{"id":18333,"date":"2013-06-24T12:33:07","date_gmt":"2013-06-24T12:33:07","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18333"},"modified":"2013-06-24T12:33:07","modified_gmt":"2013-06-24T12:33:07","slug":"der-deutsche-standard","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18333","title":{"rendered":"Der deutsche \u201eStandard\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Gr\u00fcne Gentechnik hat in Deutschland keine Zukunft. Angela Merkel hat das gerade noch einmal mit einer knappen Einlassung best\u00e4tigt. Doch ob diese Entscheidung durchzuhalten ist, wird sich erst weisen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">In einer ihrer wenigen, beachtlichen Einlassungen zur Gr\u00fcnen Gentechnik hat die Bundeskanzlerin vor kurzem die Beibehaltung deutscher \u201eStandards\u201c versprochen, sollte es tats\u00e4chlich zu einem Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten kommen. \u201eWir wollen jetzt nicht einfach Standards minimieren\u201c, sagte sie mit Blick auf die Lebensmittelvorschriften.<\/p>\n<p>Der Begriff Standard ist, au\u00dfer dass er den Wahlkampfmodus ihrer Ansprache verr\u00e4t, insofern bemerkenswert, als dieser Standard quantitativ eigentlich gar nicht weiter abzusenken ist. In Deutschland gibt es keine Gr\u00fcne Gentechnik mehr in der Anwendung. Nachzulesen und versehen mit einem kritischen Appell an die politische Vernunft ist das in der j\u00fcngsten Auflage des \u201eGentechnologieberichts\u201c der Berlin-Brandenburgischen Akademie.<\/p>\n<h2>Die Mehrheitsmeinung sticht<\/h2>\n<p>M\u00f6glicherweise hat die Kanzlerin aber weniger die wissenschaftlichen und landwirtschaftlichen Fakten gemeint als die verbraucher- und risikopolitischen Standards: Hier hat sich Deutschland in der Tat europ\u00e4isch hochgearbeitet in der Rangliste der Staaten, die das Vorsorgeprinzip radikal umdeuten: Gef\u00e4hrlich ist nicht, was wissenschaftlich als gef\u00e4hrlich ermittelt wurde, sondern was die Mehrheitsmeinung f\u00fcr gef\u00e4hrlich h\u00e4lt. In Umfragen ist Gentechnik gleich Gift.<\/p>\n<p>Das war schon immer so. Und wird es wohl bleiben, wenn Widerspr\u00fcche wie in der deutschen Gentechnik-Politik weiter kultiviert und wie jetzt zum Standard erhoben werden. Die liegen ja nicht nur beim Bund. Dass einerseits das Bundesforschungsministerium Gentechnikforschung finanziell f\u00f6rdert, das Landwirtschafts- und Verbraucherministerium andererseits die Etablierung eines \u201egentechnikfreien\u201c Deutschlands unterst\u00fctzt, ist ja nicht der einzige institutionalisierte Widerspruch. Die Paradoxien treten ja immer st\u00e4rker zutage, und zwar umso mehr, je klarer sich die Fronten verh\u00e4rten. Das ist beinahe unvermeidlich. Denn die Ausbreitung der Gentechnik schreitet weltweit voran, auf gut 400 Millionen Hektar werden inzwischen transgene Pflanzen angebaut.<\/p>\n<h2>Kampf ums Vertrauen<\/h2>\n<p>Schon l\u00e4ngst ist es kein Kampf um Aufkl\u00e4rung und Vernunft mehr, sondern um das von allen Autorit\u00e4ten hoch gehandelte Gut des Vertrauens. Der Aufbau der \u00f6ffentlichen Datenbank \u201eGrace\u201c, die am Ende alle Ergebnisse transparent machen und Aussagen \u00fcber Sinn und Grenzen wissenschaftlicher Methoden der Risikoermittlung zulassen soll, wird von den Gegnern der Gentechnik scharf attackiert. Der Vorwurf: Industrien\u00e4he und mangelnde Unabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>Gleichzeitig legen sich dieselben Verbraucherschutzgruppen m\u00e4chtig ins Zeug, wenn gentechnikkritische Forschung, die von \u00f6kologisch motivierten Sponsoren mitfinanziert wird, neue Risiken der transgenen Pflanzen ans Licht bringt. Interessanterweise wurde k\u00fcrzlich die Petition \u201eUnabh\u00e4ngige Risikoforschung zu gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzen\u201c von denselben Gruppen initiiert. Sie sollte daf\u00fcr sorgen, dass sich der Bundestag mit dem Thema besch\u00e4ftigt. Die Online-Petition war auch als Misstrauensvotum f\u00fcr Zulassungsbeh\u00f6rden und die etablierte Wissenschaft gedacht. Sie ist mit etwas \u00fcber dreitausend Unterzeichnern klar an den geforderten 50 000 Unterschriften gescheitert.<\/p>\n<h2>Woher die notwendigen Ertr\u00e4ge nehmen?<\/h2>\n<p>F\u00fcr die gentechnikkritische \u00d6ffentlichkeit um das Gen-ethische Netzwerk und die gro\u00dfen Umweltorganisationen gab es ein b\u00f6ses Erwachen. Sie haben gelernt: Die Prokura f\u00fcr unabh\u00e4ngige Wissenschaft liegt eben nicht selbstverst\u00e4ndlich in ihren H\u00e4nden. Auch das ein Widerspruch: Weltanschauliche Interessen vertreten und gleichzeitig wissenschaftliche Autonomie zu reklamieren, das hat schon immer nur eine politisierte Wissenschaft hervorgebracht, die das \u00f6ffentliche Misstrauen nur noch mehr herausfordert. Das erinnert an eine Anzeige j\u00fcngst in der amerikanischen Medienbranche: Mitarbeiter f\u00fcr einen \u201eunabh\u00e4ngigen gr\u00fcnen Umweltjournalismus gesucht\u201c.<\/p>\n<p>Wie weit der von der Kanzlerin gelobte &#8211; vermeintlich \u00fcberlegene &#8211; Gentechnik-Standard noch tragen wird, ist unklar. Vielleicht bis zur n\u00e4chsten Wahl oder zur \u00fcbern\u00e4chsten. Aber wenn zutrifft, was Wissenschaftler in der Zeitschrift \u201ePlos One\u201c (doi\/10.1371\/journal.pone.0066428) und j\u00fcngst auch die Klimaforscher um Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung in einem Weltbank-Bericht \u00fcber die Lage in Afrika und Teilen Asiens berichten, dann liegt die Frage nach den biopolitischen Standards l\u00e4ngst auf Wiedervorlage.<\/p>\n<p>In \u201ePlos One\u201c rechnet die Gruppe um Deepak Ray aus Minnesota vor, was zu tun sei,um das weltweite Hungerproblem bis 2050 zu l\u00f6sen. Nach Auswertung von mehr als zweieinhalb Millionen Daten \u00fcber Ertr\u00e4ge und Fl\u00e4chen kam heraus: Die Ertr\u00e4ge an Reis, Mais, Weizen und Sojabohnen m\u00fcssten weltweit um 100 Prozent gesteigert &#8211; also verdoppelt &#8211; werden. Mit den heutigen agrartechnischen M\u00f6glichkeiten wird das Ziel weit verfehlt. Mais-Ertr\u00e4ge k\u00f6nnten so maximal um 67 Prozent gesteigert werden, die von Sojabohnen um 55 Prozent, von Reis um 42 Prozent und von Weizen um 38 Prozent. Mit anderen Worten: Aktuelle Standards sind unbrauchbar, erst recht unter ethischen Gesichtspunkten.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/gruene-gentechnik-der-deutsche-standard-12243064.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/gruene-gentechnik-der-deutsche-standard-12243064.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00fcne Gentechnik hat in Deutschland keine Zukunft. 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