{"id":18305,"date":"2013-10-08T12:32:59","date_gmt":"2013-10-08T12:32:59","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18305"},"modified":"2013-10-08T12:32:59","modified_gmt":"2013-10-08T12:32:59","slug":"alternativheiler-fur-die-krisengebiete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18305","title":{"rendered":"Alternativheiler f\u00fcr die Krisengebiete?"},"content":{"rendered":"<p>Die \u201eHom\u00f6opathen ohne Grenzen\u201c wollen die \u00c4rzteorganisationnachahmen und sto\u00dfen in Katastrophenregionen vor. Ein neuer Krieg umQuacksalberei droht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Das \u201aBritish Medical Journal\u2018 sollte erschossen werden\u201c, schreibt Laurie Willberg am 20. September in einem von vielen aufgebrachten Kommentaren. Wessen hat sich eine der weltweit besten Medizinfachredaktionen schuldig gemacht, dass dies derart heftige Tiraden evoziert? Es geht um Hom\u00f6opathie, genauer um einen Artikel von David Shaw von der Universit\u00e4t Basel, der in der britischen Fachzeitschrift die j\u00fcngsten Aktivit\u00e4ten der<\/p>\n<p>\u201eHom\u00f6opathen ohne Grenzen\u201c ger\u00fcgt hatte. Shaw vertritt in diesem eindeutig als Meinungsartikel gekennzeichneten Beitrag die Auffassung, dass die Arbeit hom\u00f6opathischer Heiler etwa in Katastrophenregionen wie Haiti oder auf dem afrikanischen Kontinent eher gesundheitlichen Schaden anrichten k\u00f6nnte, als dass sie hilfreich w\u00e4re (doi: 10.1136\/bmj.f5448).<\/p>\n<p>Dieser Text wurde auf der Website www.minnpost.com in einem Blog von Susan Perry referiert. Perry belegt die Hinweise von Shaw zus\u00e4tzlich mit Zitaten von der Website der Nordamerikasektion der \u201eHomeopaths Without Borders\u201c, auf der von kaum nachvollziehbaren Heilungen berichtet wird. So habe man einem drei Jahre alten Jungen mit trockenem Husten und einer Erkrankung der Harnwege, der in den Armen der Mutter lag, mit Phosphorus 200C im Handumdrehen geholfen: W\u00e4hrend noch Mutter und Schwester nach ihren eigenen Beschwerden befragt wurden, sei er bereits lachend wieder umhergelaufen.<\/p>\n<h2>Hom\u00f6pathie bei schwierigen Geburtsverl\u00e4ufen?<\/h2>\n<p>Infolge der Kritik an der mangelnden wissenschaftlichen \u00dcberpr\u00fcfbarkeit solch spektakul\u00e4rer Erfolge flogen die Fetzen \u2013 und virtuell die Kugeln \u2013 wie so oft im Schlagabtausch zwischen Hom\u00f6opathie und Schulmedizin. Shaw ist gelernter Bioethiker und hat mehrere kritische Arbeiten zur mangelhaften Wissenschaftlichkeit hom\u00f6opathischer Studien und zu deren Verwendung als Beweis f\u00fcr die Wirksamkeit hom\u00f6opathischer Arzneien ver\u00f6ffentlicht. \u201eMan hatte mich auf ein Symposion der ,Hom\u00f6opathen ohne Grenzen\u2018 nach Berlin eingeladen, an dem ich jedoch nicht teilnahm. Es war aber f\u00fcr mich der Anlass, mich mit der T\u00e4tigkeit von Hom\u00f6opathen in anderen Teilen der Welt auseinanderzusetzen\u201c, nennt Shaw die Begr\u00fcndung f\u00fcr seine Recherche. Er zeigte sich schockiert von Behauptungen auf der Website der Bewegung, dass etwa in Kenia die Hom\u00f6opathie bei schwierigen Geburtsverl\u00e4ufen Leben retten konnte.<\/p>\n<p>Weitere Eins\u00e4tze in ehemaligen Kriegs- und Katastrophengebieten zeigen Shaws Ansicht nach, dass man versuche, \u201eeinen Fu\u00df in die T\u00fcr zu bekommen in jenen Regionen, in denen zuvor keine Hom\u00f6opathie praktiziert wurde\u201c. Er r\u00fcgt die neben der deutschen Sektion ebenfalls starke nordamerikanische Abteilung der \u201eHomeopaths Without Borders\u201c daf\u00fcr, dass sie die \u00c4ra nach der Erdbebenkatastrophe in Haiti ausgenutzt habe, um im Rahmen humanit\u00e4rer Hilfe nicht nur die Hom\u00f6opathie zu praktizieren, sondern auch \u00f6rtliche Hilfskr\u00e4fte daf\u00fcr zu gewinnen und auszubilden. \u201eDie \u00c4hnlichkeit der Namensgebung mit der angesehenen Hilfsorganisation \u201e\u00c4rzte ohne Grenzen\u201c (\u201eM\u00e9decins Sans Fronti\u00e8res\u201c) ist mehr als auff\u00e4llig\u201c, moniert Shaw. Dass sich viele dar\u00fcber \u00e4rgern, zeigt die inzwischen kursierende Bezeichnung \u201eM\u00e9decins Sans M\u00e9decines\u201c f\u00fcr die global agierenden Hom\u00f6opathen (www.bmj.com\/content\/347\/bmj.f5448? tab=responses).<\/p>\n<h2>\u201eWestliche Quacksalberei\u201c<\/h2>\n<p>Shaw steht mit seinem Appell keineswegs allein da. Pharmakologen der Universit\u00e4ten in Utrecht und Amsterdam in den Niederlanden warnen ebenfalls davor, \u201ewestliche Quacksalberei\u201c nach Afrika zu exportieren, die dann dort lokale, bew\u00e4hrte traditionelle Heilmethoden verdr\u00e4ngte (\u201eTropical Medicine and International Health\u201c Bd.18, S.242). Anlass f\u00fcr ihre Warnung war der erste panafrikanische Hom\u00f6opathiekongress im Mai 2012. Die niederl\u00e4ndischen Wissenschaftler nennen es impertinent und schamlos, dass auf einschl\u00e4gigen Internetseiten der Vereinigung \u201eHomeopathy for Health in Africa\u201c behauptet wird, man k\u00f6nne Aids und Malaria mittels Hom\u00f6opathie heilen. So weit versteigt sich die deutsche Sektion der \u201eHom\u00f6opathen ohne Grenzen\u201c ganz offensichtlich nicht und stellt auf ihrer Website (http:\/\/www.homoeopathenohnegrenzen. de\/) aus \u201egegebenem Anlass\u201c klar: \u201eIm Falle von HIV-Infektionen fehlt bis heute der wissenschaftliche Nachweis einer Wirksamkeit hom\u00f6opathischer Therapie.\u201c<\/p>\n<p>Was die \u00f6ffentliche und finanzielle Unterst\u00fctzung angeht, befinden sich die deutschen Hom\u00f6opathen nach wie vor \u2013 verglichen mit ihren Mitstreitern in Gro\u00dfbritannien \u2013 in einer ungleich komfortableren Position. Die deutsche Techniker Krankenkasse zahlt beispielsweise seit dem Jahr 2012 ihren Kunden auch hom\u00f6opathische Therapien und wirbt mit diesem Service. Der \u201eDeutsche Zentralverein hom\u00f6opathischer \u00c4rzte\u201c begr\u00fc\u00dfte seinerzeit diese Entscheidung, nicht zuletzt adelt die Kosten\u00fcbernahme durch eine Krankenkasse eine Therapie als n\u00fctzlich. Auch davor warnt Shaw, der sich mit anderen seit Jahren daf\u00fcr starkmacht, dass diese Therapieformen nicht auch noch die Unterst\u00fctzung des Britischen Gesundheitsfonds, des National Health Service (NHS), erhalten. Damit ist es seit dem Jahr 2009 nicht mehr so weit her. Denn seinerzeit hatte das Wissenschafts- und Technikkomitee des Britischen Parlamentes sich \u00fcber die wissenschaftliche Evidenz hom\u00f6opathischer Verfahren kundig gemacht. \u201eUnethisch, unzuverl\u00e4ssig und sinnlos\u201c lauteten die Fachurteile seinerzeit. Der zunehmende Skeptizismus auf der Insel hat erst in j\u00fcngster Zeit wieder Folgen gezeitigt: Die zweitgr\u00f6\u00dfte schottische Abteilung des NHS (Lothian) finanziert in Zukunft keine hom\u00f6opathischen Therapien mehr \u2013 sie beruft sich bei ihrer Entscheidung ausdr\u00fccklich darauf, dass 72 Prozent der Bev\u00f6lkerung der Region dies begr\u00fc\u00dfen (\u201eThe Scotsman\u201c vom 27. Juni 2013). Das macht verst\u00e4ndlich, warum auch in der Hom\u00f6opathie globale M\u00e4rkte an Attraktion gewinnen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/homoeopathie-alternativheiler-fuer-die-krisengebiete-12608083.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/homoeopathie-alternativheiler-fuer-die-krisengebiete-12608083.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u201eHom\u00f6opathen ohne Grenzen\u201c wollen die \u00c4rzteorganisationnachahmen und sto\u00dfen in Katastrophenregionen vor. 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