{"id":18307,"date":"2013-10-02T12:33:00","date_gmt":"2013-10-02T12:33:00","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18307"},"modified":"2013-10-02T12:33:00","modified_gmt":"2013-10-02T12:33:00","slug":"eine-erfolgsgeschichte-mit-schattenseiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18307","title":{"rendered":"Eine Erfolgsgeschichte mit Schattenseiten"},"content":{"rendered":"<p>Lebertransplantationen zeigen gute Langzeitergebnisse. Dennoch deuten neue Zahlen auf einige Risikofaktoren hin.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Was angesichts des \u201eTransplantationsskandals\u201c vielfach in Vergessenheit ger\u00e4t: An erfahrenen Zentren vorgenommen, erzielen Lebertransplantationen exzellente Langzeitergebnisse. Das belegen die soeben ver\u00f6ffentlichten Erkenntnisse von Transplantationschirurgen um Peter Neuhaus und Wenzel Sch\u00f6ning von der Charit\u00e9 in Berlin. Wie sie zugleich verdeutlichen, gibt es eine Reihe von Risikofaktoren, die den l\u00e4ngerfristigen Behandlungserfolg zum Teil nachhaltig schm\u00e4lern. Am meisten ins Gewicht fallen demnach Leberzellkrebs als Behandlungsgrund, ferner eine schlechte Nierenfunktion und ein h\u00f6heres Alter.<\/p>\n<p>Was schon fr\u00fcher h\u00e4ufiger beobachtet wurde, geht nun auch aus einer zwei Jahrzehnte umspannenden Studie hervor. Eingegangen sind darin die Gesundheitsdaten von 311 Erwachsenen und zwei Jugendlichen, die zwischen 1988 und 1992 an der Charit\u00e9 eine neue Leber erhalten hatten und anschlie\u00dfend regelm\u00e4\u00dfig zur Nachsorge gekommen waren. Das Alter der Betroffenen betrug im Mittel 45 Jahre, reichte allerdings von vierzehn bis 66. Zu den h\u00e4ufigsten Ursachen f\u00fcr den Organersatz z\u00e4hlten eine Infektion mit Hepatitis C oder B, exzessiver Alkoholkonsum, eine Leberzirrhose unklarer Ursache, Leberkrebs und Autoimmunerkrankungen.<\/p>\n<h2>Infektionen mit schweren Folgen<\/h2>\n<p>Wie die Studienautoren im \u201eAmerican Journal of Transplantation\u201c (Bd. 13, S. 2384) ausf\u00fchren, lebten ein Jahr nach dem Eingriff noch 88 Prozent der Patienten, zehn Jahre danach noch 73 Prozent und zwanzig Jahre sp\u00e4ter noch 53 Prozent. Einige Patienten profitierten allerdings deutlich mehr als andere. So belief sich der Anteil an langfristig \u00dcberlebenden bei den unter drei\u00dfigj\u00e4hrigen Personen auf 76 Prozent, bei den \u00fcber 55-j\u00e4hrigen Frauen und M\u00e4nnern hingegen nur auf 36 Prozent. Nierengesunde wiesen zudem eine deutlich bessere Lebenserwartung auf als Nierenkranke und Frauen eine bessere als M\u00e4nner. Besonders schlecht schnitten in dieser Hinsicht Patienten mit Leberkrebs ab. Denn nur 25 Prozent der Betroffenen erreichten die Zwanzig-Jahres-Marke. Und bei den insgesamt 45 Personen, die aufgrund eines Transplantatversagens eine weitere Spenderleber ben\u00f6tigten, waren es vierzig Prozent.<\/p>\n<p>Was die Todesursachen betrifft, beruhte das Gros der Sterbef\u00e4lle auf schweren Infektionen, einem erstmals oder wiederholt ausbrechendem Krebsleiden oder arteriosklerotisch bedingten Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Schlaganf\u00e4llen und Herzinfarkten. Die t\u00f6dlichen Komplikationen waren dabei meist die Folge von Erkrankungen, die in geringerem oder h\u00f6herem Ausma\u00df mit der immunsuppressiven Therapie in Zusammenhang standen. Aber auch vermeidbare Einflussfaktoren leisteten hierzu teilweise einen wichtigen Beitrag. Dazu z\u00e4hlten einerseits ein ungesunder Lebensstil, etwa Rauchen, verbunden mit exzessivem Alkoholkonsum, andererseits aber auch eine unzureichende Behandlung von infarktf\u00f6rdernden Risikofaktoren: So wiesen 85 Prozent der Patienten zu hohe Blutdruckwerte auf, bei knapp der H\u00e4lfte lag der Blutfettgehalt deutlich oberhalb der Norm, und 45 Prozent brachten zu viele Pfunde auf die Waage.<\/p>\n<h2>Wichtige S\u00e4ulen f\u00fcr den Transplantationserfolg<\/h2>\n<p>Die guten Langzeitergebnisse der Berliner Transplantationschirurgen k\u00f6nnen sich &#8211; auch im internationalen Vergleich &#8211; sehen lassen. Im europ\u00e4ischen Mittel betr\u00e4gt der Anteil an Patienten, die zwanzig Jahre nach einer Lebertransplantation noch am Leben sind, n\u00e4mlich 43 Prozent, ist also deutlich niedriger. Dieser Durchschnittswert, der auf den Daten des 1968 etablierten Europ\u00e4ischen Lebertransplantationsregisters basiert, sagt zwar wenig aus \u00fcber die von den einzelnen Kliniken erbrachten Leistungen. Dass diese teilweise zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lassen, ist aber kein Geheimnis.<\/p>\n<p>Ob und wie gut Lebertransplantationen gelingen, liegt freilich nicht allein an den Fertigkeiten des Operationsteams. \u201eEine wichtige Rolle spielen daneben der Zustand des Transplantats und die gesundheitliche Verfassung des Patienten\u201c, sagt Neuhaus. Hier habe sich in den letzten Jahren aber viel ge\u00e4ndert. So stammten die Lebern zunehmend von Spendern h\u00f6heren Alters und von Personen, die l\u00e4ngere Zeit intensivmedizinisch versorgt wurden. Und auch die Organempf\u00e4nger seien heute meist \u00e4lter und kr\u00e4nker. \u201eAnders als in der Vergangenheit erhalten mittlerweile auch 65-J\u00e4hrige, mitunter sogar Siebzigj\u00e4hrige eine neue Leber.\u201c<\/p>\n<p><strong>Zu viele Zentren bergen Nachteile<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4ltere Patienten h\u00e4tten aber h\u00e4ufig Begleiterkrankungen, die sich ung\u00fcnstig auf die Lebenserwartung auswirkten. Verst\u00e4rkt wird dieser Effekt durch die Vergabepraxis nach dem Meld-Score, bei dem die Dringlichkeit mehr Bedeutung erh\u00e4lt als die Erfolgsaussichten. Neuhaus, der die Transplantationsforschung seit vier Jahrzehnten begleitet und gepr\u00e4gt hat, h\u00e4lt es daher f\u00fcr fraglich, ob Lebertransplantationen in Zukunft noch genauso gute Ergebnisse erzielen wie bisher. Umso wichtiger erscheint es daher, diese anspruchsvolle Therapie den Besten zu \u00fcberlassen. Denn nicht nur der Eingriff selbst, auch die immunsuppressive Behandlung erfordert erhebliches fachliches Know-how, das l\u00e4ngst nicht alle hiesigen Transplantationskliniken in hinreichendem Ma\u00dfe bereitzustellen verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Die gesamte Versorgung an einigen wenigen, entsprechend ausger\u00fcsteten Kompetenzzentren zu konzentrieren ist aus therapeutischer Sicht aber sehr viel sinnvoller, als die Nachbehandlung auszulagern, was derzeit oft geschieht. Ein zu dichtes Netz an Transplantationszentren schafft dar\u00fcber hinaus falsche Anreize: Um den Anforderungen der chirurgischen Fachgesellschaft zu gen\u00fcgen, m\u00fcssen die Zentren mindestens zwanzig einschl\u00e4gige Operationen im Jahr vornehmen. Je mehr Gerangel aber um die wenigen Spenderorgane besteht, desto gr\u00f6\u00dfer ist die Versuchung, mit Tricksereien den eigenen Patienten einen Vorteil zu verschaffen &#8211; eine Schw\u00e4che des Systems, die der Transplantationsskandal im vergangenen Jahr zutage gef\u00f6rdert hat.<\/p>\n<p>Und noch aus einem weiteren Grund sind zu viele Wettbewerber in der Transplantationsmedizin von Nachteil, ja buchst\u00e4blich ungesund. So konnten amerikanische Forscher nach Auswertung der Ergebnisse von rund 38 000 Lebertransplantationen zeigen, dass die Qualit\u00e4t der Behandlung mit der Zahl der konkurrierenden Zentren sinkt (\u201eLiver Transplantation\u201c, doi: 10.1002\/ lt.23561). Angesichts solcher Erkenntnisse stellt sich die Frage, wie lange man sich hierzulande noch so viele Transplantationszentren leisten kann und will.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/lebertransplantation-eine-erfolgsgeschichte-mit-schattenseiten-12598698.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/lebertransplantation-eine-erfolgsgeschichte-mit-schattenseiten-12598698.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lebertransplantationen zeigen gute Langzeitergebnisse. 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