{"id":18255,"date":"2013-09-17T12:32:39","date_gmt":"2013-09-17T12:32:39","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18255"},"modified":"2013-09-17T12:32:39","modified_gmt":"2013-09-17T12:32:39","slug":"ein-neues-leben-fur-den-cantor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18255","title":{"rendered":"Ein neues Leben f\u00fcr den \u201eCantor\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der britische S\u00e4nger Cliff Richard ist im Nebenberuf Winzer. Und hat aus Versehen mal den eigenen Wein verteufelt. Zu Besuch auf seinem Weingut an der Algarve.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">W\u00e4hrend auf den br\u00fchhei\u00dfen Gehsteigen von Albufeira tiefbraune Touristenk\u00f6rper eng aneinander vorbeischlappen, sitzt f\u00fcnfzehn staubige Autominuten landeinw\u00e4rts ein Mann unter einem Sonnensegel auf einer Picknickbank. Ihn umgeben 25 Hektar sauber aneinandergereihte Rebst\u00f6cke, die aus ziegelrotem Sandboden sonnenhungrig dem azurblauen portugiesischen Himmel entgegensprie\u00dfen. Vom Atlantik am Horizont weht eine k\u00fchle Brise und kitzelt die herzf\u00f6rmigen Bl\u00e4tter von Syrah, Aragon\u00eas, Alicante Bouschet und Verdelho.<\/p>\n<p>\u201eVon meiner K\u00fcchenterrasse aus kann ich den Trauben beim Wachsen zuh\u00f6ren\u201c, erz\u00e4hlt Sir Cliff Richard. Er redet gern, wirkt gutgelaunt, sehr konzentriert. Immerhin, 55 Jahre Showgesch\u00e4ft sind eine lange Zeit, um an der eigenen Performance zu feilen.<\/p>\n<p>Sir Cliff Richard, 73, ist der inoffizielle Botschafter von Albufeira an der Algarve. Eine Stra\u00dfe tr\u00e4gt seinen Namen. Taxifahrer br\u00fcsten sich ungefragt mit dem Ehrenb\u00fcrger. Lebensgro\u00dfe Pappaufsteller des perlwei\u00df l\u00e4chelnden K\u00fcnstlers schm\u00fccken die Schaufenster familienbetriebener Weinl\u00e4den. Richard ist hier mehr als der S\u00e4nger aus England. Er ist der S\u00e4nger mit der Weinkellerei. Der \u201eAdega do Cantor\u201c.<\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\">initGMaps('37.085225', '-8.257794', 15 - 1, true, 'Albufeira','Selbst eine Stra\u00dfe ist nach Cliff Richards benannt. <br \/>', 'GeoMapArticleVolltext')-<\/script><span class=\"GeoMapZoomLink\"><a title=\"Vergr\u00f6\u00dfern\" href=\"?selectedTab=geodata&#038;showMarginalSlot=0&#038;action=geodata\" onclick=\"openArticleTab('geodata', 0, 'article')-return false-\"><img decoding=\"async\" src=\"\/img\/icon_enlarge.gif\" alt=\"Vergr\u00f6\u00dfern\"><\/img><\/a><\/span><span class=\"GeoMapBottom\"><\/span><\/p>\n<p>Schon seit 1961, als Albufeira noch ein verschlafenes Fischerdorf war, verbrachte Cliff Richard hier seinen Urlaub. Doch dann entdeckten britische Touristen das Paradies f\u00fcr sich. Fans begannen, ihn bei der Tennispartie zu st\u00f6ren. Es war an der Zeit, sich landeinw\u00e4rts eine neue Idylle zu suchen. In Guia lebt er auf seiner \u201eQuinta do Moinho\u201c &#8211; einem bewirtschafteten Hof, Windm\u00fchle inklusive &#8211; ungest\u00f6rt von den Touristen im Ort.<\/p>\n<p>Auch eine Sangeskollegin ist von Richard ist Lokalpromi in Albufeira, wenn auch mit etwas mehr Bodenkontakt. \u201eNeulich sah ich Bonnie Tyler mit ihrem Mann in einem ganz normalen Restaurant\u201c, berichtet ein eifriger Taxifahrer. \u201eBinnen k\u00fcrzester Zeit hatte sich eine Menschentraube um sie versammelt und wollte Autogramme.\u201c<\/p>\n<h2>Ungest\u00f6rtes Kokondasein<\/h2>\n<p>Richard kennt das. Viel besser als das Pop-Leichtgewicht Tyler. Immerhin landete er beim Eurovision Song Contest zweimal auf Platz zwei. Weltweit stehen 250 Millionen seiner Platten in den CD-Regalen ohrwurmaffiner Menschen. F\u00fcnfzig Millionen Euro ist er schwer. Deshalb kann er sein ungest\u00f6rtes Kokondasein in Guia genie\u00dfen, w\u00e4hrend Tyler ihr Chicken Piri-Piri in Touristenrestaurants essen muss.<\/p>\n<p>Seine Farm hat er 1993 samt H\u00fchnern, Bauern, Olivenhainen und Feigenb\u00e4umen \u00fcbernommen. Er wollte, dass sich sein Hof finanziell selbst tr\u00e4gt, und seine Berater meinten, er k\u00f6nne entweder Feigensirup oder Wein herstellen. Die Entscheidung fiel ihm nicht schwer. In diesem Jahr feiert sein Weinbetrieb \u201eAdega do Cantor\u201c zehnj\u00e4hriges Bestehen.<\/p>\n<h2>Neues Leben taufte Richard seinen Wein<\/h2>\n<p>Es ist eine Boutique-Weinkellerei. Gerade mal 130.000 Flaschen produziert sie j\u00e4hrlich, sieben Mitarbeiter z\u00e4hlt das Team. Zur Weinlese arbeiten sich 15 Saisonarbeiter in vier- bis sechsw\u00f6chiger Handarbeit mit der Schere durch die Weinberge, auf denen f\u00fcnfzig Fu\u00dfballfelder Platz finden k\u00f6nnten. Zum Abf\u00fcllen, Verkorken und Etikettieren f\u00e4hrt eine mobile Einheit vor. F\u00fcr die kleinen Weinbetriebe in der Algarve rentiert sich eine eigene Abf\u00fcllanlage nicht.<\/p>\n<p>\u201eVida Nova\u201c &#8211; Neues Leben &#8211; taufte Sir Cliff seinen Wein. \u201eDie Weinberge haben meiner Farm, aber auch dem Weinbau an der Algarve neues Leben eingehaucht\u201c, sagt er. \u201eAls wir anfingen, gab es gerade mal drei Weinbetriebe hier. Heute sind es 25!\u201c<\/p>\n<p>Im Taxi vom Flughafen Faro nach Albufeira berichtet der Fahrer von Touristen, denen der Umtrunk aus dem Hause \u201eAdega do Cantor\u201c nicht sonderlich mundete. Kopfschmerzen sollen sie bekommen haben. Doch Wein ist Geschmacksache, und wen k\u00fcmmert schon, was einzelne Touristen sagen?<\/p>\n<p>Anders sieht das aus, wenn der Winzer selbst seinen Tropfen als billigen Fusel abtut. Genau das tat Sir Cliff n\u00e4mlich versehentlich bei einer Blindverkostung. \u201eDen Wein hier w\u00fcrde ich nicht kaufen\u201c, sagte er mit angewidertem Gesichtsausdruck, als h\u00e4tte er in eine Zitrone gebissen. \u201eWenn doch, dann nur f\u00fcr 2,50 Pfund. Aber dann w\u00fcrde ich ihn nur Leuten vorsetzen, die ich nicht leiden kann.\u201c Hoppla. Was war da los?<\/p>\n<p>Juni 2006. Der britische Promi-Koch Gordon Ramsay, das sadistische Pendant zu Schwiegermutters Liebling Jamie Oliver, lie\u00df Sir Cliff in seiner Kochsendung \u201eThe F Word\u201c blind mehrere Weine verkosten. Sir Cliff warnte zwar, er sei kein Wein-Connaisseur, aber er k\u00f6nne mit Gewissheit sagen, was ihm schmecke und was nicht. F\u00fcr den letzten Wein &#8211; seinen \u201eVida Nova\u201c 2004 &#8211; galt letzteres. Als der Promi-Koch dem S\u00e4nger offenbarte, dass er gerade seinen eigenen Wein verunglimpft hatte, nahm dieser sympathisch-authentisch einen letzten Schluck und best\u00e4tigte etwas verwundert: \u201eIt is a bit harsh!\u201c (\u201cEr ist ein bisschen herb!\u201c)<\/p>\n<h2>Muss Cliff Richard seinen Wein \u00fcberhaupt m\u00f6gen?<\/h2>\n<p>Doch Ramsay betrieb, wie so oft, ein b\u00f6ses Spiel. Der letzte Tropfen unmittelbar vor Cliff Richards \u201eVida Nova\u201c war ein edler Puligny-Montrachet, Jahrgang 2004, gewesen. Preis: 190 Euro. Sicher, nach einer Probefahrt im BMW M6 mag ein Fiat Panda wenig reizvoll anmuten, auch wenn der Kleine in seiner Klasse zu den Gr\u00f6\u00dften geh\u00f6rt. Den \u201eVida Nova\u201c f\u00fcr 7,50 Euro nach einem Puligny-Montrachet zu servieren, sei kein Fairplay, so verteidigt die Weinkellerei des S\u00e4ngers dieses Marketing-Katastr\u00f6phchen.<\/p>\n<p>Aber muss Cliff Richard seinen eigenen Wein \u00fcberhaupt m\u00f6gen? Ja, mehr noch: Kann er ihn \u00fcberhaupt m\u00f6gen? Die Popikone hat die gehobenen Geschmacksvorlieben und den Geldbeutel eines Selfmade-Million\u00e4rs. Seine vorwiegend weiblichen Anh\u00e4ngerinnen hingegen haben Gaumen und Gehalt des Normalmenschen. Ein Cliff-Richard-Wein muss der Friseurin aus Birmingham schmecken und f\u00fcr das Damenkr\u00e4nzchen in Newcastle erschwinglich sein. Und das leistet er. Sogar mehr als das. Schon tr\u00f6pfelte es Gold-, Silber- und Bronzemedaillen bei internationalen Weinwettbewerben, zuletzt auch bei der Berliner Wein Trophy 2011 f\u00fcr den \u201eVida Nova Branco Verdelho Arinto\u201c.<\/p>\n<p>In den Weinen von Sir Cliff mag nicht sein Herzblut stecken. Aber sein kleiner Betrieb ist ihm ein kreativer Zeitvertreib und kleiner Nebenverdienst. Schlie\u00dflich l\u00e4sst sich mit Tontr\u00e4gern allein heute keine goldene Nase mehr verdienen.<\/p>\n<h2>Leben ohne Wecker<\/h2>\n<p>Wenn er nicht hier ist, lebt er das Leben eines Globetrotters. Vergessen sind dann seine Weinberge, Hof und Hund in der Obhut seines G\u00e4rtners. Richard verbringt nur die Sommermonate an der Algarve. Den Rest des Jahres lebt er entweder auf Barbados oder besucht Freunde in New York oder Fort Lauderdale. Auch im englischen Berkshire hat er noch ein Apartment. \u201eIch reise viel\u201c, sagt er mit der Selbstverst\u00e4ndlichkeit des kinderlosen Singles. \u201eZu Hause f\u00fchle ich mich \u00fcberall. Ob in Barbados oder New York. Aber wenn ich hier in Portugal ankomme, denke ich schon: Ach, es ist sch\u00f6n, zu Hause zu sein.\u201c Dann schiebt er hinterher, dass Portugal nat\u00fcrlich auch Urlaub f\u00fcr ihn sei. \u201eAber ich muss mir beim Sonnenbaden nicht die Kopfh\u00f6rer aufsetzen, um die Songs f\u00fcr meine n\u00e4chste Tour einzustudieren.\u201c<\/p>\n<p>Den Wecker stellt sich Richard an der Algarve schon lange nicht mehr. Wenn er hier ist, spielt er Tennis oder stemmt Gewichte in seinem hauseigenen Fitnessraum. \u201eIch habe zwar auch ein Laufband, aber nur f\u00fcr meine Freunde. Ich selbst benutze es nicht, denn ich will ja kein Gewicht verlieren.\u201c Wer Cliff Richard pers\u00f6nlich erlebt, kann best\u00e4tigen, dass er das auch nicht braucht. Der Mann ist fit wie mancher mit Mitte drei\u00dfig nicht. Er geh\u00f6rt, wie Mick Jagger und Peter Maffay, zu einem Schlag von Entertainern, f\u00fcr die es zu ihrem Vertrag mit dem Publikum geh\u00f6rt, die Illusion der Unzerst\u00f6rbarkeit des K\u00f6rpers zu verkaufen.<\/p>\n<h2>Di\u00e4tplan statt Rock&#8217;n&#8217;Roll<\/h2>\n<p>Seit ihn 1963 eine Figur in der Serie \u201eCoronation Street\u201c, dem britischen Pendant zur \u201eLindenstra\u00dfe\u201c, als pummelig bezeichnete (\u201eOh, I love that chubby Cliff Richard!\u201c) und damit bei ihm ein mittleres Trauma ausl\u00f6ste, h\u00e4lt er strenge Di\u00e4t. \u201eIch folge einem Ern\u00e4hrungsplan, der auf meiner Blutgruppe basiert. Als Typ A bin ich so gut wie Vegetarier, aber nur fast.\u201c Fisch k\u00f6nne er essen, allerdings kein Fleisch, keine Krustentiere, Weizenprodukte, Milchprodukte, Kartoffeln, Tomaten, Mangos, Auberginen oder Papaya.<\/p>\n<p>Das laut Di\u00e4tplan vorgeschriebene Verh\u00e4ltnis zwischen \u201epositivem\u201c und \u201enegativem\u201c Essen ist 80 zu 20. Er aber isst freiwillig 90 zu 10. Ehrgeiz, Selbstdisziplin und eiserner Wille, das sind die Stoffe, aus denen Cliff Richard gemacht ist. Deshalb ging er auch nie in die Sex-Drugs-and-Rock-\u2019n\u2019-Roll-Falle. Da ist einfach kein Suchtpotential: \u201eWenn man sich einmal bewusst macht, wie viele tausend andere Lebensmittel es gibt, ist es wirklich nicht schwer.\u201c<\/p>\n<p>Aber wenn er doch mal s\u00fcndigt, womit verw\u00f6hnt er sich dann? \u201eGestern Abend habe ich mir einen Dirty Martini gemixt, obwohl Hochprozentiges f\u00fcr mich eigentlich ein absolutes No-Go ist\u201c, gesteht er. \u201eUnd bald fliege ich in die Staaten, und das Erste, was ich mir dort g\u00f6nnen werde, ist ein saftiges Steak mit gebratenen Zwiebeln und Rahmspinat.\u201c<\/p>\n<p>Und wer wei\u00df, vielleicht serviert das Steak House ihm dazu ja einen Wein aus dem Hause Bob Dylan. Der macht n\u00e4mlich ebenfalls in Winzer.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/essen-trinken\/cliff-richards-weingut-ein-neues-leben-fuer-den-cantor-12564056.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/essen-trinken\/cliff-richards-weingut-ein-neues-leben-fuer-den-cantor-12564056.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der britische S\u00e4nger Cliff Richard ist im Nebenberuf Winzer. Und hat aus Versehen mal den eigenen Wein verteufelt. 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