelpunkt stand dabei die Datenauswertung aus neun Jahren direkte Eismassen-Messungen mit dem Schwerefeld-Satelliten \u201eGrace\u201c. Die Ergebnisse zeigen, dass sich in der zweiten H\u00e4lfte dieser j\u00fcngsten Dekade das Abschmelzen der Eispanzer im Schnitt fast verdoppelt hat \u2013 zusammen kommt man auf derzeit etwa 30 Milliarden Tonnen j\u00e4hrlich. Der Vergleich mit den rekonstruierten Eismasseschwankungen seit den siebziger Jahren aus anderen Datenquellen macht aber deutlich, dass zehn Jahre Beobachtung eigentlich zu kurz sind, um voraussagen zu k\u00f6nnen, ob die Entwicklung so beschleunigt weiter geht. Die Eisschilddicke k\u00f6nne nat\u00fcrlicherweise um mehrere hundert Milliarden Tonnen von Jahr zu Jahr variieren. Schwankungen der Schneef\u00e4lle und Meerestrom\u00e4nderungen spielen dabei die Hauptrollen. Mindestens zehn weitere Jahre m\u00fcsse man messen, bis sicherere Prognosen m\u00f6glich seien, schreiben die Wissenschaftler in \u201e<a href=\"http:\/\/www.nature.com\/ngeo\/journal\/vaop\/ncurrent\/full\/ngeo1874.html\">Nature Geoscience\u201c<\/a>. Zehn Jahre will der Weltklimarat aber mit seinem f\u00fcr den Herbst angek\u00fcndigten f\u00fcnften Weltklimabericht nicht warten. Deshalb hat man in Genf die Datensammlung der Grace-Satelliten einmal komplett kopiert und neu datiert. Nach der erweiterten Datensatzanalyse kommt der IPCC zum Schluss, dass die Beschleunigung der Polargletscherschmelze genau so weiter geht wie zuletzt. Und genau wie voraus gesagt. +++<\/p>\n<p>+++ 9. Juli. Am Pine-Island-Gletscher, dem l\u00e4ngsten und am schnellsten flie\u00dfenden Gletscher der Antarktis, hat sich eine Fl\u00e4che Schelfeis von der Ausdehnung Hamburgs gel\u00f6st und treibt als riesiger  gro\u00dfen Eisberges in der Amundsen-See. Das meldete das Team um Angelika Humbert vom <a href=\"http:\/\/www.awi.de\/de\/aktuelles_und_presse\/pressemitteilungen\/detail\/item\/huge_iceberg_breaks_away_from_the_pine_island_glacier_in_the_antarctic\/?cHash=7684c870dd31ff6c062419f3d94667a1\">Alfred-Wegener-Institut <\/a>in Bremerhaven. Die Frage, ob solche Abr\u00fcche auf den Klimawandel zr\u00fcckzuf\u00fchren seien, lie\u00df die Gletschermodelliererin ihre mehrere tausend Kilometer entfernten Kollegen von der AWI-Pressestelle wissen: \u201eDie Bildung von Rissen im Schelfeis und damit auch die Entstehung neuer Eisberge sind nat\u00fcrliche Vorg\u00e4nge.\u201c Sie f\u00fcgte allerdings hinzu: Neuerdings wird das Schelfeis der Westantarktis verst\u00e4rkt durch warmes Meerwasser untersp\u00fclt, das mit ver\u00e4nderten Winden \u00fcber der Amundsen-See herangetragen werde. \u201eW\u00fcrde der gesamte westantarktische Eisschild in den Ozean flie\u00dfen, h\u00e4tte dies einen weltweiten Meeresspiegelanstieg in H\u00f6he von etwa 3,3 Metern zur Folge\u201c, hei\u00dft es weiter. Das Schelfeis w\u00e4re weg, Simulationen \u00fcberfl\u00fcssig, auch Hamburg w\u00e4re bald verloren. Das alles muss verhindert werden.  Deshalb pl\u00e4diert die AWI-Modelliererin daf\u00fcr, dem nat\u00fcrlichen Schelfeissterben ein Ende zu setzen. Wie, das sollen weitere Simulationen zeigen. +++ <\/p>\n<p>+++ 4. Juli. Der Aussto\u00df von Kohlendioxid muss, um \u00f6kologisch nachhaltig zu wirken, doppelt so stark verringert werden, wie das die Kalkulationen f\u00fcr ein Zwei-Grad-Erw\u00e4rmungsziel vorsehen. Das ist das Ergebnis von Modellberechnungen, die Marco Steinacher, Fortunat Joos und Thomas Stocker von der Universit\u00e4t Bern in der Zeitschrift <a href=\"http:\/\/www.nature.com\/nature\/journal\/vaop\/ncurrent\/full\/nature12269.html\">\u201eNature\u201c<\/a> vorgelegt haben. Mit dem Berner Erdsystemmodell wurden mehr als 65.000 Einzelsimulationen  f\u00fcr 55 unterschiedliche Kohlendioxid-Emissionsszenarien in Ensemble-Simulationen vorgenommen. Das in der internaitonalen Klimapolitik seit Jahren angestrebte Temperaturziel von zwei Grad globaler Erw\u00e4rmung, das im ung\u00fcnstigsten Fall bis 2100 eingehalten werden sollte, reicht nach \u00dcberzeugung der Schweizer Forscher nicht aus, beispielsweise die Versauerung der Meere in den Griff zu bekommen. Wolle man nicht nur die Erw\u00e4rmung eind\u00e4mmen, sondern auch die Versauerung und  den Anstieg des Meeresspiegels begrenzen sowie die landwirtschaftlichen Ertragsausf\u00e4lle und den Verlust an fruchtbarem Boden, m\u00fcssten die klimapolitischen Ziele  schnell erweitert und  versch\u00e4rft werden. \u201eWeder gen\u00fcgend noch geeignet\u201c f\u00fcr einen globalen Umweltschutz, so lautet das Fazit der Forscher. Sechs Klimaziele haben sie definiert. Das kann allerdings erst der Anfang sein. Sieht man genau hin, ist auch das Schweizer Rezept noch ungeeignet, das Gletschersterben zu verhindern. In einer neuen Serie von Erdsystemmodellierungen soll die Rettung des Alpenschneehuhns in den touristentr\u00e4chtigsten Bergregionen der Schweiz simuliert werden. +++     <\/p>\n<p>+++ 2. Juli. Das Leck der globalen Klimaerw\u00e4rmung ist gefunden &#8211; zumindest eines von vielen m\u00f6glichen. Ein Drittel der \u00fcbersch\u00fcssigen Energie, die seit Anfang des vergangenen Jahrzehnts urch die Freisetzung von Treibhausgasen in die Atmosph\u00e4re angereichert wird, landet offenbar in der Tiefsee unterhalb von 700 Metern. Das hat ein britisch-amerikanisches Forscherteam um Kevin Trenberth vom National Center for Atmospheric Research in Boulder herausgefunden. Mit dem Befund k\u00f6nnte zumindest teilweise erkl\u00e4rt werden, weshalb der Klimawandel seit mehr als zehn Jahren ageschw\u00e4cht ist und gewisserma\u00dfen eine Pause eingelegt hat. Die Suche nach der \u201eMissing heat\u201c in den Beobachtungsdaten seit 1975 hat gezeigt, dass die Oberfl\u00e4chentemperaturen der Meere bis 2004 kontinuierlich gestiegen waren.  Danach stockte der Temperaturanstieg mehr oder weniger abrupt. Von da an erw\u00e4rmte sich in bis dahin nicht gekannter Schnelligkeit die Tiefsee zwischen 700 und 2000 Metern. Wie die Wissenschaftler in den \u201eGeophysical Research Letters\u201c (doi:10.1002\/grl.50382) berichten, ist die Ursache f\u00fcr diese Energieverlagerung noch nicht gefunden. Eine Ursache k\u00f6nnten Ver\u00e4nderungen der Winde \u00fcber den Meeresoberfl\u00e4chen sein.  Das ist nat\u00fcrlich ein schwerer Schlag f\u00fcr die Offshore-Industrie. Sie bef\u00fcrchtet nach den wilden Spekulationen um Windmanipulationen  einen Shitstorm gegen die gro\u00dfen Windparks, die schon l\u00e4nger im Verdacht stehen, den nat\u00fcrlichen Verlauf der globalen Luftstr\u00f6me massiv zu beeintr\u00e4chtigen. Eine Werbekampagne f\u00fcr die Windr\u00e4der wird damit  wahrscheinlicher. Arbeitstitel: \u201eWind, Wind, fr\u00f6hlicher Gesell\u201c. +++<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/klima\/klimaticker\/klimaticker-juli-methankatastrophe-wiesentod-potsdam-eistanz-12277339.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/klima\/klimaticker\/klimaticker-juli-methankatastrophe-wiesentod-potsdam-eistanz-12277339.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. 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