{"id":18331,"date":"2013-07-18T12:33:06","date_gmt":"2013-07-18T12:33:06","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18331"},"modified":"2013-07-18T12:33:06","modified_gmt":"2013-07-18T12:33:06","slug":"ein-fall-von-vernebelung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18331","title":{"rendered":"Ein Fall von Vernebelung"},"content":{"rendered":"<p>Machen E-Zigaretten das Rauchen wiedersalonf\u00e4hig? Die  Tabakindustrie wirbt  offensiv. Doch die vermeintlich \u201ecleane\u201c Variante hat das Zeug zur Einstiegsdroge.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Der Marlboro-Mann auf dem Pferd wird vermutlich nicht das Werbemarkenzeichen der neuen Zigaretten-Generation werden, aber vielleicht ein cooles Wesen aus der Matrix oder von der B\u00fchne der Techno-Szene. Jedenfalls ist \u201edas Spiel er\u00f6ffnet\u201c, wie Douglas Kamerow im \u201eBritish Medical Journal\u201c schreibt (doi: <a href=\"http:\/\/www.bmj.com\/content\/346\/bmj.f3418\">10.1136\/bmj.f3418<\/a>). Er ist wissenschaftlicher Herausgeber dieser Fachzeitschrift, fr\u00fcherer Chirurg und Wissenschaftler am weltweiten Forschungsinstitut RTI International, und was er meint, ist der Run auf die E-Zigarette.<\/p>\n<p>Vor rund zehn Jahren tauchte die elektronische Zigarette erstmals auf, 2006 wurde sie in Europa verf\u00fcgbar, inzwischen bedient sie offenbar ganz unterschiedliche Bed\u00fcrfnisse von Rauchern, und wom\u00f6glich weckt sie auch neue. Nichts zeuge mehr davon, dass es sich um einen riesigen Wachstumsmarkt mit besten Verdienstaussichten handele, als die Tatsache, dass die gro\u00dfen Tabakkonzerne damit beg\u00e4nnen, E-Zigaretten-Hersteller aufzukaufen oder eigene Produkte f\u00fcr ihr Portfolio zu entwickeln, wie Kamerow schreibt. 2010 wurden rund 750 000 E-Zigaretten verkauft, 2011 waren es bereits 2,5 Millionen und 3,5 Millionen im vorigen Jahr.<\/p>\n<p><strong>Rauchgenuss dank Akku<\/strong><\/p>\n<p>Rund zehn Prozent aller Raucher nutzen inzwischen die mittels Akku betriebenen Vernebelungs- oder Verdampfungssysteme, die mit herk\u00f6mmlichen Zigaretten nur noch die Form gemeinsam haben. Der Nutzer saugt an einem Mundst\u00fcck oder dr\u00fcckt eine Taste, dann wird aus einer Kartusche \u00fcber W\u00e4rmeeinwirkung von 65 bis 120 Grad Celsius Fl\u00fcssigkeit verdampft &#8211; mit Nikotinkonzentrationen von null bis 18 Milligramm pro Milliliter, zum Teil aber auch deutlich mehr. Mitunter sind Aromen beigef\u00fcgt, \u00fcber Tabakaroma als Imitat, Schokolade, Fruchtaromen, Aromen von alkoholischen Drinks, Eiscreme, Cola und etlichen mehr. Die Deklarationen der Hersteller sind uneinheitlich und nicht reguliert, im Internet kursieren au\u00dferdem Tipps f\u00fcr Mischungen Marke Eigenbau, zum Beispiel mit Wodka.<strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Keine Unbedenklichkeitsbescheinigung<\/strong><\/p>\n<p>Da Teer- und Tabakbestandteile fehlen, gilt die E-Zigarette als cleane Variante des Rauchens, aller sch\u00e4dlichen Wirkungen ledig, die dem Tabakrauch und nicht dem Nikotin zugeschrieben werden. Wie weit dieses gesundheitliche Saubermann-Image reicht, l\u00e4sst sich daran ablesen, dass in einem Werbespot eine Mutter mit Kind als Konsumentin gezeigt wird. Das gleichwohl die E-Zigarette keine Unbedenklichkeitsbescheinigung verdient, ist aus einem umfassenden Dossier ersichtlich, das das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) vor kurzem vorgelegt hat und das als PDF im Internet erh\u00e4ltlich ist (<a href=\"http:\/\/www.dkfz.de\/de\/tabakkontrolle\/download\/Publikationen\/RoteReihe\/Band_19_e-zigaretten_ein_ueberblick.pdf\">http:\/\/www.dkfz.de\/de\/tabakkontrolle\/download\/Publikationen\/RoteReihe\/ Band_19_e-zigaretten_ein_ueberblick.pdf<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Gesundheitsrisiko durch Defekte <\/strong><\/p>\n<p>Nicht nur die Tatsache, dass der Nikotingehalt schwankt und die Gefahr der Nikotinvergiftung infolge technischer Defekte besteht, ruft Bedenken hervor. Es gibt eine Vielzahl von Inhaltsstoffen, deren langfristige Nebenwirkungen unklar sind und \u00fcber deren Freisetzung sich die Wissenschaftler noch kein klares Bild machen konnten. Dazu z\u00e4hlt Propylenglykol als Vernebelungsmittel, Glyzerin, aber auch Nitrosamine, Formaldehyd, Acetaldehyd und Acrolein. Die drei letztgenannten Substanzen k\u00f6nnen Krebs erzeugen, au\u00dferdem wurden Metalle wie Nickel und Chrom in teilweise h\u00f6heren Konzentrationen gefunden als in herk\u00f6mmlichen Tabakzigaretten.<\/p>\n<h2>Eine Hilfe zur Entw\u00f6hnung?<\/h2>\n<p>Einerseits berichten die Nutzer zwar, dass sich ihr Gesundheitszustand gegen\u00fcber fr\u00fcher verbessert habe, sie husteten weniger, atmeten leichter, f\u00fchlten sich fitter. Andererseits berichten Wissenschaftler dar\u00fcber, dass der Konsum von E-Zigaretten den Atemwegswiderstand deutlich erh\u00f6hen kann. Fast achtzig Prozent der befragten Nutzer geben an, die E-Zigarette zu nutzen, um die Gefahren des herk\u00f6mmlichen Rauchens zu verringern oder von der Zigarette ganz loszukommen. Ob sie dazu aber wirklich taugt, ist nicht belegt, wie die umfassende Analyse dieser Frage in dem DKFZ-Bericht deutlich macht. In Deutschland geben sieben Prozent derjenigen Raucher, die aufh\u00f6ren m\u00f6chten, an, es mit E-Zigaretten zu versuchen, siebzehn Prozent nutzen andere Nikotinersatzprodukte, etwa Pflaster oder Kaugummi. Alle Stellungnahmen von Fachleuten laufen einhellig darauf hinaus, dass man derzeit nicht sagen kann &#8211; und es deshalb die Werbung zur E-Zigarette auch nicht behaupten d\u00fcrfe -, dass es sich tats\u00e4chlich um eine wirksame Entw\u00f6hnungshilfe handele.<\/p>\n<h2>Verf\u00fchrerische Glimmst\u00e4ngel<\/h2>\n<p>In j\u00fcngster Zeit weisen zudem einige Untersuchungen darauf hin, dass die E-Zigarette nicht nur als Alternative zur echten Tabakzigarette gesehen oder als Hilfsmittel genutzt wird, um mit dem Rauchen aufzuh\u00f6ren, sondern dass sie zu einer Art neuen Einstiegsdroge avancieren k\u00f6nnte. Zw\u00f6lf Prozent derer, die die E-Zigarette nutzen, rauchten fr\u00fcher nicht, davon sind je nach Studie etwa f\u00fcnf bis sieben Prozent Studenten oder junge Menschen unter 25 Jahren (\u201cDrug and Alcohol Dependence\u201c online, doi:10.1016\/j.drucalcdep.2013.05001). Je j\u00fcnger der Nutzer, desto positiver die Einstellung: In der Europ\u00e4ischen Union halten 27 Prozent der Bev\u00f6lkerung laut Eurobarometer die E-Zigarette f\u00fcr gesundheitssch\u00e4dlich, 35 Prozent stufen sie als harmlos ein, und ein Drittel hat keine Meinung dazu. Fragt man indes allein die unter F\u00fcnfundzwanzigj\u00e4hrigen, so halten 40 bis 45 Prozent das Produkt f\u00fcr unbedenklich. Hinzu kommt, dass das Verdampfungsverfahren ein \u201eHightech-Image\u201c vermittelt, der Dampf nicht schlecht riecht und keinen Mundgeruch verursacht- und schlie\u00dflich werden die Marken von bekannten und attraktiven Stars und S\u00e4ngern beworben. Das Equipment sieht elegant aus, und das Rauchen einer E-Zigarette ist nicht auf Flure und Toiletten verbannt &#8211; man darf sich damit allerorts sehen lassen und hat nicht das Image, die Luft zu verpesten und dem Nachbarn zu schaden. Das sieht Kamerow als die Ingredienzien an, die ein Produkt f\u00fcr die Jugend hinreichend verf\u00fchrerisch machen.<\/p>\n<p>Derzeit ist in den wenigsten L\u00e4ndern klar, wie die E-Zigarette einzustufen ist. Viele pl\u00e4dieren daf\u00fcr, sie wie Arzneimittel zu behandeln und entsprechenden Restriktionen zu unterwerfen, derzeit ist das aber auch hierzulande nicht geregelt, so dass sich Vertrieb, Werbung und Nutzung in einer rechtlichen Grauzone abspielen, hei\u00dft es im DKFZ-Bericht. Es gibt jedoch auch L\u00e4nder, in denen die E-Zigarette verboten ist, zum Beispiel in Brasilien, Norwegen und Singapur. Kamerow spricht sich daf\u00fcr aus, nicht zu warten, bis gekl\u00e4rt sei, wie die E-Zigarette juristisch definiert sei, ob Medizinprodukt, Arznei, Nahrungserg\u00e4nzungsstoff oder Lebensmittel. Schon jetzt solle die Werbung im Fernsehen verboten werden, es m\u00fcsse Altersbegrenzungen f\u00fcr die Nutzung geben, und das Nikotin-Dampfen m\u00fcsste mindestens ebenso stark besteuert werden wie das traditionelle Rauchen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/e-zigaretten-ein-fall-von-vernebelung-12283593.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/e-zigaretten-ein-fall-von-vernebelung-12283593.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Machen E-Zigaretten das Rauchen wiedersalonf\u00e4hig? Die Tabakindustrie wirbt offensiv. 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