{"id":18339,"date":"2013-08-05T12:33:09","date_gmt":"2013-08-05T12:33:09","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18339"},"modified":"2013-08-05T12:33:09","modified_gmt":"2013-08-05T12:33:09","slug":"psyche-am-haken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18339","title":{"rendered":"Psyche am Haken"},"content":{"rendered":"<p>Was machen die nur mit unseren Lebensmitteln? Z\u00fcchten depressive Fische und behaupten, die Kiemenatmer k\u00f6nnten trotzdem keine Schmerzen empfinden. Etwas viel Forschergeist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Im Urlaub trifft man so viele Fische wie sonst im ganzen Jahr nicht. Leider enden diese Begegnungen selten harmonisch. Entweder man trifft sich am Buffet, das ist irreversibel und f\u00fcr den Fisch das, was heute als worst case gilt, oder der eine fl\u00fcchtet im Wasser vor dem anderen &#8211; was auf eine nach wie vor tiefsitzende zwischenartliche Intoleranz hindeutet. Und seien wir ehrlich: Auch das Aquarium ist ja in Wirklichkeit nur ein erzwungener Scheinfriede, der einige kritische Parallelen zur Sklavenhaltung aufweist.<\/p>\n<p>Als uns Neurobiologen vom Max-Planck-Institut vor kurzem dar\u00fcber unterrichteten, dass man in Martinsried schwerst depressive Zebrafische im Aquarium h\u00e4lt, um m\u00f6glicherweise Medikamente gegen stressbedingte Depressionen bei Mitmenschen entwickeln zu k\u00f6nnen, musste man, um ins Gr\u00fcbeln zu kommen, kein gro\u00dfer Anh\u00e4nger Schopenhauers und seiner Moralvorstellungen sein oder ein Fan des Dresdner Schriftstellers Ernst von Weber. Von ihm stammt das 1879 ver\u00f6ffentlichte Buch \u201eDie Folterkammern der Wissenschaft\u201c.<\/p>\n<p>Wobei zugunsten der Hirnforscher anzumerken ist, dass wir keineswegs sicher sein k\u00f6nnen, wie weit verbreitet die Fischdepression ohnehin schon unter den freilebenden Fischen in den sogenannten Taucherparadiesen ist. Alles, was es dazu braucht, angefangen vom Stresshormon bis zum entsprechenden Kortisolrezeptor, ist den Ermittlungen der Martinsrieder Neurobiologen zufolge im Nervenkonst\u00fcm der Fische angelegt und funktionst\u00fcchtig. Eine sorgf\u00e4ltig dosierte Einleitung von Antidepressiva, auch das haben die Martinsrieder Studien gezeigt, k\u00f6nnte die L\u00f6sung sein. Fluoxetin jedenfalls hat bei melancholischen Zebrafischen ganz gut gewirkt. Was zwar die Meerespsychologie voranbringt, aber die viel gravierendere Frage der Schmerzbehandlung ungel\u00f6st l\u00e4sst. Denken wir an die Myriaden gek\u00f6derter und im Netz zappelnder Fische oder an die am Teichrand gekeulten Tiere. Was ist mit ihren Emotionen? Ein internationales Team von Neurobiologen, Verhaltens\u00f6kologen und Fischereiwissenschaftlern hat sich nach der Analyse \u201ealler wesentlichen Studien\u201c grunds\u00e4tzliche Gedanken dazu gemacht. Fazit: Fische besitzen kein dem Menschen vergleichbares Schmerzempfinden. Was allerdings zu pr\u00e4zisieren ist. Denn Schmerzrezeptoren, Nozizeptoren, sind auch bei Fischen durchaus verbreitet. Aber die Reize, die damit wahrgenommen werden, gelangen nicht ins Bewusstsein, sie generieren kein \u201eSchmerzerleben\u201c, sagen die Forscher, denn Bewusstsein setzt eine Gro\u00dfhirnrinde voraus.<\/p>\n<p>Auf Eingriffe, die bei uns Menschen h\u00f6chst schmerzhaft w\u00e4ren, zeigen Fische keine Reaktion. Und Schmerzmittel sind praktisch wirkungslos. Kein Aspirin beim Angeln also, aber was ist mit den Emotionen, dem Leid? Vom Verhalten, sagen uns dazu die Fischforscher in der Zeitschrift \u201cFish and Fisheries\u201c, auf \u201ezugrunde liegende emotionale Zust\u00e4nde zu schlie\u00dfen ist grunds\u00e4tzlich problematisch\u201c. Was wohl hei\u00dfen soll: Depressive Fische sind Simulanten und die Psychologie nichts als emotionale Schleppnetzfischerei. Darf man so \u00fcber seine Mitgesch\u00f6pfe reden?<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/natur\/haben-depressive-fische-schmerzen-psyche-am-haken-12398529.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/natur\/haben-depressive-fische-schmerzen-psyche-am-haken-12398529.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was machen die nur mit unseren Lebensmitteln? Z\u00fcchten depressive Fische und behaupten, die Kiemenatmer k\u00f6nnten trotzdem keine Schmerzen empfinden. 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