{"id":18347,"date":"2013-07-17T12:33:11","date_gmt":"2013-07-17T12:33:11","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18347"},"modified":"2013-07-17T12:33:11","modified_gmt":"2013-07-17T12:33:11","slug":"kill-krill","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18347","title":{"rendered":"Kill Krill?"},"content":{"rendered":"<p>Alle schienen sich einig zu sein beim Sondertreffen der Schutzkommission f\u00fcr die Antarktis in Bremerhaven. Zum Schluss hatten Russland und Wei\u00dfrussland dann doch Bedenken.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Mit 3,9 Millionen Quadratkilometern ging es um eine Meeresregion, die fast genauso gro\u00df ist wie die Europ\u00e4ische Union. Nur leben und wirtschaften in der EU 500 Millionen Einwohner, w\u00e4hrend in den eisigen Gew\u00e4ssern rund um die Antarktis kaum Menschen, aber ungez\u00e4hlte Pinguine, Wale, Robben, Albatrosse, Mini-Krebse und Fische ihren Lebensunterhalt bestreiten. Es ist eine der letzten Regionen der Erde, die Menschen bisher nur wenig ver\u00e4ndert haben.<\/p>\n<p>Daher wollten die 25 Mitglieder der Internationalen Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeressch\u00e4tze in der Antarktis (CCAMLR) dort ein gro\u00dfes System von Schutzgebieten einrichten. Auf einem Sondertreffen in Bremerhaven waren sich die Wissenschaftler nach langen Diskussionen noch am Montag einig, wie wichtig solche Zonen w\u00e4ren. Doch in den sp\u00e4teren politischen Verhandlungen wischten Russland und die Ukraine mit einem \u00fcberraschenden und fadenscheinigen rechtlichen Einwand die Erkenntnisse der Forscher vom Tisch. \u201eNiemand versteht, warum das passiert ist\u201c, sagt nun Bob Zuur vom WWF in Neuseeland. \u201eWir m\u00fcssen jetzt bis zum n\u00e4chsten Treffen im Oktober in Tasmanien ausf\u00fchrlich mit den Russen sprechen.\u201c Die Verhandlungen gehen also in die Verl\u00e4ngerung. Mit ged\u00e4mpften Optimismus &#8211; denn eigentlich waren sich alle Beteiligten schon 2011 einig, die Region zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<h2>Vom Krill h\u00e4ngt fast alles ab<\/h2>\n<p>\u201eDie Eisfl\u00e4chen der Antarktis liefern die Grundlagen f\u00fcr das \u00fcberquellende Leben im S\u00fcdpolarmeer\u201c, sagt Bob Zuur. Die kalte und damit schwere Luft \u00fcber dem ewigen Eis rauscht n\u00e4mlich als eiskalter Fallwind hinunter zum Meer. Dort treibt die Luft nicht nur Meeresstr\u00f6mungen an, die das Klima auf der gesamten Erde beeinflussen. Die Fallwinde k\u00fchlen auch das Wasser so stark ab, dass es bis auf den Grund des S\u00fcdpolarmeeres sinkt und die dort festgehaltenen N\u00e4hrstoffe aufwirbelt. Diese gigantische D\u00fcngerwolke und das Sonnenlicht ern\u00e4hren viele Algen und Bakterien, die wiederum h\u00e4ufig im Maul des Krill landen. Die winzigen Krebse kommen im kalten Wasser rund um die Antarktis in hellen Scharen vor und sind f\u00fcr viele gr\u00f6\u00dfere Tiere ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Sogar der Blauwal siebt die Winzlinge in seinem riesigen Maul aus dem Wasser.<\/p>\n<p>Auch Robben, Pinguine und viele Fische verputzen Krill f\u00fcr ihr Leben gern. Oder sie vertilgen Fische und andere Meerestiere, die sich von Krill ern\u00e4hrt haben. \u201eZu diesen Second-Hand-Krill-Fressern geh\u00f6ren zum Beispiel die Albatrosse, f\u00fcr die das S\u00fcdpolarmeer ein gro\u00dfes Buffet ist\u201c, sagt Zuur. Noch wichtiger ist dieser S\u00fcd-Ozean f\u00fcr die gro\u00dfen Wale, rund 80 Prozent von ihnen ern\u00e4hren sich in diesen Gew\u00e4ssern. Vom Krill h\u00e4ngt also nach Zuurs Worten fast das gesamte Leben im Meer vor der Antarktis ab. L\u00e4ngst aber fangen die Fischereiflotten nicht nur Fische in der Antarktis, sondern auch die kleinen Krebse. Krill taugt zwar nicht so recht f\u00fcr die Speisekarte der Menschen, ist aber ein ideales Futter f\u00fcr Aquakulturen und liefert Omega-3-Fetts\u00e4uren, die f\u00fcr Menschen gesundheitsf\u00f6rdernd sein sollen. Das wimmelnde \u00d6kosystem am Rande des ewigen Eises ist daher gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<h2>Schutzgebiete k\u00f6nnen die Meereswelt sch\u00fctzen<\/h2>\n<p>Unter anderem aus diesem Grund haben Neuseeland und die Vereinigten Staaten der CCAMLR-Kommission vorgeschlagen, 2,3 Millionen Quadratkilometer des Rossmeeres vor den Antarktis-Stationen der beiden L\u00e4nder als Schutzgebiet auszuweisen. Australien, Frankreich und die Europ\u00e4ische Union wollen sieben weitere Meeresregionen vor der K\u00fcste der Ost-Antarktis mit zusammen 1,63 Millionen Quadratkilometern ebenfalls in Schutzgebiete umwandeln, in denen kommerzieller Fischfang stark eingeschr\u00e4nkt werden soll. Eingeladen von der deutschen Regierung, diskutierten die CCAMLR-Mitglieder \u00fcber diese Vorschl\u00e4ge nun bis zum Dienstag in Bremerhaven.<\/p>\n<p>\u201eHinter CCAMLR aber stehen die gro\u00dfen Fischereinationen der Welt\u201c, sagt Tim Packeiser vom WWF in Hamburg. Zu den 25 Mitgliedern geh\u00f6ren Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland, Polen, Russland, China, Japan, Indien, Neuseeland, Australien, die Vereinigten Staaten, Brasilien, Argentinien, Chile und die Europ\u00e4ische Union. Zwar sind nur die Mitglieder v\u00f6lkerrechtlich an die Beschl\u00fcsse von CCAMLR gebunden. \u201eDie Beschl\u00fcsse eines solchen Kreises aber werden kleinere L\u00e4nder wohl ebenfalls ber\u00fccksichtigen\u201c, meint Meeres\u00f6kologe Packeiser. Zumal \u00fcber Satellitentechnik illegale Aktionen aufgedeckt werden k\u00f6nnen und bei Verst\u00f6\u00dfen L\u00e4nder wie Australien, Neuseeland, Frankreich oder S\u00fcdafrika notfalls auch ihre K\u00fcstenwache und Marine einsetzen k\u00f6nnen, um S\u00fcnder dingfest zu machen.<\/p>\n<p>Die mehr als 30 Naturschutzorganisationen wie WWF, Greenpeace, Deepwave und Whale and Dolphin Conservation (WDC), die sich zu einer \u201eAntarctic Ocean Alliance\u201c (AOA) zusammengeschlossen haben, sind daher \u00fcberzeugt davon, dass Schutzgebiete die einmalige Meereswelt im S\u00fcd-Ozean wirkungsvoll sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Zumindest, wenn die 23 anderen CCAMLR-Partner Russland und die Ukraine bis zum Oktober davon \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, ihre juristischen Einw\u00e4nde fallen zu lassen. Denn die Beschl\u00fcsse dieses Zusammenschlusses werden nur einstimmig gef\u00e4llt &#8211; es gibt also ein Vetorecht f\u00fcr jeden.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/natur\/schutz-fuer-die-antarktis-kill-krill-12285472.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/natur\/schutz-fuer-die-antarktis-kill-krill-12285472.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle schienen sich einig zu sein beim Sondertreffen der Schutzkommission f\u00fcr die Antarktis in Bremerhaven. 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