{"id":18273,"date":"2013-09-12T12:32:47","date_gmt":"2013-09-12T12:32:47","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18273"},"modified":"2013-09-12T12:32:47","modified_gmt":"2013-09-12T12:32:47","slug":"eine-million-kugelstoser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18273","title":{"rendered":"Eine Million Kugelsto\u00dfer"},"content":{"rendered":"<p>Das Deutsche Sportabzeichen, die Fitnessauszeichnung f\u00fcr Freizeitsportler, wird 100. Heinz Otten ist ein Pionier: 60 Mal hat er die Pr\u00fcfungen abgelegt. Er erinnert sich an improvisierte Bedingungen in den Nachkriegsjahren und viele Sommermonate auf dem Trainingsgel\u00e4nde.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Um die Troph\u00e4en ging es Heinz Otten eigentlich nie, viel mehr ging es ihm um den Spa\u00df. Trotzdem, man merkt ihm den Stolz an, wenn er von den zahlreichen Urkunden erz\u00e4hlt, die an der Wand seiner Bremer Wohnung h\u00e4ngen, und von den ovalen goldgl\u00e4nzenden Anstecknadeln in Form eines Lorbeerkranzes, die sich \u00fcber die Jahre bei ihm angesammelt haben. Auf einem der Anstecker ist nicht nur das Logo des Deutschen Olympischen Sportbundes zu erkennen, sondern auch die Zahl 60. So h\u00e4ufig hat der Einundachtzigj\u00e4hrige in seinem Leben das Deutsche Sportabzeichen abgelegt &#8211; und zwar in Folge, Jahr f\u00fcr Jahr, ohne Unterbrechung von 1951 bis zum Jahr 2011. \u201eSoweit ich wei\u00df, hat mir das noch keiner nachgemacht\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>100 Jahre ist es her, dass die \u201eAuszeichnung f\u00fcr vielseitige Leistungen auf dem Gebiete der Leibes\u00fcbungen\u201c &#8211; wie das Sportabzeichen damals hie\u00df &#8211; erstmals vergeben wurde: am 7. September 1913 anl\u00e4sslich des Jugend-Spielfestes in Berlin, damals an 22 Sportler. Mitgebracht hatte die Idee von einem \u201eSportorden f\u00fcr jedermann\u201c der Sportfunktion\u00e4r Carl Diem aus Schweden. Und die Idee hat sich gehalten, bis heute ist das Deutsche Sportabzeichen die einzige Auszeichnung in der Bundesrepublik, die au\u00dferhalb des Wettkampfsports die Fitness von Freizeit-, Schul- und Betriebssportlern \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n<h2>Geschichte des Sportabzeichens<\/h2>\n<p>Allerdings war es zu Beginn nur M\u00e4nnern verg\u00f6nnt, eine Urkunde f\u00fcr ihre k\u00f6rperliche Ert\u00fcchtigung zu erhalten. Erst 1921 wurde das Sportabzeichen dann auch f\u00fcr Frauen eingef\u00fchrt. Und die Deutschen h\u00fcpften, sprangen, rannten und warfen gerne f\u00fcr ein wenig Ruhm. Das zeigten steigende Teilnehmerzahlen und \u00fcber 200 000 Verleihungen in den Anfangsjahren. 1933 entdeckten die Nationalsozialisten das Sportabzeichen dann f\u00fcr sich und setzten es unter dem Namen \u201eDeutsches Reichssportabzeichen f\u00fcr die Gesunderhaltung der Bev\u00f6lkerung\u201c f\u00fcr ihre eigenen, \u00fcblen Zwecke ein.<\/p>\n<p>Erst einige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges beschloss der Deutsche Sportbund 1951 die Wiedereinf\u00fchrung eines bundeseinheitlichen Sportabzeichens. \u201eDie Voraussetzung und vor allem die Ausstattung der Anlagen damals waren aber meilenweit von den heutigen entfernt\u201c, sagt Heinz Otten, der von diesen fr\u00fchen Tagen an schon dabei war.<\/p>\n<h2>Improvisierte Bedingungen in Nachkriegsjahren<\/h2>\n<p>Seine ersten Pr\u00fcfungen legte er unter improvisierten Bedingungen ab. Wer sich wie er in den Nachkriegsjahren seine sportliche Leistung beurkunden lassen wollte, musste kreativ sein, um die Pr\u00fcfung \u00fcberhaupt ablegen zu k\u00f6nnen. \u201eBeim Stabhochsprung beispielsweise waren die Sprungst\u00e4nder in unserem Verein nicht hoch genug- deshalb mussten wir sie auf Anh\u00e4nger und Kisten stellen, bevor wir dar\u00fcberspringen konnten\u201c, erz\u00e4hlt Otten im tiefsten Bremer Schnack. Auch beim Kugelsto\u00dfen war Improvisation gefragt, denn einen Sto\u00dfring gab es nicht- Otten l\u00f6ste das Problem pragmatisch und besorgte von einer Baustelle Fertigbeton, mit dem der Ring gestaltet werden konnte.<\/p>\n<p>Wenn n\u00f6tig, transportierte der sportliche Norddeutsche seinen vier Meter langen Bambusstab zum Hochspringen auch mal auf dem Fahrrad quer durch die Stadt zur Wettkampfst\u00e4tte. Otten ist ein echter Pionier des Sportabzeichens, der viel zu erz\u00e4hlen hat- bei der Frage jedoch, was sich au\u00dfer den Sportanlagen beim Sportabzeichen in den vergangenen sechzig Jahren noch ver\u00e4ndert hat, h\u00e4lt er kurz inne: \u201eEigentlich nichts, denn im Kern geht es um die Freude an der Bewegung und den Reiz der vielf\u00e4ltigen Sportarten.\u201c Das seien auch die Gr\u00fcnde gewesen, die ihn jedes Jahr bis ins hohe Alter aufs Neue motiviert h\u00e4tten, anzutreten und H\u00f6chstleitungen zu erbringen.<\/p>\n<h2>Sommermonate auf dem Trainingsgel\u00e4nde<\/h2>\n<p>\u00c4hnlich sehen es offenbar viele andere Deutsche. In den Jahren 2008 und 2009 legten erstmals mehr als eine Million von ihnen das Sportabzeichen ab. Etwa die H\u00e4lfte der Sportler, die sich zum Springen, Schwimmen und Laufen anmelden, schafft es auch.<\/p>\n<p>Den Bremer Otten hat der Sport den gr\u00f6\u00dften Teil seines Lebens begleitet. Er hat ihn dazu bewegt, die Sommermonate auf dem Trainingsgel\u00e4nde zu verbringen oder in 104 Runden um den Sportplatz einen Marathon zu absolvieren. Er ist Kanu gefahren, \u00fcber sechs Meter gesprungen und 300 Meter in rund sechs Minuten geschwommen. Doch jetzt ist Schluss. Das 61. Sportabzeichen war in Planung, aber \u201eeine Erkrankung hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht\u201c, sagt Otten. Es gehe einfach nicht mehr. Aber auch das m\u00fcsse man akzeptieren. Als Sportsmann.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/leib-seele\/deutsches-sportabzeichen-eine-million-kugelstosser-12554820.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/leib-seele\/deutsches-sportabzeichen-eine-million-kugelstosser-12554820.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Deutsche Sportabzeichen, die Fitnessauszeichnung f\u00fcr Freizeitsportler, wird 100. 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